Iran: Junge Wähler

18. March 2008 - 15:57

Mittagspause in dem Klempnerladen in einer kleinen Seitenstrasse vom Enghelob Platz mitten im Zentrum von Teheran. Alireza Talebzadeh nutzt die Gelegenheit, um vor dem Geschäft seines Vaters ein wenig frische Luft zu schnappen.

Politik ist eigentlich nicht so seine Sache. Mit 20 beginnt die Zeit, wenn man den Kopf voller anderer Dinge hat. Heiraten beispielsweise. Eine angehende Braut hat er, aber nicht das Geld, um einen eigenen Hausstand zu gründen.

Auch wenn er sich nicht für Politik interessiert, ist es für ihn selbstverständlich, wählen zu gehen.

O-TON 1

Seit ich 15 bin, habe ich an jeder Wahl teilgenommen.

Im Iran kann man schon ab 15 wählen. Sein Vater nickt beifällig und das Nicken wird noch zustimmender, als Alireza erzählt, warum er auch diesmal gewählt hat, obwohl viele Kandidaten nicht zugelassen wurden.

O-TON 2

Es ist besser als nichts. Wählt man nicht, dann gewinnen die Leute, die man nicht will.

Erst wollte er nicht so recht sagen, wen er denn gewählt hat, aber dann räumt Alireza ein, dass er mit seiner Wahlentscheidung nicht immer eine glückliche Hand gehabt hat.

O-TON 3

Ich habe in beiden Wahlgängen für Präsident Ahmadinejad gestimmt, aber jetzt habe ich damit so meine Probleme

Es gibt nicht wenige Wähler, die von ihrer Stimme für Ahmadinejad enttäuscht sind, aber es ist nicht so einfach, unter den jungen Menschen in Teheran einen so treuen Wähler wie Alireza zu finden.

Typischer sind Antworten wie diese

O-TON 4

No, I don’t care. [Original]

Wahlen interessieren sie nicht, sagt Zahrah, und die Antwort auf die Frage nach dem Warum ist schlicht und einfach.

O-TON 5

I don’t like this goverent and anything about this country. [Original]

Sie möge weder die Regierung noch sonst etwas in diesem Land, und sie fügt hinzu:

O-TON 6

A lots of young population they don’t like this government. [Original]

Viele junge Menschen würden die Regierung nicht mögen.

Shervin mochte am letzten Freitag zumindest nicht wählen und blieb einfach im Bett.

O-TON 7

Es war mir nicht wichtig. Es macht keinen Unterschied, wer gewählt wird und wer nicht.

Leylah Abolfatih, die Architektur studiert, hat es sich nicht ganz so einfach gemacht. Sie war bis zum Morgen unentschieden, ob sie wählen gehen sollte oder nicht, und hat sich schliesslich entschlossen, doch lieber nicht zur Wahlurne zu gehen.

O-TON 8

Die Kandidaten, die ich gewählt hätte, durften nicht teilnehmen, und Wählen hätte bedeutet, dass ich bereit bin, bei diesem Spiel mitzumachen.

Anders als viele ihrer Altersgenossen hat sie aber die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass sich die Dinge vielleicht doch noch mal ändern könnten.

O-TON 9

Ja, das Land kann sich zum besseren ändern, aber nicht mit diesen Leuten und dieser Regierung, sondern nur mit Politikern, die bereit sind, wirklich Reformen durchzusetzen.

Allerdings, so schränkt sie ein, wird es noch einige Zeit dauern, bis es soweit ist.