Big Guns

31. January 2007 - 09:02

Die US Army diskutiert Pläne nicht nur mit Spezialeinheiten sondern auch aus der Luft den (vermeintlichen?) iranischen Agenten im Irak nachzusetzen – so will es zumindest Julian E. Barnes für die LAT erfahren haben.

The efforts could include more forceful patrols by Air Force and Navy fighter planes along the Iran-Iraq border to counter the smuggling of bomb supplies from Iran, a senior Pentagon official said. He spoke on condition of anonymity because he was discussing future military plans.

Such missions also could position the Air Force to strike suspected bomb suppliers inside Iraq to deter Iranian agents that U.S. officials say are assisting Iraqi militias, outside military experts said.

The heightened role of U.S. air power in the volatile region is the latest sign of tension between President Bush and Iran’s leaders.


Könnte, sollte, würde?

Angeblich gibt es schon konkrete Planungen.

The Air Force already is gearing up for just such a role in Iraq as part of Bush’s planned troop increase, said a senior service official who spoke on condition of anonymity.

Geht es nur mir so, aber ich habe den Eindruck, als hätte schon jetzt das Gedrängel begonnen, in der ersten Reihe dabei zu sein, wenn es denn richtig gegen den Iran losgeht.

Iran + Libanon + Saudi Arabien

- 08:54

Als kleine Randnotiz, die vielleicht den Vorwurf, der Iran sei im Libanon der ärgste Störenfried und versuche – wie von der US Regierung behauptet – mit Hilfe der Hisbollah die Regierung in Beirut zu stürzen, ein wenig in die rechten Proportionen rückt.

U.S. ally Saudi Arabia said Tuesday it was working with Iran, America’s top rival in the Mideast, to find ways to ease the crises in Lebanon and Iraq — a departure from Washington’s confrontational stance toward Tehran. (AP)

Saudi Arabien unterstützt sowohl die Sunniten wie auch die westlich orientierten Kräfte im Libanon.

Gleichzeitig wirft diese Kooperation auch ein Licht auf die Beziehungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran. In den letzten Monaten hat sich dieses Verhältnis deutlich verschlechtert. Während des Krieges im Libanon im Sommer stellt sich das saudische Königshaus offen gegen die Hisbollah. Saudi Arabien warnte mehrfach öffentlich, dass es sich auf die Seite der Sunniten im Irak stellen werde, um den iranischen Einfluss einzudämmen. Die USA haben Saudi Arabien als Partner für eine Koalition zur Isolierung des Irans in der Region gewonnen.

Offensichtlich dominiert aber immer noch rationales Kalkül. Dort, wo eigene Interessen auf dem Spiel stehen, sind sowohl die saudischen Herrscher wie die iranische Führung zu einer Zusammenarbeit bereit.

Bush teilt Skepsis

30. January 2007 - 19:28

Während seiner gegenwärtigen PR Kampagne, mit der US Präsident George W. Bush seine Nahostpolitik zu verkaufen versucht, wurde er gestern in einem Interview mit National Public Radio gefragt, ob er das Misstrauen vieler Amerikaner verstehe, denen nach dem Fiasko im Irak nun neue Geheimdienstinformationen zum Iran präsentiert werden.

Bush acknowledged there was “a certain skepticism about (US) intelligence” on Tehran’s nuclear plans following the flawed case for war in Iraq.

“I’m like a lot of Americans that say, well, ‘if it wasn’t right in Iraq, how do you know it’s right in (Iran). And so we are constantly evaluating, and answering this legitimate question by always working to get as good intelligence as we can.” (AFP)

Vielleicht fällt diese Antwort in die Kategorie “tiefschwarzer Humor”.

Ernster sind die Drohungen gegenüber dem Iran, die Bush ein erneutes Mal wiederholte.

“If Iran escalates its military action in Iraq to the detriment of our troops and/or innocent Iraqi people, we will respond firmly.”

Einen Einmarsch in den Iran schloss er aber ausdrücklich aus.

“I don’t know how anybody can then say, ‘well, protecting the troops means that we’re going to invade Iran,’” he said.

“I have no intent upon going into Iran,” he added.

Zugleich warnte er davor, die Einmischung des Irans im Irak und die Kontroverse um das iranische Atomprogramm durcheinander zu bringen.

“One of the things that is very important in discussing Iran is not to mix issues … One is what is happening in Iraq. Another is their ambitions to have a nuclear weapon. And we’re dealing with this issue diplomatically.”

Mit “diplomatisch” meint Bush offensichtlich “nicht militärisch” denn offensichtlich hat er etwas anderes im Sinn, als sich mit der iranischen Seite an einen Tisch zu setzen und über eine Lösung zu verhandeln.

“The message that we are working to send to the Iranian regime and the Iranian people is that you will become increasingly isolated if you continue to pursue a nuclear weapon,” he said.

“The message to the Iranian people is that your government is going to cause you deprivation,” he said. “If your government continues to insist upon a nuclear weapon, there will be lost opportunity for the Iranian people.”

War da nicht vor nicht allzu langer Zeit das Versprechen, die amerikanischen Maßnahmen richteten sich allein gegen das Regime in Teheran und nicht gegen die Bevölkerung?

Nun ja, die Mehrheit der Iraner hat es allemal nicht geglaubt.

Iran: keine Aussetzung, keine Zentrifugen

- 18:05

Der stellvertretende Chef der iranischen Atomenergieorganisation, Mohammed Saeedi, erklärte heute, der Timeout-Vorschlag von IAEA-Chef ElBaradei sei nichts Neues und werde vom Iran auch nicht erwogen.

This official also regarding Mohammad ElBaradei suggestion, while noting that its specifications were still not clear, said that this suggestion was nothing new and that Iran did not consider it as a suggestion. (ISNA)

Der Sekretär des iranischen Nationalen Sicherheitsrates, Ali Larijani, der, wenn es um die Atomdiplomatie geht, einige Stufen höher in der politischen Hierarchie angesiedelt ist, hatte vorgestern noch etwas anderes gesagt.

“Iran needs time to review such an initiative to see whether it has the capacity to resolve Iran’s nuclear issue,” Iranian chief nuclear negotiator Ali Larijani said when asked about the ‘timeout’ proposal. (Reuters)

Nehmen wir also Saeedis Aussage also nicht als das letzte Wort.

Zum Thema „Installation neuer Zentrifugen”, zu der es in den letzten Tagen einige Verwirrung gegeben hatte, stellte die Nummer Zwei der Atomenergiebehörde noch einmal klar:

“We up to this point have not installed any centrifuges” he added.

Wann mit der Installation begonnen werden soll, sagte er nicht.

Explosively-Formed Projectiles

29. January 2007 - 18:42

In dem detailliertesten Artikel, den ich bislang zum Thema „iranische Waffen an irakische Aufständische” gelesen habe, versucht Michael Knights für Jame’s Intelligence Review [nicht online] die Geschichte der Verbreitung von EFP Munition im Irak nachzuzeichnen.

Ich bin kein Militärfachmann und erst recht kein Sprengstoffexperte. Deshalb ist es für mich nicht ganz einfach zu verstehen, was genau diese „explosively-formed projectiles” sind (zumal meine Version des Textes völlig mit absurden Sonderzeichen durchlöchert ist), aber für den Kontext der Diskussion um iranische Lieferungen reicht es wohl zu wissen, dass diese EFPs mobile Abschusseinrichtungen sind, mit denen sich Projektile abfeuern lassen, die dickste Panzerungen durchdringen und auch bewegliche Projekte treffen können.

Knight konnte offensichtlich bei seiner Recherche auf Unterlagen der US Armee wie der britischen Truppen im Irak zurückgreifen.

Demnach sind diese EFPs schon seit längerem bekannt.

Irish republican terrorists learned how to use EFP off-route mines in the early 1970s in training camps in Syria and Libya, and their experiences were later passed on to Columbia’s FARC, Spain’s ETA and Palestinian groups.

IRA Spezialisten fügten den allgemeinen Kenntnissen noch spezielle Infrarot Auslösemechanismen hinzu, die ein präziseres Zielen ermöglichten.

Nächste Station war die Hisbollah im Libanon und hier taucht zum ersten Mal auch der Iran auf.

Lebanese Hizbullah made the most prolific use of EFP munitions in the 1990s. There are strong circumstantial reasons to believe that Hizbullah interest in EFP was spurred by Iranian technical assistance.

Die Hisbollah wiederum gab ihre Kenntnisse an palästinensische Gruppen weiter.

After the second Intifadah began in 2000, Hizbullah opened up a new front against Israel by transferring EFP expertise, devices and components to the Palestinian militant groups.

Allgemeine Erklärungen über die Funktionsweise (Wikipedia) von EFPs sowie Bauanleitungen findet man auch im Internet, aber – und hier beginnt die iranische Spur – sie sind nicht so ganz einfach zu bauen.

Wann genau das erste EFP im Irak eingesetzt wurde, lässt sich nicht mehr genau feststellen, aber

[R]egular EFP use began in the early summer of 2004, with the first recorded EFP strike taking place in Basra in May 2004, closely followed by similar attacks in Shia areas of southeast and northwest Baghdad in June 2004.

Dies war in dem Zeitraum, in dem US Truppen Sadr und seiner Mahdi-Armee auszuschalten versuchte und es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen dieser schiitischen Gruppe und der Amerikanern kam.

The emergence of regular EFP use during the early months of the Sadrist uprising is not a coincidence as diehard militant elements of the Shia community have consistently been the principal users of EFP.

Vereinzelte Gruppen der Mahdi-Armee, so Knights ohne dafür Belege anzuführen, wurden vom Iran unterstützt.

Such militias decided whether or not to accept Iranian assistance on a case-by-case, and sometimes month-to-month, basis. Iranian support often arrived in the form of commodities - money, hashish and prescription medications - that could be used to recruit young poor foot soldiers. Some militiamen trained in Iran after being invited to the Islamic Republic by the Iran-based Ayatollah Kazim al-Haeri, Moqtada al-Sadr’s rival for the leadership of Iraqi Shia loyal to the memory of Moqtada.s father, Mohammed Sadiq al-Sadr.

Wie gesagt, keine Belege. Machen wir hier ein Kreuz an der Seite und kommen später noch mal darauf zurück.

Nun kommt es: Weiterlesen →