Das war es einstweilen

24. September 2008 - 07:43

Einigen konnten sich die P5+Deutschland schon bei ihrem letzten Treffen nicht über ein neues Sanktionspaket, das im UN Sicherheitsratbeschlossen werden sollte. Im Anschluss wurde aber immerhin der Eindruck aufrecht erhalten, dass alle sechs beteiligte Staaten nach wie vor gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Das ist nun einstweilen vorbei.

US Secretary of State Condoleezza Rice and her counterparts from Russia, China and Europe have called off a meeting here this week aimed at pursuing sanctions against Iran, her spokesman said Tuesday. (AFP1)

Das Treffen war für den morgigen Donnerstag angesetzt.

Grund war eine Absage aus Moskau, wobei das russische Außenministerium keinen Zweifel an seinen Motiven aufkommen ließ.

“We do not see any fire that requires us to toss everything aside and meet to discuss Iran’s nuclear programme in the middle of a packed week at the United Nations General Assembly,” the ministry said in a statement. …

“It would be very desirable for Washington to finally decide what it wants in its relations with Moscow. If it wants to punish Russia, this is one thing. If it agrees we have common interests… that is another,” the ministry said. (AFP2)

Moskau reagierte damit auf die anhaltende Kritik von US Außenministerin Condoleezza Rice an der russischen Außenpolitik nach dem Einmarsch in Georgien. Rice hatte gleichzeitig mit Blick auf den Iran angeboten, dass es durchaus noch weiter Belange von gemeinsamem Interesse geben würde, bei denen man auch zusammenarbeiten sollte.

Die russische Führung ist da anderer Ansicht.

“To use the words of Condoleezza Rice, you can’t have it both ways,” it added, referring to a phrase that the US secretary of state has used in criticising Russia’s conflict with Georgia last month.

Die Chancen auf einen neuen UN Sanktionsbeschluss sind damit einstweilen gleich Null.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, der persönlich immer darum bemüht ist, Russland in die Iranpolitik der westlichen Staaten mit einzubinden, wurde von der Entwicklung offensichtlich kalt erwischt.

Speaking in New York before the US announcement, German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier said that the possible cancelation of the ministerial meeting would make it “difficult” to bring pressure to bear on Iran.

“I hope and expect that this is not the end of” these effort

P5+Deutschland können sich nicht auf neue Sanktionen einigen

20. September 2008 - 06:40

Alle haben es kommen gesehen: neue Sanktionen gegen den Iran wird es – wenn überhaupt - vorerst nicht geben.

Major powers haggled on Friday over a fourth round of U.N. sanctions against Iran to curb its nuclear program, but ended with no firm commitments amid Russian and Chinese resistance to more punitive measures. (Reuters)

Wie zu erwarten hatte Russland weitere Sanktionen einstweilen abgelehnt.

At a meeting Friday with diplomats from the United States, China, Britain, France and Germany, Russia “said it was against the development at this stage of additional measures in the UN Security Council,” the foreign ministry said in a statement.

“The Russian side underlined the necessity of continuing efforts to restore constructive dialogue with Tehran with the aim of moving forward the negotiation process,” the statement said after the meeting in Washington. (AFP)

Nach Angaben eines diplomatischen Insiders, der von Reuters zitiert wird, soll China eine ähnliche Position vertreten haben – was ebenfalls nicht sonderlich überrascht, weil Peking sich schon zu Beginn der Woche gegen weitere Sanktionen ausgesprochen hatte.

A European diplomat said after the talks that all sides agreed on the principle of more sanctions but there was no consensus on the substance and timing of those measures.

“The Russians are obviously not fully ready to move forward right now and the Chinese are not far from Russian thinking,” said the diplomat, who spoke on condition of anonymity. (Reuters)

Not fully ready???

Man kann das russische Verhalten als Revanche für Georgien und die von den USA betriebene Installation von Raketenabwehrsystem in unmittelbarer russischer Nachbarschaft werten, aber schon zuvor hatte Moskau immer wieder argumentiert, dass es Gespräche gegenüber Sanktionen eindeutig bevorzuge. Vor allem auf russischen Druck hin wurde im Vorfeld der letzten Sanktionsresolution von den P5+Deutschland die diplomatische Seite der Politik von Zuckerbrot und Peitsche („zweischieniges Vorgehen“) wieder belebt. Das Ergebnis war der überarbeitete Vorschlag, der im Juni von Solana in Teheran übergeben wurde.

Diese Vorverhandlungen über diesen Vorschlag und mögliche „richtige“ Verhandlungen dümpeln zwar derzeit vor sich hin, aber keiner der Beteiligten hat diesen Ansatz bislang für gescheitert erklärt.

Es sind keine zwei Monate mehr bis zu den Präsidentschaftswahlen in den USA. Bios dahin dürfte sich weder in Sachen Gespräche noch in Sachen Sanktionen etwas Ernsthaftes tun.

In der kommenden Woche werden am Rande der UN Generalversammlung die Außenminister der P5+Deutschland noch einmal über den Iran miteinander reden. Auch dabei dürfte sich nicht mehr viel tun.

US drängen auf UN Sanktionen

12. September 2008 - 07:26

Aus einer 8-Zeilen-Meldung in der World Briefing Section der NYT erfahren wir heute, dass sich die USA wohl doch um einen neuen Sanktionsbeschluss im UN Sicherheitsrat bemühen.

Zalmay Khalilzad, the United States ambassador to the United Nations, urged members of the Security Council on Thursday to approve financial sanctions against Iran. Russia responded that it could decide for itself how to be vigilant about Iranian financial transactions. (NYT)

Das klingt fast nach einem genervten (Ehe-)Partner, der die ständigen Belehrungen leid ist.

Bezeichnend, dass neue Vorstöße der USA in Sachen Sanktionen bei der NYT zu einer Mini-Meldung zusammenschrumpfen. Niemand mag so recht glauben, dass wirklich etwas daraus werden könnte.

Die Chancen für neue Sanktionen

5. August 2008 - 07:40

Die WP berichtet heute über den möglichen Zeitraum für die Verabschiedung einer neuen Resolution im UN Sicherheitsrat, die den Iran mit weiteren Sanktionen belegen würden.

Western officials acknowledged yesterday that it may take months for the Security Council to approve a new sanctions resolution, and that there is little sense of urgency at the United Nations. Security Council President Jan K.F. Grauls of Belgium said he has not scheduled any discussion of Iran during August.

One European diplomat said it is unlikely that the council will seriously discuss additional sanctions on Iran before the annual meeting of the General Assembly in New York in late September.

Russia and China, while agreeing to previous resolutions, have been lukewarm about stricter sanctions. A European official described Germany as “wobbly,” but, in an interview published yesterday in the magazine Der Spiegel, the country’s foreign minister, Frank-Walter Steinmeier, urged Iran “to no longer play for time, but give us a usable answer to our offers — stop dallying.”

Das klingt nicht danach, als ob der Iran die Drohung mit Sanktionen im Moment auf den Iran großen Eindruck machen müsste – zumal Teheran jederzeit mit einem neuen diplomatischen Vorschlag den Prozess noch verzögern könnte.

Zudem: was ist unter diesen Vorzeichen die Verpflichtung der P5-Deutschland eigentlich wert, während eines Freeze keine neuen Sanktionen gegen den Iran zu beschließen? Der Iran dagegen müsste unmittelbar seine Anreicherungsarbeiten einfrieren.

Das SPIEGEL-Interview mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gibt es nicht online, und so wie sich die Zusammenfassung bei SpOn liest, kann es so doll nicht sein.

Iran droht mit Klage

28. March 2008 - 06:25

Auch eine Idee.

In einem Brief des iranischen Außenministers Manouchehr Mottaki an UN Generalsekretär Ban-Ki-moon drohte Teheran an, notfalls vor Gericht zu klären, dass es unrechtmäßig mit Sanktionen bestraft worden sei und finanzielle Kompensationen zu verlangen.

The threat came in a 20-page letter from Foreign Minister Manouchehr Mottaki to U.N. Secretary-General Ban Ki-moon, obtained by Reuters on Wednesday. It rejects as illegal the latest sanctions resolution, passed on March 3, and says Tehran would not comply with it. …

In a point-by-point rebuttal, Mottaki’s letter denounced the resolution as contrary to the U.N. Charter and international law. It said Iran had acted within its rights and its critics had failed to prove it was seeking atomic weapons.

Sponsors of the resolution “should, as a minimum step, admit their mistakes, apologize to the great nation of Iran, correct their behavior, and above all, compensate all the damages they have inflicted” on Iran, the minister said.

“Iran and its citizens have the right to resort to legal actions to seek redress against the sponsors of these unlawful actions. These countries should accept the responsibility for their actions and must be held accountable.” (Reuters)

Eine Klage gegen den UN Sicherheitsrat wegen Verstoßes gegen die UN Charter ist für Experten internationalen Rechts ein Spektakel, auf das sie sicher nur ungern verzichten würden, nur: vor welchem Gericht soll geklagt werden? Der Internationale Gerichtshof in Den Haag?

Ich habe wenig Ahnung, ob so etwas möglich ist, habe aber meine starken Zweifel.

Wen sich aber ein entsprechendes Gericht finden liesse, hätte eine solche Klage Erfolg? Theoretisch vielleicht, denn der Sicherheitsrat dürfte einige Mühe haben zu erklären, warum ein Land, dass nach all dem, was bekannt ist, nicht mehr tut, als was ihm laut NPT erlaubt ist, eine Bedrohung für den Frieden und die internationale Sicherheit darstellt.

„Mangelndes Vertrauen“ in die Motive des Irans ist da sicher nicht genug.

Natürlich weiß man auch in Teheran, dass solch ein Versuch einer Klage ein aussichtsloses Unterfangen ist. Es geht wohl eher darum, sich als Opfer des Sicherheitsrates darzustellen.

Aber wenigstens mal eine halbwegs originelle Idee.