Der Weg durch den Iran
14. October 2007 - 09:18
Ich weiß nicht, ob dies schon durch die deutschen Medien gelaufen ist oder nicht.
Die LAT hat heute eine längere Geschichte über Terroristen in Europa, die in pakistanischen Trainingscamps ausgebildet wurden. Illustriert wird dies an Fällen aus Deutschland und Europa.
Im Zusammenhang mit dem Iran ist folgende Passage interessant.
[T]hey all entered Pakistan via Iran, German investigators say. In Iran, with its heavy security force presence, it seems unlikely that those forces would not spot foreign militants in transit, particularly German converts, investigators said. Iranian authorities either looked the other way or were complicit, they said.
“It’s impossible for them to cross Iran without help,” the Italian anti-terrorism official said. “I think it implies support from the Iranian authorities.”
The attitude of Shiite Iran toward Sunni Al Qaeda has been ambiguous. Iranian authorities have arrested some Al Qaeda figures and protected others, seeing the terrorist network as a useful weapon against the West, anti-terrorism officials say.
Ich kann mir eine recht einfache Erklärung vorstellen, warum der Weg via Iran gewählt wird.
Die Flughäfen in Pakistan werden u.a. von amerikanischen Sicherheitskräften streng bewacht. Wer in den Verdacht gerät, zum Terror-Training ins Land zu kommen, gerät in das Visier der Sicherheitskräfte.
Iran ist einfacher und man kann zudem den pakistanischen Einreisestempel vermeiden, der zu Hause ein paar Fragen auslösen könnte. Wer nur bis zu 7 Tage bleiben will bekommt am Flughafen in Teheran ein Visum auf der Stelle. Die Sicherheitskräfte dort suchen nach allem möglichen, aber nicht nach augbildungswilligen zukünftigen Terroristen.
Man kann sich innerhalb des Irans als Tourist relativ frei bewegen. Es ist nicht so furchtbar schwierig per Flug oder per Bus in die Provinz Sistan-Baluchistan zu fahren, die an Pakistan grenzt. Hier wird man allerdings einen Führer benötigen, wenn man illegal über die Grenze will. Dies ist eine der Hauptschmuggelrouten für Opium aus Afghanistan. Es dürfte nicht so furchtbar schwer fallen, einen Guide zu finden, der einen auch zurück über die Grenze bringen kann. Aber – man muss Kontakte haben.
Allerdings ist es ein langer Weg die Beweiskette hinauf, dass all dies – wie der „italienische anti-Terrorismus Offizielle“ behauptet – nur mit Unterstützung des Irans möglich sei. Dies ist schlicht Unfug.
Ich würde auch nicht den anti-Terrorismus Offiziellen über den Weg trauen, die behaupten, das Verhältnis zwischen dem Iran und Al-Qaida sei ambivalent. Es gibt keinerlei Zweifel daran, dass sowohl Al-Qaida wie auch die iranische Führung jeweils den anderen als Todfeind ansieht. Im Irak nennt der dortige Al-Qaida Ableger die Schiiten pauschal „Iraner“ und rechtfertigt damit ihre Tötung. Der Iran hat die Nord-Allianz wie die US Truppen im Kampf gegen die Taliban und Al-Qaida in Afghanistan unterstützt.
Eine Reihe von Al-Qaida Mitgliedern sind im Iran verhaftet worden, als sie via Iran beim Sturz der Taliban flüchten wollten. Einige sind an ihre Heimatländer ausgeliefert worden. Andere schmoren als Faustpfand für einen möglichen Deal mit den USA wohl immer noch in irgendwelchen Gefängnissen.
Gelegentlich tauchen Meldungen auf, Al-Qaida Mitglieder hätten im Iran Zuflucht gefunden und würden von hier aus operieren. Die Quellen sind immer irgendwelche Geheimdienstkreise. Überprüfen kann man diese Behauptungen nicht und sind meist nach kurzer Zeit auch wieder vergessen.
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