Iran + US geben sich spröde
Nachdem der Rest der Welt es nahezu einmütig für eine gute Idee, hält wenn Washington und der Iran sich an einen Tisch setzen würden, um über die Stabilisierung des Iraks und vielleicht auch mehr zu reden, geben sich die beiden potentiellen Gesprächspartner recht spröde.
Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki, angesprochen auf das weltweite Gerede über direkte Gespräche, reagierte am Dienstag mehr als zurückhaltend.
“The position of the Islamic republic is clear. We are not asking for negotiations.” (AFP)
Aber er ließ die Möglichkeit offen, ein Angebot zu Gesprächen zu prüfen.
“To examine a request and to accept are two different things. We are ready to consider any kind of request but that does not mean that we would accept,” Foreign Minister Manouchehr Mottaki told reporters Tuesday.
Besonders optimistisch, dass es zu Gesprächen kommen könnte, verhielt er sich aber nicht, sondern verwies auf die Versuche im März / April dieses Jahres, miteinander ins Gespräch zu kommen.
“Before, some Iraqi officials asked for negotiations between Iran and the United States to help Iraq,” said Mottaki.
“Iran accepted but owing to the bad character of the United States and its desire to make propaganda, Iran cancelled,” he said. “There is no new decision.”
Auch Präsident Mahmoud Ahmadinejad wollte auf eine entsprechende Frage während einer Pressekonferenz gestern direkte Gespräche nicht ausschließen, nannte aber eine wichtige Nebenbedingung.
At the news conference, Ahmadinejad said: “We are after positive interaction with the whole world, excluding a country that we don’t recognize” — a reference to Israel.
“We won’t talk to the Zionist regime because it is a usurper and an illegitimate entity. But we will talk to the U.S. government under certain conditions. Should it correct its behavior, we will talk to them,” the president said. (AP)
Spezifischer wollte er nicht werden.
Diese Formulierung gehört eigentlich seit einem guten Jahr zu seinem Standardrepertoire und wäre er nicht von einem Journalisten gefragt worden, hätte er sich wahrscheinlich gar nicht zu diesem Thema geäußert. Aus diesen Sätzen eine neue iranische Gesprächsbereitschaft herauslesen zu wollen, wäre wohl verfrüht.
ABER: Teheran sagt auch nicht nein. Es kommt auf die Bedingungen solcher Gespräche an.
Die USA dagegen sprechen lieber über die Bedingungen für Gespräche und es klingt so, als würden sie die Gewissheit, dass der Iran diese Bedingungen nicht erfüllen wird, als sehr beruhigend empfinden.
Gordon Johndroe, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates:
“The collective attitude of the world is that Iran needs to play a constructive role in the region, not meddle in Iraq, and stop its enrichment activities.” (Reuters1)
US Außenministerin Condoleezza Rice:
“There is no lack of opportunity to talk to the Iranians. I think the question is: is there anything about Iranian behavior that suggests that they are prepared to contribute to stability in Iraq and I have to say that at this point, I don’t see it,” Rice told reporters as she flew to Hanoi for the Asia Pacific Economic Cooperation regional summit. (Reuters2)
Die iranische Haltung ist nachvollziehbar. Teheran sieht sich derzeit in einer Position der Stärke. Die Öleinnahmen haben sich auf einem für den Iran erfreulich hohen Niveau eingependelt. Die USA stecken im Irak tief in der Tinte und sind nicht in der Lage, ein neues militärisches Abenteuer zu wagen. Das Atomprogramm macht Fortschritte und ein zerstrittener UN Sicherheitsrat kann sich nicht einmal auf die einfachsten Sanktionen einigen. Der Einfluss in der Region wächst. Die von Teheran unterstützte Hisbollah hat Israel die Grenzen seines militärischen Handelns aufgezeigt. Im Irak stellen enge politische Verbündete die Regierung.
Nun kommt Washington, das in der Vergangenheit dem Iran nicht mal die Uhrzeit sagen wollte, und bittet um Hilfe, um das Chaos in Bagdad zu überwinden. Es ist nur verständlich, dass der Iran nun abwartet, was die USA für eine solche Hilfe anzubieten bereit sind. Die Zeit ist dabei auf iranischer Seite. Je länger die Situation im Irak anhält, um so größer wird der innenpolitische Druck für Bush, die Truppen wieder nach Hause zu holen.
Aber die USA?
Sie haben eigentlich kaum eine andere Alternative, als den Kontakt mit Teheran zu suchen. Der Iran ist eine Schlüsselfigur im Mittleren Osten, an der vorbei sich weder die Situation im Irak, noch im Libanon und auch nicht in Afghanistan stabilisieren, geschweige denn verbessern lässt.
Auch im Atomkonflikt bleibt eigentlich kaum noch eine realistische Alternative zu Gesprächen, bei denen zur Sprache kommt, was beiden Seiten auf den Nägeln brennt: Verzicht auf Anreicherung und konstruktivere Haltung Teherans bei der Lösung der Konflikte in der Region auf der einen Seite, Verzicht auf Regimewechsel, Aufhebung der Sanktionen und Anerkennung Irans als mittlere Macht in der Region auf der anderen Seite.
In den kommenden Wochen steht der Bericht der Iraq Study Group an, der Empfehlungen zur künftigen US Politik im in Irak abgeben wird. Zu den bereits jetzt diskutierten Optionen gehört die Einbeziehung des Irans wie Syriens in eine Lösung.
Bush’s chief of staff, Josh Bolten, said the White House would consider opening talks with Syria and Iran if Baker and Hamilton recommended it. (AP via NYT)
Wenn Bush Gespräche mit dem Iran wirklich in Erwägung ziehen würde, warum sagt er denn jetzt immer nein?
gepostet am 15. November 2006 um 08:04 von unter Diplomatie, Iran, USA, Mahmud Ahmadinejad, Manuchehr Mottaki, Condoleezza Rice, George W. Bush, Irak. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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