Es hagelt Vorschläge (und Zugeständnisse)

Völlig ungefragt erklärte der Sprecher des iranischen Außenministeriums Mohammad-Ali Hosseini, bei seiner allwöchentlichen Pressekonferenz heute im neuen Ton der Verständigung, der Iran sei bereit, den Schweizer Vorschlag zur Lösung des Konfliktes um das Atomprogramm zu erwägen, wenn er das Recht des Irans auf nukleare Energie garantiere.

Foreign Ministry spokesman Seyed Mohammad-Ali Hosseini said here Monday that if Switzerland’s proposed plan guarantees Iran’s nuclear right, it will be examined. (IRNA1)

Klingt gut. Nur: welcher Schweizer Vorschlag?

Hosseini weigerte sich, nähere Einzelheiten bekannt zu geben.

Auch die Schweizer Botschaft in Teheran mochte keine Auskunft geben und die westlichen Diplomaten in der Stadt, die ihr Telefon beantworteten, blieben stumm wie ein Fisch.

Aber: es gibt damit derzeit mindestens drei Vorschläge, wie man aus dem gegenwärtigen Patt vielleicht herausfinden könnte.

Vorschlag Nummer Eins ist die von IAEA Chef Mohammed ElBaradei vorgetragene Idee eines Time Out. Der Iran setzt seine Arbeiten an der Atomanreicherung aus, der Westen verzichtet einstweilen auf die Umsetzung von Sanktionen.

Dann gibt es einen zweiten Vorschlag, dessen Urheber einige europäische Staaten sind und der mehr getuschelt als öffentlich diskutiert wird. Danach sollen dem Iran eine geringe Zahl von Zentrifugen überlassen werden, wenn er sich bereit erklärt, ernsthafte Verhandlungen zur Beilegung der Krise aufzunehmen und wenn kein Urangas in diese Zentrifugen eingeleitet wird – auch nicht als Experiment.

Die Bundesregierung hält diesen Vorschlag für einen akzeptablen Kompromiss. Die USA, Großbritannien und auch Frankreich lehnen ihn mit der Begründung ab, Teheran gerate so in den Besitz wertvoller Kenntnisse zur Urananreicherung.

In der Tat stellt dieser Vorschlag ein Abrücken von der alten Linie dar, dem Iran keine Möglichkeit zu gewähren, die Technik der Anreicherung zu meistern.

Und nun der unbekannte Schweizer Vorschlag.

Nicht mitgezählt habe ich die „Botschaft bestimmter US Offizieller und Politiker“, von der Hosseini auf seiner Pressekonferenz vor zwei Wochen sprach, ohne zu verraten, was es damit auf sich hat.

Ich bin mir sicher, dass wir noch von weiteren Kompromissvorschlägen hören werden, wenn beide Seiten ihre Anstrengungen verstärken, eine diplomatische Lösung zu finden. Bevor ab dem 21. Februar im Weltsicherheitsrat über weitere Sanktionen diskutiert wird, werden die europäischen Staaten wie Russland einige Anstrengungen unternehmen, mit einem kompromissfähigen Vorschlag den USA den Wind aus den Segeln zu nehmen und eine weitere Eskalation zu vermeiden.

Es gab auf der heutigen Pressekonferenz noch eine Äußerung von Hosseini, der Beachtung verdient, die aber in den Pressemeldungen kaum Beachtung findet.

Foreign Ministry spokesman Mohammad-Ali Hosseini said here Monday that all issues including suspension of enrichment can be brought up and discussed during negotiations (IRNA2)

Aussetzung eingeschlossen!!

In den Gesprächen zwischen Larijani und dem EU Außenbeauftragten Javier Solana im September letzten Jahres, waren die Voraussetzungen für eine Aussetzung von iranischer Seite ein gewichtiger Punkt. Offensichtlich will man in Teheran dort wieder anknüpfen.

Kommentare

Es sind 3 Kommentare vorhanden. Kommentar hinzufügen!

  1. von
    Thorsten Koch
    am
    13. February 2007 um 00:59 Uhr

    Laridschani traf am Montag zu Gesprächen mit der Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey in Bern ein. Der Iran ziehe auch einen Vorschlag der Schweiz in Betracht, demzufolge die Fortsetzung der Urananreicherung für Forschungszwecke erlaubt wäre - jedoch ohne dass die im Iran bereits vorhandenen Zentrifugen mit dem Gas Uran- Hexafluorid befüllt würden, sagte Hosseini.
    http://www.svz.de/news/brennpunkte/svz-13784962_1171306299000.html

    Bundespräsidentin und Aussenministerin Micheline Calmy-Rey sagte nach dem Treffen mit Larijani, sie habe die Position der Schweiz noch einmal deutlich gemacht: Eine Nutzung der Atomtechnologie ausschliesslich zu friedlichen Zwecken und eine diplomatische Lösung des Atomstreits mit dem Iran. Im Einklang mit dem Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NPT) anerkenne die Schweiz das Recht jedes Staates, Nukleartechnologie friedlich zu nutzen, und lehne jede Form der Weiterverbreitung von Nukleartechnologie strikte ab, heisst es in einer Mitteilung des EDA. Calmy-Rey habe den Iran aufgefordert, in Bezug auf sein Nuklearprogramm die grösstmögliche Transparenz zu zeigen. Gleichzeitig habe die EDA-Vorsteherin in dem informellen Gespräch mit Larijani betont, dass alles getan werden müsse, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen.
    http://www.swissinfo.org/ger/startseite/detail/Iran_Informelle_Atom_Gespraeche_in_Bern.html?siteSect=105&sid=7521505&cKey=1171313987000

  2. von
    Martin Ebbing
    am
    13. February 2007 um 08:58 Uhr

    Damit wäre der Schweizer Vorschlag also identisch mit der Idee, dem Iran zu Forschungszwecken den Betrieb von Zentrifugen zu gestatten - was die europäischen Staaten vor einem guten halben Jahr noch energisch abgelehnt haben.

    ME

  3. von
    Thorsten Koch
    am
    13. February 2007 um 22:01 Uhr

    Natürlich kann man mögliche Kompromisse nicht von Anfang an akzeptieren. Nicht, wenn es um solche Themen geht. Der Verhandlungspartner - in diesem Fall der Iran - würde das als Ausgangsbasis betrachten und feilschen…

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