Vertreter zweier einander feindlich gesinnter Staaten treffen sich, um gegenseitig Anschuldigungen auszutauschen. Nach Ende des Gesprächs erklärt die eine Seite, ein weiteres Treffen mache eigentlich nur Sinn, wenn sich die andere Seite in Zukunft anständige benehme.
Obwohl die Klagen über das Verhalten der Gegenseite immer lauter werden, findet dennoch ein zweites Treffe statt, bei dem wiederum Anschuldigungen ausgetauscht werden. Dennoch wird als einziges konkretes Ergebnis dieser merkwürdigen Begegnungen vereinbart, ein Gremium zu schaffen, in dem sie in Zukunft weiter über eine Zusammenarbeit reden wollen.
So stellt sich jedenfalls der Verlauf der iranisch-amerikanischen Gespräche, deren zweites gestern stattfand, in der Öffentlichkeit dar.
The United States on Tuesday accused Iran of stepping up its alleged support of armed groups in Iraq in the two months since the arch foes began talks aimed at finding a way to quell the fighting.
The US ambassador to Iraq charged that Iran, despite professing support for the government of Iraqi Prime Minister Nuri al-Maliki, has increased its assistance to rogue militias.
The meeting produced “several heated exchanges”, ambassador Ryan Crocker, who led the US side at the talks in Baghdad, told Washington-based reporters by telephone.
… berichtet beispielsweise AFP.
Reuters schreibt:
The United States accused Iran in talks on Tuesday of increasing support for militias involved in bloodshed in Iraq but, in a rare sign of cooperation, agreed with Tehran to set up a panel to improve security.
In their second round of talks on Iraq this year after a long diplomatic freeze, U.S. Ambassador to Iraq Ryan Crocker said he also challenged Iran over its suspected support for other radical groups in the Middle East such as Hamas and Hezbollah. Iran rejected all of the accusations, he said.
Dennoch wurde ein “Unterausschuss” mit technischen Experten (original “subcommittee“; „unter“ zu was?) gegründet, in dem über die Stabilität im Irak miteinander geredet werden soll.
“We discussed ways forward, and one of the issues we discussed was the formation of a security subcommittee that would address at a expert or technical level some issues relating to security, be that support for violent militias, al-Qaida or border security,” Ambassador Ryan Crocker said after the meeting that included lunch and spanned nearly seven hours. (AP)
Die USA, die dem Iran vorwerfen, in einem gesteigerten Maß zu Unsicherheit und Gewalt im Irak beizutragen, bilden mit Vertretern Teherans eine Arbeitsgruppe, die eben genau diese Probleme beseitigen soll.
Macht das irgendeinen Sinn?
Eigentlich nicht, aber dann irgendwie doch.
Neben der irakischen Regierung, die ein großes Interesse daran hat, nicht zum Schauplatz einer Konfrontation zwischen den USA und dem Iran zu werden, drängt vor allem Teheran auf solche direkten Kontakte. Öffentlich gebiert man sich zwar anders, aber zum einen bedeuten Gespräche eine Anerkennung der Rolle des Irans in der Region. Zum zweiten öffnet sich ein Spalt breit die Möglichkeit, die Entwicklung des Iraks auch auf offiziellem Parkett mitzugestalten. Zum dritten eröffnet sich ein diplomatischer Kanal, der vielleicht zu Gesprächen über größere Themen wie die allgemeine Sicherheit in der Region oder auch eine Bestandsgarantie des iranischen Regimes führen könnte. Und viertens: wer miteinander redet, schießt nicht so leicht aufeinander. Nichts fürchtet Teheran mehr als dass sich die Hardliner im Weißen Haus doch noch mit ihren Vorstellungen einer „militärischen Option“ durchsetzen.
In Washington dagegen sind die Interessen und Absichten nicht so klar definiert. Während es eine starke Fraktion gibt, die grundsätzlich eine Politik von Zuckerbrot und Peitsche (diplomatische Reize gekoppelt mit einer Politik der Stärke) befürwortet, existiert ein sehr einflussreicher Kreis um Vize-Präsident Dick Cheney, der dieser Politik misstraut und eine „militärische Option“ weiterhin als wirksamste Lösung verfolgt.
So betreibt die US Regierung einerseits eine Politik der vorsichtigen Öffnung gegenüber dem Iran, ist aber zu paralysiert, als dass daraus auch ein sinnvoller Dialog entstehen könnte.
Möglich ist natürlich auch, dass über weit mehr miteinander gesprochen, als die Öffentlichkeit erfährt. In beiden Ländern sind die Beziehungen zum jeweilig anderen hochsensible Fragen.
Möglich – aber nichts Genaues weiß man nicht.