Joshua Partlow widmet sich heute in der WP noch einmal in einem längeren Artikel dem iranischen Einfluss im Irak, den die US Regierung nun zurückdrängen will.
Er erzählt von einer irakischen Familie, die unter Mithilfe der Sadr Organisation im Iran die medizinische Versorgung erhielt, die sie in Najaf nicht bekommen konnte.
The increasingly common arrangement for sick or wounded Iraqis to receive treatment in Iran is just one strand in a burgeoning relationship between these two Persian Gulf countries.
Thousands of Iranian pilgrims visit the Shiite holy cities in southern Iraq each year. Iran exports electricity and refined oil products to Iraq, and Iraqi vendors sell Iranian-made cars, air coolers, plastics and the black flags, decorated with colorful script, that Shiites are flying this week to celebrate the religious holiday of Ashura. …
Each day, Iran provides 1,000 tons of cooking gas, about 20 percent of the Iraqi demand, and 2 million liters of kerosene. Iran exports electricity through Iraq’s Diyala province and plans to quadruple the amount with new projects, Iraqi officials say.
Iran has also extended a $1 billion line of credit to Iraq to help fund reconstruction and rebuilding. When Iraqi President Jalal Talabani and his delegation of ministers visited Iran in November, he asked for more help and said Iraq “would like to expand our relations in every field with the Islamic Republic of Iran.”
Partlow notiert diese engen wirtschaftlichen Beziehungen mehr oder weniger ohne Kommentierung. Zum Schluss seines Artikels zitiert er aber Iraks Nationalen Sicherheitsberater Rubaie, einen Sunniten.
Mowaffak al-Rubaie, Iraq’s national security adviser, said, “Iran is networking aggressively inside Iraq in every aspect of life, including the security aspect.”
Mir persönlich fällt es ein wenig schwer, in dem iranischen Tun ein Ausbund finsterster Verschwörungen und Absichten zu sehen.
Kein Zweifel, Teheran ist sehr daran interessiert, die Entwicklung des Iraks zu beeinflussen. Wie jeder anderer Staat ist auch der Iran um ein geographisches Sicherheitsumfeld bemüht, das sich nicht aus feindlich gesinnten Nachbarn zusammensetzt. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetsystems beeilten sich die westeuropäischen Staaten, Einfluss auf die zukünftige Entwicklung von Ländern wie Polen, die damals noch existierende Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien u.a. zu nehmen. Es wurde nicht nur Wirtschaftshilfe sondern auch „Politikberatung” abgeboten. Politische Gruppen, die den Anschluss an den Westen suchten, wurden unterstützt.
Solch ein Engagement überschreitet dort die Grenzen des Legitimen, wo Gruppen in Nachbarländer für die eigenen Zwecke funktionalisiert und in die Autonomie des Nachbars gefährdet wird. Parlow erinnert noch einmal daran, dass die irakische Regierung gern mehr Hilfe vom Iran bekommen und die Beziehungen weiter ausbauen möchte.
Wir sollten das iranische Verhalten nach den selben Maßstäben messen, mit denen wir auch das Handeln anderer Staaten beurteilen.
Zum zweiten ist der Iran natürlich an Handel interessiert. Sind andere auch.
Drittens: allgemein gilt die Weißheit, dass eine Grundvoraussetzung für Stabilität im Irak die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Während die USA in diesem Bereich bestenfalls Zweifelhaftes zustande gebracht haben, gewährt der Iran Kredite zum Aufbau, liefert Elektrizität und bietet Kooperation bei der Ölförderung an. Was ist daran falsch?
Viertens schließlich: der Iran war der erste Nachbar, der die noch von der US Administration eingesetzte provisorische irakische Regierung anerkannt und die Zusammenarbeit angeboten hat. Die arabischen Nachbarn dagegen, die sich heute über einen wachsenden iranischen Einfluss beschweren, haben jede Zusammenarbeit versagt. Erst nach vielem Schupsen und Drängen waren sie bereit, ihre diplomatische Vertretungen in Bagdad wieder zu eröffnen. Mehrfach hat sich der irakische Außenminister Hoshyar Zebari öffentlich darüber beklagt, keinerlei Unterstützung von den arabischen Regierungen zu erhalten. Ich würde dies nicht einen Beitrag zur Stabilität des Iraks nennen.
Wohlgemerkt, dies ist keine Rechtfertigung für mögliche iranische Waffenlieferung, die den Bürgerkrieg im Iran noch weiter anschüren würden, oder gar Schlimmeres. Aber mir scheint doch ein etwas nüchterner Blick geboten.