Sieger?
29. September 2007 - 15:24
Peter W. Galbraith, US Diplomat, der in Bosnien als Botschafter diente, dann mehr freiberuflich kurdische Interessen im Irak zu vertreten versuchte, schreibt in der jüngsten Ausgabe der NY Review of Books, der Iran sei der eigentliche Sieger in der Entwicklung seit dem Sturz von Saddam Hussein im Irak, und Präsident habe Tehran zu diesem Sieg verholfen.
George W. Bush had from the first facilitated the very event he warned would be a disastrous consequence of a US withdrawal from Iraq: the takeover of a large part of the country by an Iranian-backed militia. And while the President contrasts the promise of democracy in Iraq with the tyranny in Iran, there is now substantially more personal freedom in Iran than in southern Iraq.
Es trifft sicher zu, dass die US Invasion dazu geführt hat, dass Teheran seinen bedrohlichsten Gegenspieler in der Region los geworden ist. Richtig ist auch, dass in Bagdad politische Gruppen derzeit an der Macht sind, die dem Iran zumindest nicht feindlich gegenüber eingestellt sind.
Vom Iran als „Sieger“ (Galbraith setzt in der Überschrift dahinter ein Fragezeichen) zu sprechen, erscheint mir aber doch ein wenig übereilt. Noch ist das letzte Kapitel im Irak nicht geschrieben. Unklar ist sowohl, wie sich die sunnitischen Nachbarländer wie Saudi Arabien und Jordanien verhalten werden, sollten sich die USA aus dem Irak zurückziehen und damit ein Machtvakuum entstehen. Auch wenn Washington alles andere als ein Sieger im Irak aussieht, so verfügt es dennoch weiterhin über ausreichenden politischen Einfluss wie militärische Macht, um auch weiterhin im Mittleren Osten eine Rolle ist, die schwer zu ignorieren sein wird.
Galbraith legt zudem eine Sicherheit an den Tag, die zu teilen mir schwer fällt.
While Sunnis identify with the Arab world, Iraqi Shiites identify with the Shiite world, and for many this means Iran.
Zumindest haben sich die Schiiten im Irak soweit mit dem Irak identifiziert, dass sie auf Befehl von Saddam gegen den Iran in den Krieg zogen. Auch Moqtada Sadr ist im Irak nicht unbedingt als eine Marionette des Irans bekannt. Sadr wirft seinem Rivalen Abdul Aziz al-Hakim vor, Teheran zu nah zu stehen, und auch Ayatollah Sistani hält – sehr zum Missvergnügen einiger Ayatollahs in Qom – Abstand zum Iran.
Der Artikel enthält eine Reihe von Ungenauigkeiten und Fehlern (woher weiß Galbraith z.B., dass SCIIRI auf Anweisung von Ayatollah Khamene-i gegründet wurde? Der Schwerwasserreaktor in Arak und auch die Anreicherungsanlage in Natanz befinden sich nicht in dicht besiedelten Gebieten; glaubt nun die iranische Führung, dass eine militärische Aktion der USA droht oder glaubt sie es nicht?) und fasst mehr oder weniger zusammen, was man bei flüchtiger Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen dem Irak und dem Iran so zusammentragen kann, aber eine Passage finde ich doch interessant:
So far as Iran’s security is concerned, possession of nuclear weapons is more a liability than an asset. Iran’s size—and the certainty of strong resistance—is sufficient deterrent to any US invasion, which, even at the height of the administration’s post-Saddam euphoria, was never seriously considered. Developing nuclear weapons would provide Iran with no additional deterrent to a US invasion but could invite an attack.
Should al-Qaeda or another terrorist organization succeed in detonating a nuclear weapon in a US city, any US president will look to the country that supplied the weapon as a place to retaliate. If the origin of the bomb were unknown, a nuclear Iran—a designated state sponsor of terrorism—would find itself a likely target, even though it is extremely unlikely to supply such a weapon to al-Qaeda, a Sunni fundamentalist organization. With its allies now largely running the government in Baghdad, Iran does not need a nuclear weapon to deter a hostile Iraq. An Iranian bomb, however, likely would cause Saudi Arabia to acquire nuclear weapons, thus canceling Iran’s considerable manpower advantage over its Gulf rival.
Von offizieller iranischer Seite wird immer wieder unterstrichen, Nuklearwaffen wären kein Bestandteil ihrer Verteidigungsstrategie. Dieser Einwand wird in der Debatte um das iranische Atomprogramm nahezu völlig als eine durchsichtige Vernebelungskampagne ignoriert.
Aber vielleicht ist doch mehr dran als diejenigen glauben, für die es ausgemachte Sache ist, dass Teheran eine Atombombe anstrebt.
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