Komplotte

Zur Geschichte der Kontroverse um das iranische Atomprogramm gehören immer wieder auch Berichte über Kenntnisse, die Geheimdienste gesammelt haben wollen, sowie verdeckte Operationen, mit denen iranische Schmuggelaktionen verhindert, Überläufer angeworben oder Beweismaterial wie ein Laptop beschafft worden sein sollen.

Journalistisch ist dies eher ein unergiebiges Thema, weil die Behauptungen aus diesen trüben Quellen selten unabhängig überprüft werden können und die Informationen, die an die Öffentlichkeit gelangen, meist aus politischen Gründen gestreut wurden.

Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, berät meist in ein Dickicht von Geraune und Gerüchten, Verdächtigungen und Spekulationen, das bodenlos erscheint.

Vor knapp zwei Jahren erschien ein Buch von James Risen, der für die NYT über nationale Sicherheit und die US Geheimdienste schreibt, mit dem Titel State of War: The Secret History of the CIA and the Bush Administration. Der geneigte Leser konnte allerhand über geheime Operationen, Komplotte und abenteuerliche Pläne lesen, wie man es von einem Buch dieser Art erwarten darf.

Dazu zählten auch Pläne der CIA gemeinsam mit der israelischen Moassad das iranische Atomprogramm zu sabotieren.

So sollten elektromagnetische Apparate in den Iran geschmuggelt und so platziert werden, dass man damit Kurzschlüsse in dem Elektrizitätsnetz, das die iranischen Nuklearanlagen versorgt, produzieren konnte. Das Unternehmen soll aufgrund einer Reihe technischer Schwierigkeiten fehlgeschlagen sein.

Schief gegangen soll auch die Operation Merlin.

Mit Hilfe eines ehemaligen sowjetischen Atomexperten sollten dem Iran Baupläne für einen nuklearen Sprengkopf untergeschoben werden, die allerdings ein paar eingebaute Fehler hatten. Teheran sollte Zeit und Energie damit verschwenden, das Dinge zu bauen, nur um dann festzustellen, dass es doch nicht funktioniert.

Der sowjetische Spezialist wusste freilich nicht, dass absichtlich Fehler eingebaut wurden. Er schaute sich die offensichtlich sehr amateurhaft vorgenommen Änderungen an, stellte fest, dass es der Sprengsatz so nicht explodieren würde.

Im guten Glauben, so im Interesse seiner Auftraggeber von der CIA ein Vertrauensverhältnis mit den Iranern aufzubauen, wies er seine Abnehmer auf eigene Faust auf diese Fehler hin.

Glaubwürdig oder eine der vielen Räuberpistolen?

Die israelische Haaretz berichtet heute, Rosen sei von einem Bundesgericht in den USA vorgeladen worden, um die Quellen für diese Geschichten offen zu legen. Ermittelt wird wegen Geheimdienstverrat.

Die Ermittler würden sich kaum die Mühe machen, wenn die von Rosen geschilderten Operationen nichts anderes als Gehirngespinste wären. Wo nichts ist, wären auch keine Geheimnisse zu verraten.

Wenn es also stimmt, dann

  • besitzt der Iran jetzt einen Bauplan für eine Bombe und weiss, welche Fehler darin stecken
  • ist Teheran offensichtlich trotz aller Beteuerungen, man arbeite nur an der Produktion von friedlicher Atomenergie, an solchen Plänen interessiert
  • erscheint es soooo furchtbar nicht an den Haaren herbeigezogen, dass vielleicht auch die Baupläne für einen Sprengsatz, der auf dem ominösen Laptop Computer gefunden wurden und zu denen der Iran nun Auskunft geben soll, aus einer ähnlichen Fälscherwerkstatt.

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