Ahmadinejad an Obama

6. November 2008 - 06:22

Erstmals seit der islamischen Revolution 1979 hat der iranische Präsident dem neuen US Präsidenten zu seinem Wahlsieg gratuliert.

Präsident Mahmoud Ahmadinejad hat Barak Obama einen Brief geschrieben.

I congratulate you on your success in mustering the majority of votes cast in the presidential elections. [eine inoffizielle Übersetzung des Farsi-Textes, der auf der Webseite des Präsidenten veröffentlicht wurde]

Ahmadinejad wäre aber nicht Ahmadinejad, wenn er nicht die Gelegenheit zu religiösen Exkursen und politischen Belehrungen nutzen würde.

You know pretty well that the opportunities God grants to people he has created are short-lived, and they could either serve perfection of mankind and interests of nations or, God forbid, disserve nations. I hope that His Excellency will favor the genuine interests of people and justice over the never-ending demands of a selfish and fallible minority, so that you can seize on this chance in the best manner and leave behind a good legacy.

Ahmadinejad, der ansonsten eher für bescheidende Kenntnisse der Verhältnisse in westlichen Ländern bekannt ist, verkneift es sich nicht, Obama darüber zu belehren, was das amerikanische Volk von ihm erwartet.

On the one hand, the spiritual-minded American nation expects its government to concentrate its efforts entirely on serving people, healing the ongoing critical economic crisis, restoring its reputation, reviving hopes for eradication of poverty and discrimination, respecting  dignity, security and human rights as well as bolstering family foundations –- all of them teachings of God’s messengers.

In einem ähnlichen Tenor geht es auch zum Thema Mittlerer Osten weiter:

On the other hand, the nations of the world bank on the hope that policies based on belligerency, occupation, bullying, demagoguery, humiliation of nations and imposition of discriminatory and unjust relations on them and on global interactions -– which have provoked resentment from all nations and the majority of governments … and have harmed the reputation of Americans -– turn to behaviors based on justice and respect for human and national rights, friendship and non-interference in others’ affairs…

Specifically in the sensitive Middle East region, the U.S. government is expected to rethink its 60-year unjust behavior and opt for helping nations -– notably the innocent Palestinian, Iraqi and Afghan nations –- fully regain the legitimate rights denied them.

Iran’s great, civilization-producing and justice-seeking nation welcomes fundamental, realistic and just changes in [U.S.] politics and behavior particularly toward the Middle East.

Konkretes sucht man in dem ungewöhnlich ausschweifenden Schreiben vergeblich.

Aber wichtiger als der Inhalt ist sicher der Umstand, dass dieser Brief überhaupt geschrieben wurde. So verquert er ist, ist er doch ein Angebot an den neuen Präsidenten, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Auf iranischer Seite stehen die Tore für Verhandlungen weit offen.

Ahmadinejad zuversichtlich

14. August 2008 - 07:44

Wenn jemand zu den Verlierern der iranischen Bemühungen ist, mit den P5+Deutschland ins Gespräch zu kommen, dann wohl Präsident Mahmoud Ahmadinejad. Er hat sich mit einer konfrontativen Haltung gegenüber dem Westen und als Garant der Unnachgiebigkeit gegenüber Kompromissen zu profilieren versucht.

Der Kurs in Teheran hat sich aber geändert, was einiges darüber sagt, welches Gewicht Ahmadinejad bei der Formulierung der Nuklearpolitik besitzt.

Wenig war von ihm in den letzten Wochen zu hören und was man von ihm hört, sind gewöhnungsbedürftige Töne.

“We think that the question of nuclear power is going in the right direction,” said Ahmadinejad in an interview given to the television channel CNN Turk, part of the American CNN television network.

“The negotiations are good negotiations and that is going to continue,” he added.

“Of course, the negotiations are complex, it’s normal… (But) now the negotiations have started and it’s good. I do not think that we are going to towards chaos,” he said. (AFP)

So kann es gehen.

Oder doch keine 6.000?

29. July 2008 - 11:38

Offensichtlich war beim iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad doch wieder einmal der Wunsch der Vater des Gedankens als er am Samstag verkündete, sein Land verfüge über 6.000 Zentrifugen zur Urananreicherung.

Iran appears to have overstated the expansion of its uranium enrichment programme at a sensitive juncture in talks with world powers, a diplomat close to the U.N. nuclear watchdog agency said on Monday.

He said the International Atomic Energy Agency checked President Mahmoud Ahmadinejad’s announcement on Saturday that Iran had more than 5,000 centrifuges running and could verify just 4,000 were installed, 3,500 of which were regularly enriching uranium.

“This is the latest, verified information the agency has, as of today,” said the Vienna-based diplomat, who is familiar with the U.N. watchdog’s inspections in Iran. (Reuters)

Ein zweiter von Reuters zitierter Diplomat hat ebenfalls so seine Zweifel.

“It’s hard to verify what Ahmadinejad actually said, let alone the (true number of centrifuges). The figure of 4,000 is more plausible compared to where they were (two months ago),” a European Union diplomat accredited to the IAEA told Reuters.

Ahmadinejad sucht nach Gemeinsamkeiten

28. July 2008 - 23:24

Der amerikanische TV Sender NBC kam heute nach Teheran, um für seine Frühstückssendung Präsident Mahmoud Ahmadinejad zu interviewen. Dies allein schon ist im Iran, wo die ausländische Presse im Prinzip als feindlich angesehen wird, ein politisches Signal.

Und dann gab sich Ahmadinejad sogar noch äußerst entgegenkommend. Zu den Aussichten auf mögliche Verhandlungen zwischen dem Iran und den P5+Deutschland sagte er:

“They submitted a package and we responded by submitting our own package,” Ahmadinejad said through an interpreter in an excerpt of the NBC interview aired on Monday.

“It’s very natural. In the first steps, we are going to negotiate over the common ground as they exist inside the two packages. If the two parties succeed in agreeing over the common ground, that will help us to work on our differences as well, to reach an agreement.” (Reuters)

Die Absicht, nach Gemeinsamkeiten suchen zu wollen, ist nicht nur aus seinem Munde ungewöhnlich versöhnlich, sondern fasst auch noch einmal die iranische Verhandlungsstrategie zusammen: erst einmal bei den Themen anfangen, die nicht sonderlich kontrovers sind, und so die Einigungsbereitschaft beider Seiten testen. Darauf aufbauend dann langsam zu den kontroversen Fragen übergehen.

Klingt gut, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass dies die P5+Deutschland nicht akzeptieren werden. Sie werden nicht mit Teheran monatelang über Terrorismusbekämpfung oder die Eindämmung des Drogenschmuggels reden, während in Natanz weitere Zentrifugen aufgestellt werden.

Wenn das ganze Unternehmen nicht erneut platzen sollte, dann muss der Iran ein deutliches Zeichen geben, dass er bereit ist, auch in der Atomfrage einzulenken. Das muss nicht notwendig ein Verzicht auf die eigene Urananreicherung bedeuten, aber es muss von Teheran etwas auf den Tisch gelegt werden, das klar macht, dass man die Besorgnis der P5+Deutschland (und vieler anderer) ernst nimmt und bereit ist, an einer für alle zufriedenstellenden Lösung zu arbeiten.

Eine gute Woche bleibt dafür noch Zeit und viele Chancen, eine weitere Eskalation zu vermeiden, wird es vorerst nicht mehr geben.

6000 Zentrifugen

26. July 2008 - 13:55

Glaubt man Präsident Mahmoud Ahmadinejad, dann verfügt der Iran inzwischen über 6.000 Zentrifugen in seiner Urananreicherungsanlage in Natanz.

President Mahmoud Ahmadinejad said Saturday that Iran now possesses 6,000 centrifuges, a significant increase in the number of uranium-enriching machines in its nuclear program, the semi-official Fars news agency reported. …

“Islamic Iran today possesses 6,000 centrifuges,” Ahmadinejad told university professors in the northeastern city of Mashhad. (AP)

Nicht gesagt hat Ahmadinejad, ob diese neuen Zentrifugen auch im Einsatz sind und ob sie störungsfrei laufen.

Kann man ihm glauben?

Im letzten Bericht der IAEA vom Ende Mai wurde bereits notiert, dass der Iran im Begriff sei, neben den existierenden 3.000 weitere Einheiten gleicher Größe zu installieren. Wenn man erst einmal den Trick heraus hat, ist es für Fachleute nicht sonderlich schwierig, weitere Einheiten aufzubauen.

Schwieriger wird es allerdings mit dem Betrieb, da die einzelne Kaskaden untereinander in einem sehr sensiblen Prozess aufeinander abgestimmt werden müssen.

Kein Zweifel besteht aber daran, dass Teheran trotz UN Sanktionen sein Atomprogramm weiter ausbaut.

Allerdings hat sich Ahmadinejad auch in der Atomfrage schon in der Vergangenheit als ein Mann erwiesen, bei dem die Wünsche der Wahrheit ein wenig vorauseilen.

Den nächsten IAEA Bericht mit Einzelheiten zum technischen Stand der Dinge wird es Ende August geben.