NYT: Tinners arbeiteten für die CIA

25. August 2008 - 09:14

Die NYT greift heute noch einmal in einem Stück, das so aussieht, als sei es eher für die gestrige Sonntagsausgabe bestimmt gewesen, die Hintergründe der Zerstörung der Dokumente im Fall Tinner auf.

Die Familie Tinner, Vater Friedrich und seine beiden Söhne, stehen im verdacht, mit dem atomaren Schmuggelnetzwerk von Abdul Qadeer Khan zusammengearbeitet, und Technologie für ein Nuklearprogramm illegal u.a. an den Iran und an Libyen verkauft zu haben. Ihnen wird in ihrer Heimat, der Schweiz, der Prozess gemacht.

Im Mai wurde bekannt, dass eine Reihe von Zeichnungen und Dokumente im Besitz der Tinners von den Schweizer Behörden unter Aufsicht der IAEA vernichtet wurden. Die Begründung lautete damals, man wolle verhindern, dass Anleitungen zum Bau einer Atombombe in unbefugte Hände fallen würden.

Diese Begründung sei nur vorgeschoben gewesen, so die NYT heute.

The purpose, the officials said, was less to thwart terrorists than to hide evidence of a clandestine relationship between the Tinners and the C.I.A.

Over four years, several of these officials said, operatives of the C.I.A. paid the Tinners as much as $10 million, some of it delivered in a suitcase stuffed with cash. In return, the Tinners delivered a flow of secret information that helped end Libya’s bomb program, reveal Iran’s atomic labors and, ultimately, undo Dr. Khan’s nuclear black market. (NYT)

Der US Regierung ging es schlicht und einfach darum zu verhindern, dass ihren eigenen Informanten der Prozess gemacht wurde. Belastendes Material sowie Hinweise auf die Verstrickungen der CIA wurden so aus dem Verkehr gezogen. Es macht sich schlecht, wenn man weitere Mitarbeiter in der Zukunft anwerben will.

Bemerkenswerte Einsichten, welche Informationen die Tinners denn über die Geschäfte mit dem Iran einbringen konnten, enthält der Artikel nicht.

So schreiben William J. Broad und David E. Sanger …

For instance, the United States had gathered circumstantial evidence that Iran wanted an atom bomb. Suddenly it had a direct view into clandestine Iranian procurement of centrifuges and other important nuclear items.

… aber das liest sich eher wie ein slip of the pen. Beide Autoren scheinen es als gegeben anzusehen, dass der Iran den Bau einer Bombe anstrebt. Beweise dafür scheinen die Tinners nicht geliefert zu haben.

Weiter unten im Artikel heißt es:

He said the agency had no evidence that Iran had acquired the bomb plans.

He = ein ungenannter europäischer Diplomat, der via IAEA Einblick in einige der nun vernichteten Unterlagen hatte.

Von der selben Quelle stammt auch die Aussage, dass das, was die Tinners in Sachen Bombenpläne anzubieten hatten, eher von eingeschränktem Nutzen war.

[T]he diplomat insisted that the warhead designs were in many respects sketchy and incomplete. “These are almost like studies — bits and pieces,” he said, adding that they “wouldn’t be enough to let you build a replica.”

Ansonsten wird noch mal erwähnt, dass die Tinners auch einen brauchbaren Beitrag dazu geliefert haben, die iranischen Nuklearpläne zu sabotieren.

[T]he men and their insider information had helped the C.I.A. sabotage atomic gear bound for Libya and Iran. A former American official confirmed the disruptions, saying the technical architect of the operation was “a mad-scientist type” who took pleasure in devising dirty tricks.

Bekannt ist bereits, dass an den Iran manipulierte Schaltelemente geliefert wurden.

A more serious disruption involved a power supply shipped to Iran from Turkey, where Dr. Khan’s network did business with two makers of industrial control equipment.

The Iranians installed the power supply at their uranium enrichment plant at Natanz. But in early 2006, it failed, causing 50 centrifuges to explode — a serious, if temporary, setback to Iran’s efforts to master the manufacture of nuclear fuel, the hardest part of building a bomb. (Iran says its nuclear efforts are for electricity, not weapons.)

Gholamreza Aghazadeh, the head of the Iranian Atomic Energy Organization, told a reporter last year that Iranian investigators found that the power supply had been manipulated.

After the episode, he added, “we checked all the imported instruments.”

Wie man lesen kann, James Bond lebt, aber die Beweise für den zielstrebigen Versuch, eine iranische Bombe zu bauen, haben auch nach allem was bekannt geworden ist auch die Tinners nicht geliefert.

Iran testet P-2 Zentrifugen in Natanz

7. February 2008 - 07:45

Mark Heinrich meldet aus Wien, der Iran habe begonnen, die technisch fortgeschritteneren P-2 Zentrifugen in der Pilotanlage in Natanz zu installieren und zu testen.

Iran is testing an advanced centrifuge at its Natanz nuclear complex, diplomats said on Wednesday, a move that could lead to Tehran enriching uranium much faster and gaining ability to build atom bombs. (Reuters)

Bislang hat Teheran mit dem älteren Modell der P-1 gearbeitet, von denen etwa 3.000 Stück in Natanz installiert wurden. Mit dieser Einrichtung wurden bislang kleinere Mengen an Uran angereichert und es ist unklar, mit welcher Kapazität diese Maschinen betrieben werden. Vieles deutet darauf hin, dass der Iran immer noch mit Schwierigkeiten kämpft, die Anlage reibungslos zu betreiben.

Die Pläne für den Bau der P-1 und auch ein paar Muster, an denen die iranischen Techniker den Nachbau üben konnten stammten von dem berüchtigten pakistanischen Atomwissenschaftler und Schwarzmarkthändler A.Q. Khan.

Von der selben Quelle hatte Teheran auch Blaupausen für das fortgeschrittenere P-2 Modell bezogen.

But diplomats tracking Iran’s dossier said it had started mechanical tests, without nuclear material inside, of a more efficient model in the pilot wing of the vast Natanz plant.

“The Iranians have begun to run in the advanced model. It’s not yet known what stage the testing has reached or exactly how many there are, although it appears to be several dozen,” said a Western diplomat with access to intelligence.

A senior diplomat familiar with the International Atomic Energy Agency’s file on Iran confirmed it recently began testing centrifuges based on a “P-2″ design, used more recently in the West and able to enrich uranium 2-3 times as fast as the P-1.

Wird für die Produktion einer ausreichenden Menge von hochangereichertem Uran für eine Atombombe mit 3.000 P-1 Zentrifugen etwa ein Jahr benötigt, würde weniger als die Hälfte an P-2 Zentrifugen notwendig sein, um das selbe Ziel im gleichen Zeitraum zu erreichen.

Der Iran hatte gegenüber der IAEA eingestanden, im Jahr 1994 Zeichnungen für die P-2 erhalten zu haben. Diese Pläne hätten aber bis 2002 unberührt in der Schublade gelegen. Erst dann habe man eine Firma damit beauftragt, das fortgeschrittene Modell zu bauen. Die Firma sei aber an dem Unternehmen gescheitert, weshalb die Geschichte im Jahr 2003 wieder eingestellt worden sei.

Im Jahr 2004 hat Teheran dann die IAEA davon informiert, dass in „absehbarer Zeit“ die Arbeiten an der P-2 wieder aufgenommen werden sollten. Im April 2006 erklärte Präsident Ahmadinejad öffentlich, es werde wieder an der neuen Technologie gearbeitet. Anfragen der IAEA blieben unbeantwortet.

Im August 2006 trat der National Council of Resistance of Iran (NCRI) mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, die P-2 Zentrifugen würden bereits in einem geheimen Betrieb östlich von Teheran produziert.

Der IAEA war die Geschichte nie ganz geheuer. So stellte sie bei Inspektionen fest, dass die Firma, die 2002 mit der Fertigung beauftragt wurde, in kurzer Zeit sehr erstaunliche und schwer erklärbare Fortschritte gemacht hatte. Zudem tauchten immer wieder Meldungen auf, dass Teheran versucht habe, wichtige Bauteile wie beispielsweise Magnete zu kaufen.

Verwirrend ist zudem, dass der Iran einen hohen Aufwand an Energie in den Bau der Anlage mit den P-1 Modellen in Natanz investiert hat. Ohne diese Technologie wirklich zu beherrschen und nennenswerte Mengen an angereichertem Uran produziert zu haben, werden nun erste Test mit der besseren Technologie durchgeführt.

IAEA und Iran beginnen mit Aufklärung der offenen Fragen

25. September 2007 - 07:37

Vertreter der IAEA und des Irans haben gestern in Teheran mit der Aufklärung der ersten der in der Vereinbarung vom August festgelegten offenen Frage zur Vergangenheit des iranischen Nuklearprogramms begonnen.

The talks with International Atomic Energy Agency officials “will continue in the next two or three days,” Foreign Ministry spokesman Mohammad Ali Hosseini told the state broadcaster IRIB. (Reuters)

Thema sind die P2-Zentrifugen, die der Iran besitzen / nicht besitzen / gebaut / nicht gebaut haben könnte.

Diese Metallzylinder dienen zur Urananreicherung. Die Zentrifugen, die der Iran in seiner Anlage in Natanz einsetzt wurden nach Konstruktionsplänen und Prototypen gebaut, die vom „Vater der pakistanischen Atombombe“ A. Q. Khan geliefert wurden.

Diese erste Generation von Zentrifugen, P1, ist aber inzwischen veraltet. Das Nachfolgemodell P2 ist weit effektiver.

Die IAEA fragt sich, warum der Iran eine veraltete Technologie benutzt, wo es doch Besseres gibt. Zudem hat der Iran in der Vergangenheit mal mit P2 Zentrifugen experimentiert, dieses Unternehmen aber wieder eingestellt. Präsident Ahmadinejad hatte zudem im April letzten Jahres erklärt, der Iran wolle die Entwicklung der P2 Zentrifugen wieder aufnehmen, ohne dass aber bekannt wurde, dass diesen Worten auch Taten folgten.

Sollte der Iran P2 Zentrifugen benutzen, könnte er weiter schneller als mit der P1 Technologie das notwendige hochangereicherte Uran für einen nuklearen Sprengkopf produzieren.

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass diese P2 Zentrifugen irgendwo im Iran existieren, aber verständlicherweise möchte die IAEA es doch gern ein wenig genauer wissen.

Mit den gestern aufgenommen Gesprächen hält sich Teheran an den umstrittenen Fahrplan. Aber es ist ja auch erst der Anfang eines längeren Prozesses.

Nuklearprogramm ein Chaosprogramm

28. January 2007 - 08:32

Das iranische Atomprogramm ist ein großes Chaos und weit davon entfernt, tatsäch – so gewünscht – die Mengen an hochangereichertem Uran zu produzieren, die für den Bau einer Atombombe notwendig wären.

Dies ist die Kernaussage eines Artikels von Peter Beaumont im heutigen Observer.

Iran’s efforts to produce highly enriched uranium, the material used to make nuclear bombs, are in chaos and the country is still years from mastering the required technology.

[A] number of Western diplomats and technical experts close to the Iranian programme have told The Observer it is archaic, prone to breakdown and lacks the materials for industrial-scale production.

Probleme gibt es mit der Installation von 3.000 Zentrifugen, die von Teheran eigentlich schon für das letzte Quartal vergangenen Jahres angekündigt war. Obwohl vom Iran immer wieder mit stolzgeschwelter Brust verkündet wird, das Nuklearprogramm sei hausgemacht, stellt sich im Nachhinein heraus, dass die Zerschlagung des Netzwerks des Pakistaners Abdul Khan, das dem Iran in der Vergangenheit wichtige Hilfe geleistet hat, für Teheran ein großer Rückschlag.

A key case in point is that Tehran originally procured the extremely high-quality bearings required for the centrifuges’ carbon-fibre ‘top rotors’ - spinning dishes within the machines - from foreign companies in Malaysia.

With that source closed down two years ago, Iran is making the bearings itself with only limited success. It is the repeated failure of these crucial bearings, say some sources, that has been one of the programme’s biggest setbacks.

Hinzu kommen die Schwierigkeiten, sich das notwendige Material zu beschaffen.

Iran is also believed to be critically short of key materials for producing a centrifuge production line to highly enrich uranium - in particular the so-called maraging steel, able to be used at high temperatures and under high stress without deforming - and specialist carbon fibre products.

In der Summe, so Beaumont, ist der Iran noch ein gutes Stück von seinen selbstgesteckten Zielen (geschweige denn von einer Bombe) entfernt.

‘The reality is that they have got to the stage where they can run a small experimental centrifuge cascade intermittently,’ said one Western source familiar with the Iranian programme. ‘They simply have not got to the stage where they can run 3,000 centrifuges There is no evidence either that they have been stockpiling low-enriched uranium which could be highly enriched quickly and which would give an idea of a malevolent intent.’

Allerdings wird dies Teheran nicht davon abhalten, weiter stolz imaginäre Fortschritte zu verkünden. In einer guten Woche will Präsident Ahmadinejad aus Anlass der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Revolution einen neuen „Meilenstein” auf dem Weg zum Atomstaat feierlich verkünden. Gemeint ist wohl die Bekanntgabe des offiziellen Beginns der Installation der angekündigten 3.000 Zentrifugen.

Mit solch falsch verstandenen Propagandaaktionen dürfte sich Teheran aber selbst kaum einen Gefallen tun. Wie die Kritiker von Ahmadinejad im eigenen Land zu recht anmerken, führen solche verbalen Provokationen (denen wie im Fall der Zentrifugen jede Substanz fehlen) nur zu einer weiteren Eskalation der Situation.

Beaumont glaubt, eine weitere Zuspitzung sei sicher, ein israelischer Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen sogar wahrscheinlich.

[S]ome involved in the increasingly aggressive standoff over Iran fear tensions will reach snapping point between March and June this year, with a likely scenario being Israeli air strikes on symbolic Iranian nuclear plants.

The sense of imminent crisis has been driven by statements from Israel, not least from Prime Minister Ehud Olmert, who has insisted that 2007 is make-or-break time over Iran’s nuclear programme.

Israel ist sicher nicht die einzige Kraft, die auf eine Konfrontation zusteuert, sondern die US Regierung und auf seine Art auch der Iran steuern nach Kräften das ihre mit dazu bei.

Gong zur nächsten Runde: ElBaradei berichtet

28. April 2006 - 22:04

Der Generaldirektor der IAEA, Mohammad ElBaradei, hat heute den vom UN Sicherheitsrat verlangten Bericht zum Iran vorgelegt (GOV/2006/27). Auf acht Seiten erläutert ElBaradei, warum seine Organisation auch in den letzten 30 Tagen nicht in der Lage war, alle offenen Fragen zum iranischen Nuklearprogramm aufzuklären, und welche Antworten Teheran noch schuldig geblieben ist.

Danach hat der Iran weder die Forderungen des UN Sicherheitsrates noch die Forderungen des Gouverneursrates der Internationalen Atomenergiebehörde erfüllt.

Das kann nur diejenigen überraschen, die in den letzten Wochen keine Zeitungen gelesen haben. Teheran hat sich nicht nur geweigert, die Arbeiten an der Anreicherung von Uran auszusetzen, sondern baut die bestehenden Anlagen noch weiter aus. Dies war bekannt und Präsident Ahmadinejad hat erst heute morgen erneut erklärt

“Enemies think that by … threatening us, launching psychological warfare or … imposing embargos they can dissuade our nation from obtaining nuclear technology.”

“The Iranian nation insists on its right to peaceful nuclear technology. We will not back down one iota,” he added. (Reuters)

Damit ist die erste Forderung des IAEA-Gouverneursrat, die durch die Erklärung des Sicherheitsrates unterstützt wurde, nicht erfüllt:

• re-establish full and sustained suspension of all enrichment related and reprocessing activities, including research and development, to be verified by the Agency

Ebenfalls nicht erfüllt wurden die Forderung nach eine sofortigen Ratifizierung und Umsetzung des Zusatzprotokolls der IAEA, das den Inspektoren einen größeren Handlungsspielraum einräumen würde. Seit dem 5. Februar ist der Iran nicht mehr bereit, nach den Regeln dieses Protokolls mit der IAEA zu kooperieren und hat auch nicht zu erkennen gegeben, dass es zu einer Ratifizierung bereit ist.

Teheran hatte sich in der Vergangenheit bereit erklärt, mit den Inspektoren auf der Grundlage des Zusatzprotokolls zusammenzuarbeiten, was ihnen die Möglichkeit einräumte, unangemeldete Inspektionen vorzunehmen wie auch Anlagen zu besuchen, die von Teheran nicht als nukleare Einrichtungen deklariert worden sind.

Diese Bereitschaft wurde aufgekündigt, als der IAEA Gouverneursrat am 4. Februar beschloss, den Sicherheitsrat über den schleppenden Fortgang der Aufklärung des Atomprogramms offiziell zu informieren.

Nach Auffassung von ElBaradei ist es aber ohne die erweiterten Befugnisse, die das Zusatzprotokoll bietet, für die IAEA nicht möglich, mit der notwendigen Sicherheit aussagen darüber zu treffen, ob sich nicht deklariertes nukleares Material im Iran befindet oder nicht deklarierte Aktivitäten stattfinden. (Abs. 9)

Aus dem Bericht ist zu erfahren, dass nicht einmal alle Standard-Kontrollmaßnahmen, die für alle Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages gelten, zwischen Teheran und der IAEA unumstritten sind. So hat der Iran bislang Einwände gegen die Übertragung von verschlüsselten Daten aus der Anlage für Urankonversion in Isfahan wie aus der Pilotanlage für Urananreicherung in Natanz. Die entsprechenden Vorrichtungen sind deshalb nicht in Betrieb.

Nicht in allen war Punkten bekannt, wie unkooperativ sich der Iran auch bei der Aufklärung der offenen Fragen, die die IAEA an sein Atomprogramm hat, verhält. Die Liste ist lang.

+ Teheran weigert sich weiterhin, der IAEA eine Kopie eines handgeschriebenen Papiers auszuhändigen, auf dem ein Mittelsmann des Khan Netzwerkes detailliert aufgelistet hat, welche Elemente eines Atomprogramms dem Iran zum Kauf angeboten werden. Dazu gehören u.a. eine demontierte Zentrifuge, Zeichnungen, Spezifikationen und Berechnungen für eine „komplette Fabrik” zur Produktion von Zentrifugen sowie Einzelteile für 2.000 Zentrifugen.

Nach iranischen Angaben soll dies das einzige Stück Papier sein, das als Unterlage zu den Verhandlungen zwischen Khan und dem Iran existiere, bevor man 1987 schließlich handelseinig wurde. (Abs. 10)

+ Die Angaben Teherans und die Angaben des inzwischen in Haft sitzenden Mittelsmann von Khan über die Umstände der Lieferung von Einzelteilen für den Bau von 500 P1-Zentrifugen Mitte der 90er Jahre stimmen nicht überein. Die IAEA verlangt weitere Angaben über die Daten und den Inhalt der unterschiedlichen Lieferungen. (Abs. 11)

+ Der Iran verweigert auch die Kopie eines zweiten, 15seitigen Dokuments, das ebenfalls vom Khan Netzwerk stammt und Verfahren zur Umwandlung von Urangas (UF6) in Uranmetall beschreibt. Diese Umwandlung spielt bei der Herstellung von Atomsprengköpfen ein wichtige Rolle. (Abs. 16)

+ Obwohl bisherige Analysen der Proben die Angaben zur Herkunft von Partikeln hochangereicherten Urans, die bei Proben gefunden wurden, zu bestätigen scheinen, ist die Untersuchung immer noch nicht abgeschlossen. (Abs. 8)

+ Die Ergebnisse von Plutonium-Analysen stimmen nicht mit den iranischen Angaben überein. Der Iran hatte die IAEA von Experimenten zur Trennung kleiner Mengen an Plutonium informiert, aber die Proben, die Teheran der Agentur überlassen hat, scheinen nicht von diesen Experimenten zu stammen. (Abs. 17)

+ Der Iran hat bislang noch keine zufriedenstellende Auskunft zu den Spezial-Magneten erteilt, die im Februar 2006 von einer iranischen Firma beschafft worden sind. Diese Magnete werden zum Bau von P2 Zentrifugen benutzt. Teheran hat bislang ausgesagt, dass man eine Vertragsfirma beauftragt habe, einige Entwicklungsarbeiten an P2-Zentrifugen durchzuführen. Diese Arbeiten hätten von Anfang 2002 bis zum Juli 2003 stattgefunden. Die Magnete wurden von der selben Firma aber erst Jahre später bestellt, was den Verdacht erweckt, es werde im Geheimen weiter an P2-Zentrifugen gearbeitet. (Abs. 13)

+ Die Aufklärung der Bemühungen des Physikalischen Forschungszentrums in Lavisan, Dual-Use-Technik zu erwerben, kommt nur schleppend voran. Der Iran hat zwar einige Informationen hierzu vorgelegt, die noch weiter überprüft werden müssen, weigert sich aber, einen ehemaligen Direktor dieses Zentrums für ein Gespräch mit den Inspektoren zur Verfügung zu stellen. (Abs. 25)

+ Der Iran hat erklärt, die Behauptungen, es betreibe ein „Green Salt Projekt”, seien haltlos. Ein solches Projekt habe nie existiert. Die IAEA hat aber weiterhin Zweifel, weil nach früheren iranischen Angaben eine Firma an einem solchen Projekt beteiligt war, die auch in andere nukleare Aktivitäten verwickelt war. (Abs. 28)

+ Fragen zu Tests mit hochexplosiven Stoffen sowie zur Raketen-Entwicklung blieben unbeantwortet. (Abs. 29)

Erstaunlich an diesem unkooperativen Verhalten erscheint, dass Teheran eigentlich daran gelegen sein müsste, die offenen Fragen auszuräumen, um zumindest in diesem Bereich politische Punkte zu machen.

Die politische Position des Irans würde sich erheblich verbessern, wenn die Zweifel am friedlichen Charakter seines Atomprogramms ausgeräumt würden. Aber der Bericht vermittelt den Eindruck, dass die iranische Führung es an jeglichen Anstrengungen vermissen lässt.

Entweder ist der Iran nicht in der Lage, die Fragen zu beantworten ohne Aspekte des Atomprogramms zu enthüllen, die bislang nicht bekannt sind, oder Teheran ist von der internen politischen Diskussion so paralysiert, dass es über seine eigenen Beine fällt.

Ansonsten:

+ Es gibt keine Neuigkeiten zu der Erklärung von Präsident Mahmoud Ahmadinejad, der Iran arbeite an der Entwicklung von P2-Zentrifugen. Die IAEA hat Teheran um Erläuterungen gebeten, aber offensichtlich keine Antwort erhalten. (Abs. 14)

+ Der Schwerwasserreaktor in Arak wird weitergebaut (Abs. 18), womit der Iran eine weiter Forderung des Gouverneurs- wie des Sicherheitsrates ignoriert:

• reconsider the construction of a research reactor moderated by heavy water

+ Der Iran informierte am 13. April (am selben Tag, an dem auch Präsident Ahmadinejad den Durchbruch verkündete) die IAEA, dass es in der Pilotanlage in Natanz erfolgreich Uran auf 3,6 Prozent angereichert habe. Die Proben, die die Inspektoren entnommen haben, scheinen dies zu bestätigen. (Abs. 31)

+ Der Iran setzt seine Versuche mit der ersten Kaskade mit 164 Zentrifugen fort und baut gleichzeitig in Natanz zwei weitere 164er Kaskaden. (Abs. 31)

+ Die Konversion von Uran in UF6 wird weiter fortgesetzt. Seit September 2005 sind etwa 110 Tonnen produziert worden. Der Prozess findet unter der Kontrolle der IAEA statt. (Abs. 32)

Die ersten Reaktionen auf ElBaradeis Bericht fielen aus, wie zu erwarten war.

Der amerikanische UN Botschafter John Bolton:

“We are concerned about the continued work that Iran is doing to acquire nuclear weapons capability,” U.S. Ambassador John Bolton said. “We do think there’s a sense of urgency here and we hope that we can get council action just as soon as possible.” (AP)

Die USA drängen auf eine Resolution unter Kapitel VII der UN Charter.

Der britische Außenminister Jack Straw:

“We will now be asking the Security Council to increase the pressure on Iran, so that the international community can be assured that its nuclear programme is not a threat to peace and security.” (AFP)

Der chinesische UN Botschafter Wang Guangya lehnte erneut Sanktionen gegen den Iran ab.

“All we want is to work for a diplomatic solution because this region is already complicated, there are a lot of problems in the region, and we should not do anything that would cause the situation (to be) more complicated.” (AP)

Es gab keine unmittelbaren russischen Reaktionen.

Nach Vorlage des ElBaradei-Berichts beginnt nun die zweite Runde im UN Sicherheitsrat zum Iran, ohne dass erkennbar wäre, dass sich die Haltung der entscheidenden Protagonisten geändert hätte.

Am 2. Mai werden sich die politischen Direktoren der Permanenten Fünf + Deutschland in Paris zu Diskussionen über den weiteren politischen Kurs treffen. Am 9. Mai werden sich die Außenminister zum selben Thema in New York treffen.

Der britische UN Botschafter Emyr Jones-Parry hat angekündigt, seine Delegation werde Mitte kommender Woche einen ersten neuen Resolutionsentwurf vorlegen.