Rückkehr zur Schweiz

Der Präsident des iranischen Parlamentes, Gholam-Ali Haddad-Adel, hat heute recht unvermittelt einen Vorschlag zur Beilegung des Konfliktes um das iranische Atomprogramm aus der Versenkung geholt, der – zumindest öffentlich – schon völlig in Vergessenheit geraten war.

Majlis Speaker Gholam-Ali Haddad-Adel said here Friday that a Swiss proposal on Iran’s nuclear issue is worth considering.

“In a meeting with Swiss parliament speaker, he presented a positive proposal on continuation of talks with the International Atomic Energy Agency, which is worth to be followed up and considered compared to other projects already proposed,” said Haddad-Adel in an interview with reporters upon return from his two-nation tour of Switzerland and Bosnia-Herzegovina late Thursday. (IRNA)

IRNA ist bei solchen Berichten notorisch einsilbig und oft weiß man nicht genau, ob dies Absicht oder mehr auf den Kampf des Übersetzers mit der englischen Sprache zurück zu führen ist (wahrscheinlich hat Haddad-Adel nicht von sich als „he“ gesprochen).

Bleibt, wie üblich, nur der Versuch, den kargen Zeilen einen Sinn zu entlocken.

  • Haddad-Adel spricht von dem „Schweizer Vorschlag“, der im Frühjahr dieses Jahres die Runden machte. Er besagt im Kern, der Westen solle akzeptieren, dass der Iran die Zahl der Zentrifugen, über die er damals verfügte, weiter in Betrieb hält, und eine völlige Stillegung nicht zur Voraussetzung für direkte Gespräche machen.

Der Vorschlag scheiterte damals am Einspruch vor allem der USA und Großbritanniens. Die iranischen Reaktionen waren eher vage.

Wenn Haddad-Adel wirklich diesen Vorschlag meinen sollte, dann wäre dies ein Rückschritt von der öffentlich erklärten derzeitigen Haltung Teherans. Die Linie lautet jetzt: wir bauen unsere Anreicherungsanlage und werden dies auch nicht einstellen, sind aber bereit über Kontrollverfahren mit uns reden zu lassen, die garantieren, dass kein Uran für militärische Zwecke abgezweigt wird.

  • Haddad-Adel redet von einem veränderten oder auch ganz neuen „Schweizer Vorschlag“, dessen Inhalt bislang nicht bekannt ist. Dafür spricht, dass es sich bei dem Vorschlag um neue Ideen „zur Fortsetzung der Gespräche mit der IAEA“, was wohl Verfahren zur Inspektion und Kontrolle der iranischen Nuklearanlagen meint.
  • Das Ganze ist mehr oder weniger das Produkt eines Journalisten, der sich mit der Materie nicht allzu gut auskennt.

Mein Gott, es ist nicht immer einfach den Iran zu verstehen.

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