Iran möchte wieder ins Gespräch kommen

11. September 2008 - 02:29

Was ist eigentlich aus den Kontakten zwischen dem Iran und EU Außenbeauftragten Javier Solana über das Verhandlungspaket der P5+Deutschland geworden? Man hört nichts mehr. Der letzte Kontakt zwischen Solana und dem iranischen Unterhändler Saeed Jalili fand im August statt.

Der Eindruck ist sicher nicht falsch, dass unter den P5+Deutschland keine Einigung erzielt werden konnte, wie man auf die iranische Bereitschaft, Gespräche zu eröffnen, ohne aber die Urananreicherung vorab auszusetzen, reagieren sollte.

 Nun hat sich der stellvertretende iranische Außenminister Mahdi Safari zu Wort gemeldet.

Iran is keen to resume talks with major powers on its disputed nuclear program to clear up “ambiguities” in the discussions, Iran’s Deputy Foreign Minister Mahdi Safari said on Wednesday.

“We would like just to continue this negotiation and discussion as soon as possible,” Safari told a news conference during a visit to London. (Reuters)

Bevor die Kontakte ins Nirgendwo verschwanden hatte der Iran bereits von der Notwendigkeit gesprochen “Mehrdeutigkeiten” (ambiguities) in dem Vorschlag der P5+Deutschland, die der Aufklärung bedürften. Diese „Mehrdeutigkeiten“ sind eine Umschreibung für den iranischen Wunsch, den Mechanismus genauer zu definieren, der zu einer Neuaufnahme von Verhandlungen führen könnte. Teheran möchte gern abklopfen, was alles zur Diskussion stehen könnte. Dabei ist es auf iranischer Seite auch geblieben.

“We are ready to just sit together and to clear up these ambiguities… Always we said that we are ready and we are available,” said Safari, who held talks with Foreign Secretary David Miliband and other British officials in London.

Die Antwort des britischen Foreign Office

Responding to Safari’s comments, a British Foreign Office spokesman said Miliband had made it clear to Safari that all of the six powers regarded Iran’s failure to take up their offer as “very disappointing and regrettable and he urged them to rethink their approach.”

“If Iran does see ambiguities they should tell the (six powers) what they are and stop delaying,” he said.

So klingt es, wenn Diplomaten die Türen zuschlagen.

Nicht die engsten Freunde

9. September 2008 - 00:44

Zum Anlass des anstehenden Jahrestages der Anschläge am 11. September veröffentlichte AlQaida ein neues, anderthalbstündiges Video, aus dem Al-Jazeera einige Auszüge veröffentlichte.

Zum Iran hatte Ayman al-Zawahiri, die Nummer 2 des Netzwerkes und anchor men der makabren Show, wenig Freundliches zu sagen.

“The leadership in Tehran is collaborating with the Americans in their occupation of Iraq and Afghanistan,” Zawahiri said in the extract broadcast by the channel.

“It recognises the subservient (to Washington) governments of these two countries, while at the same time pledging death and destruction to any state which dares touch Iranian soil,” added the Egyptian deputy to Al-Qaeda leader Osama bin Laden. (AFP)

Al-Zawahiri warf Teheran nicht nur die Anerkennung amerikanischer Besatzung, sondern gleich auch noch die Zusammenarbeit mit den USA vor.

“The leadership in Tehran is collaborating with the Americans in their occupation of Iraq and Afghanistan,” Zawahiri said in the extract broadcast by the channel.

“It recognises the subservient (to Washington) governments of these two countries, while at the same time pledging death and destruction to any state which dares touch Iranian soil,” added the Egyptian deputy to Al-Qaeda leader Osama bin Laden.

Schon im April dieses Jahres hatte AlQaida in einem Video dem Iran vorgeworfen, das Terrornetzwerk zu „diskreditieren“.

Bushehr: nun aber wirklich

8. September 2008 - 23:09

Der Chef der russischen Firma, die den zivilen Reaktor in Bushehr baut, kündigte heute an, am Ende des Jahres würden Maßnahmen unternommen, die den Start des Reaktors unumkehrbar machen würden.

Atomstroiexport chief Leonid Reznikov said that by year’s end the company will take steps that will make the launch of the Bushehr plant “irreversible.”

Company spokeswoman Irina Yesipova said the launch date will be determined after talks between Russian and Iranian nuclear officials this month. (AP)

Gemeint ist offensichtlich, dass Russland die im Januar gelieferten Brennstäbe in den Reaktor einführen wird.

Nonproliferation expert David Albright, whose Washington-based Institute for Science and International Security tracks countries under nuclear suspicion, suggested that the steps referred to by Russia probably involved the loading of fuel into the reactor.

Die Iraner werden sich freuen - wenn es denn nach unzähligen Verschiebungen wahr werden wird.

Die Ankündigung könnte auch als Zeichen gewertet werden, dass Russland nach den gestiegenen Spannung mit den NATO Staaten Bushehr nicht mehr als potentielles Druckmittel gegenüber dem Iran nutzen, sondern die Zusammenarbeit mit Teheran in der zivilen Nukleartechnologie nun wieder neu aufnehmen will.

Abgekartetes Spiel?

6. September 2008 - 08:24

In einem Kommentar für den heutigen Boston Globe äußern Ray Takeyh und Nikolas Gvosdev Zweifel daran, dass Russland in Folge der Konfrontation mit der NATO in Georgien seine Politik in der Iranfrage ändern wird. Nicht notwendig, so die beiden Autoren, denn Russlands Verhalten beruhte in der Vergangenheit allein auf schnödem Eigeninteresse und zielte nicht darauf, den Bau einer iranischen Atombombe zu verhindern.

Nicht nur Moskau sondern (Überraschung!) auch Teheran käme der gegenwärtige Gang der Dinge mit milden Sanktionen durchaus gelegen.

The primary reason for the continuity is that both Iran and Russia are essentially satisfied with existing US-European policy of applying incremental and largely symbolic UN sanctions on Tehran. Moscow feels that as long as the diplomatic process remains in play, America is in no position to launch a military strike that could destabilize the Middle East. At the same time, the theocratic regime has increasingly adjusted to a sanctions policy whose impact is negated by increasing oil prices. (Boston Globe)

Zwischen “anpassen” und “zufrieden sein” besteht doch ein kleiner und entscheidener Unterschied. Selbst wenn es Teheran gelingen würde, die Auswirkungen dieser Sanktionen zu unterlaufen, bleibt doch der symbolischer Wert solcher Sanktionen. Iran ist als Außenseiter gebrandmarkt, der sich nicht dem Willen der UN beugt.

Anders sicher das russische Interesse. Für Moskau besitzt es erste Priorität einen weiteren US Krieg im Mittleren Osten zu verhindern. Strategisch will sich Russland nicht von den USA umzingeln lassen, Moskau würde sich aber auch – anders als Washington – mit den Konsequenzen einer solchen Aktionen (Radikalisierung in der islamischen Welt) direkt  auseinander zu setzen haben.

For its part, Russia is happy with the standoff between Iran and the United States. Not only does it destabilize international oil markets - keeping prices higher than they ought to be - but Iran’s large natural gas reserves are effectively off-limits for European use, reinforcing the continent’s dependency on Moscow. At the same time, as Iran strengthens its economic links with key Asian powers, it makes it more dependent on Russia and China for its critical trade and investments. Russia can only benefit from Iran’s gradual reorientation toward the East.

Sicher ein Extra-Plus, aber mit einer roten Linie: auch Russland hat kein Interesse an einer iranischen Bombe.

Assad hat Verständnis für westliche Sorgen

5. September 2008 - 08:40

Der syrische Präsident Bashar al-Assad hat angeboten, zwischen den P5+Deutschland und dem Iran in der Atomfrage zu vermitteln. Schaden kann ihm das nicht. Im Gegenteil. Auf diese Weise kann es Syrien vielleicht gelingen, ein Stück weit seine diplomatische Isolation zu durchbrechen.

Wenn Assad in den Iran fährt, beteuert er freilich, er würde nie und auf keinen Fall Teheran zu Zugeständnissen drängen. Äußerst er sich in westlichen Medien, dann hat er sogar Verständnis für die „Sorgen“ des Westens.

“The solution is to find a mechanism to prove that this nuclear program is a peaceful program,” Assad told France 2 television in an interview, adding that he understood why the West was worried about the idea of Iran getting the bomb.

“Of course the West is frightened. We don’t want the nuclear bomb in the Middle East,” he said. (Reuters)

Die Versicherung aus dem Munde des Präsidenten eines Landes, das selbst im Verdacht steht, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu betreiben, ist … nun … seien wir höflich: kein Grund Assad allzu sehr über den Weg zu trauen.