Iran bleibt Nummer Eins

2. May 2007 - 07:10

In dem alljährlich vom US State Department veröffentlichten Country Reports on Terrorism steht der Iran erneut an erster Stelle in der Liste der Staaten, die den Terrorismus unterstützen.

Iran remained the most active state sponsor of terrorism. Its Islamic Revolutionary Guard Corps (IRGC) and Ministry of Intelligence and Security (MOIS) were directly involved in the planning and support of terrorist acts and continued to exhort a variety of groups, especially Palestinian groups with leadership cadres in Syria and Lebanese Hizballah, to use terrorism in pursuit of their goals.

An welchen Planungen von terroristischen Aktionen Teheran im abgelaufenen Jahr direkt beteiligt war, bleibt ungenannt. Es ist im Jahr 2006 kein terroristischer Anschlag bekannt geworden, an dem der Iran direkt beteiligt gewesen sein soll.

Wiederholt wird der Standardvorwurf, Teheran unterstütze „terroristische Organisationen” wie die Hisbollah.

Iran maintained a high-profile role in encouraging anti-Israeli terrorist activity, rhetorically, operationally, and financially. Supreme Leader Khamenei and President Ahmadi-Nejad praised Palestinian terrorist operations, and Iran provided Lebanese Hizballah and Palestinian terrorist groups - notably HAMAS, Palestinian Islamic Jihad, the al-Aqsa Martyrs Brigades, and the Popular Front for the Liberation of Palestine-General Command - with extensive funding, training, and weapons.

Neu hinzu gekommen ist – trotz dünner Beweislage – der Vorwurf, der Iran unterstütze bewaffnete Aufständische im Irak mit Waffen und Training.

Iran continued to play a destabilizing role in Iraq, which appeared to be inconsistent with its stated objectives regarding stability in Iraq. Iran provided guidance and training to select Iraqi Shia political groups, and weapons and training to Shia militant groups to enable anti-Coalition attacks. Iranian government forces have been responsible for at least some of the increasing lethality of anti-Coalition attacks by providing Shia militants with the capability to build IEDs with explosively formed projectiles similar to those developed by Iran and Lebanese Hizballah. The Iranian Revolutionary Guard was linked to armor-piercing explosives that resulted in the deaths of Coalition Forces. The Revolutionary Guard, along with Lebanese Hizballah, implemented training programs for Iraqi militants in the construction and use of sophisticated IED technology. These individuals then passed on this training to additional militants in Iraq.

Wenn es denn zutreffen sollte, dass die politische Führung des Irans tatsächlich den irakischen Aufständischen Waffen, Geld und Ausbildung gewährt, wäre es verständlich, dass man dies in Washington als feindliche Aktion wertet. Nur mit Terrorismus („Gewalt gegen Zivilisten zur Erreichung von politischen Zielen”) hat dies nichts zu tun.

Schließlich der seit Jahren erhobene, aber auch nicht schlüssig bewiesene Vorwurf, der Iran kooperiere verdeckt mit AlQaida oder gewähre Mitgliedern dieses Netzwerkes zumindest Unterschlupf.

Iran remained unwilling to bring to justice senior AQ members it detained in 2003, and it has refused to publicly identify these senior members in its custody. Iran has repeatedly resisted numerous calls to transfer custody of its AQ detainees to their countries of origin or third countries for interrogation or trial. Iran also continued to fail to control the activities of some al-Qaida members who fled to Iran following the fall of the Taliban regime in Afghanistan.

Die Wiederholung dieser Vorwürfe deutet sicher nicht darauf hin, dass die USA mit Blick auf das Zusammentreffen von Außenministerin Condoleezza Rice und dem iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki in Sharm el-Sheikh eine grundsätzliche Neubewertung ihres Verhältnis gegenüber Teheran vorgenommen hätten.

Iran + Libanon + Saudi Arabien

31. January 2007 - 08:54

Als kleine Randnotiz, die vielleicht den Vorwurf, der Iran sei im Libanon der ärgste Störenfried und versuche – wie von der US Regierung behauptet – mit Hilfe der Hisbollah die Regierung in Beirut zu stürzen, ein wenig in die rechten Proportionen rückt.

U.S. ally Saudi Arabia said Tuesday it was working with Iran, America’s top rival in the Mideast, to find ways to ease the crises in Lebanon and Iraq — a departure from Washington’s confrontational stance toward Tehran. (AP)

Saudi Arabien unterstützt sowohl die Sunniten wie auch die westlich orientierten Kräfte im Libanon.

Gleichzeitig wirft diese Kooperation auch ein Licht auf die Beziehungen zwischen Saudi Arabien und dem Iran. In den letzten Monaten hat sich dieses Verhältnis deutlich verschlechtert. Während des Krieges im Libanon im Sommer stellt sich das saudische Königshaus offen gegen die Hisbollah. Saudi Arabien warnte mehrfach öffentlich, dass es sich auf die Seite der Sunniten im Irak stellen werde, um den iranischen Einfluss einzudämmen. Die USA haben Saudi Arabien als Partner für eine Koalition zur Isolierung des Irans in der Region gewonnen.

Offensichtlich dominiert aber immer noch rationales Kalkül. Dort, wo eigene Interessen auf dem Spiel stehen, sind sowohl die saudischen Herrscher wie die iranische Führung zu einer Zusammenarbeit bereit.

Explosively-Formed Projectiles

29. January 2007 - 18:42

In dem detailliertesten Artikel, den ich bislang zum Thema „iranische Waffen an irakische Aufständische” gelesen habe, versucht Michael Knights für Jame’s Intelligence Review [nicht online] die Geschichte der Verbreitung von EFP Munition im Irak nachzuzeichnen.

Ich bin kein Militärfachmann und erst recht kein Sprengstoffexperte. Deshalb ist es für mich nicht ganz einfach zu verstehen, was genau diese „explosively-formed projectiles” sind (zumal meine Version des Textes völlig mit absurden Sonderzeichen durchlöchert ist), aber für den Kontext der Diskussion um iranische Lieferungen reicht es wohl zu wissen, dass diese EFPs mobile Abschusseinrichtungen sind, mit denen sich Projektile abfeuern lassen, die dickste Panzerungen durchdringen und auch bewegliche Projekte treffen können.

Knight konnte offensichtlich bei seiner Recherche auf Unterlagen der US Armee wie der britischen Truppen im Irak zurückgreifen.

Demnach sind diese EFPs schon seit längerem bekannt.

Irish republican terrorists learned how to use EFP off-route mines in the early 1970s in training camps in Syria and Libya, and their experiences were later passed on to Columbia’s FARC, Spain’s ETA and Palestinian groups.

IRA Spezialisten fügten den allgemeinen Kenntnissen noch spezielle Infrarot Auslösemechanismen hinzu, die ein präziseres Zielen ermöglichten.

Nächste Station war die Hisbollah im Libanon und hier taucht zum ersten Mal auch der Iran auf.

Lebanese Hizbullah made the most prolific use of EFP munitions in the 1990s. There are strong circumstantial reasons to believe that Hizbullah interest in EFP was spurred by Iranian technical assistance.

Die Hisbollah wiederum gab ihre Kenntnisse an palästinensische Gruppen weiter.

After the second Intifadah began in 2000, Hizbullah opened up a new front against Israel by transferring EFP expertise, devices and components to the Palestinian militant groups.

Allgemeine Erklärungen über die Funktionsweise (Wikipedia) von EFPs sowie Bauanleitungen findet man auch im Internet, aber – und hier beginnt die iranische Spur – sie sind nicht so ganz einfach zu bauen.

Wann genau das erste EFP im Irak eingesetzt wurde, lässt sich nicht mehr genau feststellen, aber

[R]egular EFP use began in the early summer of 2004, with the first recorded EFP strike taking place in Basra in May 2004, closely followed by similar attacks in Shia areas of southeast and northwest Baghdad in June 2004.

Dies war in dem Zeitraum, in dem US Truppen Sadr und seiner Mahdi-Armee auszuschalten versuchte und es zu offenen Auseinandersetzungen zwischen dieser schiitischen Gruppe und der Amerikanern kam.

The emergence of regular EFP use during the early months of the Sadrist uprising is not a coincidence as diehard militant elements of the Shia community have consistently been the principal users of EFP.

Vereinzelte Gruppen der Mahdi-Armee, so Knights ohne dafür Belege anzuführen, wurden vom Iran unterstützt.

Such militias decided whether or not to accept Iranian assistance on a case-by-case, and sometimes month-to-month, basis. Iranian support often arrived in the form of commodities - money, hashish and prescription medications - that could be used to recruit young poor foot soldiers. Some militiamen trained in Iran after being invited to the Islamic Republic by the Iran-based Ayatollah Kazim al-Haeri, Moqtada al-Sadr’s rival for the leadership of Iraqi Shia loyal to the memory of Moqtada.s father, Mohammed Sadiq al-Sadr.

Wie gesagt, keine Belege. Machen wir hier ein Kreuz an der Seite und kommen später noch mal darauf zurück.

Nun kommt es: Weiterlesen →

Iran, Irak und die USA

28. November 2006 - 23:12

Der irakische Präsident Jalal Talabani kam bei seiner Ankunft gestern in Teheran direkt zur Sache.

“The issue of establishing security in Iraq is the most important part of our talks. We are in dire need of Iran’s help in establishing security and stability in Iraq,” state-run television quoted Talabani as saying after he met with Iranian President Mahmoud Ahmadinejad in Tehran. (AP)

Ahmadinejad seinerseits ließ sich nicht lange bitten.

“The Iranian government and people will stand by their brothers in Iraq and will do anything to help bring peace into Iraq,” Mr. Ahmadinejad said in a news conference with the Iraqi president, Jalal Talabani, state-run television reported. “A safe, developed and strong Iraq is better for Iran and also for the region,” he said. (NYT)

Niemand zweifelt daran, dass Teheran auf lange Sicht an einem „sicheren und entwickelten” („stark” ist ein anderes Thema) interessiert ist. Kurzfristiges Ziel des Irans ist aber an erster Stelle ein Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak, sowie die Übernahme der Macht durch eine Teheran zumindest nicht feindlich eingestellte, schiitische Regierung.

Iran im Irak

Um dies zu erreichen, muss erst einmal den US Truppen das Leben so schwer gemacht werden, dass eine Fortsetzung der Besatzung nicht mehr aufrecht zu erhalten ist.

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Iran, Hisbollah + Sadr

- 07:22

Die NYT berichtet heute unter Berufung auf einen „hochrangigen amerikanischen Geheimdienstmitarbeiter”, dass die libanesische Hisbollah in der Vergangenheit Mitglieder von Moqtada al-Sadrs Mahdi-Armee ausgebildet hätte.

The official said that 1,000 to 2,000 fighters from the Mahdi Army and other Shiite militias had been trained by Hezbollah in Lebanon. A small number of Hezbollah operatives have also visited Iraq to help with training, the official said.

Das Training sei auf die Vermittlung des Irans zustande gekommen, der zu beiden Seiten gute Beziehungen unterhalte.

The American intelligence on Hezbollah was based on human sources, electronic means and interviews with detainees captured in Iraq.

Daneben leiste Teheran auch direkte Unterstützung für irakische Milizen – ein Vorwurf, der nicht neu ist. Allerdings scheinen die Hinweise diesmal etwas konkreter zu sein.

The mid-level Mahdi commander interviewed this summer said the group sent to Lebanon was called the Ali al-Hadi Brigade, named for one of two imams buried at the Askariya Mosque in Samarra. The bombing of that shrine in February unleashed the fury of Shiite militias and accelerated sectarian violence.

According to the Mahdi commander, the brigade was organized and dispatched by a senior Mahdi officer known as Abu Mujtaba. It went by bus to Syria in July, and was then led across the border into Lebanon, he said. He said the fighters were from Diwaniya and Basra, as well as from the Shiite neighborhoods of Shoala and Sadr City in Baghdad.

Die Enthüllung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in Washington heftig darüber diskutiert wird, ob direkte Gespräche mit dem Iran aufgenommen werden sollen, um Teheran in eine Lösung der Situation im Irak einzubinden.

Sollten die Informationen zutreffen, würden sich wohl sowohl die Befürworter wie die Gegner solcher Gespräche gestärkt fühlen. Die Befürworter werden argumentieren, gerade weil der Iran sich in den Irak einmische, müsse mit ihm eine Lösung gefunden werden.

Die Gegner, voran die Kreise um Vize-Präsident Dick Cheney, werden dagegen halten, ein solches Verhalten könne nicht noch dadurch belohnt werden, indem Teheran durch direkte Gespräche aufgewertet werde.