Keine Sanktionen vor IAEA Bericht

2. February 2008 - 07:14

Wie abzusehen, haben sich die nicht paktgebundenen Staaten im Weltsicherheitsrat zu Wort gemeldet und verlangen, dass nicht eher über eine Resolution mit weiteren Sanktionen gegen den Iran abgestimmt wird, bis nicht der neuste Bericht von IAEA Generaldirektor Mohammed ElBaradei auf den Tisch liegt. Ende Februar / Anfang März wird ElBaradei über die Ergebnisse der Gespräche mit Teheran über die ungeklärten Fragen zum iranischen Nuklearprogramm Bericht erstatten.

France said Friday that some UN Security Council members were asking for more time to consider additional sanctions on Iran over its controversial nuclear program.

Without naming the countries, French envoy to Washington Pierre Vimont said a “few” members wanted to wait for Iran to clear up questions over its nuclear program with the International Atomic Energy Agency (IAEA), the UN nuclear watchdog. (AFP)

Südafrika hat bereits öffentlich erklärt, es möchte erst den Bericht sehen. Auch Libyen, Indonesien und Vietnam vertreten ähnliche Positionen.

“This may take some time,” he added at a conference on Iran hosted by the Middle East Institute, a Washington think-tank. “There is more work to be done.” (Reuters)

Das kann man sich gut vorstellen, zumal auch Russland und China noch nicht in allen Details mit an Bord sind.

Vielleicht können die Befürworter von Sanktionen die Zeit ja nutzen, um sich schon einmal Gedanken darüber zu machen, wie sie verfahren wollen, sollte der IAEA Bericht unter dem Strich zu dem Ergebnis kommen, dass a. sich der Iran bei der Aufklärung aller offenen Fragen kooperativ verhalten hat und b. keine Hinweise auf ein militärisches Atomprogramm gefunden wurden.

Noch Wochen bis zu neuer Resolution

29. January 2008 - 00:18

Gestern äußerten einige Mitglieder des UN Sicherheitsrates zum ersten Mal öffentlich, was sich in den letzten Tagen bereits abgezeichnet hatte: einen neuer Sanktionsbeschluss zum Iran – wenn er denn kommt – wird noch einige Wochen auf sich warten lassen.

“It will take maybe a few weeks,” deputy Chinese ambassador to the United Nations, Liu Zhenmin, told reporters ahead of the meeting at the British mission. He gave no further details. (Reuters)

Sein Kollege aus Südafrika wurde ein wenig deutlicher.

South African Ambassador Dumisani Kumalo said his country would like to wait for the upcoming progress report by Mohamed ElBaradei, head of the United Nations’ Vienna-based International Atomic Energy Agency, on inspections in Iran.

“I think the IAEA report is very important because they are … the experts,” he said. “Let’s see what they have to say.”

Dieser Bericht wird jetzt in der dritten Februarwoche erwartet.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte schon angedeutet, dass eine zufriedenstellende Kooperation Teherans bei der Beantwortung der Fragen, die die IAEA zum iranischen Nuklearprogramm hat, für Moskau ein sehr bedeutender Faktor in der weiteren Diskussion um Sanktionen darstellt.

Lawrow klang sogar so, als können Sanktionen ausgesetzt oder gar gänzlich aufgehoben werden, wenn die iranischen Antworten zufriedenstellend ausfallen.

Der russische Botschafter bei der UN stellte allerdings gestern klar, dass es noch andere „Anforderungen des Sicherheitsrates“ gibt.

Russian Ambassador Vitaly Churkin said the IAEA report was significant, but added that council demands were also crucial.

“The track of Iran’s cooperation with the IAEA is very important and I hope it will continue,” he told reporters. “But … there is another side of the story, which has to do with certain requirements of the Security Council, and we need to be mindful of that as well.”

Gemeint dürfte wohl sein, dass der Sicherheitsrat vom Iran nicht nur das Aufdecken aller Karten sondern auch eine Aussetzung seiner Urananreicherung verlangt.

Freundschaft

26. January 2008 - 06:36

Es wird weiter zwischen Vertretern der P5 + Deutschland über die Formulierungen der unter den sechs vereinbarten neuen Sanktionsresolution zum Iran diskutiert und hier und da gelangen vereinzelte Informationen über den Inhalt des Textes an die Öffentlichkeit.

Maggie Farley weiß heute in der LAT zu berichten:

The resolution’s tone is different from the previous two, emphasizing the ultimate goal of “all-round relations and wider cooperation with Iran based on mutual respect and confidence in the exclusively peaceful nature of Iran’s nuclear program” — if Tehran suspends uranium enrichment and reprocessing.

“Umfassende Beziehungen”, “ausgeweitete Zusammenarbeit”, “gegenseitiger Respekt”, “Vertrauen in die friedliche Natur des iranischen Nuklearprogramms.

Poesie.

Minimalkonsens

23. January 2008 - 07:38

Ein wenig wohl auch zu ihrer eigenen Überraschung ist es den Außenministern der P5 + Deutschland gestern Abend doch gelungen, sich auf einen Entwurf für eine neue Sanktionsresolution zu verständigen.

Ganz einfach war es offensichtlich nicht.

The final talks in Berlin were dominated by intense negotiations between Secretary of State Condoleezza Rice and Russian Foreign Minister Sergei Lavrov, according to U.S. and European officials. Announcing an agreement afterward, German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier acknowledged that the lengthy diplomacy to get a draft “was not always all that easy.” (WP)

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier feierte im Anschluss die Einigung als einen Erfolg.

“We are united in the assessment that nuclear armament of Iran would have dramatic consequences for the Middle East and even beyond,” he said. “So we are and remain agreed that we must and will continue to work … to ensure that it does not happen.” (AP)

Verständlich, dass Steinmeier es an erster Stelle als ein Erfolg feierte, dass man sich überhaupt wieder auf so etwas wie eine Marschlinie gegenüber dem Iran hat verständigen können. Das letzte Treffen dieser Art zum Thema Iran  fand im September statt und die Einheit der sechs erschien zeitweilig ernsthaft in Gefahr.

Auch gestern schien die Summe der Gemeinsamkeit nicht groß genug, um etwas zu erarbeiten, das man wirklich als eine ernsthafte Verschärfung des Drucks auf Teheran bezeichnen könnte. Das, was zustande gebracht wurde, war offensichtlich nicht einmal solide genug, um es vorzuzeigen oder darüber zu reden.

[T]he foreign ministers of the six nations represented — Britain, China, France, Russia, the United States and Germany — canceled a planned news conference and left it to the host of the meeting, German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier, to announce the result.

Obwohl die sechs untereinander ein Schweigegelöbnis abgelegt haben, sickerte doch die eine oder andere Information durch, die einen Eindruck davon erweckt, was von der neuen Resolution erwartet werden kann.

U.S. and European diplomats said the draft, to be presented to the other members of the Security Council in the coming days, bolsters existing sanctions, notably asset freezes and travel bans on Iranian officials. But they disagreed on whether it contains new measures.

A senior U.S. official insisted that the resolution does have “new elements,” but declined to elaborate on what they were, while a European official said the draft does not feature additional economic sanctions.

AFP zitiert einen “hochrangigen US Offiziellen“ (wohl Nicholas Burns oder Condoleezza Rice) …

The senior US official said the resolution foresaw extending the travel ban on Iranian officials along with the asset freeze on companies linked to the Islamic republic’s nuclear programme.

… wie auch den russischen Außenminister Segej Lawrow.

In his remarks reported by the Ria-Novosti news agency, the foreign minister added that the proposed text does not foresee fresh sanctions against Iran.

Lavrov said the new wording “not only acknowledges, but salutes progress made by the International Atomic Energy Agency (IAEA) in clarifying aspects of Iran’s nuclear programme”.

In der WP heißt es heute:

To break an eight-month deadlock, the Bush administration accepted a plan that includes largely voluntary monitoring of transactions involving two banks, and calls for restraints on export credits, cargo traffic and business involving individuals or institutions linked to proliferation. The toughest restriction is a travel ban on key officials, the European officials said.

Nichts mehr ist übrig geblieben von der Kontrolle von iranischen Schiffen, Einschränkungen im Luftverkehr, Stopp von staatlichen Bürgschaften für Investitionen im Iran oder stärkeren Beschränkungen von Finanzverkehr.

Statt dessen dürften wohl einige Personen und Firmen mehr auf die bereits existierende Liste gesetzt werden, deren Reisen beobachtet werden sollen und mit denen Geschäfte verboten sind.

Bemerkenswert ist der Hinweis von Lawrow auf die laufenden Gespräche zwischen Teheran und der IAEA zur Aufklärung der offenen Fragen zum iranischen Atomprogramm. Hier hat er wohl den USA, Frankreich und Großbritannien das Zugeständnis abgerungen, die bereits erzielten Fortschritte in diesem Prozess in der Resolution zu vermerken. Es deutet zugleich an, welches Gewicht Russland diesem Prozess für das zukünftige Vorgehen gegenüber dem Iran einräumt.

Wohl im März dürfte klar sein, ob der Iran alle offenen Fragen zufriedenstellend beantwortet hat. Sollte dies der Fall sein, dann wird die zerbrechliche Einheit unter eine ernsthafte Probe gestellt.

Deutschland unterstützt neue Sanktionen

17. January 2008 - 17:30

Die Bundesregierung ist Gastgeber des Treffens der Außenminister der P5 + Deutschland am kommenden Dienstag in Berlin. Thema: die zukünftige Politik gegenüber dem Iran im allgemeinen und die Verabschiedung einer neuen Sanktionsresolution im Weltsicherheitsrat im besonderen.

Da gebietet es sich, der gemeinsamen Sache Tribut zu zollen.

Germany’s foreign minister said Thursday that the international community remains determined to prevent Iran from developing technology for nuclear weapons, despite U.S. assessments saying Tehran has stopped working on an arms program. …

“The conflict over Iran’s nuclear program remains … on the agenda,” he said, despite U.S. intelligence assessment last months concluding that Tehran stopped active work on a nuclear weapons program in 2003. “The problem is not solved.”

Urging Iran to “resurrect international confidence” in its nuclear intentions, Steinmeier said the international community “cannot and will not allow that technology for nuclear weapons.” (AP)

Klingt irgendwie entschlossen, aber sagt eigentlich nicht viel mehr als dass trotz National Intelligence Estimate und iranischer Sturheit das Problem nicht vom Tisch ist.

Geändert hat sich – soweit wahrnehmbar – allenfalls ein wenig der Ton. Er ist in Berlin ein wenig schärfer geworden.

“Iran shouldn’t get the impression that the international community is lacking determination and unity,'’ [der Sprecher des Bundesaußenministeriums, Martin; ME] Jaeger said. “Now is the time for ministers to exchange their views on future action'’ against Iran, which has “failed to answer questions'’ posed by the IAEA. (Bloomberg)

Hat der Iran tatsächlich Fragen nicht beantwortet? Noch ist der Dialog mit der IAEA, in dem diese Fragen beantwortet werden sollen, noch nicht beendet. Jäger muss in seine Kristallkugel geschaut haben.

Wie ein Gewichtheber, der mit Blick auf die auf dem Boden liegende Herausforderung, schnaubend kräftig Sauerstoff tankt, pumpen sich die Teilnehmer des Treffens am Dienstag auf.

Kein Zweifel, gelingt es nicht, jetzt gemeinsam zu einer Entscheidung über den weiteren Kurs gegenüber dem Iran zu kommen, dann ist (um im Bild zu bleiben) die Luft erst einmal raus. Irgendeine Entscheidung muss her, um den Anschein der Einigkeit der P5 + Deutschland zu wahren.

Nur: bevor der Prozess mit der IAEA nicht abgeschlossen ist, bevor nicht tatsächlich klar ist, ob der Iran kooperiert oder doch noch etwas zu verstecken versucht, dürften keine entscheidenden Weichen gestellt werden.

Etwas anderes als eine Erklärung (Erklärung muss sein), die den Minimalkonsens bestätigt, wäre eine Überraschung.

PS: Steinmeier hat nichts dazu gesagt, welche Sanktionen Berlin denn unterstützt. In diesem Punkt hat die Einheit bislang noch ein Ende.