Diplomaten, die mit den Details der Verhandlungen zwischen dem EU Außenbeauftragten Javier Solana und dem iranischen Chefunterhändler Ali Larijani vertraut sind, klagen mehr oder weniger seit Beginn der Gespräche darüber, dass Larijani offensichtlich kein volles Mandat aus Teheran besitze. Immer wieder mache er Zugeständnisse, der er in der nächsten Gesprächsrunde wieder zurück nimmt oder er bittet um mehr Zeit, um Rücksprache mit Teheran zu nehmen.
Der Eindruck, dass Larijani mit Solana zwar eine Lösung zu finden versucht, wie eine Lösung des heiklen Problems der Aussetzung der Arbeiten an der Urananreicherung gefunden werden kann, um doch noch Verhandlungen zu ermöglichen, während im Iran mehr und mehr die Gruppen die Oberhand gewinnen, die jegliche Form eines Zugeständnisses und damit auch eine Aussetzung der Urananreicherung ablehnen.
Am Donnerstag sprach sich Präsident Mahmoud Ahmadinejad eindeutig gegen jede Form von Suspendierung aus.
“They asked for a one-day halt. We said we won’t do it,” he told thousands gathered in Karaj, west of Tehran. (AP)
Gestern zog sein Außenminister Manouchehr Mottaki nach.
“Iran does not see any reason to suspend nuclear activities,” state television quoted Foreign Minister Manouchehr Mottaki as saying, a day after another key round of talks between Iran and the European Union ended in Berlin. (AFP)
Er machte auch klar, warum der Hardliner-Flügel keine Not sieht, einzulenken.
Mottaki said Western countries “have found out that threatening language and a referral to the United Nations Security Council is not efficient and there is no way for them now but to negotiate.”
Übersetzt: die Hardliner glauben, die Gegenseite ist in einer zunehmend schwachen Position. Auch nach Ablauf des nächsten Ultimatums Anfang kommenden Monats wird sich der UN Sicherheitsrat nicht auf bedeutungsvolle Sanktionen gegen den Iran verständigen können und auch mögliche Militäraktionen der USA oder Israels werden nicht als unmittelbare Gefahr begriffen.
Es ist im Iran nicht unüblich, dass unterschiedliche Stimmen des Machtapparates sich mit unterschiedlichen Positionen zu Wort melden, und es ist schwer auszumachen, welche Gruppe letztlich die Oberhand behalten wird. Deutlich wird aber, dass Larijani, der einst als Architekt einer neuen iranischen Atom-Diplomatie galt, an Position eingebußt hat. Gleichzeit ist nicht zu übersehen, dass selbst dann wenn die Hardliner nicht den Kurs bestimmen sollten, ein heftiger Streit hinter den Kulissen, wie man in Zukunft gegenüber dem Westen agieren will, immer noch nicht zu einem Abschluss gekommen ist.
Bis Anfang Oktober wollen die P5+1 abwarten, ob eine Einigung mit dem Iran über die Vorbedingungen von Gesprächen möglich ist. Selbst wenn Solana bis dahin melden kann, er habe eine positive Reaktion erhalten, spricht alles dafür, dass Larijani nicht mehr als einen Zwischenstand der iranischen Debatte präsentiert hat.