Enttäuscht

30. November 2007 - 19:49

Sonderlich gut gelaufen ist es zwischen dem iranischen Unterhändler Saeed Jalili und dem EU Außenbeauftragten Javier Solana nicht, als sie sich heute in London trafen.

Nun denn, nur wenn der Iran noch in allerletzter Minute eine große Überraschung präsentiert hätte, hätte es anders ausgehen können. Jalili ist sicher nicht der Mann, der mit neuen Kompromissvorschlägen wieder Leben in diese festgefahrenen Gespräche bringen würde.

“I have to admit that after five hours of meetings I expected more, and therefore I am disappointed,” Solana told reporters, emerging from the crunch talks in central London. (AFP)

Jalili klang zufriedener.

“For five hours now I have been talking with Mr. Solana and we have had good negotiations,” the Iranian said. “We agreed to continue with our negotiations and we also agreed to arrange for a meeting next month.”

Manchmal besteht eine “gute Unterhaltung“ für die iranische Seite in nicht viel mehr als einem langen, sehr langen Monolog, in dem der eigenen Standpunkt ausführlichst dargelegt wird.

Das erwähnte Treffen ist nach Solanas Worten auch noch nicht unbedingt fest vereinbart.

“We will be in telephonic contact probably before the end of the month of December and if the circumstances permit we will meet and that will be agreed later on,” he said.

Ich habe meine Zweifel, dass es zustande kommen wird, denn ab jetzt dürfte das Klima noch eisiger werden als es bereits ist.

Solana wird morgen den P5 + Deutschland, die in Paris über mögliche weitere Sanktionen gegen den Iran beraten wollen, von der Ergebnislosigkeit seiner Bemühungen informieren. Das Scheitern dürfte die Möglichkeit, dass weitere Strafmassen verhängt werden, ein Stückchen näher gerückt haben.

Die traute Solana – Larijani/Jalili 2er-Runde dürfte einen vorläufigen Endpunkt erreicht haben. Die Tür wird nur nicht zugeschlagen, um sich noch einen offiziellen Kanal offen zu halten, wenn man doch wieder miteinander reden will.

Wenn man denn etwas hat, worüber zu reden es sich lohnt.

Atomprogramm der Golfstaaten gewinnt an Fahrt

21. November 2007 - 06:39

Gulf News berichtet heute, dass die sechs Staaten des Gulf Cooperation Council den ersten vorläufigen Entwurf einer Studie zur friedlichen Nutzung von Atomenergie erhalten haben.

The Gulf Cooperation Council states have received the preliminary copy of the draft study of their project of utilisation of nuclear technology for peaceful purposes.

This was disclosed by the GCC Secretary-General Abdul Rahman Al Attiyah in press statements in Riyadh following the end of Opec summit.

The draft study was prepared by the International Atomic Energy Agency. (GN)

Weitere Entscheidungen, wie und in welchem Umfang ein gemeinsames ziviles Atomprogramm aufgebaut werden soll, stehen noch aus, aber sollte der Oberste Rat des GCC grünes Licht geben, könnte der erste Reaktor bereits im Jahr 2025 ans Netz gehen.

The first atomic power station in the Gulf Cooperation Council may be ready by 2025, if an ongoing feasibility study on nuclear energy is approved by the GCC Supreme Council, Undersecretary of the UAE’s Ministry of Energy, Ali Abdullah Al Owais, said yesterday.

“According to the initial feasibility study conducted by the GCC Secretariat, it is expected that nuclear energy will enter the Arab Gulf states’ markets in 2025,” said Al Owais in a speech at the 13th annual energy conference here, a three-day event to discuss future Arabian Gulf energy sources - Hydrocarbon, Nuclear or Renewable.

Ist das der verdeckte Beginn eines nuklearen Rüstungswettlaufes mit dem Iran? Nicht laut Al Qwais.

“The Gulf states are obliged to make the necessary preparations to use this sort of energy. In this respect, it is worth mentioning that the GCC states have adopted a joint programme to develop nuclear energy for power generation and for water desalination,” said Al Owais.

Es gibt für die Öl wie Gas produzierenden Golfstaaten sehr solide ökonomische Gründe, sich nach alternativen Energiequellen umzuschauen. Ob es dabei auch einen militärischen Hintergrund gibt, wird sich daran zeigen, wie das Atomprogramm ausgelegt ist.

Mit der Verfolgung derartiger Pläne gewinnt gleichzeitig der saudische Vorschlag weiteres Gewicht, mit dem Iran über eine Kooperation im Bereich der Urananreicherung zu reden. Allerdings nicht auf iranischem Boden, wie Teheran es gern hätte, sondern in einem neutralen Drittland.

Gemeinsame Anreicherung?

18. November 2007 - 21:58

Präsident Mahmoud Ahmadinejad verriet Spencer Swartz vom Dow Jones Nachrichtendienst, er werde über den Vorschlag des Gulf Cooperation Council, ein gemeinsames Konsortium zur Urananreicherung in einem neutralen Land zu gründen, mit einzelnen arabischen Staaten in der Zukunft Gespräche führen.

Iran’s President President Mahmoud Ahmadinejad said Sunday he will consult with other Arab nations on a plan to enrich uranium outside the Middle East in a neutral country such as Switzerland.

“We will be talking with our (Arab) friends,” Ahmadinejad told Dow Jones Newswires on the sidelines of a summit of the Organization of Petroleum Exporting Countries’ heads of state in Saudi Arabia. (DJN)

Wann und wo diese Gespräche stattfinden werden ist nicht ganz klar.

An Iranian official told Dow Jones Newswires that some or all of the parties may meet in Tehran in coming weeks. Ahmadinejad later told journalists at a press conference that he welcomed the Gulf government’s proposal and said Iran would “closely and positively” study it.

Irans Außenminister Manouchehr Mottaki hatte ähnliches schon am vergangenen Donnerstag angekündigt.

Foreign Minister Manouchehr Mottaki said on Thursday that Iran will study plans put forward by regional states on cooperation to produce nuclear energy.

“Iran is to study every proposal to develop cooperation on peaceful nuclear program, which regional countries extend through official channels,” Mottaki noted.

Asked about the Saudi Foreign Minister Saud Al-Faisal’s proposal to form a consortium, he said that Tehran will study any plan for joint work on nuclear energy. (IRNA)

Die “Prüfung” scheint also ernst gemeint. Das macht aus der Sicht Teherans durchaus Sinn. Der Iran ist sehr darum bemüht, die US Strategie zu durchkreuzen, eine Koalition der arabischen Staaten zur Isolierung der islamischen Republik zu bilden. Gespräche über eine gemeinsame Urananreicherung wären da vertrauensbildend und würden eventuell auch dazu beitragen, die aufkommende Diskussion über eine „arabische Antwort auf eine iranische Bombe“ dämpfend zu beeinflussen.

Zudem ist es durchaus nicht ausgeschlossen, dass Teheran ein ernsthaftes Interesse an einer solchen Kooperation hat. Die Anlage in Natanz wird kaum in der Lage sein, ausreichenden Brennstoff für das ambitionierte iranische Nuklearprogramm, das mit 20 zivilen Reaktoren plant, zu liefern.

Mit Sicherheit wird aber eine gemeinsame Anreicherung mit dem Golfstaaten – sollte sie jemals zustande kommen – kein Einmotten der eigenen Anreicherungskapazitäten bedeuten.

Der eigene autonome Brennstoffzyklus ist iranische Staatsdoktrin.

Vorbereitungen für russische Brennstofflieferungen

16. November 2007 - 20:49

Russland scheint nun doch bereit zu sein, nach vielen, vielen Verzögerungen die in Aussicht gestellten Brennstäbe für den Nuklearreaktor in Bushehr zu liefern – sagt der Iran.

Russia and the UN nuclear agency will start work on November 26 to prepare for nuclear fuel deliveries to Iran’s Bushehr NPP, the Islamic Republic’s vice president and nuclear chief said.

Referring to a report delivered on Thursday by the International Atomic Energy Agency, Gholamreza Aghazadeh said it “stipulates that the UN agency in cooperation with the Russian government will begin, on November 26, preparing for nuclear fuel supplies for the Bushehr NPP in Iran, which will be launched in the near future.” (RIA Novosti)

Tatsächlich findet sich eine solche Passage im jüngsten Bericht des IAEA Generaldirektors Mohammed ElBaradei.

38. The Agency has made arrangements to verify and seal the fresh fuel foreseen for the Bushehr nuclear power plant on 26 November 2007, before shipment of the fuel from the Russian Federation to Iran.

Eine Bestätigung gibt es auch von der russischen Atomenergiebehörde.

The Russian Nuclear Power Agency said IAEA inspectors would check and seal the nuclear fuel containers for delivery to Iran at a Siberian chemical plant November 26-29. “We are ready to grant the IAEA specialists with any conditions for the work,” a deputy plant CEO said.

Damit wären die Brennstäbe reisefertig, aber noch nicht unbedingt auf dem Weg in den Iran.

Konstantin Grabelnikov said Russia would send nuclear fuel to Bushehr once the need arises. “The IAEA is controlling the construction of the Bushehr NPP at all stages, including storage of produced fuel. Fuel will be dispatched once it is required and the relevant instructions are received,” he said.

Heisst: die Brennstäbe werden erst geliefert, wenn die IAEA bescheinigt, dass sie ordnungsgemäß in Bushehr gelagert werden können.

Und natürlich auch erst dann, wenn die russische Führung es nicht aus politischen Gründen doch noch für angebracht hält, den Iran noch weiter zappeln zu lassen.

75 Mal Lieferungen blockiert

- 07:48

Ein namentlich nicht genannter Diplomat aus einem namentlich nicht genannten Land dachte, es könnten seinen politischen Zielen vielleicht zuträglich sein, wenn er die Welt einmal darauf aufmerksam mache, dass der Iran immer wieder versucht, sogenannte dual-use items zu erwerben. Gemeint sind Geräte, Werkzeuge oder Anlagen, die sich sowohl zu zivilen wie auch zu militärischen Zwecken einsetzen kann. Also nimmt der gute Mann Kontakt zu Warren Hoge von der NYT auf und spielt ihm eine Liste zu, auf der Gegenstände aufgeführt sind, deren Erwerb durch den Iran blockiert wurde.

The list of trade denials was made available by a diplomat from a country interested in exposing the extent of Iranian efforts to acquire so-called dual-use items that can be converted to weapons production. He made the list available on agreement that neither he nor his country be identified.

Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, das in Frage kommende Land wird in der Regel mit drei Buchstaben abgekürzt und hat vorne eine „U“ und hinten ein „A“.

Angefertigt wird die Liste von der Nuclear Suppliers Group, einem mit Experten aus 45 Staaten besetzten Ausschuss, der überwachen soll, dass Technologie nicht unerlaubt in die Hände von Atombombenbastlern gerät. Der Ausschuss operiert im Rahmen des Atomwaffensperrvertrages.

Allzu aufschlussreich ist das allerdings nicht, was diese Liste zu Tage fördert.

The list names companies from Australia, Finland, Sweden, the United Arab Emirates and Iran itself that were prevented from carrying out deals because the items being sold were suspected of being militarily useful.

The Iranian end users included the government of Iran and the country’s atomic energy organization and power, engineering, petrochemical and oil-refining and gas companies, aircraft industries, schools, universities, engine manufacturers, mineral research centers, a helicopter support company and a plasma physics center. …

Among the listed items being offered for sale in the blocked deals were nickel powder, petrochemical plant components, compressors, furnaces, steel flanges and fittings, electron microscopes, radiometric ore-sorting machines, valves and tubing, lasers, a rotary drilling rig, a mass spectrometer and a nitrogen production plant.

Nun liegt es in der Natur von dual-use items, dass sie sowohl für zivile wie für militärische Zwecke genutzt werden können. Das Elektronenmikroskop, das beispielsweise eine Universität in Shiraz bestellt hat, könnte für ganz harmlose Forschungszwecke, aber vielleicht auch zur Materialprüfung beim Bau einer Bombe eingesetzt werden. Könnte, denn es gilt nicht unbedingt der Umkehrschluss, alles was dual-use ist, wird vom Iran zum Bau einer Bombe benutzt.

Vorstellbar ist, dass die Kriterien im Fall Iran besonders streng gehandhabt werden.

Interessant wäre es zu wissen, welchen Ländern denn sonst die Lieferung von dual-use items verwehrt wurde.