Livni gegen US Dialog mit Iran

6. November 2008 - 16:02

Mindestens die halbe Welt hofft, dass nach Barak Obamas Wahlsieg der neue US Präsident sein Versprechen einlöst, Gespräche ohne Vorbedingungen mit dem Iran aufzunehmen.

Nicht so die israelische Außenministerin und Anwärterin auf die Nachfolge von Ehud Olmert, Tzipi Livni.

“We live in a neighborhood in which sometimes dialogue — in a situation where you have brought sanctions, and you then shift to dialogue — is liable to be interpreted as weakness,” Foreign Minister Tzipi Livni said, asked on Israel Radio about policy change toward Tehran in an Obama administration.(Reuters)

Die neue US und die neue israelische Regierung werden einiges miteinander zu bereden haben.

Israel meinte es ernst

25. September 2008 - 08:37

Glaubt man Jonathan Stelle heute im Guardian, dann wollte Israel den Iran mit der Drohung eines möglichen Luftangriffs auf die Nuklearanlagen nicht nur psychologisch unter Druck setzen, sondern meinte es tatsächlich ernst.

Steele zitiert hochrangige europäische Diplomaten, die wiederum Interna aus einem Vier-Augen-Gespräch zwischen US Präsident Georg W.Bush und dem damaligen israelischen Premierminister Ehud Olmert am 14. Mai dieses Jahres auszuplaudern wussten.

The sources work for a European head of government who met the Israeli leader some time after the Bush visit. Their talks were so sensitive that no note-takers attended, but the European leader subsequently divulged to his officials the highly sensitive contents of what Olmert had told him of Bush’s position. (Guardian)

Damit kann jeder selbst nachschauen, welche europäischen Regierungschef einige Zeit nach Bush nach Israel gefahren sind.

Besagte europäische Diplomaten wollen wissen, dass Olmert in diesem Gespräch Bush auf eine mögliche Militäraktion gegen den Iran angesprochen, Bush aber abgelehnt habe.

The then prime minister, Ehud Olmert, used the occasion of Bush’s trip to Israel for the 60th anniversary of the state’s founding to raise the issue in a one-on-one meeting on May 14, the sources said. “He took it [the refusal of a US green light] as where they were at the moment, and that the US position was unlikely to change as long as Bush was in office”, they added.

Bush habe derartige Pläne aus zwei Gründen abgelehnt.

Bush’s decision to refuse to offer any support for a strike on Iran appeared to be based on two factors, the sources said. One was US concern over Iran’s likely retaliation, which would probably include a wave of attacks on US military and other personnel in Iraq and Afghanistan, as well as on shipping in the Persian Gulf.

The other was US anxiety that Israel would not succeed in disabling Iran’s nuclear facilities in a single assault even with the use of dozens of aircraft. It could not mount a series of attacks over several days without risking full-scale war. So the benefits would not outweigh the costs.

Auch einen israelischen Alleingang habe der US Präsident abgelehnt.

Even if Israel were to launch an attack on Iran without US approval its planes could not reach their targets without the US becoming aware of their flightpath and having time to ask them to abandon their mission.

“The shortest route to Natanz lies across Iraq and the US has total control of Iraqi airspace”, the official said. Natanz, about 100 miles north of Isfahan, is the site of an uranium enrichment plant.

In this context Iran would be bound to assume Bush had approved it, even if the White House denied fore-knowledge, raising the prospect of an attack against the US.

Ein Sprecher Olmerts hat gegenüber dem Guardian den Bericht dementiert …

Mark Regev, Olmert’s spokesman, tonight reacted to the Guardian’s story saying: “The need to prevent Iran from obtaining nuclear weapons is raised at every meeting between the prime minister and foreign leaders. Israel prefers a diplomatic solution to this issue but all options must remain on the table. Your unnamed European source attributed words to the prime minister that were not spoken in any working meeting with foreign guests”.

… was nicht unbedingt bedeuten muss, dass die Darstellung falsch ist. Und wenn sie richtig sein sollte, dann wäre Steele auch kaum zu widersprechen, wenn er schlussfolgert …

Bush’s refusal to support an attack, and the strong suggestion he would not change his mind, is likely to end speculation that Washington might be preparing an “October surprise” before the US presidential election. Some analysts have argued that Bush would back an Israeli attack in an effort to help John McCain’s campaign by creating an eve-of-poll security crisis.

Nehmen wir es als das vorläufige letzte Wort in dieser Sache.

Barak: US wollen keine Angriffe

13. August 2008 - 09:14

Wer noch zweifelte konnte es gestern vom israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak persönlich hören:

“The position of the United States is well known. They do not want, for the time being, any (military) action against Iran,” Barak told army radio. (AFP)

Womit es nun entgültig an der Zeit ist, dieses Thema einstweilen zu den Akten zu legen.

Mofaz

1. August 2008 - 19:39

Herr Shaul Mofaz, zur Zeit noch Transportminister im israelischen Kabinett und stellvertretender Premierminister, aber mit Ambitionen, Ehud Olmert als Chef der Katima Partei und als Premierminister nachzufolgen, wartete bei seinem Besuch in Washington mit einer spektakulären „Enthüllung“ auf:

Iran is heading toward a major breakthrough in its nuclear program, Israeli Deputy Prime Minister Shaul Mofaz said on Friday.

“As soon as 2010 (Iran) will have the option to reach (uranium production) at military levels,” he told an audience in Washington. (Reuters1)

Wenn Mofaz das so gesagt haben sollte, dann irrt er sich. Der Iran hat schon heute die Option, Uran auf einem “militärischen Niveau” zu produzieren. Wer Uran bis zu einem für zivile Zwecke erforderlichen Grad von etwa 5 Prozent anreichern kann, muss die Zentrifugen nur weiter laufen lassen, um einen Anreicherungsgrad von 90 Prozent und mehr für militärische Zwecke zu erreichen.

Die Anlage in Natanz funktioniert zwar nicht reibungslos und mit den derzeit vorhandenen 3.000 bis 6.000 (?) Zentrifugen würde das ein gutes Jahr dauern, aber es funktioniert.

Nur: der Iran tut es nicht, und würde er es tun, dann würde dies den Inspektoren der IAEA auffallen.

Was will Mofaz, der erst jüngst davon sprach, eine militärische Aktion sei unvermeidlich, wenn Teheran sein Atomprogramm nicht einstelle, uns also sagen? Ungetrübt von den Fakten versucht er den Eindruck zu wecken, es gebe Deadlines, die die Gegner der iranischen Urananreicherung zum Handeln zwingen.

Es gibt eine andere technische Schwelle im iranischen Nuklearprogramm, die so etwas wie einen point of no return darstellen würde: irgendwann wird der Iran über die ausreichende Menge an niedrig angereichertem Uran verfügen (etwa 30 Kilogramm), das dann zu hoch angereichertem, waffenfähigem Uran weiterverarbeitet werden könnte. Wann dies genau so weit ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, aber das Jahr 2010 könnte eine realistische Größe sein.

Aber: der Iran müsste zum einen eine Entscheidung treffen, dies auch tatsächlich tun zu wollen. Dann wird man aller Wahrscheinlichkeit erst einmal die IAEA Inspektoren herauswerfen, um sich einer internationalen Kontrolle zu entziehen. Dies wäre ein sehr eindeutiger Verstoß gegen alle internationalen Verpflichtungen des Irans und würde mit Sicherheit nicht ohne eine entschiedene Antwort bleiben. Und dann würde es wiederum ein paar Monate dauern, bis das niedrig angereicherte in hoch angereichertes Uran umgewandelt wäre.

Teheran wäre dem Bau einer Bombe näher gerückt, aber so lange der Iran über eine ausreichende Menge niedrig angereichertes Uran als Basis für eine Bombe verfügt, dies aber nicht weiter verarbeitet, hat der Bau einer Bombe noch nicht begonnen. Die iranische Regierung könnte es auch dabei belassen, das Uran in Brennstäbe umzuformen.

Das Zeitfenster, in dem eine diplomatische Lösung erreicht werden könnte, reicht also (nimmt man Mafaz Jahreszahl) mindestens bis ins Jahr 2010. Erst wenn Teheran mit der Umwandlung von niedrig angereichertem in hoch angereichtes Uran beginnt, besteht höchste Alarmstufe.

Mofaz hat es aber eiliger und vor allem ist ihm daran gelegen, weiter mit militärischen Aktionen zu drohen.

Elaborating on a now standard Israeli call, Mofaz said during his Washington talks that “all options against Iran should not only be on table, but prepared,” [Mofaz Sprecherin Talia; ME] Somech said. (Reuters2)

Waffenrasseln ohne Ende. Gewinnt man so in Israel Wahlen?

US Absage an Israel

30. July 2008 - 06:55

Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak war in Washington und traf sich mit seinem amerikanischen Amtskollegen Robert Gates. Baraks Anliegen: die USA sollten auf keinen Fall ihre Drohung mit „alle Optionen liegen auf dem Tisch“ = auch eine militärische Aktion ist möglich auf keinen Fall zurückziehen.

Das Gespräch war vertraulich, aber im Anschluss gab der Sprecher des Pentagons Geoff Morrell eine Erklärung ab:

“I think the Israelis are keenly aware that we believe the best possible avenue of dissuading the Iranians from pursuing nuclear weapons is through economic and political pressures,” said Geoff Morrell, the Pentagon press secretary.

“We certainly understand that the Israelis view a nuclear Iran as an existential threat — they have made that abundantly clear to us, to the world. And we are working diligently to prevent that from happening,” he said.

“But the way we are focusing our efforts is on diplomatic, economic, financial pressures,” he said. (AFP)

Wenn ich von Diplo-Lingo etwas verstehen, dann kann eine Absage an eine gemeinsame militärische Operation unter befreundeten Staaten kaum deutlicher ausfallen.

Ganz mit leeren Händen hat Barak Washington allerdings nicht verlassen.

Gates assured Barak that they would explore providing Israel with additional defensive capabilities, Morrell said.

The Pentagon press secretary declined to confirm an Israeli statement that the capabilities included a forward deployed missile defense radar, missile early warning launch data, and counter-measures against short-range rockets and mortars.

Für den Fall eines Falles.