Iran - Inflation

Glaubt man Ali Razeni, dann sind seine Kunden selber Schuld.

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Einige der Kunden fragen nicht einmal nach dem Preis. Viele von ihnen rufen einfach an und bestellen etwas ohne zu fragen, wie teuer es ist. Und sie vergleichen nicht. Hier in dem Laden nebenan kosten die Pfirsiche beispielsweise 300 Toman mehr pro Kilo.

Aber dann kratzt sich Razeni am Kopf, denkt einen Moment nach und gesteht dann ein:

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Nun ja, die Kunden haben ja keine andere Wahl. Beispielsweise bin ich heute zum Zentralmarkt gefahren. Erst gab es keine Bananen und die Lieferung, die dann kam, war teuerer als die Bananen zuvor. Was blieb mir übrig? Ich habe sie trotzdem gekauft und meine Kunden müssen natürlich höhere Preise zahlen.

Razeni, Besitzer eines kleinen Nachbarschaftsladen, in dem man das Gemüse und das Obst der Saison kaufen kann, ist leicht gereizt, wenn es um seine Preise geht. Zu oft muss er sich Klagen anhören und nicht selten, wird ihm die Schuld dafür gegeben, dass alles teurer wird.

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Wer soll das noch bezahlen? – klagt diese Hausfrau. Jedes Mal, wenn ich einkaufen gehe, ist irgendetwas schon wieder teuerer geworden. Ich kaufe schon die teuren Dinge nicht mehr, aber ich kann ja auch nicht hungern.

Nach amtlichen Angaben beträgt die Inflationsrate im Iran derzeit 27,6 Prozent. Allein die Lebensmittelpreise sind im September im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr um 50 Prozent gestiegen.

Das trifft vor allem Bezieher von festen Einkommen, Beamte, Lehrer, Rentner, aber auch die Einzelhändler spüren es in der Kasse. Reza Nouripour verkauft in seinem kleinen Laden auf der selben Strasse wie Gemüsehändler Razeni Getränke und Wurstwaren.

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Der Umsatz ist nur noch sehr gering. Normalerweise verkaufe ich während Ramadan an einem Tag für 70 oder 80.000 Toman. Dieses Jahr waren es im Durchschnitt nur 10 bis 15.000 Toman am Tag. Davon kann ich nicht einmal die Miete bezahlen.

Und es sind nicht allein die Lebensmittel.

Ali Boroujerdi besitzt ein Immobiliengeschäft.

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Schauen Sie selbst. Das Büro steht leer. Niemand hat mehr Geld. Ich muss aber meine Miete und meine Versicherung zahlen. Wenn das so weiter geht, muss ich zumachen.

Die Mieten sowie der Quadratmeterpreis für Neubauten haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt.

Wer hat also Schuld?

Immobilienhändler Boroujerdi:

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Es gibt auf dem Basar Leute, die sehr viel Geld verdienen, und Immobilien sind in unserem Land die beste Möglichkeit, sein Geld zu investieren. Das treibt die Preise in die Höhe.

Wursthändler Nouripour sieht die Schuld eher bei der Regierung.

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Nach meiner Meinung schießen die Preise in die Höhe, weil in diesem Land nichts richtig funktioniert. Die falschen Leute sitzen in der Regierung. Sie haben keine Kontrolle über die Dinge.

Ein Kunde, der vorbei gekommen ist, um ein wenig Aufschnitt zu kaufen, sieht es so ähnlich:

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Im Wahlkampf hat uns der Präsident versprochen, er wolle dafür sorgen, dass wir auch vom Ölreichtum des Landes profitieren. Der Iran wird zwar eine Atommacht, aber wir können uns fast das tägliche Essen nicht mehr leisten.

Ökonomen geben ebenfalls Präsident Ahmadinejad ein gehöriges Maß an Mitschuld an der Preisentwicklung. Zu großzügig und ohne jeden Verstand habe er sich aus den Öleinnahmen bedient, um sich damit die Gunst seiner Wähler zu erkaufen, statt das Geld in langfristige Entwicklungsprojekte zu investieren. Dadurch sei zu viel Geld im Umlauf.

Ahmadinedschad hat lange bestritten, dass überhaupt die Preise steigen. Dann hat er dem Ausland die Schuld gegeben. Schließlich hat er den Chef der Zentralbank gefeuert. Die Preise steigen weiter.

Ramin Ganji, eine kleine Plastiktüte mit Gurken und Tomaten an der Hand, hat bei den Wahlen für Ahmadinedschad gestimmt. Ein Fehler, sagt er heute.

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Der Mann versteht nicht das Geringste von Wirtschaft. Er spuckt große Töne, legt sich ständig mit dem Ausland an, aber im Inneren ruiniert er das Land. Bei den kommenden Wahlen werde ich es ihm heimzahlen.

Ganji steht mit dieser Meinung sicher nicht allein.

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