26. December 2007 - 19:43
Die Nachricht kam aus Teheran. Verteidigungsminister Mostafa Mohammad Najjir vertraute dem staatlichen Radio an, Russland werde S-300 Luftabwehrsysteme wie einst vertraglich vereinbart liefern. Einen genaueren Zeitpunkt für diese Lieferung wollte oder konnte er aber nicht nennen.
“The S-300 system will be delivered to Iran within the framework of a contract agreed in the past,” Iranian Defence Minister Mostafa Mohammad Najjar was quoted as saying by state radio, without giving the date of the contract.
“The timing of the delivery will be announced at a later date,” he added. (AFP)
Eine Bestätigung aus Moskau gibt es bislang nicht. Nur eine etwas obskur klingende Quelle.
“In line with the contract signed several years ago, Russia will deliver to Iran several dozen 3RS S-300PMU1 anti-aircraft systems,” the source said. Interfax said the deliveries would begin next year.
Dennoch – bei aller Vorsicht – besitzt die Meldung durchaus Glaubwürdigkeit. Schon im Umfeld des Putin-Besuchs im Iran war auch von russischen Waffenverkäufen die Rede ohne dass Einzelheiten bestätigt wurden.
In den letzten Wochen hat eine nicht unbedeutende Kurskorrektur zu Gunsten Teherans in Moskau stattgefunden. Die Brennstäbe für Bushehr sind nach unzähligen Verzögerungen endlich geliefert worden; Russland widersetzt sich hartnäckig jeglicher sinnvoller Sanktionen gegen Iran und erklärt öffentlich, es gebe wenig Grund, Druck auf den Iran auszuüben, da Teheran kein nukleares Waffenprogramm betreibe. Letzteres scheint nun auch - mit einem breiten Grienen aus Moskau quittiert - das amerikanische NIE zu bestätigen. Russland hat zudem dem Iran konkrete Projekte zur Zusammenarbeit im zivilen Bereich angeboten. Es gibt Annäherungen in der Frage der Aufteilung des Kaspischen Meers und der beiderseitige Handel nimmt an Volumen zu.
Im November letzten Jahres begann Moskau zudem mit der Lieferung von 29 TOR-M1 Luftabwehrsystemen und demonstrierte damit, dass es trotz heftiger Einsprüche aus Washington auch Waffenlieferung an Teheran nicht für Tabu hält.
Die S-300wäre allerdings technologisch ein ganz anderes Kaliber. Das System soll ein größere Reichweite als die US Patriot Missiles besitzen und in der Lage sein, neben Kampfflugzeugen sowohl ballistische Raketen wie Cruise Missiles abzuschießen. Genau das Richtige also zur Abwehr eines möglichen Angriffes auf iranische Nuklearanlagen.
Sollte sich die Meldung bestätigen, dann würde Russland zumindest indirekte Militärhilfe an den Iran im Falle eines amerikanischen oder israelischen Angriffs geleistet haben. Eine wichtige Linie wäre überschritten, und es würde neu zu definieren sein, wie der Ausdruck „Konfliktpartei“ zu verstehen ist.
gepostet von Martin Ebbing
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