Iran: es gibt keine Deadline

31. July 2008 - 20:50

Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki bestritt heute, dass be idem Treffen am 19. Juli in Genf soetwas wie eine Frist vereinbart worden ware, zu der Teheran eine Antwort auf den Vorschlag eines Freeze abzugeben hätte.

“The language of deadline-setting is not understandable to us. We gave them our response within a month as we said we would, now they have to reply to us,” Foreign Minister Manouchehr Mottaki told reporters, according to the official IRNA news agency. (AFP)

Nach Mottakis Darstellung hätten sich vielmehr beide Seiten darauf verständigt, in zukünftigen Treffen nach Gemeinsamkeiten in den Vorschlägen beider Seite zu suchen und auf dieser Basis eine Verständigung zu finden.

“Both sides said that in future meetings they should work on the communalities of both frameworks in a constructive way to reach an agreement that satisfies both sides, otherwise Iran’s constructive activities will take their natural course,” he was quoted as saying by the ISNA news agency.

Keine Ahnung, was mit “Iran’s constructive activities will take their natural course” gemeint sein soll.

Erkennbar ist aber, dass Teheran offensichtlich sehr darum bemüht ist, sich um eine Stellungnahme zu dem Freeze-Vorschlag herumzudrücken. Offensichtlich will man nicht “Nein” sagen, weil man (derzeit?) nicht “Ja” sagen kann.

Aus iranischer Sicht mag man durchaus auch glauben, mit dem „nonpaper“, das bei der Begegnung in Genf übergeben wurde, die verlangte Antwort gegeben zu haben. Dieses Papier enthält einen halbwegs präzisen Fahrplan für zukünftige Verhandlungen, in dem abhängig vom Fortschritt dieser Gespräche sich der Iran auch zur Umsetzung von „vereinbarten Massnahmen“ verpflichtet.

Diese Formulierung lässt sich so interpretieren, dass Teheran an einem bestimmten Punkt bereit wäre, auf einen Freeze oder einen anderen Kompromiss in der Nuklearfrage einzugehen – nur nicht, bevor die Verhandlungen überhaupt begonnen haben.

Mottakis heutige Äußerungen sind ein Hinweis darauf, dass der Iran am Samstag kein weiteres Papier mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu einem Freeze schicken wird. Was dann passiert wird von den P5+Deutschland abhängen.

Khamene-i: Kein Einlenken

30. July 2008 - 19:45

In einer Rede heute aus Anlass des Geburtstages des Propheten Mohammed hat Revolutionsführer Ali Khamene-i klar gemacht, dass der Iran in der Atomkontroverse nicht einlenken wird.

“Backing down one step in the face of the arrogance will encourage it to come one step forward. The idea, that retreatment and giving up right stances and words will make the arrogance change its policy, is totally wrong and baseless.” (IRNA)

Arrogance = die westlichen Großmächte + Israel.

Khamene-i ist für sein tiefes Misstrauen gegenüber jeder Annäherung mit dem Westen bekannt und sein Wort ist die Richtlinie für die Politik. Er wiederholte das bekannte Thema, das der Westen dem Iran die Nukleartechnologie nur verwehren will, um das Land rückständig zu halten.

“The present time Abujahls (ignorant persons), who only look at their arms and roar like foolish hooligans, do know that Iranian nation pursues nuclear energy for electricity generation.

They (the west) however claim that since such a work gives you (Iranians) power, we (westerners) will not allow (you to pursue it).

Iranian nation will of course defy such claims and continue their path, relying on their helpful experience and on the reliable benefits of its 30-year resistance.”

Mit diesen Worten dürfte der Revolutionsführer auch ein Machtwoche in der seit Wochen anhaltenden internen Debatte zwischen den „Prinzipalisten“, die Kompromisse gegenüber dem Westen ablehnen, und den Pragmatikern, die glauben, der Iran sei auf ein Mindestmass an Kooperation angewiesen, gesprochen und sich auf die Seite der Ablehnungsfraktion geschlagen haben.

Eine positive Antwort aus Teheran zu dem neuen Verhandlungsangebot der P5+Deutschland, die zum Wochenende erwartet wird, wird dadurch äußerst unwahrscheinlich – wenn es denn überhaupt eine Antwort geben wird.

Der Iran hat in den letzten Tagen mehrfach erklärt, man sei zu Verhandlungen (vor allem mit den USA) bereit, aber Teheran will über vieles und alles mögliche reden, nur nicht über den für den Westen so entscheidenden Punkt der Urananreicherung.

Offen ist, ob sich an dieser Bereitschaft nach dem Machtwort des Revolutionsführers nun etwas ändern wird oder ob der Iran bereit ist, zumindest zu testen, ob es „Gemeinsamkeiten“ (Ahmadinejad) außerhalb der Atomfrage gibt, die eine begrenzte Kooperation ermöglichen.

Auf der anderen Seite haben sich die P5+Deutschland bereits darauf festgelegt, dass ein Ausbleiben einer positiven Antwort aus Teheran unmittelbar weitere Sanktionen nach sich ziehen wird. Das wird sicher nicht das Klima für eine Annäherung verbessern und so schnell wird es kein neues Verhandlungsangebot mehr geben.

Wenn man noch einbezieht, dass sich der Iran gleichzeitig immer mehr der technischen Möglichkeit nähert, eine Atombombe bauen zu können, dann ist eine weitere Zuspitzung abzusehen.

Khamene-i droht mit seiner Position der Iran noch weiter in die Isolation zu treiben. In seiner heutigen Rede sagte er:

“A bright horizon is ahead of dear Iran; we do know what we do and where we will get.”

Ich bin mir da nicht so sicher.

US Absage an Israel

- 06:55

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak war in Washington und traf sich mit seinem amerikanischen Amtskollegen Robert Gates. Baraks Anliegen: die USA sollten auf keinen Fall ihre Drohung mit „alle Optionen liegen auf dem Tisch“ = auch eine militärische Aktion ist möglich auf keinen Fall zurückziehen.

Das Gespräch war vertraulich, aber im Anschluss gab der Sprecher des Pentagons Geoff Morrell eine Erklärung ab:

“I think the Israelis are keenly aware that we believe the best possible avenue of dissuading the Iranians from pursuing nuclear weapons is through economic and political pressures,” said Geoff Morrell, the Pentagon press secretary.

“We certainly understand that the Israelis view a nuclear Iran as an existential threat — they have made that abundantly clear to us, to the world. And we are working diligently to prevent that from happening,” he said.

“But the way we are focusing our efforts is on diplomatic, economic, financial pressures,” he said. (AFP)

Wenn ich von Diplo-Lingo etwas verstehen, dann kann eine Absage an eine gemeinsame militärische Operation unter befreundeten Staaten kaum deutlicher ausfallen.

Ganz mit leeren Händen hat Barak Washington allerdings nicht verlassen.

Gates assured Barak that they would explore providing Israel with additional defensive capabilities, Morrell said.

The Pentagon press secretary declined to confirm an Israeli statement that the capabilities included a forward deployed missile defense radar, missile early warning launch data, and counter-measures against short-range rockets and mortars.

Für den Fall eines Falles.

Oder doch keine 6.000?

29. July 2008 - 11:38

Offensichtlich war beim iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad doch wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens als er am Samstag verkündete, sein Land verfüge über 6.000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Iran appears to have overstated the expansion of its uranium enrichment programme at a sensitive juncture in talks with world powers, a diplomat close to the U.N. nuclear watchdog agency said on Monday.

He said the International Atomic Energy Agency checked President Mahmoud Ahmadinejad’s announcement on Saturday that Iran had more than 5,000 centrifuges running and could verify just 4,000 were installed, 3,500 of which were regularly enriching uranium.

“This is the latest, verified information the agency has, as of today,” said the Vienna-based diplomat, who is familiar with the U.N. watchdog’s inspections in Iran. (Reuters)

Ein zweiter von Reuters zitierter Diplomat hat ebenfalls so seine Zweifel.

“It’s hard to verify what Ahmadinejad actually said, let alone the (true number of centrifuges). The figure of 4,000 is more plausible compared to where they were (two months ago),” a European Union diplomat accredited to the IAEA told Reuters.

Interview mit Soltanieh

- 10:34

Die Campaign against Sanctions And Military Intervention In Iran (CASMII) veröffentlicht heute auf ihrer Webseite ein Interview mit dem iranischen Botschafter bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh. Das Gespräch ist nicht sonderlich kontrovers, sondern mehr eine Plattform für Soltanieh, seine Positionen in der Nuklearkontroverse darzustellen. Wahrscheinlich weil er sich recht sicher fühlt, verzichtet er deshalb auf die wenig aussagekräftigen und meist formelhaften Formulierungen, die man sonst in Interviews mit iranischen Offiziellen lesen kann. Das macht das Interview recht lesenswert.

So versucht Soltanieh beispielsweise zu begründen, warum schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit es für Teheran unverzichtbar erscheinen lassen, auf einer eigenen Urananreicherung zu beharren:

First of all we have a confidence deficit for the last thirty years particularly after the revolution when Western countries immediately stopped their nuclear cooperation [with Iran.] We paid $2m before the revolution in order to have new fuel for the Tehran reactor which produces mainly radioisotopes. The Americans neither gave the fuel nor the $2m that they received. …

When the Argentineans had success in enrichment, they announced their readiness to give fuel to Iran under the auspices of the IAEA and that is what happened. Therefore the Tehran reactor right now is working with Argentinean fuel and this was in fact a good sign of South-South cooperation. …

Iran was part of Eurodif, an enrichment company in France, to which the Shah gave $1bn as a loan thirty years ago. Right now that I am giving this interview, Iran holds 10% of the shares of that company, but we have not even received 1 gram of uranium from that factory …

The next issue of course is the Bushehr power plant which is a tragedy in fact among all industrial projects of the world. It was supposed to be in operation almost twenty eight years ago and after thirty years it is still not in operation. We spent another $1bn [in dealing] with the Russians and it is still not in operation. And I want to inform you that, while we thank the Russians for their cooperation, they have only given the fuel so far for the first load and the first year. They have not provided any guarantees on paper for the fuel in the next five or ten years. Therefore there is no guarantee for even the Bushehr power plant.

Nun sind – tatsächliche oder vermeindliche – Ungerechtigkeiten der Vergangenheit kein Grund, sich einem Dialog über die eigene Urananreicherung zu entziehen, noch erklären sie einige Ungereimtheiten im iranischen Atomprogramm, aber es ist durchaus nachzuvollziehen, warum man im Iran nicht immer den Eindruck hat, wirklich fair behandelt zu werden.

Mehr u.a. zu den Untersuchungen in das iranische Atomprogramm und anderen Vorwürfen hier.