Olmert: Moment der Wahrheit
Die Welt hat nach Ansicht des israelischen Premierministers Ehud Olmert im Bezug auf den Iran den “Moment der Wahrheit” erreicht.
“We have reached the pivotal moment of truth regarding Iran,” Olmert said in a speech before a general assembly of North American Jewish communities gathered in Los Angeles.
“If Iran achieves the ability to produce nuclear weapons, as we know it is seeking to do, we will enter a new era of instability unlike any the world has ever seen,” he said, adding that “we cannot afford to wait.” (AFP)
Das klingt dramatisch (und soll wohl auch so klingen), aber ist beim näheren Hinschauen doch recht – hmmm - schwammig.
Was genau meint Olmert genau mit der „Fähigkeit, Nuklearwaffen zu produzieren?” Den ersten erfolgreichen Atomwaffentest? Davon ist der Iran nach allem was wir wissen noch Jahre entfernt. Den Besitz von ausreichend Uran zum Bau eines Atomsprengkopfes. Auch davon ist der Iran noch mindestens zwei Jahre entfernt. Den geschlossen Brennstoffkreislauf? Den hat der Iran in der Tat nahezu erreicht, aber von derzeit zwei Kaskaden mit jeweils 164 Zentrifugen bis zum Bau einer Bombe ist immer noch ein langer Weg. Dazwischen liegt nicht die nur die Produktion der ausreichenden Menge angereicherten Urans sondern auch die Beherrschung der recht komplizierten Technologie, daraus einen Sprengkörper zu machen.
Es gibt keinen seriösen Experten, der glaubt, dass der Iran in den kommenden fünf Jahren tatsächlich über eine Atomwaffe verfügen könnte.
Olmert rudert derzeit kräftig, um zu verhindern, dass sich die USA (und auch die Europäer) bereit erklären könnten, mit dem Iran am Verhandlungstisch einen Kompromiss zu suchen. Eine solche Lösung des Konfliktes, so befürchtet Olmert, könnte die israelischen Interessen nicht ausreichend berücksichtigen.
So warnt er vor einer „immanenten Gefahr” und versucht eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich jegliche Verhandlungen mit Teheran verbieten.
Die Drohung mit möglichen militärischen Operationen gegen die iranischen Atomanlagen ist dabei ein Mittel, eine angespannte Situation zu schaffen.
In einem heute veröffentlichten Interview gab sich der scheidende israelische Botschafter in Washington, Danny Ayalon, zuversichtlich, dass auch US Präsident George W. Bush nicht davor zurückschrecken werde, notfalls zu militärischen Mitteln zu greifen
“I know President Bush well … From his standpoint, a nuclear Iran, ayatollahs with a bomb, is unacceptable,” Danny Ayalon told Israel’s Ma’ariv newspaper.
“I have been privileged to know him well, he will not hesitate to go all the way if there is no choice.” (Reuters)
Laut Ayalon bemühe sich Bush derzeit um eine diplomatische Lösung. Klappe das nicht, werde er versuchen, den Iran mit Sanktionen international zu isolieren. Klappe das auch nicht, sei eine militärische Operation der nächste Schritt.
But if that tactic also failed to stem Iran’s nuclear plans, Ayalon said Bush would likely use air power combined with limited ground forces to attack Iran.
“Anyone who knows President Bush knows that he is very determined. He is convinced of the moral supremacy of democracies over dictatorships … If the sanctions succeed, all the better. Otherwise, he will act by all means possible, including military action,” he said.
Was aber, wenn - wie Bush’ eigene Militärberater sagen - die Chancen mit solchen Luftangriffen das iranische Nuklearprogramm zu stoppen, äußerst gering sind?
gepostet am 15. November 2006 um 08:05 von unter Militärische Optionen, Israel. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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