15 Briten - Ahmadinejad lässt sie frei

Das nennt man wohl „großes Theater”. Mehr als eine dreiviertel Stunde ging Präsident Mahmoud Ahmadinejad auf seiner heutigen Pressekonferenz mit den USA und vor allem mit Großbritannien hart ins Gericht. Er erinnerte daran, wie der Iran unter den Briten in der Vergangenheit gelitten habe. Sie seien gekommen, um das Land auszuplündern. Er warf ihnen und den USA vor, mit Saddam Hussein im Krieg 1980 – 88 gemeinsame Sache gegen den Iran gemacht zu haben. Er geißelte die US Besatzung im Irak und die Machtverhältnisse im Weltsicherheitsrat.

Dann rief er den Kommandanten der Einheiten der Revolutionären Garden, in deren Abschnitt die 15 britischen Mariensoldaten am 23. März gefangen genommen wurden, auf die Bühne und zeichnete ihn mit einem Orden aus.

Und dann ganz unvermittelt der Knaller: wegen des bevorstehenden Geburtstags des Propheten (nach dem schiitischen Kalender am kommenden Freitag), des bevorstehenden Passah-Festes (!!) und Ostern lasse er die 15 frei.

Die Journalisten im Saal schauten einander fragend an. Hatten sie das wirklich richtig verstanden?

Ahmadinejad lächelte. Punktsieg.

Die Briten sollen unmittelbar nach der Pressekonferenz frei gelassen werden und können dann nach Hause fliegen.

Frage: gab es irgendwelche Gegenleistungen von britischer Seite? Ahmadinejad: es gab einen Brief aus London, aber der war nicht weiter von Bedeutung.

Frage: gab es einen Zusammenhang mit den 5 gefangenen Iranern im Irak? Ahmadinejad: Nein. (Lachend) Wenn es den gegeben hätte, hätten wir mehr als nur deren Freilassung verlangt.

Was das alles bedeutet? Ich brauche ein wenig Zeit, um darüber nachzudenken.

Kommentare

Es sind 5 Kommentare vorhanden. Kommentar hinzufügen!

  1. von
    Jürgen D.
    am
    4. April 2007 um 17:23 Uhr

    Für mich ist es jedenfalls beeindruckend, wie souverän der Iran dieser Tage auftritt. Die ganze Affäre um die 15 Soldaten stinkt jedenfalls zum Himmel. Der Vorwurf, sie wären in irakischen Gewässern “gekidnappt” worden, ist von seriöser Seite nie wiederholt worden, nachdem die Soldaten der Öffentlichkeit präsentiert wurden. …und seien wir mal ehrlich, welcher englische Fregattenkapitän läßt zu, dass seine Offiziere und Soldaten in “heimischen Gewässern” gefangen genommen werden? Wenn tatsächlich ein Kriegsgrund gesucht wurde; das wäre wohl sicher einer gewesen. Also ist mein Fazit: Die waren eindeutig im Iran und nun haben die Briten dem Iran eine schöne Bühne bereitet. Der Iran konnte der Weltöffentlichkeit zeigen, wie human man mit illegalen Eindringlingen umgeht, und dass man durchaus bereit ist, nach einer Entschuldigung, die Sache friedlich zu beenden. …ganz im Gegensatz zu den US-geführten Truppen im Irak, Afghanistan, usw.

    Damit dürfte es zunächst einmal auch keinen Bombenangriff durch die USA geben, der in div. Internetforen, unter Berufung auf einer der BILD-Zeitung ähnlichen russischen Zeitung, für den 06.04.07 angekündigt wurde.

    Das wäre ohnehin politischer (Tschüß Georg), wirtschaftlicher (Börsencrash, Ölpreis) und militärischer (Meerenge Hormuz) Selbstmord gewesen. Die USA haben wahrlich andere Probleme in nächster Zeit, als schon wieder ein Land unrechtmässig anzugreifen. Als da wären: Dollarkrise, Wirtschaftskrise, Irak, Afghanistan, Umstellung der Ölverkäufe von Dollar zu EURO, Raketenschirm und wie “verkaufe” ich es den Russen als Heilsbringer, Handelskrieg mit China, Atompolitik des Iran, Innenpoltik (Mrs. Pelosi, Senat, Kongress), aussenpolitsches Ansehen…man kann es endlos fortsetzen.

    Ihnen Herr Ebbing wünsche ich in diesen kritischen Tagen / Wochen / Monaten Gesundheit und uns weiter so eine seriöse, kultivierte und objektive Berichterstattung.

  2. von
    Alfred Trankalis
    am
    5. April 2007 um 14:50 Uhr

    Ich kann mich den Äusserungen von Herrn Jürgen D. voll und ganz anschließen.

    Gruß

    Alfred Trankalis

  3. von
    Klaus
    am
    6. April 2007 um 19:18 Uhr

    Tja nun, man kann natürlich den Auftritt des iranischen Präsidenten als "souverän" betrachten. Andererseits: in dieser Affäre hielt wohl eindeutig der Iran das Heft in der Hand. Was hätte Großbritannien, die EU oder die USA denn tun können? Den Krieg erklären? Wohl eher unwahrscheinlich (obwohl auch ich die Meldung "6. April, 0400 Uhr" kenne und diesbezüglich Herrn Ebbing gefragt habe), denn den will -zumindest aktuell- keiner.

    Wenn es stimmt, dass die Grenze zwischen Irak und Iran auf See unklar ist, so sind auch die Überlegungen von Jürgen D. akademischer Natur. Was hätte der englische Fregattenkapitän tun können? Ein Seegefecht und damit einen Krieg (den, siehe oben wohl keiner will)?

    Nein ich denke, die Iraner hatten schlicht die Gunst der Stunde genutzt, um aussenpolitisch zu punkten. Und wenn dem so war, dann liegt in der Vorgehensweise die eigentliche Gefahr. Erst (möglicherweise völkerrechtswidrige) Fakten schaffen und dann mit "Grossherzigkeit" daherkommen - in meinen Augen Zynismus pur. Dazu passt dann auch die Begründung des iranischen Präsidenten - als ob diesen das Passah-Fest auch nur die Bohne interessiert.

    Nein, Jürgen D., eine Bühne wurde dem Iran nicht gezimmert, die hat dieser schon selber geschmückt. Man sollte ihn nicht unterschätzen.

    Grüße
    Klaus

  4. von
    Jürgen D.
    am
    6. April 2007 um 22:47 Uhr

    @ Klaus

    Eine unterschiedliche Betrachtungsweise und freie Meinung ist Teil der Demokratie, wie ich sie verstehe. Daher akzeptiere ich natürlich Ihre Meinung.

    Auf “Demokratie” und “Demokratietransfer”, wie sie die derzeitge amerik. u. britische Regierung praktiziert, möchte ich verzichten. Innenpolitisch mit Hilfe der Notstandsgesetze - Überwachung und aussenpolitisch mit Flugzeugträgerkampfgruppen und Heer Demokratie zu praktizieren, halte ich für sehr gefährlich, was die Zukunft auf diesen Planeten angeht.

    Zurück zum Thema: Ich unterschätze den Iran sicher nicht. Allerdings sind Staaten wie Pakistan, Ägypten und Israel in meinen Augen viel gefährlicher. Der Iran ist nachweislich nicht daran interessiert, Atomwaffen zu bauen. Dazu ist er technisch auch (noch) gar nicht in der Lage. Vielmehr ist das Ansinnen des Iran, Atomenergie zu nutzen, völlig legitim. Warum soll ein Ölförderstaat seine eigenen, knapper werdenden Ressourcen zur Energiegewinnung verbrauchen, wenn bekanntlich der Preis des Öls in Zukunft stark ansteigen wird und damit große Gewinne locken? Dass der Iran in der Region eine wirtschaftliche und damit auch militärische Vormachtstellung anstrebt, halte ich ebenfalls für legitim. Jedenfalls solange nicht andere Völker bedroht werden. Für die Unterstützung des intern. Terrors fehlen mir die Beweise. Das sieht bei Saudi-Arabien und Pakistan schon anders aus. …und was sich Mossad und CIA international leisten, fällt für mich auch in die Kategorie Terrorismus.

    Für jeden NATO-Staat ist es selbstverständlich, seine Aussengrenzen zu schützen. Es gibt genügend Beispiele dafür, wo das auch militärisch durchgesetzt wurde. Z. B. Schweden-Sowietunion (SU), USA-SU-Kuba…usw. Dem Iran soll es nicht gestattet sein, wo eine Bedrohungsarmada von Flugzeugträgern, U-Booten, Fregatten, Kreuzern und Zerstörern vor seiner Haustür parkt? Dazu kommen noch die US-Militärbasen rings um den Iran. Diese Doppelmoral lasse ich nicht gelten.

    Wir werden vielleicht nie erfahren, ob die Briten in irak. o. iran. Gewässern operierten. Tatsache ist aber doch wohl, dass zur Konfliktvermeidung beide Seiten beitragen müssen. Das kann ich in diesem Fall bei den Briten nicht erkennen. Das nenne ich völkerrechtswidrig. Die Stürmung eines iran. Konsulats im Irak und die Gefangennahme von Diplomaten und Geheimdienstlern ebenfalls. Stellen Sie sich mal vor, das hätte man mit amerik. brit. oder israel. Diplomaten gemacht. Die Briten haben diese aussenpolitische Profilierung des Iran erst ermöglicht. …und die haben dankbar angenommen.

    Freundliche Grüße
    Jürgen

  5. von
    valaie
    am
    1. July 2009 um 18:52 Uhr

    Deutschland sollte nicht mit Zeigefinger auf anderen zeigen! In Deutschland bekommt jeder Ausländer, der oder die einem Ausländer eines Verbrechen bezichtigt, Aufenthaltserlabnis. Was für ein Rechtsstaat. Die Nazis könnten in ihrem Gesetz nie sowas durchsetzen. Schande über Deutschland, dass selbe Menschenrechte nicht einhält. Fragen Sie diese Verbrecher Hans-Christian Ströble und CO.
    Die Bundes Regierung unterstützt angebliche Frauenbewegungen in Deutschland, dass durch verurteilter Kinderschänder wie Arash Sarhaddi und Jaleh Ahmadi unterwandert ist.

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