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Großstadt Teheran


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ATMO 01

[Teheran Verkehr]

In einem populären Reiseführer heißt es über Irans Hauptstadt Teheran: “Traurigerweise existiert nicht der geringste Hauch des Orients mehr. Am besten man versucht, die Stadt so schnell wieder zu verlassen, wie man gekommen ist.“

Kaum ein Einheimischer würde diesem harschen Urteil wiedersprechen. Maryam Javadi wurde vor 61 Jahren in der Stadt geboren und hat nie woanders gelebt.

O-TON 01

Wenn ich mir das heutige Teheran anschaue, werde ich ganz traurig. Die Stadt ist ein überfüllter, lärmender Moloch geworden. Ich habe nicht nur Mitleid mit den Bäumen, die alle wegen der Luftverschmutzung eingehen, sondern auch mit den Menschen. Niedergedrückt und müde schleppen sie sich lustlos durch die Strassen.

Schuld, sagt die Bibliothekarin, sei die Bevölkerungsexplosion. Im Jahr 1930 zählte Teheran 300.000 Einwohner, 1960 waren es 2 Millionen, heute sind es je nach Zählweise zwischen acht und 13 Millionen. Die Armut auf dem Land hat viele Menschen in die Stadt getrieben.

Wer heute beispielsweise auf dem Medun-e Enghelob, dem grauen und gesichtslosen Platz der Revolution im Zentrum steht, muss gleich doppelt um sein Leben fürchten. Zum einen droht ihm Gefahr von den Autos und den vielen kleinen Motorrädern, die sich verbissen und gegen alle Verkehrsregeln Millimeter um Millimeter voranzukämpfen versuchen. Glücklich ist, wer als Fußgänger die Straßenseite nicht zu wechseln braucht.

Zum zweiten droht der Tod durch Luftverschmutzung. Nach Angaben des städtischen Beauftragten für den Kampf gegen die Luftverschmutzung raffen die Abgase jedes Jahr 9.900 Menschen hin – die 4.600, die jährlich aufgrund all des Drecks einen tödlichen Herzinfarkt erleiden, nicht mitgezählt.

O-TON 02

Es gibt Tage, da kann ich nicht atmen und ich kann meine Kinder nicht aus dem Haus lassen – klagt diese Hausfrau. Für alte Leute ist es völlig unerträglich.

Neben die eintönige, wild wuchernde Architektur gesellt sich zudem ein ebenso tristes öffentliches Leben. Es existieren zwar ein Theater, ein Konzertsaal sowie mehrere Kulturhäuser und Kinos, aber kaum jemand hat wirklich Lust, abends auszugehen. Freunde trifft man ungestört von den islamischen Anstandsregeln lieber zu Hause. Die abendlichen Strassen sind verödet und ein Nachtleben sucht man vergeblich.

Vor allem für junge Leute wie Tara hat Teheran wenig zu bieten.

O-TON 03

Wir haben so viel Energie für Singen und Tanzen und andere Dinge, aber es gibt keinen Ort, wo wir hingehen können. Nur Reiche haben ein Auto und können es sich leisten, jeden Abend zu irgendeinem Restaurant zu fahren.

ATMO

[Berge]

Wer die Möglichkeit hat versucht wenigstens zum Wochenende der Stadt zu entkommen. Tausende fahren Donnerstags und Freitags in die Berge, die im Norden Teherans steil empor steigen. Um einmal richtig durchzuatmen nehmen sie abermals Verkehrsstaus in Kauf und treffen statt auf ein ruhiges Stück Natur auf den selben Trubel, dem sie zu entfliehen versuchten.

O-TON 04

An den Wochenenden sind hier mehr Menschen als im Zentrum von Teheran – klagt dieser Student. Schauen sie sich den Müll an, der überall herum liegt. Wenn man wirklich ein wenig Ruhe haben will, muss man schon die vier Stunden bis ganz oben in die Berge hinauf klettern. Da fragt man sich schon, warum man überhaupt hierher gekommen ist.

Die Stadtverwaltung bemüht sich, den Moloch Teheran zu bändigen. Immerhin wird noch täglich der Müll abgeholt, an einer Ausweitung des U-Bahnnetzes wird gearbeitet, mit neuen Regeln soll der Verkehr gebändigt und die Abgase verringert werden. Und nachts um vier, wenn die Stadt ein wenig zur Ruhe gekommen ist, kann man den Straßenfeger hören, der bei funzeliger Beleuchtung seiner Arbeit nachgeht.

ATMO

[Strassenkehrer]

Aber die Dinge sollen besser werden.

Während Präsident Ahmadinejad in seiner Amtszeit als Bürgermeister der Stadt nicht viel mehr als ein paar Wendepunkte auf den Stadtautobahnen hinterlassen hat, ist von seinem Nachfolger Mohammad-Baqer Qalibaf, der ebenfalls Ambitionen auf das Präsidentenamt hat, zumindest zu spüren, dass die Stadtverwaltung sich um eine Veränderung bemüht. Erstmals wurde ein Bebauungsplan erstellt. Öffentliche Bauvorhaben werden halbwegs termingerecht fertiggestellt und die neuen U-Bahn-Linien sollen tatsächlich Mitte nächsten Jahres in Betrieb genommen werden. Die Parks sind gepflegt, neue Bushaltestellen wurden in der gesamten Stadt aufgestellt und städtische Sammeltaxis sollen das Verkehrsaufkommen reduzieren.

Massoumeh Ebtekar ist eine der wenigen Reformer im 15köpfigen Stadtrat. Berühmt wurde sie als Sprecherin der Besetzer der amerikanischen Botschaft 1980, wo sie in perfektem Englisch der internationalen Presse Interviews gab. Im Kabinett von Reformpräsident Khatami war sie die erste Vize-Präsidentin des Landes und für den Umweltschutz zuständig. Nun arbeitet sie daran, aus Teheran eine Stadt zu machen, in der es sich leben lässt.

O-TON 05

Das größte Problem, das wir in Teheran haben, ist das Fehlen jeglicher städtischen Planung in der Vergangenheit. Teheran ist ohne einen entsprechenden Plan und ohne jegliches Management gewachsen. Das hat zu einem Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen und dem, was an Ressourcen zur verfügt steht geführt. Nehmen sie als Beispiel nur das Wasser. Teheran verfügt gemessen an der Bevölkerungszahl nur über sehr wenig Wasser. Deshalb erleben wir ständig Wasserknappheit. Ein anderes Beispiel ist die Luftverschmutzung. Wir haben aber jetzt den ersten umfassenden Entwicklungsplan für die Stadt verabschiedet und wir werden in wenigen Monaten damit beginnen, ihn umzusetzen.

Vielleicht liegt es an ihrem politischen Amt, dass Ebtekar eine der wenigen Teherani ist, die die Stadt tatsächlich auch für schön halten.

O-TON 06

Ich denke, Teheran ist eine der schönsten Städte der Welt. Die majestätischen Alborz Berge im Hintergrund – im Winter die Spitzen mit Schnee bedeckt und im Sommer das Leuchten des Grüns. Dies ist auf jeden Fall eine wunderschöne Stadt.

Sie wäre natürlich noch ein wenig schöner, wenn man bei all dem Smog die Berge vom Stadtzentrum auch tatsächlich sehen könnte.

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