Zitate, die mehr Beachtung verdienen XXI

23. October 2007 - 08:41

“I want to get people away from the idea that Iran will be a threat from tomorrow, and that we are faced right now with the issue of whether Iran should be bombed or allowed to have the bomb,” the Nobel peace prize winner said.

“We are not at all in that situation. Iraq is a glaring example of how, in many cases, the use of force exacerbates the problem rather than solving it.”

Der Generaldirektor der IAEA, Mohammed ElBaradei, gestern in einem Interview mit Le Monde. (Reuters)

PJAK

- 07:31

Richard A. Oppel Jr, Bagdad Korrespondent der NYT, ist in den äußersten Nordosten des Iraks gefahren, um selbst mal nachzuschauen, was es genau mit den Geschichten über eine Unterstützung der „Partei für ein freies Leben in Kurdistan“ (PJAK) durch die USA auf sich hat.

Diese Guerillagruppe unternimmt seit gut einem Jahr von irakischem Gebiet aus kleinere militärische Operationen gegen die Sicherheitskräfte im Iran. Sie gelten als ein Zweig der PKK.

Es existieret eine Reihe von Spekulationen und Meldungen, dass PJAK von den USA direkt oder indirekt unterstützt wird. Die US Regierung dementiert dies. Für Aufmerksamkeit sorgte der Besuch von PJAK Führer Rahman Haj-Ahmadi in diesem Sommer in Washington.

Den klaren Beweis, dass Washington PJAK als ein Druckmittel gegen Teheran unterstützt, konnte auch Oppel nicht finden.

Biryar Gabar, one of 11 members of the group’s leadership, said there had been “normal dialogue” with American officials, declining specifics. One of his bodyguards said officials of the group met with Americans in Kirkuk last year.

Iranian officials have accused the United States of supplying the fighters and using them in a proxy war, though those assertions were denied by the American military. “The consensus is that U.S. forces are not working with or advising the P.J.A.K.,” said an American military spokesman in Baghdad, Cmdr. Scott Rye of the Navy.

A senior American diplomat said that there had not been any official contacts with the group and that he was unaware of its having received any support from the United States. He also said that Mr. Haj-Ahmadi, while in Washington, did not meet with administration officials.

Because the P.K.K. is on the State Department’s list of terrorist organizations and aiding such groups is illegal, the United States is eager to avoid any hint of cooperation with the P.J.A.K.

Guerrilla leaders said the Americans classify the P.K.K. as a terrorist group because it is fighting Turkey, an important American ally, while the P.J.A.K. is not labeled as such because it is fighting Iran.

Die Aussage eines Bodyguards ist vielleicht ein Hinweis, aber sicher kein Beweis. Aber so viel lässt sich sagen: die US Truppen unternehmen mit Sicherheit keine Anstrengungen, PJAK zu stoppen.

Saeed Jalili wird neuer Sekretär

- 00:01

IRNA macht es offiziell:

Deputy foreign minister Saeed Jalili has been appointed as new secretary of the Supreme National Security Council (SNSC) to replace Ali Larijani, it was announced here Saturday.

President Ahmadinejad’s senior advisor Mojtaba Samareh Hashemi, who announced the news to IRNA Saturday afternoon, said Jalili will start his work probably on Sunday after Larijani’s farewell ceremony.

Der Umstand, dass Mojtaba Samareh Hashemi, der Mann hinter Ahmadinejad, die Neuigkeiten verkündete, deutet schon an, aus welchem Lager der neue Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates gehört.

Bekannt ist über Jalili nicht allzu viel, obwohl er in der iranischen Politik eine bedeutende Rolle spielt. Er wurde im Jahr 2001 Büroleiter von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamene-i. In dieser Funktion war er derjenige, der entscheiden konnte, wer Zugang zum mächtigsten Mann im Lande erhält und wie dessen Entscheidungen umgesetzt werden.

Iranische Kollegen erzählen, dass Jalili einen sehr bedeutenden Anteil daran hatte, dass Ahmadinejad der Favorit des Revolutionsführers unter den Präsidentschaftskandidaten wurde.

Nachdem Ahmadinejad die Wahl gewonnen hatte, wurde Jalili 2005 sein außenpolitischer Berater. Er wurde zum stellvertretenden Außenminister, verantwortlich für Nordamerika und Europa. Von ihm soll die Maxime stammen, nicht der Iran habe sich gegenüber dem Westen zu rechtfertigen, sondern der Westen gegenüber dem Iran.

Kein Zweifel: Jalili ist ein Mann aus dem Ahmadinejad Lager und zählt zu dem schwer auszulotenden Umfeld, das im Hintergrund den Präsidenten aufgebaut hat und die Grundlagen dessen Politik formulieren.

Mit Jalili wird es sicher nicht eine grundsätzliche Kehrtwende in der iranischen Nuklearpolitik geben. Deren Grundsätze werden im iranischen Machtapparat kollektiv festgelegt und die Strategie ist langfristig angelegt. Aber mit dem neuen Mann wird sicher die Bereitschaft zum Kompromiss zurückgehen. Wenn Ahmadinejad vor der Generalversammelung der UN erklärte, für seine Regierung sei der „Fall Iran“ erledigt, deutet sich an, was wohl auch die Marschrichtung in der Diplomatie werden wird. Zudem ist Jalili wohl eher ein Mann hartnäckiger Überzeugungen und geringer diplomatischer Erfahrungen.

Er hat allerdings im Vorfeld an der Ausarbeitung der Vereinbarung mit der IAEA zur Aufklärung der noch offenen Fragen zur Geschichte des iranischen Atomprogramms mitgewirkt. Von daher dürfte auch er den von Larijani begonnen Prozess weiter verfolgen.

Die Perspektive: wenn die Kernfragen halbwegs zufriedenstellend beantwortet sind, dann kann der Fall endgültig zu den Akten gelegt werden.

Was Strategen wie Jalili allerdings dabei ignorieren ist, dass es den USA nie allein um das Atomprogramm sondern mehr um eine Eindämmung des Irans gegangen ist. Wenn die Warnungen vor einer iranischen Bombe nur noch eingeschränkt auf offene Ohren stoßen werden, wird – wie sich schon jetzt abzeichnet – Washington die anderen Karten spielen: Unterstützung des Terrorismus sowie Unterstützung der Aufständischem im Irak und der Taliban in Afghanistan.

Es knirscht

22. October 2007 - 07:34

Der neue Chef der Joint Chiefs of Staff, Adm Mike Mullen, möchte gerne dass auch nach Ende des Krieges im Irak die amerikanischen Verteidigungsausgaben auf dem Niveau bleiben, auf dem sie derzeit sind. Wir wundern uns nicht.

Nach Darstellung von Mullen besteht ein großer Finanzbedarf, weil …

… arguing for money to repair and replace worn-out weapons and to restore American ground forces he described as “breakable,” though not yet broken. (NYT)

Die US Armee, so Mullen, ist derzeit nicht in der allerbesten Verfassung.

With America at war in two Muslim countries, he said, attacking a third Islamic nation in the region “has extraordinary challenges and risks associated with it.” The military option, he said, should be a last resort.

Zwei Deutungen:

Mullen zeichnet ein düsteres Bild vom Zustand der Truppen, um seinen Wunsch nach gleichbleibend hohen Verteidigungsausgaben zu begründen

oder

Er sagt es, wie es ist.

ABER:

But Admiral Mullen warned any nation, including Iran, not to “mistake restraint for lack of commitment or lack of concern or lack of capability.” He described the Air Force and Navy as America’s “strategic reserve,” ready to carry out a full range of combat operations beyond Iraq and Afghanistan.

Im Irak und auch in Afghanistan bereits reichlich strapaziert, wäre es dennoch wohl nicht ganz so einfach.

Und: die US Army = die regulären Bodentruppen haben die Grenze des Möglichen offensichtlich erreicht.

Boltons vergeblicher Kampf gegen die Karotten

- 07:32

Nachdem John R. Bolton seinen Posten als US Botschafter bei der UN verloren hat, hat er ein wenig mehr Zeit. Er nutzt sie, um gegen das Abkommen zwischen den USA und Nord-Korea zu Felde zu ziehen, unermüdlich vor der „iranischen Gefahr“ zu warnen – und natürlich um ein Buch zu schreiben.

Glenn Kessler hat schon einmal einen Brief in das Manuskript, das im kommenden Monat veröffentlich werden soll, geworfen und weiß heute in der WP zu berichten

On the eve of the 2004 presidential elections, then-Secretary of State Colin L. Powell secretly attempted to shift U.S. policy on Iran by telling key allies he wanted to offer “carrots” to the Islamic Republic to halt its nuclear ambitions, former U.N. ambassador John R. Bolton writes in his soon-to-be-published memoir.

Gemeint sind die Verhandlungen, die Frankreich, Großbritannien und Deutschland (E3) ohne viel Erfolg mit dem Iran führten. Ihrem Vorschlag haperte es vor allem an Angeboten wie Sicherheitsgarantien, die nur die USA liefern konnten. Die drei drängten deshalb Washington, eine Geste des Entgegenkommens zu zeigen.

Für Bolton war das zwar nicht unbedingt Landesverrat, aber nahezu eine Katastrophe.

[Bolton] believed that Tehran used the talks only to build up its nuclear capability. The administration was also openly skeptical, so he says he was shocked to learn that Powell, at a Sept. 22, 2004, dinner with “Group of Eight” foreign ministers, agreed that Iran should be given a package of “carrots.”

Bolton says he got a vague response from Powell when he asked about it, but he soon saw a European reporting cable on the meal and a Canadian letter that confirmed Powell’s proposal. In what Bolton described as the most difficult three weeks of his tenure in the administration, he says he used every possible bureaucratic and diplomatic maneuver to kill Powell’s plan.

“Powell had violated our long-standing Iran policy, colluded with the EU-3 against it and come out nearly endorsing [Sen. John F.] Kerry’s position only weeks before our election,” Bolton writes. “Along with others, I had foiled Powell’s legacy gambit. I knew it, and he knew I knew it.”

Das ähnelt ja fast iranischen Verhältnissen, wenn ein Untergebener (Botschafter) die nicht unwesentlichen Pläne seines Chefs (Außenminister) hintertreiben und zu Fall bringen kann.

Boltons Triumph war allerdings nur von kurzer Dauer.

But then to Bolton’s shock, Rice adopted the same approach when she became secretary. He says he began thinking of leaving the administration when Rice gave him the news over dinner in 2006. A depressed Bolton pointedly ordered carrot soup with the meal.

Hoffentlich hatte die Suppe mehr Karotten als die, die Rice dem Iran zu offerieren bereit war. Das Angebot bestand aus nicht viel mehr als dem Versprechen, die Blockade der Lieferung von Ersatzteilen für iranische Flugzeuge zu lockern.