Französische Investitionen im Iran verdoppelt

23. September 2007 - 21:13

Zufall, Retourkutsche für die neuen, scharfen französische Töne gegenüber dem Iran oder ein dezenter Hinweis, was bei verschärften Sanktionen für Paris auf dem Spiel steht?

Die iranische Regierung veröffentlichte heute eine Statistik, nach der sich die Investitionen französischer Firmen im Iran gegenüber dem letzten Jahr verdoppelt haben.

French firms have invested $35.5 million in Iran in the March-July period, showing a 100-percent rise compared with last Iranian year.

Total investment by French companies during March 21, 2006-March 21, 2007 amounted to $16.3 billion, Director General of the Foreign Investment Organization, Ahamd Jamali, said. (Press TV)

US General hält Krieg für nicht wahrscheinlich

- 20:31

Den führenden US Militärs muss es bei allem dem Geschrei, den es in den letzten Wochen um einen möglichen Krieg gegen den Iran gegeben hat, ein wenig mulmig geworden sein.

“This constant drum beat of conflict is what strikes me which is not helpful and not useful,” Adm. William Fallon said in an interview with Al-Jazeera television, which made a partial transcript available Sunday. (AP)

Fallon ist nicht irgendein Militär, sondern der Kommandant des US Central Command, zu dem auch der Iran gehört. Er wäre also der Mann, der im wesentlichen einen solchen Krieg vorzubereiten und durchzuführen hätte.

“I expect that there will be no war and that is what we ought to be working for,” said Fallon during the Friday interview at Al-Jazeera’s headquarters in Qatar. “We should find ways through which we can bring countries to work together for the benefit of all …. It is not a good idea to be in a state of war. We ought to try and to do our utmost to create different conditions.”

Es hat sich inzwischen herum gesprochen, dass die Führung des US Militärs nicht unbedingt von der Idee angetan ist, nach dem Desaster im Irak in einen zweiten Krieg gegen das Nachbarland ziehen zu sollen.

Auf der anderen Seite gelten Generäle auch nicht unbedingt als Friedensengel, aber offensichtlich hielt Fallon es für an der Zeit, die Position der Militärs ein wenig deutlicher zu machen.

Lawrow zum Iran

22. September 2007 - 14:30

Vielleicht habe ich nicht richtig gesucht, aber ich habe nicht viel zu den Aussagen des russischen Außenministers Sergej Lawrow während seiner gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen Bernard Kouchner gefunden außer Lawrows Ablehnung von militärischen Aktionen und unilateralen Sanktionen.

Es gab mehr, schreibt heute M K Bhadrakmour in Asia Times, das Beachtung verdient.

[Lawrow] made it clear at the outset that Moscow is second to none in insisting on preventing the nuclear non-proliferation regime from being violated by Iran.

In other words, Russia wouldn’t countenance a “nuclear Iran”. But having said that, Lavrov added that the problem has to be solved in accordance with international law. In other words, Moscow will reject any “unilateralism” on the part of Washington.

Second, Lavrov argued that the steps taken by the international community so far … have proved “effective”. This is borne out by the fact that last month Iran and the IAEA agreed to address outstanding issues conclusively; the two sides elaborated their agreement in an appropriate document. Lavrov said that in Moscow’s estimation, the implementation of this document is proceeding satisfactorily and “we want this process to conclude unimpeded”.

Third, Lavrov spoke in strong support of the IAEA’s professional capabilities and asserted, “We will rely upon the professional assessments of the experts from the IAEA.” He added a punch line: “We remember well what ignoring the professional opinion of this agency [IAEA] led to in the situation vis-a-vis Iraq four years ago.”

Zudem erinnerte Lawrow daran, unter welchen Prämissen eigentlich das Format P5 + 1 (Russland, China, USA, Großbritannien und Frankreich als ständige Mitglieder des UN Sicherheitsrates plus Deutschland) aus der Taufe gehoben wurde.

He recalled the understanding given by Washington at that time to Moscow and Beijing to the effect that the Security Council’s involvement on the Iran issue would be with “a sole objective - to back the IAEA and ensure Iran’s compliance with the IAEA”.

In der Tat wurde der Fall Iran an den UN Sicherheitsrat mit der Begründung überstellt, Teheran würde nicht ausreichend mit der IAEA kooperieren. Die Weigerung des Irans, den Fragenkatalog der Organisation zu verdächtigen Vorfällen in der Vergangenheit zu beantworten, spielte dabei eine zentrale Rolle.

Nachdem der Sicherheitsrat einmal mit der Angelegenheit befasst ist, hat sich auf Betreiben der USA der Focus deutlich verschoben. Es geht nicht mehr darum, Teheran zur Kooperation mit der IAEA zu zwingen, sondern die Aussetzung der Urananreicherung und des Baus des Schwerwasserreaktors in Arak sind mittlerweile Forderungen an den Iran mit eigenem Leben geworden.

Es gibt allerdings keinerlei Handhabe, warum sich der Sicherheitsrat damit beschäftigen sollte, wenn ein Staat eine Anreicherungsanlage oder einen Schwerwasserreaktor baut. Dies allein sind keine Störungen des „internationalen Friedens und Sicherheit“, für die der Sicherheitsrat laut UN Charter zuständig ist, sondern verbrieftes Recht jedes NPT Mitgliedes.

Eine Störung des internationalen Friedens und der Sicherheit würde erst vorliegen, wenn es handfeste Verdachtsmomente gibt, ein Staat betreibe ein militärisches Nuklearprogramm und verstosse so gegen NPT.

Im Fall Iran existieren eine Reihe von Verdachtsmomente, dass Teheran mit seinem Nuklearprogramm Dinge betreibt, die es vor dem Rest der Welt geheim zu halten versucht. Die Vereinbarung vom 21. August dient dazu, diese Punkte aufzuklären.

Sollte der Iran alle Fragen der IAEA zur Zufriedenheit der Kontrolleure in Wien beantworten, sind alle Verdachtsmomente ausgeräumt. Warum sollte der Iran dann noch Thema im Sicherheitsrat sein und was wären dann noch die Ziele von Sanktionen sein?

Dies ist die formale Seite.

Natürlich ist Lawrow nicht der edle Ritter, der die Prinzipien internationalen Rechts verteidigt. Er hat sehr handfeste russische Interessen im Sinn. Beispielsweise ist es nicht im Interesse Moskaus, dass sich die Sphäre amerikanischen Einflusses im Mittleren Osten auch noch auf den Iran ausdehnt.

Aber die formale Seite ist auch nicht zu unterschätzen. Mit welchen Argumenten werden die USA, Großbritannien, Israel und Frankreich noch begründen wollen, dass weiterer Druck gegen den Iran notwendig ist, wenn Teheran am Ende des Prozesses alle von der IAEA vorgetragenen Verdachtsmomente ausgeräumt hat?

Und: wird die Bundesregierung, der allemal der Politik des erhöhten Drucks misstraut, in dieser Frage offen mit Washington brechen?

US nehmen erneut Iraner im Irak fest

20. September 2007 - 18:59

Die US Truppen haben erneut einen Iraner im Irak festgenommen.

US-led forces in Iraq say they have arrested an Iranian officer operating in the north of the country.

They say the man was a member of the Quds Force - an elite unit of Iran’s Revolutionary Guards - and was detained in the Kurdish city of Sulaimaniya.

“This individual has been involved in transporting improvised explosive devices,” the American military said. (BBC)

Wie schon oft zu diesem Thema gesagt: ein paar Beweise würden die Glaubwürdigkeit der Behauptung, es handele sich um einen Offizier (!) der Quds-Brigaden handeln, doch beachtlich erhöhen.

Offensichtlich soll er sich nicht nur des Einschmuggelns von improvisierten Sprengkörpern sondern nach anderer Dinge schuldig gemacht haben.

A statement by the US military said the arrested man had been involved in the “infiltration and training of foreign terrorists in Iraq”. Ausländische Terroristen? Also offensichtlich Al-Quaida-Leute, denn nur sie rekrutieren im Irak Ausländer.

Und dies alles hat er offensichtlich geplant und durchgeführt, während er in einem Hotel in Sulaimaniya wohnte.

According to a spokesman for the regional government in semi-autonomous Kurdistan, he was taken away overnight in a raid on a Sulaimaniya hotel.

Sonderlich konspirativ klingt das nicht.

Bis zum Beweis des Gegenteils neige ich zu der Annahme, dass die US Truppen mal wieder einen Was-weiß-ich-für-einen-Iraner aufgegriffen haben – nicht aber einen Offizier der Quds Brigaden, der „ausländische Terroristen im Irak“ trainiert und mit Sprengkörpern versorgt.

Bis heute sind die USA die Beweise dafür schuldig geblieben, dass es sich bei den 5 Iranern, die im Januar in Arbil festgenommen wurden, um Angehörige der Revolutionären Garden in ähnlicher Funktion handelt. Gleichwohl sind sie immer noch inhaftiert.

Solche Meldungen sollen wohl eher die Behauptung belegen, der Iran führe sich im Irak als Störenfried auf und müsse deshalb „eingedämmt“ werden.

Auch wenn man solche Geschichten immer wieder in Washington lanciert, werden sie deshalb nicht glaubwürdiger.

Gleichzeitig ist es wohl eine Politik der Nadelstiche. Hier mal eine Festnahme, dort mal eine Festnahme, um die Geduld der iranischen Seite zu testen.

Propagandamaschine

19. September 2007 - 23:58

Justin Logan vom Cato Institute hat für die jüngste Ausgabe des Amercian Conservative einen längeren Artikel über eine Propagandakampagne der Neocons geschrieben, ein Klima für eine Attacke gegen den Iran zu schaffen.

Der Artikel ist zu lang und detailliert, um ihn hier zusammen zu fassen. Nur so viel:

The purportedly perfidious role of Iran in Iraq sits at the center of the case for war. One can hardly open a newspaper or political magazine without reading table-pounding condemnations of Tehran. …

The curious thing about the case against Iran, however, is that hawks have created this perception without providing so much as a Powell-at-the-UN-style dossier of evidence. Although administration officials have parroted claims against Iran’s Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) for months, the charges are wholly based on inferential and nonspecific evidence that pales in comparison even to the trumped-up charges leveled against Iraq in 2002 and 2003.

Hier selber lesen.