Iran: Aus Angst keinen Zutritt

31. March 2007 - 00:13

Der Iran hat seine Weigerung, Inspekteure in den unterirdischen Teil der Urananreicherungsanlage zu lassen, damit begründet, es habe Angst vor einem Angriff der USA oder Israels.

Expanding on the decision, the confidential letter, dated March 29, declared that “the United States and the Israeli regime … are threatening the use of force and attack against the Islamic Republic of Iran and have repeatedly stressed that military action is an option on the table.

“So long as such threats of military action persist, Iran has no option but (to) protect its security through all means possible, including protection of information which can facilitate openly stated and aggressive military objectives of the war mongers,” said the letter, signed by Ali Ashgar Soltanieh, Iran’s chief delegate to the IAEA.

Blaming the IAEA for failing “systematically and repeatedly to maintain confidentiality of sensitive information,” Soltanieh wrote that “therefore such dangerous dissemination of sensitive information will have to be curtailed through steps which limit their scope and availability.” (AP)

In dem Bunker in Natanz ist der Iran derzeit dabei, 3.000 Zentrifugen zu installieren – die Vorstufe zu einer Urananreicherung im industriellen Maßstab.

In der Öffentlichkeit ist immer wieder darüber spekuliert worden, wann der späteste Zeitpunkt sei, mit einer Militäraktion das iranische Atomprogramm zu stoppen. Die Anlage in Natanz spielt dabei eine besondere Rolle. Gelingt es Teheran, die 3.000 Zentrifugen tatsächlich in Betrieb zu nehmen, ist damit zum einen eine wichtige Hürde genommen worden. Zum anderen haben iranische Experten wichtige technische Erkenntnisse gewonnen, die sich an einem anderen Ort wieder einsetzen lassen könnten.

Die IAEA hat den Iran aufgefordert, die Entscheidung noch einmal zu überdenken.

Der iranische Brief könnte schlicht eine Rechtfertigung für die Weigerung sein, bei der den USA und Israel die Schuld dafür gegeben wird, dass Tehran den Inspekteuren keinen Zugang erlaubt. Er könnte aber auch ein Hinweis auf die Stimmung unter der Führung in Teheran sein.

15 Briten – Die Grenze

30. March 2007 - 08:18

Kim Murphy und Ramin Mostaghim werfen heute in der LAT einen näheren Blick auf die Frage, wo denn nun eigentlich genau die Grenze zwischen irakischem und iranischen Hoheitsgebiet am Schatt al-Arab verläuft.

The waters are subject to widely agreed international understandings, but have never been subject to a treaty between Iran and Iraq, maritime experts say.

“I’m afraid to say there is no line at all. What these people are talking about is an imaginary thing,” said Pirouz Mojtahed-Zadeh, an Iranian professor of geopolitics, now living in London, who has studied the Shatt al-Arab and its environs for the past 40 years.

“Neither side is at fault. The situation is such that anybody can make a mistake,” he said.

Das Vakuum ist entstanden, nachdem Saddam Hussein in einer dramatischen Geste vor laufenden TV Kameras 1980 ein bisher gültiges Ankommen in kleine Stücke riss. Bislang ist nach dem Ende des Krieges zwischen dem Irak und dem Iran weder ein Friedensvertrag noch ein neuer Grenzvertrag vereinbart worden.

Authorities on maritime law say the 1975 treaty establishing the land border down the middle of the Shatt al-Arab is considered the law, but applies only to the river.

Out in the Gulf, imaginary lines have been drawn in the same general southeasterly direction as the river’s course to suggest a territorial boundary. Although the line has been commonly accepted for shipping purposes, it does not have the legal force of a treaty, most analysts said.


Befremdlich erscheint mir, dass weder Großbritannien noch der Iran diese ungeklärte Situation bislang zum Thema gemacht haben. Denkbar wäre ja, dass der aktuelle Streit darauf beruht, dass jede Seite von einem anderen Grenzverlauf ausgeht.

Auch die beiden Karten, die von jeder Seite bei der Präsentation ihres Standpunktes im TV vorgezeigt wurden, scheinen auf den ersten Blick von einer zumindest ähnlichen Grenze auszugehen.

Kontroverse um Überwachung von Natanz

- 07:45

Die USA haben offensichtlich versucht, eine Sondersitzung des Gouverneurrats der IAEA zusammen zu rufen, um den Iran wegen seiner Weigerung, Überwachungsanlagen im unterirdischen Teil der Anreicherungsanlage in Natanz zuzulassen. Aufgrund fehlender Unterstützung bei den anderen Mitgliedern des Rates wurde der Versuch aber einstweilen aufgegeben.

Diplomats said a number of the IAEA board’s 35 member nations met on Tuesday with some Western envoys mooting whether a crisis board meeting might be needed to declare Iran in non-compliance with safeguards rules for blocking cameras.

“The meeting was inconclusive. There was no consensus over the legalities. It’s a matter of interpretation. The Iranians are very good at exploiting legal gray areas and there are gray areas here,” said one senior diplomat accredited to the IAEA. (Reuters)

Es geht um die Frage, ob der Iran verpflichtet ist, Kameras in diesem unterirdischen Teil zuzulassen, die konstant Bilder nach Wien übertragen würden, die dann von der IAEA ausgewertet würden. Dies würde es der Behörde ermöglichen sicherzustellen, dass nur Uran bis zu einem Grad von 5 Prozent angereichert wird. Für zivile Zwecke reicht ein solcher Anreicherungsgrad aus. Für einen nuklearen Sprengkörper müsste das Uran zu mehr als 90 Prozent angereichert werden.

In dem unterirdischen Teil ist der Iran dabei, bis zu 3.000 Zentrifugen zu installieren, was der erste Schritt zu einer industriellen Anreicherung von Uran wäre.

In seinem Bericht von 23. Februar hatte IAEA Generaldirektor Mohammed ElBaradei bekannt gegeben, dass Teheran den Einbau der Kameras verweigert habe, aber eine Vereinbarung erzielt wurde, dass die Inspektoren häufiger Zugang erhalten.

ElBaradei betonte aber in seinem Bericht, dass der Einbau der Kameras nicht mehr verweigert werden könne, wenn die Zahl der betriebsbereiten Zentrifugen die 500-Marke überschreite.

Teheran hat nach jüngsten Meldungen, den Inspekteuren den Zutritt zu der Anlage verwehrt.

Die IAEA ihrerseits hat den Iran erneut aufgefordert, dem Einbau der Kameras zuzustimmen.

Diplomats familiar with IAEA operations said the agency’s director for nuclear safeguards, Olli Heinonen, had written to Tehran pressing it to relent on cameras within days, with the end of March in mind as the target for a positive answer.

Bislang keine Antwort aus Teheran.

Unklar ist, ob denn die Zahl der 500 Zentrifugen in Natanz nun überschritten wurde.

Reuters schreibt von rund 1.000 Zentrifugen, die bereits installiert seien.

Tehran, disputing any obligation to do so, has refused to let the U.N. watchdog set up cameras in the Natanz plant where it has installed about a third of 3,000 centrifuges it plans to have running by May to launch “industrial scale” enrichment.

AP ist dagegen vorsichtiger.

It was unclear whether Heinonen’s move was prompted by concerns that Iran was approaching the 500-centrifuge limit stated in ElBaradei’s report.

While the number of centrifuges that are partially or totally assembled underground at Natanz is thought to have exceeded that number, some agency officials argue that the definition of 500 assembled centrifuges means that the machines are hooked up in series and running — although not necessarily enriching material. One Western diplomat said that stage had not yet been reached.

Bei näherem Hinschauen scheint sich herauszustellen, dass die rechtliche Frage so eindeutig nicht ist.

Der Iran argumentiert, es sei durch keines der Abkommen, das es mit der IAEA zur Überwachung seiner nuklearen Aktivitäten („safeguard agreements”) verpflichtet, die Kameras zuzulassen.

Iran … has said such intrusive surveillance goes beyond its basic safeguards commitment with the IAEA, while saying it hopes disputes over the extent of monitoring at the plant can be settled to mutual satisfaction.

Die restriktive Haltung entspricht dem neuen Kurs in Teheran, auf eine Verschärfung der Sanktionen mit eine Reduzierung der Kooperation mit der IAEA auf das notwendige Minimum zu beschränken.

Erstaunlich nur, dass sich die Rechtsexperten offensichtlich nicht einigen können, welche Verpflichtungen Teheran nun hat.

US zu höherrangigen Gesprächen bereit

- 07:03

US Verteidigungsminister Robert Gates stellte gestern die Möglichkeit von Gesprächen mit dem Iran auf höherer Ebene in Aussicht.

He said recent regional talks in Baghdad “were a good start toward improved cooperation, and our government is open to higher-level exchanges.” (AFP)

Ich habe die Agenturen sind dieser Rede von Gates vor dem American-Turkish Council durchgesehen, aber ich habe nirgendwo einen Hinweis darauf gefunden, ob Gates damit auch bilaterale Gespräch meint, ob auch über andere Themen als der Irak geredet werden soll und wie es um die Bedingung steht, dass Teheran erst seine Urananreicherung aussetzen muss.

Es handelte sich wohl eher um den Versuch den Vorwurf zu entkräften, eine Lösung der Konflikte scheitere an der kompromisslosen Haltung Washingtons.

“But in dealing with a regime like Iran’s, one has to be realistic,” he said.

He recalled joining then-national security adviser Zbigniew Brzezinski in a meeting in Algiers with Iran’s political leaders shortly after the 1979 Islamic revolution.

He said Brzezinski offered to continue “the partnership that had previously existed under the Shah — including military assistance to the new revolutionary government,” he said.

“Our interlocutors had only one demand: ‘Give us the Shah.’ And ultimately Zbig said that would be incompatible with our national honor,” he said.

“Three days later came word that 66 of our diplomats had been seized in Tehran, and two weeks later, the prime minister and defense and foreign ministers with whom we had met were out of their jobs.”

Ja, aber das ist bald 28 Jahre her. Neuen Anstrengungen haben die USA seither nicht mehr unternommen.

Kein Wort übrigens in der Rede zu den 15 britischen Gefangenen.

15 Briten - Beweise + Bilder

28. March 2007 - 23:57

Die Neuigkeiten des Tages:

+ Die britische Regierung präsentierte in London ihre Darstellung der Ereignisse am letzten Freitag.

Danach soll das Schiff, das von den Briten kontrolliert wurde, 1,7 nautische Meilen innerhalb irakischen Gewässers positioniert gewesen sein. Ergo waren auch die britischen Soldaten auf der irakischen Seite.

Thomas Pany schildert ausführlich bei TP die britische Darstellung.

Etwas peinlich ist die Behauptung aus London, die Iraner hätten erst eine Position für den Ort der Gefangennahme angegeben, der sich auf der irakischen Seite der Grenze befunden hätte, und dann noch mal mit einer zweiten Angabe nachgebessert. Wer länger im Iran lebt, wundert sich über solche Dinge nicht.

IRNA hatte heute dazu eine Meldung:

“Iran has already provided the geographical coordinates of the detention to the British government and has sufficient evidence, including GPS navigator systems, to indicate the penetration of British military personnel 0.5 km deep into Iranian waters,” the embassy in London said.

In a corresponding statement, Britain’s deputy chief of defence staff, Vice Admiral Charles Style confirmed that his government had been given a second set of coordinates by Iran about the detentions that were in Iranian waters.

But Styles also presented different British coordinates to claim that the British naval personnel were arrested 1.7 nautical miles inside Iraqi waters.

Warum es zwei Angaben gab, verrät IRNA nicht.

Natürlich war die heutige Präsentation nur die britische Darstellung, die sich nicht unabhängig überprüfen lässt, aber eindrucksvoll war es schon.

Im Hintergrund bleibt immer noch die Frage, wo ist eigentlich genau die Grenze, denn diese Linie ist selbst unter Experten nicht unumstritten. Es existiert keine rechtliche Vereinbarung zwischen dem Irak und dem Iran. Während des Krieges zwischen den beiden Ländern 1980-88 hatte Saddam Hussein das alte Abkommen aus Algiers als ungültig erklärt. Seither ist die Frage offen, da es kein Friedensabkommen zwischen den beiden Staaten gibt.

+ Die britische Außenministerin Margaret Beckett kündigte ein Einfrieren der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran an. Gemeint ist, dass es keinerlei von der Regierung gesponserte Kontakte, keine britischen Visa für iranische Regierungsmitglieder und auch keine öffentlich geförderten neuen Geschäftsbeziehungen geben soll, so lange diese Krise anhält. Die diplomatischen Vertretungen bleiben offen.

No big deal, lautete die Antwort aus Teheran.

Tehran-London relations were not working since sometime ago, a Foreign Ministry official said on Wednesday in reaction to statement of British Foreign Secretary Margaret Beckett to the British House of Commons.

“Since sometime ago, Tehran-London relations were inactive owing to the unfriendly actions the British government took in lobbying with the Board of Governors of the International Atomic Energy Agency (IAEA) to refer Iranian nuclear case to the Security Council. (IRNA2)

+ In einem Interview mit CNN-Turk kündigte der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki, das einzige weibliche Mitglied der gefangen genommenen Crew, Faye Turney, werde in “ein bis zwei Tagen” freigelassen.

Wenn es denn wahr wird, ist dies nicht nur eine gute Nachricht, sondern vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass die moderaten Kräfte in der iranischen Spitze den Hardlinern das erste Zugeständnis haben abringen können und so langsam die Oberhand gewinnen.

Frauen spielen in der iranischen Kultur eine besondere Rolle. Sie gelten als besonders schützenswert, auch wenn der Alltag in aller Regel genau anders herum funktioniert. Es gibt keine Frauen im Iran, die Militärdienst leisten. Vor diesem Hintergrund mag es leichter gefallensein, die Hardliner bei den Revolutionären Garden zum Nachgeben zu überreden.

Keine Nachrichten aber zu einem Besuch der Gefangenen durch die britischen Konsularbeamten hier in Teheran.

+ Am späten Nachmittag veröffentlichte der Iran die ersten Bilder der 15 Gefangenen, in denen auch kurz Clips von der Gefangennahme im Persischen Golf zu sehen waren (es existieren also Videoaufnahmen).

Gezeigt wurden die 15 Gefangenen an einem unbekannten Ort, wie sie von Plastiktellern aßen, sowie das weibliche Mitglied der Crew, Faye Turney. In einem kleinen Sound-Bite war von ihr zu hören, sie sei verhaftet worden, weil sie „offensichtlich” in das Hoheitsgebiet des Irans eingedrungen sei.

“I was treated friendly and hospitable they are nice people, they explained why we were arrested, and there is no aggression, no hurt, no harm, they are very very compassionate,” she said in an interview. (IRNA3)

Die Bilder sahen anders aus. In einer Einstellung war Turney zu sehen, wie sie verstört und sichtbar unter Stress eine Zigarette rauchte. Wer schon mal mit iranischen Sicherheitsbehörden zu tun hatte, wird kaum glauben können, dass sie sich besonders freundlich und anteilnehmend verhalten haben.

Das „Geständnis”, das da zu hören war, dürfte mit Sicherheit nicht auf eigenen Wunsch abgegeben worden sein. Iraner hören es gern, wenn man ihnen bescheinigt, „compassionate” zu sein.

Bezeichnend war, dass die Bilder auf dem Kanal des arabischen Auslandskanals des staatlichen Fernsehens ausgestrahlt wurden (die BBC wurde vorab informiert). Sie waren nicht für das einheimische Publikum gedacht, dem der Fall wahrscheinlich nur in vagen Umrissen bekannt ist, sondern für die arabischen Nachbarn, die die Entwicklung mit wachsender Sorge betrachten (auch sie transportieren ihr Öl durch den Persischen Golf), und den Rest der Welt.

Die britische Regierung nannte die Ausstrahlung der Bilder unmittelbar „absolut inakzeptabel” und protestierte dagegen, dass die Gefangenen auf diese Weise öffentlich vorgeführt wurden.

Die iranische Seite wird die Aufnahmen aber eher als ein Zeichen des Entgegenkommens betrachtet haben. Sie zeigten sich von ihrer humanitären Seite (so, wie das hier verstanden wird) und kündigten die erste Freilassung an.

Bilanz: sollte Turney morgen freikommen, dann wäre dies ein erster Schritt zur Lösung der Krise.

Es müsste nur noch eine Formel gefunden werden, der beiden Standpunkten gerecht wird. Vielleicht so etwas wie „Der rechtlich gültige Grenzverlauf ist nicht eindeutig zu bestimmen.”