Rafsanjani: Gespräche enttäuschend

10. August 2007 - 20:59

Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani, immer noch ein einflussreicher Politiker im Iran, ist enttäuscht – und ich bin es irgendwie auch.

Während seiner Rede beim heutigen Freitagsgebet in Teheran klagte er darüber, dass die Gespräche mit den USA über die Sicherheitssituation im Irak zu nichts führen würden.

“Some rather ineffective talks have started. We hope realities are taken into account. So far the Americans have not sent good signals, claiming in every meeting that we are interfering there,” Rafsanjani said in his Friday prayer sermon. (AFP)

Man kann es ihm nachfühlen, denn für jedermann, der direkte Gespräche zwischen dem Iran und den USA als besten Weg aus der Krise sieht, muss vom schleppenden Verlauf der bislang zwei Runden an Tuchfühlung frustriert sein.

Enttäuschend ist aber auch, dass offensichtlich sich die Vertreter beider Seiten zu keinem anderen Zweck an einen Tisch setzen, um gegenseitige Beschuldigungen auszutauschen. Ich hatte spekuliert, dass – wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit – mehr geschehen würde.

Einziger Trost: auch Rafsanjani ist enttäuscht.

US, Irak + Iran

- 08:39

Iraks Premierminister Nuri al-Mailiki ist zu Besuch im Iran und wurde bei der Gelegenheit gestern auch von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khameine-i empfangen.

Khameine-i sagte Maliki die volle Unterstützung der „populären (??) Regierung“ des Iraks zu (natürlich) und fügte (natürlich hinzu):

The Supreme Leader underlined the presence of occupying military forces as the gravest disaster in the neighboring country and said the occupiers pretend that Iraq would be destroyed if they leave the country while their withdrawal would in fact leave the field clean for Iraqi authorities to do their best to solve their problems. (IRNA)

Ein instabiler Irak, in dem man großen Einfluss ausüben kann, ist Teheran (natürlich) lieber als US Truppen vor der Tür.

Maliki bedankte sich überall artig (und hatte dabei wohl der Gedanken im Hinterkopf, dass in Teheran die Pläne für die Zeit nach Maliki schon in der Schubladen liegen), vermied aber den Fehler des afghanischen Präsident Hamid Karai, seine engen Beziehungen zu Teheran zu öffentlich zur Schau zu stellen.

Aber so viel musste dann doch sein:

Maliki was also quoted by Iranian state media as praising Iran’s “constructive” role in “fighting terrorism” in Iraq — a statement Bush moved swiftly to contradict. (AFP)

Das hätte er natürlich nicht sagen dürfen. Schließlich werfen die USA dem Iran seit geraumer Zeit vor, die Aufständischen im Irak mit Waffen, Training und Geld zu unterstützen und suggerieren immer wieder, dass der Iran neben Syrien einer der großen Störenfriede sei, der die Stabilisierung des Iraks hintertreibe.

Als schritt Bush erneut vor die TV Kameras, um nach Karzai auch Maliki einen Rüffel zu erteilen.

Bush, holding a pre-vacation press conference, said he was not surprised at pictures showing cordial meetings between Maliki and top Iranian leaders in Tehran but that he hoped the prime minister was delivering a tough message.

“You don’t want the picture to be kind of, you know, duking it out,” when on a diplomatic mission he said, putting up his fists like a boxer.

“If the signal is that Iran is constructive, I will have to have a heart to heart with my friend the prime minister because I do not believe they are,” Bush said.

Bush cited Iran’s support for Lebanon’s Shiite militant group Hezbollah; Tehran’s suspect nuclear program; and Iranian President Mahmoud Ahmadinejad’s anti-Israel warnings, which he said Washington “cannot live with.”

Der Vorwurf, der Geld- und Waffelieferung muss ihm in dem Moment entfallen sein.

Gedacht mag er vielleicht auch nicht mehr daran, dass sich sein Botschafter in Bagdad mit der iranischen Gegenseite schon zweimal getroffen hat, um über eine Stabilisierung der Iraks miteinander zu beraten.

Es wirkt schon befremdlich (um einen milden Ausdruck zu verwenden), dass sich das Weisse Haus beharrlich weigert, die Rolle der Irans gegenüber dem Iran (wie auch gegenüber Afghanistan) in all ihrer Zwiespältigkeit öffentlich anzuerkennen und statt dessen darauf zu bestehen, Teheran weiter zu isolieren zu versuchen.

Eine realistische Politik kann man das nicht nennen. Eher Ideologie. Oder Verbohrtheit.

US Stimmung wird unruhig

9. August 2007 - 07:16

Die konservativen amerikanischen Think Tanks beginnen so langsam die Geduld mit der US Iranpolitik zu verlieren, glaubt Robin Wright heute in der WP beobachtet zu haben.

Fourteen months after Secretary of State Condoleezza Rice offered to talk to Iran, the failure of carrot-and-stick diplomacy to block Tehran’s nuclear and regional ambitions is producing a new drumbeat for bolder action, including the possible use of force.

Mit “failure” ist gemeint, dass die US Regierung zwar verschiedene diplomatische Anstrengungen (UN Sicherheitsrat, direkte Kontakte mit dem Iran) unternommen hat, ohne dass Teheran seine Urananreicherung eingestellt hat. Im Gegenteil: der Iran hat die Zeit genutzt, um sein Nuklearprogramm weiter auszubauen.

Als zweiter Aspekt ist noch die Rolle des Irans im Irak hinzu gekommen. Die Konservativen glauben nicht, dass Tehran ein Interesse an einem stabilen Irak besitzt, resp. dass das Interesse, den USA im Nachbarland eine Niederlage zuzufügen ein größeres Gewicht besitzt.

Michael Rubin of the American Enterprise Institute recently wrote that assuming that Iran wants stability in Iraq is “as naive as it is dangerous. . . . U.S. and Iranian interests in Iraq are diametrically opposed, and will continue to be until one side wins and the other loses.” He depicted diplomacy with Iran as “a mirage, a tactical tool to divert U.S. policy attention away from the Revolutionary Guards and intelligence officials charged with implementing the Iranian leadership’s objectives.”

“For the U.S. government to succeed in Iraq,” Rubin argued, “it must engage not with the illusion of Iranian policy, but refine its strategies to neutralize and counter the Iranian strategies.”

Wright sammelt Stimmen der üblichen Verdächtigen im konservativen Lager, die sich zuvor schon für eine Invasion des Iraks stark gemacht hatten und nun mit dem Gedanken an einen Militärschlag gegen den Iran spielen.

William Kristol (natürlich):

“A lot of people were willing to give diplomacy a chance, but at some point there have to be results,” said Weekly Standard editor William Kristol, an advocate of the Iraq war. “It’s been a year since Rice agreed to talk to the Iranians if they accepted U.N. terms, and it’s only bought them more time for their nuclear program.”

Kori Schake vom Hoover Institute:

In the Hoover Institution’s Policy Review, Kori Schake, a former member of the National Security Council in the Bush administration, outlines military options — including destroying Iran’s nuclear program, ousting the government by missile strikes and special forces operations, and a token “demonstration strike” to show Iran’s vulnerability — if Tehran obtains nuclear weapons.

Norman Podhoretz von der Heritage Foundation:

Author Norman Podhoretz goes the furthest in his Commentary essay “The Case for Bombing Iran.” He warns that diplomacy with Iranian President Mahmoud Ahmadinejad is akin to appeasement of the Nazis.

Auch eine Art Zeitplan wird gemunkelt, zudem eine Entscheidung, den Iran zu attackieren, anstehen könnte.

“The consensus I’m hearing is to give the [U.N.] Security Council process more time but not unlimited time, and, at some point in the spring of 2008, there has to be a good hard look at whether that process should continue and whether other options should then be considered,” said Kenneth Katzman, a Middle East expert for the Congressional Research Service.

Dies sind Stimmen vom rechten Rand des politischen Spektrums, aber die politische Debatte in den USA ist soweit nach rechts gerückt, dass sie sehr oft den politischen Diskurs dominieren.

Wichtiger ist, ob solche Ideen auch Anhänger bei denjenigen finden, die tatsächlich die Entscheidungen treffen.

[P]roponents of tougher policy reflect the views of a small part of the Bush administration open to military options if Iran does not suspend a uranium-enrichment program that can be subverted for a nuclear bomb.

… schreibt Wright. Ein “kleiner Teil der Bush Regierung”!

Nach meiner Meinung wird es soweit absehbar auch bei einem solch „kleinen Teil“ bleiben.

Vier Gründe:

  • das US Militär ist nach dem Irak zu keiner größeren Operation in der Lage. Sicher, eine Reihe von Raketen von einem Flugzeugträger im Golf oder auch ein paar Luftangriffe sind möglich, aber die Planer sind sich darüber im klaren, dass der Iran mit ähnlicher Münze anderswo auf der Welt zurückzahlen könnte.
  • die Stabilisierung des Iraks besitzt oberste Priorität in der amerikanischen Politik in der Region. Diese Aufgabe wird zunehmend schwieriger. Der Zerfall der Maliki Regierung, die immer schwierig werdende politische Verständigung zwischen den politischen Blöcken, die anhaltende Gewalt trotz Truppenverstärkung, die anstehende Debatte im US Kongress – all dies macht die Aufgabe mit Sicherheit nicht einfacher. Nun noch eine andere „can of worms“ zu öffnen.
  • in Washington wird zunehmend registriert, dass die Situation in Afghanistan alle Voraussetzungen besitzt, der nächste große Fehlschlag zu werden.
  • die USA müssten einen Angriff gegen den Iran allein gehen. Bis auf Israel dürfte kaum eine europäische Regierung bereit sein, sich einer neuen „Koalition der Willigen“ anzuschließen.

Dazu passt eine Meldung von gestern.

An Iranian minister said he believed the United States had dropped the idea of attacking Iran but wanted to topple its leadership through what he called a “soft revolution.” (Reuters)

Gemeint ist der iranische Geheimdienstminister Gholamhossein Mohseni-Ejei. In diesem Punkt dürfte der Mann wohl nicht so falsch liegen.

“The resistance of the Iranian nation during the eight years of holy war and the defeat of the enemies in the Middle East caused the Global Arrogance (the United States) to put aside the option of a military attack against Iran,” he said.

Hier wiederum liegt er kilometerweit daneben.

Iran hofft auf Belohnung für Wohlverhalten

8. August 2007 - 08:37

Warum auch weiter um den heißen Brei herum reden, wenn es eh schon jeder gedacht hat?

Der stellvertretende Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates des Irans erklärte gestern frank und frei, dass sich sein Land von einer besseren Zusammenarbeit mit der IAEA im Gegenzug eine Einstellung der Bemühungen um einen neuen Sanktionsbeschluss verspricht.

“Naturally we expect that in return for Iran’s vast cooperation with the agency … some proper actions will be taken in order to create mutual trust,” Rahmani-Fazli told the official IRNA news agency.

“These actions can include the prevention of another (U.N. sanctions) resolution.” (Reuters)

Gut so, denn diese Erwartung mag den Iran anspornen, die Zusammenarbeit mit der IAEA zu verbessern.

Ist die Hoffnung aber realistisch?

“Until they have complied with the full length of what … is required of them under international law it is pretty hard to see how they are going to get any partial credit for making gestures towards cooperation,” [der Sprecher des State Departments] Tom Casey told reporters. …

“We do intend to pursue an additional Security Council resolution barring any … willingness to suspend (enrichment-related activity) and move forward with the conditions that have been placed upon them.”

Auch so eine Hoffnung, deren Chancen auf Erfüllung noch offen sind, denn bislang sind die USA noch ein gutes Stück davon entfernt, die Unterstützung Russland, Chinas und auch Deutschlands für neue, wirkungsvolle Sanktionen zu bekommen.

Sollten sich die US Hoffnungen aber erfüllen und die iranischen Hoffnungen enttäuscht werden, dann weiß Rahman-Fazli, wie Teheran reagieren wird.

Rahman-Fazli warned that new sanctions could harm “Iran’s cooperation with the agency and make the atmosphere harsh.”

Russland will vom Iran mehr Offenheit

- 07:42

Russland drängt den Iran, die noch offen stehenden Fragen zur Geschichte seines Nuklearprogramms gegenüber der IAEA berichten heute sowohl AP wie auch AFP. Moskau habe die Lieferung von Brennstäben für den Reaktor in Bushehr an mehr Offenheit in diesem Punkt geknüpft.

“The message was delivered by the Russians three weeks ago in Tehran,” a diplomat, who spoke on condition of confidentiality, told AFP. (AFP)

Das Gerangel um die Lieferung der Brennstäbe wie um die Fertigstellung des Reaktors zieht sich nun schon seit Monaten hin. Von russischer Seite sind die Verzögerungen immer wieder mit mangelnden Zahlungen des Irans erklärt worden, aber es war kein Geheimnis, dass Moskau Bushehr als ein Druckmittel nutzte.

The first diplomat said the Russians had given, in what was a “high-level message,” a “broad reaction” to the Iranians, which included complaints over Iran’s being in arrears of payments for the reactor in Bushehr, which Tehran says is a key part of its push to use atomic power to generate electricity. …

A second diplomat, from a Middle Eastern country, stressed however that the issue was “more than just money.”

“The Russians don’t want to be seen as the ones helping the Iranians get a nuclear weapon,” the diplomat said.

George Jahn für AP hat die selbe Geschichte, aber unterschiedliche Quellen (eine offensichtlich geleakte Geschichte mit unterschiedlichen anonymen Quellen??).

Russia warned in March that it would not provide fuel rods for the reactor it is building in the southern city of Bushehr as long as Iran ignored U.N. Security Council demands that it freeze uranium enrichment, diplomats said.

Now, Moscow has modified that demand, saying no fuel will be provided unless Iran meets another key international request — that it fully explain past activities that heightened suspicions it might be looking to develop a nuclear arms program, two diplomats familiar with Iran’s nuclear file told The Associated Press.

The two, commenting separately, spoke on condition of anonymity because their information was confidential.

Soweit nachvollziehbar.

Mit der Beantwortung der offenen Fragen wäre einer der wichtigsten Punkte, in denen der Iran gegen die Regularien der IAEA verstößt aus der Welt geschaffen, die Argumentation von Befürwortern von Strafmassnahmen gegen Teheran geschwächt. Das macht es Moskau leichter, sich gegen weitere Sanktionen zu sperren und seine Politik fortzusetzen, den US Einfluss in der Region einzudämmen.

Sicher hätte man auch in Moskau nichts dagegen zu wissen, ob wirklich nichts als friedliche Absichten hinter dem iranischen Atomprogramm stecken. Schließlich will man nicht am Ende als derjenige dastehen, der die Augen vor dem offensichtlichen verschlossen hat.

Eine Passage aus Jahns AP Geschichte stimmt mich aber skeptisch.

[O]ne of the diplomats, who has deep knowledge of Iran’s file with the U.N., told the AP that there was now “tacit understanding” in New York that if Tehran fully cooperates and leaves no IAEA question unanswered, there would be no new U.N. sanctions unless the agency probe turns up evidence of attempts to make nuclear weapons. That would represent another concession by Washington to pressure from the Russians and Chinese.

Da dürfte sich der zitierte Diplomat wohl täuschen, denn so lange die Frage der Anreicherung von Uran nicht für die USA wie Frankreich und Großbritannien zufriedenstellend gelöst ist, dürfte auch weiterhin mit Sanktionen gedroht werden.