NYT: Tinners arbeiteten für die CIA

25. August 2008 - 09:14

Die NYT greift heute noch einmal in einem Stück, das so aussieht, als sei es eher für die gestrige Sonntagsausgabe bestimmt gewesen, die Hintergründe der Zerstörung der Dokumente im Fall Tinner auf.

Die Familie Tinner, Vater Friedrich und seine beiden Söhne, stehen im verdacht, mit dem atomaren Schmuggelnetzwerk von Abdul Qadeer Khan zusammengearbeitet, und Technologie für ein Nuklearprogramm illegal u.a. an den Iran und an Libyen verkauft zu haben. Ihnen wird in ihrer Heimat, der Schweiz, der Prozess gemacht.

Im Mai wurde bekannt, dass eine Reihe von Zeichnungen und Dokumente im Besitz der Tinners von den Schweizer Behörden unter Aufsicht der IAEA vernichtet wurden. Die Begründung lautete damals, man wolle verhindern, dass Anleitungen zum Bau einer Atombombe in unbefugte Hände fallen würden.

Diese Begründung sei nur vorgeschoben gewesen, so die NYT heute.

The purpose, the officials said, was less to thwart terrorists than to hide evidence of a clandestine relationship between the Tinners and the C.I.A.

Over four years, several of these officials said, operatives of the C.I.A. paid the Tinners as much as $10 million, some of it delivered in a suitcase stuffed with cash. In return, the Tinners delivered a flow of secret information that helped end Libya’s bomb program, reveal Iran’s atomic labors and, ultimately, undo Dr. Khan’s nuclear black market. (NYT)

Der US Regierung ging es schlicht und einfach darum zu verhindern, dass ihren eigenen Informanten der Prozess gemacht wurde. Belastendes Material sowie Hinweise auf die Verstrickungen der CIA wurden so aus dem Verkehr gezogen. Es macht sich schlecht, wenn man weitere Mitarbeiter in der Zukunft anwerben will.

Bemerkenswerte Einsichten, welche Informationen die Tinners denn über die Geschäfte mit dem Iran einbringen konnten, enthält der Artikel nicht.

So schreiben William J. Broad und David E. Sanger …

For instance, the United States had gathered circumstantial evidence that Iran wanted an atom bomb. Suddenly it had a direct view into clandestine Iranian procurement of centrifuges and other important nuclear items.

… aber das liest sich eher wie ein slip of the pen. Beide Autoren scheinen es als gegeben anzusehen, dass der Iran den Bau einer Bombe anstrebt. Beweise dafür scheinen die Tinners nicht geliefert zu haben.

Weiter unten im Artikel heißt es:

He said the agency had no evidence that Iran had acquired the bomb plans.

He = ein ungenannter europäischer Diplomat, der via IAEA Einblick in einige der nun vernichteten Unterlagen hatte.

Von der selben Quelle stammt auch die Aussage, dass das, was die Tinners in Sachen Bombenpläne anzubieten hatten, eher von eingeschränktem Nutzen war.

[T]he diplomat insisted that the warhead designs were in many respects sketchy and incomplete. “These are almost like studies — bits and pieces,” he said, adding that they “wouldn’t be enough to let you build a replica.”

Ansonsten wird noch mal erwähnt, dass die Tinners auch einen brauchbaren Beitrag dazu geliefert haben, die iranischen Nuklearpläne zu sabotieren.

[T]he men and their insider information had helped the C.I.A. sabotage atomic gear bound for Libya and Iran. A former American official confirmed the disruptions, saying the technical architect of the operation was “a mad-scientist type” who took pleasure in devising dirty tricks.

Bekannt ist bereits, dass an den Iran manipulierte Schaltelemente geliefert wurden.

A more serious disruption involved a power supply shipped to Iran from Turkey, where Dr. Khan’s network did business with two makers of industrial control equipment.

The Iranians installed the power supply at their uranium enrichment plant at Natanz. But in early 2006, it failed, causing 50 centrifuges to explode — a serious, if temporary, setback to Iran’s efforts to master the manufacture of nuclear fuel, the hardest part of building a bomb. (Iran says its nuclear efforts are for electricity, not weapons.)

Gholamreza Aghazadeh, the head of the Iranian Atomic Energy Organization, told a reporter last year that Iranian investigators found that the power supply had been manipulated.

After the episode, he added, “we checked all the imported instruments.”

Wie man lesen kann, James Bond lebt, aber die Beweise für den zielstrebigen Versuch, eine iranische Bombe zu bauen, haben auch nach allem was bekannt geworden ist auch die Tinners nicht geliefert.

Four more years?

- 09:09

Da die Frage, wer wird Ahamdinejads Nachfolger, auch in diesem Kontext von Interesse ist, ein Verweis auf die andere Seite dieses Blog.

Raketentest ein Fehlschlag?

20. August 2008 - 07:01

Der am Sonntag verkündete erfolgreiche Test einer Rakete, die einen iranischen Satelliten ins All transportieren soll, könnte ein Fehlschlag gewesen sein.

Dies behauptet zumindest ein nicht näher identifizierter US Geheimdienstler.

“The attempted launch failed,” a U.S. intelligence official told Reuters, speaking on condition of anonymity.

“The vehicle failed shortly after liftoff and in no way reached its intended position,” the official said. “It could be characterized as a dramatic failure.” (Reuters1)

Der Raketentest war von einem amerikanischen Kriegsschiff im Persischen Golf aus beobachtet worden.

Auch Charles Vick, Raketenspezialist bei GlobalSecurity.org, glaubt zu wissen, dass die Rakete nicht die beabsichtigte Höhe erreicht hat, sieht in dem Test am Sonntag aber dennoch einen Fortschritt gegenüber einem ähnlichen Versuch im Februar.

He said the second stage ignited before another failure brought the rocket down — a step forward from the February test. Where it came down was unclear.

Das iranische Fernsehen hatte von dem Test nur Bilder gezeigt, in denen die Rakete an der Startrampe zu sehen war.

Trotz des Fehlschlags sieht Vick den Iran aber auf dem Weg, in naher Zukunft über eine erfolgreiche Rakete zu verfügen.

Despite the setback, Iran appeared within “reasonable striking distance” of meeting a previously stated goal of putting a domestically made research satellite into orbit by next March, Vick said.

Gestern hatte der Chef der iranischen Weltraumbehörde noch angekündigt, sein Land sei nun in der Lage, Satelliten anderer islamischer Staaten ins All zu befördern.

Head of Iran’s Aerospace Organization, Reza Taghipour, said Iran wanted to help Muslim countries to launch satellites.

“I am announcing now that Iran is ready to launch satellites of friendly Islamic countries into space,” Taghipour told state television. (Reuters2)

Vielleicht doch noch nicht so ganz.

Iran vergibt erste Aufträge für sechs neue Atomkraftwerke

- 06:11

Der Iran hat gestern die ersten Schritte unternommen, den lang geplanten Bau von sechs weiteren Atomkraftwerken in die Praxis umzusetzen.

Head of nuclear energy producing company, Ahmad Fayyazbakhsh said on Tuesday that agreements have been signed with executives in the field of nuclear energy generation.

He said that the state company signed agreements with other domestic firms to find locations to build new nuclear power plants. He said the process could take about 13 months. (IRNA)

Noch zu Zeiten des Schahs hatte der Iran den Plan, sechs Atomkraftwerke mit einer Gesamtleitung von rund 20 MW zu bauen. Mit der Revolution und dem Krieg gegen den Irak wurde dieses Vorhaben anfangs wieder zurück gestellt. 2005 fasst das iranische Parlament aber offiziell einen Beschluss, sechs Atomkraftwerke zur Energieversorgung zu bauen.

Im April letzten Jahres kündigte Teheran eine internationale Ausschreibung für den Bau der Anlagen an.

Von Kritikern wird der Umstand, dass der Iran zwar mit Nachdruck am Bau seiner Urananreicherung arbeitet, aber keine Nuklearreaktoren auf lange Zeit existieren werden, die mit dem in Natanz produzierten angereichertem Uran betrieben werden sollen, als Beleg dafür, dass es Teheran eher daran gelegen ist, über den Rohstoff für den Bau einer Atombombe zu verfügen.

Der von einer russischen Firma gebaute Reaktor in Bushehr wird mit Brennstäben betrieben, die ebenfalls aus Russland geliefert werden und nach dort wieder zurück geführt werden müssen.

Among the six chosen to look for nuclear sites is Khatam-ol-Anbia, the vast business arm of Iran’s ideological Islamic Revolutionary Guards Corps, which is under US and EU sanctions for links with nuclear proliferation activities. …

Khatam-ol-Anbia is involved in major projects in Iran, including oil and gas developments, infrastructure such as ports, bridges and the Tehran metro, telecommunications and agricultural projects. (AFP)

Es zählt zu den Eigenarten Irans, dass staatliche Organisationen gehalten sind, sich durch kommerzielle Tätigkeiten so weit wie möglich selbst zu finanzieren. Die Revolutionären Garden haben dabei den größten Eifer entwickelt.

Die Revolutionären Garden sind allerdings im Oktober letzten Jahres von den USA mit Sanktionen belegt worden, was es unmöglich machen wird, dass sich auch amerikanische Firmen am Bau der sechs neuen Reaktoren beteiligen werden. Aber das ist allemal wohl eher eine theoretische Möglichkeit. Washington dürfte allerdings einiges daran setzen, auch Unternehmen aus anderen Staaten daran zu hindern, sich in diesem bereich zu engagieren.

Was eigentlich aus der internationalen Ausschreibung aus dem letzten Jahr geworden ist, ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Der Leiter der Abteilung für Energieproduktion bei der iranischen Atomenergiebehörde, Ahmad Fayaz Bakhsh, gab nun gestern bekannt, dass sich vier ausländische Firmen an der Ausschreibung beteiligt hätten.

Fayaz Bakhsh said that four foreign companies — two Russian, one from Canada and a Swiss firm — had joined 58 domestic bidders for the contract.

Namen nannte er nicht.

Es gibt im übrigen schon einen Atomreaktor neben Bushehr, an dem angeblich schon gebaut werden soll. Im Mai 2007 gab Teheran bekannt, man habe mit dem Bau eines Reaktors in Darkhoin, unweit zur Grenze mit dem Irak begonnen. Zu sehen ist freilich noch nichts.

“Darkhoin is under basic design and there has been a nine-year scheme drafted for its construction,” Fayaz Bakhsh was quoted as saying by state television on Tuesday.

Heinonen erneut in Teheran

18. August 2008 - 17:03

Wenn Bewegung das Gegenteil von Stillstand ist, dann scheint es Bewegung in den Gesprächen zwischen der IAEA und dem Iran in der Frage der noch ungeklärten Punkte in der Vergangenheit des iranischen Nuklearprogramms zu geben.

Der stellvertretende Generaldirektor der IAEA, Olli Heinonen, traf heute erneut zu Gesprächen in Teheran ein.

The United Nations nuclear watchdog’s deputy director general, Olli Heinonen, held talks with senior Iranian nuclear officials on Monday.

Deputy Head of Iran’s Atomic Energy Organization (IAEO) Mohammad Saeedi and Iran’s Permanent Ambassador to IAEA Ali Asghar Soltaniyeh were also present in the meeting.

Heinonen, arrived in Tehran early Monday upon an invitation of the IAEO. (IRNA)

Das letzte Treffen der beiden Seiten fand erst vor weniger als zwei Wochen in Teheran statt.

Nichts zum Inhalt der Gespräche.

Abwarten. Anfang des kommenden Monats wird es den nächsten Bericht der IAEA geben.