Die Neuigkeiten des Tages:
+ Die britische Regierung präsentierte in London ihre Darstellung der Ereignisse am letzten Freitag.
Danach soll das Schiff, das von den Briten kontrolliert wurde, 1,7 nautische Meilen innerhalb irakischen Gewässers positioniert gewesen sein. Ergo waren auch die britischen Soldaten auf der irakischen Seite.
Thomas Pany schildert ausführlich bei TP die britische Darstellung.
Etwas peinlich ist die Behauptung aus London, die Iraner hätten erst eine Position für den Ort der Gefangennahme angegeben, der sich auf der irakischen Seite der Grenze befunden hätte, und dann noch mal mit einer zweiten Angabe nachgebessert. Wer länger im Iran lebt, wundert sich über solche Dinge nicht.
IRNA hatte heute dazu eine Meldung:
“Iran has already provided the geographical coordinates of the detention to the British government and has sufficient evidence, including GPS navigator systems, to indicate the penetration of British military personnel 0.5 km deep into Iranian waters,” the embassy in London said.
In a corresponding statement, Britain’s deputy chief of defence staff, Vice Admiral Charles Style confirmed that his government had been given a second set of coordinates by Iran about the detentions that were in Iranian waters.
But Styles also presented different British coordinates to claim that the British naval personnel were arrested 1.7 nautical miles inside Iraqi waters.
Warum es zwei Angaben gab, verrät IRNA nicht.
Natürlich war die heutige Präsentation nur die britische Darstellung, die sich nicht unabhängig überprüfen lässt, aber eindrucksvoll war es schon.
Im Hintergrund bleibt immer noch die Frage, wo ist eigentlich genau die Grenze, denn diese Linie ist selbst unter Experten nicht unumstritten. Es existiert keine rechtliche Vereinbarung zwischen dem Irak und dem Iran. Während des Krieges zwischen den beiden Ländern 1980-88 hatte Saddam Hussein das alte Abkommen aus Algiers als ungültig erklärt. Seither ist die Frage offen, da es kein Friedensabkommen zwischen den beiden Staaten gibt.
+ Die britische Außenministerin Margaret Beckett kündigte ein Einfrieren der diplomatischen Beziehungen zwischen Großbritannien und dem Iran an. Gemeint ist, dass es keinerlei von der Regierung gesponserte Kontakte, keine britischen Visa für iranische Regierungsmitglieder und auch keine öffentlich geförderten neuen Geschäftsbeziehungen geben soll, so lange diese Krise anhält. Die diplomatischen Vertretungen bleiben offen.
No big deal, lautete die Antwort aus Teheran.
Tehran-London relations were not working since sometime ago, a Foreign Ministry official said on Wednesday in reaction to statement of British Foreign Secretary Margaret Beckett to the British House of Commons.
“Since sometime ago, Tehran-London relations were inactive owing to the unfriendly actions the British government took in lobbying with the Board of Governors of the International Atomic Energy Agency (IAEA) to refer Iranian nuclear case to the Security Council. (IRNA2)
+ In einem Interview mit CNN-Turk kündigte der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki, das einzige weibliche Mitglied der gefangen genommenen Crew, Faye Turney, werde in “ein bis zwei Tagen” freigelassen.
Wenn es denn wahr wird, ist dies nicht nur eine gute Nachricht, sondern vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass die moderaten Kräfte in der iranischen Spitze den Hardlinern das erste Zugeständnis haben abringen können und so langsam die Oberhand gewinnen.
Frauen spielen in der iranischen Kultur eine besondere Rolle. Sie gelten als besonders schützenswert, auch wenn der Alltag in aller Regel genau anders herum funktioniert. Es gibt keine Frauen im Iran, die Militärdienst leisten. Vor diesem Hintergrund mag es leichter gefallensein, die Hardliner bei den Revolutionären Garden zum Nachgeben zu überreden.
Keine Nachrichten aber zu einem Besuch der Gefangenen durch die britischen Konsularbeamten hier in Teheran.
+ Am späten Nachmittag veröffentlichte der Iran die ersten Bilder der 15 Gefangenen, in denen auch kurz Clips von der Gefangennahme im Persischen Golf zu sehen waren (es existieren also Videoaufnahmen).
Gezeigt wurden die 15 Gefangenen an einem unbekannten Ort, wie sie von Plastiktellern aßen, sowie das weibliche Mitglied der Crew, Faye Turney. In einem kleinen Sound-Bite war von ihr zu hören, sie sei verhaftet worden, weil sie „offensichtlich” in das Hoheitsgebiet des Irans eingedrungen sei.
“I was treated friendly and hospitable they are nice people, they explained why we were arrested, and there is no aggression, no hurt, no harm, they are very very compassionate,” she said in an interview. (IRNA3)
Die Bilder sahen anders aus. In einer Einstellung war Turney zu sehen, wie sie verstört und sichtbar unter Stress eine Zigarette rauchte. Wer schon mal mit iranischen Sicherheitsbehörden zu tun hatte, wird kaum glauben können, dass sie sich besonders freundlich und anteilnehmend verhalten haben.
Das „Geständnis”, das da zu hören war, dürfte mit Sicherheit nicht auf eigenen Wunsch abgegeben worden sein. Iraner hören es gern, wenn man ihnen bescheinigt, „compassionate” zu sein.
Bezeichnend war, dass die Bilder auf dem Kanal des arabischen Auslandskanals des staatlichen Fernsehens ausgestrahlt wurden (die BBC wurde vorab informiert). Sie waren nicht für das einheimische Publikum gedacht, dem der Fall wahrscheinlich nur in vagen Umrissen bekannt ist, sondern für die arabischen Nachbarn, die die Entwicklung mit wachsender Sorge betrachten (auch sie transportieren ihr Öl durch den Persischen Golf), und den Rest der Welt.
Die britische Regierung nannte die Ausstrahlung der Bilder unmittelbar „absolut inakzeptabel” und protestierte dagegen, dass die Gefangenen auf diese Weise öffentlich vorgeführt wurden.
Die iranische Seite wird die Aufnahmen aber eher als ein Zeichen des Entgegenkommens betrachtet haben. Sie zeigten sich von ihrer humanitären Seite (so, wie das hier verstanden wird) und kündigten die erste Freilassung an.
Bilanz: sollte Turney morgen freikommen, dann wäre dies ein erster Schritt zur Lösung der Krise.
Es müsste nur noch eine Formel gefunden werden, der beiden Standpunkten gerecht wird. Vielleicht so etwas wie „Der rechtlich gültige Grenzverlauf ist nicht eindeutig zu bestimmen.”