Iran beschwert sich über Druck

8. October 2008 - 01:19

Wenn der Iran gern wieder mit den P5+Deutschland ins Gespräch kommen will, dann hat es eine recht befremdliche Art, einen Kontakt wieder aufzunehmen.

Iran’s nuclear negotiator Said Jalili has written to EU foreign policy chief Javier Solana to protest over the West’s attitude to the Islamic republic’s atomic programme, a senior Iranian official said on Monday.

“In the letter, Mr Jalili complains of the attitude of the West and says their approach has harmed the constructive process of negotiations between the two parties,” the official told AFP, declining to be named. (AFP)

Welcher “konstruktive Verhandlungsprozess”? - fragt sich da der unbefangene Beobachter.

Soweit ich mich erinnern kann, ist der letzte Versuch, Gespräche wieder in Gang zu setzen, stecken geblieben, weil die P5+Deutschland von der iranischen Seite mehr allgemeine Deklarationen, nicht aber konkrete und konstruktive Vorschläge erhalten haben. Zumindest ist das der Stand der Dinge, nach dem was von diesem Austausch bekannt wurde.

Konkret beschwert sich Teheran darüber, der Westen versuche, unlauteren ruck auszuüben.

“In the process of talks, pressure cannot resolve the issue,” the ISNA news agency quoted [den iranischen Chefunterhändler Saeed; ME] Jalili as saying, giving no further information about the letter to the foreign ministers of the United States, Germany, France, Britain, China and Russia.

Iran’s Press TV said in a headline: “Iran rejects any pressure on its nuclear program.” (Reuters1)

Auch dies verwundert ein wenig, denn so recht hat sich nach den gescheiterten Bemühungen, neue Sanktionen im Sicherheitsrat zu verabschieden, eigentlich der Druck in den letzten Monaten nicht verschärft.

Eine spätere Reuters-Meldung hat ein wenig mehr, was Jalili mit dem „Druck“ meint.

The group of six handed the United Nations Security Council a toothless draft resolution on Iran’s nuclear program in September after Washington, facing stiff Russian opposition, failed to secure agreement for fresh sanctions.

“In the judgment of the world community, this unreasonable behavior is an indication of the lack of a clear response to the principled questions of the Islamic Republic of Iran,” Jalili said in the letter. …

Jalili said “logical behavior” by major powers could pave the ground for constructive talks to remove international concerns over the country’s nuclear work. …

It is interesting … to see that in the course of talks … the other party (the major powers) … resorts to levers of pressure instead of offering answers to questions and trying to remove ambiguities,” Jalili said. (Reuters2)

In der Tat: Teheran will gern wieder ins Gespräch kommen.

US denken doch weiter über Vertretung im Iran nach

5. October 2008 - 07:25

US Außenministerin Condoleezza dementierte heute ein AP Exclusive, das zu melden wusste, das State Department habe wegen des Wahlkampfes in den USA eine Entscheidung über die Eröffnung einer diplomatischen Vertretung in Tehran erst einmal auf Eis gelegt.

“We continue to look at the idea,” Rice told reporters who asked about a report that plans for opening a US interests section in Iran had been shelved.

“I think it’s an interesting idea, but we’re going to take a look at it in the light of what it can do for our relationship with the Iranian people,” she said on a flight from India to Kazakhstan for talks on separate matters. (AFP)

Sie betonte, dass seine solche Vertretung auf keinen Fall die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen bedeuten würde, die seit der Besetzung der amerikanischen Botschaft in Teheran 1979 unterbrochen sind. Es ginge vielmehr darum, Möglichkeiten zum direkten Kontakt mit der iranischen Bevölkerung zu eröffnen.

Rice verriet nicht, warum es der US Regierung so schwer fällt, eine positive Entscheidung zu treffen.

US Vertretung im Iran bis nach der Wahl vertagt

4. October 2008 - 07:09

In einem „exclusive“ meldet AP heute, die US Regierung habe die Entscheidung über die Eröffnung einer konsularischen Vertretung im Iran bis nach der Wahl vertagt.

Two administration officials familiar with the matter spoke on condition of anonymity to discuss internal administration deliberations on the sensitive subject.

The officials said a decision had been made to leave the decision to the next U.S. president because it could be seen as a reward for Iran’s nuclear intransigence, especially when Iran policy has become a key part of the heated campaign between Democrat Barack Obama and Republican John McCain.

Obama has called for unconditional direct talks with the leaders of so-called rogue regimes like Iran and North Korea, assuming that groundwork laid by lower-level officials indicated that the top-level talks would be fruitful.

McCain has ridiculed the suggestion as naive.

Thus, opening an interest section, or de facto embassy, in Tehran could be interpreted as a Republican president helping a Republican nominee by neutralizing a distinction that might make the Democrat appealing. Or, it could be seen as hurting McCain by leaving him to defend a more hard-line position than the current Republican president’s.

Either way, the administration concluded that now was not the time. (AP)

Bei einem Wahlsieg von McCain dürfte die Idee wohl einstweilen begraben werden.

Ein kleinster Schritt

3. October 2008 - 07:45

Wer in den USA offizielle Kontakte mit dem Iran pflegen will hat ein kleines Problem. Die amerikanischen Sanktionen, die seit den 80er Jahren in Kraft sind, (nicht die UN Sanktionen!!) verbieten bis auf wenig Ausnahmen jeglichen geschäftlichen Verkehr zwischen den beiden Staaten. Das trifft nicht nur Unternehmen, sondern in der Vergangenheit hatten sogar iranische Autoren Schwierigkeiten, ihre Bücher in einem US Verlag zu veröffentlichen. Shirin Ebadi hat gegen diese Regelung erfolgreich geklagt, aber die Probleme bestehen weiterhin.

So kann auch eine amerikanische NGO nur im Iran operieren, wenn sie sich beim zuständigen Büro für die Kontrolle für ausländische Vermögen des US Finanzministeriums (Office of Foreign Asset Control – OFAC) eine Sondergenehmigung beschafft.

Eine solche Genehmigung hat das OFAC nun dem American-Iranian Council erteilt.

In a rare move, the U.S. Treasury Department’s Office of Foreign Asset Control (OFAC) granted a license to the Princeton, New Jersey-based American-Iranian Council (AIC) to operate in Iran.

A U.S. official said the decision to allow the NGO to go to Iran was “carefully reviewed” within the U.S. government.

“We want to encourage this kind of cultural exchange and mutual understanding” between the U.S. and Iranian people “while trying to isolate the regime,” said the official, speaking on condition of anonymity. (Reuters)

Der AIC wurde 1997 unter Beteiligung des ehemaligen US Außenministers Cyrus Vance gegründet und setzt sich für die Verständigung beider Seiten ein. Es ist vor allem ein Forum, in dem sich höherrangige Vertreter beider Seiten zu informellen Gesprächen treffen können. So bot der AIC die Plattform für Begegnungen der UN Botschafter des Irans mit amerikanischen Offiziellen, in denen u.a. über Lösungen im Atomkonflikt außerhalb der offiziellen Verhandlungsschienen diskutiert wurden.

Nach Angaben des AIC wären sie die ersten amerikanische NGO, die im Iran vertreten wäre.

Die iranische Seite wird nun die Eröffnung eines AIC-Büros genehmigen müssen.

Obwohl der Iran von den Möglichkeiten, die dieser Kanal bietet, in der Vergangenheit gern Gebrauch macht, ist das Verhältnis zum AIC nicht ganz ohne Probleme. Am 8. März letzten Jahres wurde Ali Shakeri, ein kalifornischer Geschäftsmann, der mit dem AIC zusammenarbeitet in Teheran verhaftet. Ihm wurde wie zwei weiteren Amerikanern iranischer Herkunft vorgeworfen, eine „sanfte Revolution“ im Iran vorbereiten zu wollen. Nach der Zahlung einer Kaution von rund 100.000 € wurde er Anfang Oktober freigelassen und konnte in die USA zurück kehren.

Iran schließt Einschränkung seiner Urananreicherung nicht aus

2. October 2008 - 21:41

Der iranische Vertreter bei der IAEA brachte heute die Möglichkeit ins Gespräch, sein Land könne auf eine eigene Urananreicherung weitgehend verzichten, wenn eine Lieferung von nuklearem Brennstoff für zivile Reaktoren durch internationale Verträge garantiert sei.

Ali Asghar Soltanieh, Iran’s ambassador to the U.N. nuclear watchdog, said the reason why the Islamic Republic was enriching uranium was the lack of an legally binding international accord on security of fuel supply.

Asked if with such a deal Iran would shelve enrichment, he said that arrangement would be a first step but it would have to be implemented, and Iran would need to retain some enrichment as a contingency in case supplies were cut.

“This is a first step …, then the next step is to see it really implemented,” he told reporters at a Brussels conference.

If this were carried out, “then Iran would be able to reconsider the position that we have now. The situation would be different, we would have to see,” Soltanieh said.

“Plus every country has to be cautious to have as a contingency plan a fuel reserve in case of interruption.” (Reuters)

Dies sind eine Menge “falls”, “sollte” und “könnte”, aber Soltanieh deutet immerhin die Möglichkeit an, dass Teheran bereit ist, über den Umfang seiner Anreicherung mit sich reden zu lassen.

So ganz furchtbar neu ist der Gedanke nicht. Im März 2005 brachte der iranische Botschafter bei der UN in New York, Jafad Zarif, schon einmal den Vorschlag ins Gespräch, die Kapazität der Anlage in Natanz auf das Maß zu beschränken, das notwendig ist, um die zivilen iranischen Reaktoren zu betreiben.

Da vor allem die USA, aber auch Großbritannien und Frankreich darauf beharren, dass dem Iran keinerlei Anreicherungskapazität zugestanden werden darf, war dies ein Non-Starter.

In Denkspielen und Diskussionen über Modelle zur Lösung des Konfliktes tauchte die Möglichkeit ebenfalls immer wieder auf, mit einer von unabhängiger Seite garantierten Lieferung von Brennstoff Teheran die Anreicherung abzuhandeln. Ein solches Angebot ist auch in dem nachgearbeiteten Verhandlungsvorschlag der P5+Deutschland enthalten, der im Juni dieses Jahres dem Iran präsentiert wurde. Nach allem, was bekannt geworden ist, ist Teheran darauf aber nicht eingegangen, weil der Iran einer Garantie der P5+Deutschland nicht vertraut.

Soltaniehs Äußerungen sind kein ausgereifter Vorschlag. Es müsste definiert werden, was eine ausreichende Garantie denn sein könnte, wie hoch die „Notreserve“ denn sein soll, die sich der Iran vorbehalten will, und in welchen Schritten eine solche Vereinbarung denn umgesetzt werden könnte. Es ist mehr ein Anstoß, in eine bestimmte Richtung zu denken.

Schwer zu sagen, ob die westlichen Staaten nun bereit sind, diese neue Anregung aufzugreifen und darüber zu reden. Voraussetzung dafür wäre, dass die Forderung fallen gelassen wird, Teheran müsse erst seine Anreicherung aussetzen, bevor überhaupt verhandelt werden kann.

Derzeit scheint aber überhaupt nichts entschieden zu werden, weil alle darauf warten, wer im kommenden Monat zum neuen US Präsidenten gewählt wird.