Ausstellung Holocaust Karikaturen in Teheran

14. August 2006 - 22:19

ATMO Ausstellung

Eigentlich ist alles so wie bei einer üblichen Ausstellungseröffnung in Teheran. Selbstverständlich gibt es wegen des Alkoholverbots keinen Sekt, aber Fruchtsäfte und süßes Gebäck werden gereicht. Im Hintergrund plätschert Musik vom Band, während die Besucher die Wände entlang interessiert von Bild zu Bild schlendern.

Neu ist der Ausstellungsort, ein wunderbar restauriertes zweigeschossiges Stadthaus im Zentrum der Stadt, das nun als „Museum für palästinensische zeitgenössische Kunst“ dienen soll. Zur Eröffnung werden Zeichnung des „Internationalen Holocaust Karikaturenwettbewerb“ gezeigt.

Veranstalter ist das „Haus der Karikaturen“, das äußerst rege Zentrum für Karikaturisten im Iran, das im Alltag die Teilnahme von iranischen Künstlern an internationalen Wettbewerben unterstützt, ausländische Gäste einlädt oder Werkschauen organisiert. Auf der Webseite der Organisation sind u.a. die Preisträger des anlässlich der Weltmeisterschaft ausgeschriebenen Wettbewerbs „Faszination Fußball“ zu finden.

Ursprünglich hatte Hamshari, die größte iranische Tageszeitung, im Februar dieses Jahres den Holocaust-Wettbewerb ausgelobt. Es hagelte internationale Proteste und die Verantwortlichen der Zeitung waren mit ihrer eigenen Idee nicht mehr so sonderlich glücklich. Das „Haus der Karikaturen“ ist in die Lücke gesprungen. Massoud Shojai Tabatabai ist der Direktor.

O-TON 1

Nach der Veröffentlichung der beleidigenden Mohammad Karikaturen in Dänemark, haben wir begonnen, über den Holocaust zu debattieren und wir stießen auf zwei Fragen. 1. wo sind die Grenzen der Meinungsfreiheit im Westen? 2. Wie kommt es, dass im Westen Karikaturisten den Propheten Mohammad beleidigen können, aber wenn sie den Holcaust thematisieren, bestraft werden?

Das, was man im Iran für ein westliches Tabu halt, die Leugnung des Holocaust, will man mit dem Wettbewerb durchbrechen. Aus 1193 Einsendungen aus 61 Ländern, hat man 204 ausgesucht, die in der Ausstellung nun zu sehen sind. Am 24. August sollen die Preisträger bekannt gegeben werden. Der erste Preis ist mit 12.000, der zweite mit 8.000 und der dritte Preis immerhin noch mit 5.000 Dollar dotiert. 12.000 Dollar sind mehr als zwei durchschnittliche Jahresgehälter im Iran.

Eine Zeichnung, die direkt am Eingang hängt, mag das sein, was sich die Veranstalter ursprünglich einmal gedacht haben. Zu sehen ist ein Arm mit einem Judenstern, der einen riesigen Ballon mit der Aufschrift „Holocaust“ festhält. Von links kommt ein zweiter Arm, Aufschrift: Iran, der in der Hand eine lange Nadel hält, die gleich dem Ballon zum Platzen bringen wird.

Es gibt eine Reihe von Bildern, die den vermeintlichen „Mythos Holocaust“ enttarnen wollen. Dominierender ist aber ein anderes Thema. So ist zum Beispiel ein Sarg zu sehen, der von Juden zu Grabe getragen wird. An der Seite sind drei Schiessscharten angebracht, aus denen heraus auf Palästinenser geschossen wird. Gemeint ist, was man im Iran (aber nicht nur hier) unter dem Missbrauch des Holocaust versteht. Israel mache sich den Holocaust zu nutzen, um die Misshandlung und Tötung von Palästinensern moralisch zu rechtfertigen.

Ein drittes Motiv ist die Gleichsetzung der israelischen Politik mit der Politik der Nationalsozialisten. Auf einem Bild sperrt ein Hitler mit einem Davidstern Palästinenser in ein KZ. Auf einem anderen schaut Hitler aus dem Turm eines israelischen Panzers, der palästinensische Häuser niederwalzt.

So spiegelt die Ausstellung recht exakt die drei wichtigsten Elemente wieder, auf die sich der in der islamischen Welt weit verbreitete Anti-Zionismus resp. Anti-Semitismus stützt. Die Grenzen zwischen der Ablehnung des Staates Israel und dem offenen Rassismus gegenüber Juden ist dabei diffus und fließend.

Den Besuchern gefällt, was sie sehen.

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Mir gefällt zum Beispiel die Zeichnung mit der Freiheitsstatue in New York. Sie zeigt, dass sie im Westen ständig von Freiheit reden, aber selbst nicht daran glauben.

… so diese junge Studentin.

Wenn etwas kritisiert wird, dann allenfalls, dass mit den Zionisten resp. Juden nicht schärfer zu Gericht gegangen wird.

O-TON 3

Die Kritik ist nicht scharf genug.

Vor allem zwei Eindrücke bleiben, wenn man die Ausstellung verlässt.

Zum einen fällt auf, dass es sich nicht um grobgekritzelte Schmierereien handelt, sondern da waren hochbegabte Künstler am Werk, die ihr Talent auf erschreckende Weise missbrauchen.

Zum zweiten ist die Normalität, die völlige Selbstverständlichkeit zutiefst beunruhigend, mit der diese Ausstellung sowohl gezeigt wie angeschaut wird. Die Ahnungslosigkeit ist abgrundtief, und wer vielleicht doch ein wenig von der systematischen Vernichtung der Juden weiß, der überlässt seinem Hass auf Israel und auf die Juden allgemein die Oberhand.

Von der staatlichen Propaganda wie von Politikern eines Schlages Ahmadinejad werden diese Emotionen noch weiter geschürt und instrumentalisiert.

Am Eingang des Gebäudes hängt das Plakat zu dieser bedrückenden Veranstaltung. Auf ihm ist das Wort „Holocaust“ falsch geschrieben. Es fehlt das „A“. Nicht einmal so weit reichen die Kenntnisse.