Leyla kehrt zurück

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[Teheran Strasse]

Die Bekleidungsvorschriften lassen in Teheran alle Frauen ähnlich aussehen. Leyla Mostafavis Mantel ist ein wenig kürzer als vorgeschrieben und der Schal bedeckt nicht alle Haare so wie es eigentlich sein müsste, aber sollte sie auf der Strasse von einem Sittenwächter kontrolliert werden, wird sie mit dieser Bekleidung wohl davon kommen.

Bis zum 12. Lebensjahr ist Leyla in Teheran aufgewachsen. Danach ist sie mit ihren Eltern nach Kanada gezogen, hat in London studiert und  ist nun mit 24 nach Teheran zurück gekommen. - Nach Teheran??

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Obwohl ich mich in Toronto und London wohl gefühlt habe, hatte ich nie das Gefühl, dass ich dort wirklich zu Hause war. Sobald ich angekommen war, wusste ich, hier gehöre ich her, dies ist meine Heimat. Hier bin ich geboren und hier ist meine Familie.

Leyla ist nicht zurück gekommen, um Karriere zu machen, das elterliche Erbe zu übernehmen oder Ahmadinejad zu stürzen. Sie will einfach nur ausprobieren, ob sie in ihrer “Heimat” Iran leben kann. Das machen viele Exil-Iraner. In jedem Flugzeug nach Teheran Ärzte, Geschäftsleute und Ingenieure, die mal schauen wollen, ob es nicht doch einen Weg zurück gibt. Sie alle kennen den Iran gut genug um zu wissen, dass sie Abstriche und Einschränkungen hinnehmen müssen. Aber sie sind – in Grenzen – dazu bereit. Heimat kann man sich halt nicht aussuchen.

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[Auto]

Es gibt Städte, in denen es sich einfacher leben lässt als ausgerechnet in der Hauptstadt des Iran. Städte mit Geschichte, Städte mit Charakter oder auch Städte mit weniger Verkehr.

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Ich bin mit dem Auto unterwegs und ich bin wirklich schockiert, denn die Strasse ist heute nicht so verstopft wie sonst. Das ist absolut ungewöhnlich. Normalerweise benötigt man 2 Stunden, um eine Strecke von 10 Kilometern zurück zu legen. Das war nicht der Fall, als ich aus dem Iran fortging. Der Verkehr hier macht einen völlig wahnsinnig.

Der erstickende Verkehr ist das Ergebnis eines explosionsartigen Wachstums. Im Jahr 1960 hatte Teheran 1 Millionen Einwohner. Heute sind es irgendwo um 12 Millionen oder auch mehr.

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[Baustelle]

Und die Stadt wächst und wächst. Überall wird gebaut. In der kleinen Strasse, in der sich Leylas Elternhaus befindet, in dem sie jetzt wieder wohnt, sind die Bäume abgeholzt worden und drei neue Wohnblocks wachsen Stein um Stein empor.

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Das ist nicht die einzige Strasse. Fast auf jeder Strasse in Teheran gibt es drei Baustellen. Vor 12 Jahren, als ich hier lebte, war es noch ganz anders. Normalerweise hatten die Leute Häuser mit großen Gärten – zumindest im Norden der Stadt. Allenfalls im Süden gab es ein paar Hochhäuser. Aber das ändert sich nun rasch. Teheraner haben angefangen, ihre Stadt „New York“ zu nennen. Baustellen gibt es inzwischen überall.

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[Park]

Selbst die kleinen Parks, die es über das Stadtgebiet verstreut immer noch gibt, bieten keine Zuflucht mehr. Leyla hat früher gern auf dem kleinen Flecken Grün zwei Blocks von der elterlichen Wohnung entfernt gespielt, dort ihre erste Zigarette geraucht. Leyla sitzt auf einer neu gestrichenen Parkbank, amüsiert sich über das Treiben um sie herum und fühlt sich gleichzeitig erschöpft.

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Die Moral-Polizei kontrolliert fast überall - besonders wo sich junge Leute gern aufhalten. Sie ermahnen einen ständig, Haare gucken hervor und man solle das Kopftuch zurechtrücken. Sie schaffen eine sehr angespannte Atmosphäre und man muss ständig sehr vorsichtig sein.

Manchmal beschleichen Leyla Zweifel, ob sie mit ihrer Rückkehr die richtige Wahl getroffen hat.

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Weil es wirklich frustrierend ist. Der Verkehr,  die Moral-Polizei. Die haben eine Art, einem wirklich Schuldgefühle zu verursachen, wenn die Kleidung nicht vorschriftsgemäss ist oder Haare hervorgucken.

Ein Jahr lang will Leyla Teheran eine Chance geben. Dann will sie entscheiden, ob sie wirklich den Rest ihres Leben in dieser Stadt verbringen will.

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