Inspektion der Fracht für Iran

29. January 2008 - 06:28

Noch sind die USA noch ein gutes Stück davon entfernt, eine dritte Sanktionsresolution im UN Sicherheitsrat durchzusetzen und sie haben erst jüngst erleben müssen, dass sie sich mit ihren Vorstellungen, wie größerer Druck auf Teheran auszuüben sei, in der Runde der P5 + Deutschland nicht haben durchsetzen können, da träumte Außenministerin Condoleezza Rice gestern schon von höheren Zielen.

“The important thing is that it both deepens … sanctions against Iran and opens the possibility of new directions, like for instance the possibility of cargo inspections,” Rice told a press conference with Australian Foreign Minister Stephen Smith. (AFP)

Es erscheint mir eher unwahrscheinlich, dass Frau Rice eine entsprechende Inspektions-Resolution des Sicherheitsrates noch in ihrer Amtszeit erleben wird.

Zweites Gleis

24. January 2008 - 00:31

Die Politik gegenüber dem Iran – so werden die westlichen Vertreter nicht müde zu beteuern – ist doppelgleisig. Auf der einen Seite Druck, um Teheran zum Wohlverhalten zu zwingen, auf der anderen Seite das Angebot zu Gesprächen, um eine beiderseitig zufriedenstellende Lösung zu finden.

Nachdem die P5 + Deutschland sich am Montag im Berlin auf eine leichte Ausweitung der bestehenden Sanktionen verständigt haben, sah es US Außenministerin Condoleezza Rice gestern wohl als ihre Pflicht an, auch noch mal auf das zweite Gleis hinzuweisen.

“Ultimately, though, we believe that we can resolve this problem through diplomacy,” Rice said …

“If Iran would suspend its uranium enrichment and reprocessing activities - which is an international demand, not just an American one - then we could begin negotiations, and we could work over time to build a new, more normal relationship,” she said.

Rice said this new relationship could be defined not by fear and mistrust but growing cooperation, expanding trade and exchange, and the peaceful resolution of differences. (Reuters)

Wenn sie noch hinzu gefügt hätte, die USA würden ihrerseits alle Drohungen mit einem militärischen Angriff einstellen (einige “Optionen” vom Tisch nehmen), die amerikanischen Sanktionen gegenüber dem Iran suspendieren und Teheran nicht mehr beschuldigen, weltgrößte Unterstützer des Terrorismus zu sein, dann würden die Chancen erheblich wachsen, dass man ihr Gesprächsangebot ernst nehmen könnte.

Iran lügt – sagt Rice

12. October 2007 - 07:30

Die Äußerung des russischen Präsidenten Wladimir Putins, er kenne keine Beweise, dass der Iran ein Atomwaffenprogramm betreibe, muss die US Außenministerin Condoleezza Rice doch recht verstimmt haben.

Ihr Zorn ist noch herauszulesen aus dem, was AP über ihre Bemerkungen während ihres Fluges nach Moskau in der vergangenen Nacht zu melden weiß.

“There is an Iranian history of obfuscation and, indeed, lying to the IAEA,” she said, referring to the International Atomic Energy Agency.

“There is a history of Iran not answering important questions about what is going on and there is Iran pursuing nuclear technologies that can lead to nuclear weapons-grade material,” Rice told reporters aboard her plane as she headed to Moscow.

Vertuschungen gegenüber der IAEA – ja.

Lügen gegenüber der IAEA – wohl auch.

Fragen nicht beantwortet? – In der Vergangenheit ja, aber nun sitzen der Iran und die IAEA ja gerade zusammen und Teheran hat versprochen auszupacken.

Technologie, die zu waffenfähigem Material führen könnte? – Ja. As liegt in der Natur der Sache. Jeder, der eine Anreicherungsanlage betreibt, kann damit auch waffenfähiges Material produzieren, wenn er denn will.

All dies sind gute Gründe, dem Iran sehr genau auf die Finger zu schauen. Aber es sind keine Beweise.

Rice klingt mit ihrer Argumentation fast schon ein wenig hilflos.

She also noted that Russia had in the past demonstrated its concern about Iran’s program by limiting its cooperation to prevent Tehran from acquiring a full nuclear fuel cycle that could be used to produce weapons-grade material.

“That concern was seen very clearly in Russia’s offer to Iran to enrich and reprocess in a joint venture and to bring back any spent fuel so that the fuel cycle wouldn’t be available to Iran,” she said. “I think there is a reason for that and that is suspicion about Iran’s intentions.”

Mir würden noch eine Reihe anderer Gründe einfallen: beispielsweise ein solider Geschäftssinn; der Versuch, durch die Rolle als Vermittler zwischen dem Westen und dem Iran diplomatisch aufgewertet zu werden; der Wunsch, Iran enger an sich zu binden / Abhängigkeit zu schaffen, die sich auf anderen Feldern nutzen ließe.

Wenn ich noch länger nachdenke, würde mir sicher noch mehr einfallen.

Revolutionäre Garden terroristische Vereinigung?

15. August 2007 - 08:56

Helene Cooper berichtet heute in der NYT von Vorbereitungen der US Regierung, Irans Revolutionäre Garen zu einer Terroristischen Vereinigung zu erklären.

The Bush administration is preparing to declare that Iran’s Revolutionary Guard Corps is a foreign terrorist organization, senior administration officials said Tuesday.

Die letzte Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Senior administration officials said current plans called for the declaration to be made this month, but cautioned that it could be put off, and that the effort could still be set aside if the Security Council moved more quickly to impose broad sanctions on Iran over its nuclear program.

The officials said the declaration was being pushed by Ms. Rice, and would not say if it had been endorsed by the National Security Council or the Pentagon.

Robin Wright schreibt dagegen heute in der WP, die Entscheidung sei bereits gefallen.

The United States has decided to designate Iran’s Revolutionary Guard Corps, the country’s 125,000-strong elite military branch, as a “specially designated global terrorist,” according to U.S. officials, a move that allows Washington to target the group’s business operations and finances.

… fügt dann aber noch an …

Although administration discussions continue, the initial decision is to target the entire Guard Corps, U.S. officials said. The administration has not yet decided when to announce the new measure, but officials said they would prefer to do so before the meeting of the U.N. General Assembly next month, when the United States intends to increase international pressure against Iran.

Laut NYT verfolge Rice mit diesem Manöver gleich zwei Absichten verfolgen:

A move toward putting the Revolutionary Guard on the foreign terrorist list would serve at least two purposes for Ms. Rice: to pacify, for a while, administration hawks who are pushing for possible military action, and to further press America’s allies to ratchet up sanctions against Iran in the Security Council.

Die US Außenministerin würde in Washington unter nicht unerheblichem Druck stehen.

[I]n recent months, there has been resurgent debate within the administration about whether the diplomatic path is working, with aides to Vice President Dick Cheney said to be among those pushing for greater consideration of military options.

Die amerikanischen Bemühungen um eine dritte Resolution des UN Sicherheitsrates mit einschneidenderen Sanktionen gegen den Iran hat bislang zu keinen sichtbaren Erfolgen geführt. Der Prozess scheint erst einmal zum Stillstand gekommen sein, um abzuwarten, was bei den jüngsten Gesprächen zwischen Teheran und der IAEA über die Aufklärung der noch offenen Fragen heraus kommt.

According to European diplomats, Secretary of State Condoleezza Rice has warned of the move in recent conversations with European counterparts, saying that a delay in efforts to win approval from the United Nations Security Council for further economic sanctions on Iran was leaving the administration with little choice but unilateral action.

Die WP nennt als Gründe für die Entscheidung an erster Stelle die wachsenden Aktivitäten des Irans im Irak und in Afghanistan hinzu.

The Bush administration has chosen to move against the Revolutionary Guard Corps because of what U.S. officials have described as its growing involvement in Iraq and Afghanistan as well as its support for extremists throughout the Middle East, the sources said.

Das wirft auf die jüngsten Rüffel, die Präsident Bush sowohl dem afghanischen Präsidenten Hamid Karzai wie dem irakischen Premierminister Nuri al-Maliki erteilte, noch einmal ein neues Licht.

Die formale Deklarierung der Revolutionären Garden zu einer terroristischen Vereinigung würde unmittelbar dazu führen, dass sich jedermann nach amerikanischen Recht strafbar machen würde, der die RG direkt oder indirekt unterstützt: niemand dürfte mehr Geschäfte mit den RG betreiben, Banken müssten die Guthaben der RG auf ihren Konten einfrieren.

Weit bedeutender sind allerdings die politischen Auswirkungen. Es wäre das erste Mal, dass eine staatliche Institution auf die Liste der „terroristischen Vereinigungen“ gesetzt würde, auf der sich u.a. Al-Qaida oder der Islamic Jihad befinden. Der iranische Staatschef Ayatollah Ali Khamene-i, dem die Revolutionären Garden unterstehen, würde damit zum Chef einer Terrororganisation.

Der bestehende Konflikt zwischen den USA und dem Iran würde über die Frage der iranischen Atompolitik auf die Rolle des Irans in der Region ein bedeutendes Stück ausgedehnt. Vorsichtige Ansätze einer Koordination von Interessen wie die beiden Gesprächsrunden in Bagdad über eine Stabilisierung des Iraks dürften damit ihr Ende gefunden haben.

Geschwätz

24. June 2007 - 20:44

US Außenministerin Condoleezza Rice gab sich heute zu den Meldungen über eine mögliche Bereitschaft des Westens unwissend, als Vorleistungen für Verhandlungen ein beschränktes Maß an Anreicherung im Iran zu tolerieren.

“I don’t know where that’s coming from,” Rice said en route to France for two days of get-to-know-you meetings with the new, conservative-led French government and a strategy session on the violence and refugee crisis in Sudan’s Darfur region. (AP)

Nun, zum einen pfeifen es die Spatzen von den Dächern und zum anderen kann man es sogar Schwarz auf Weiß nachlesen.

“There may well be chatter, and I’ll call it chatter,” Rice said.

Zudem stellte sie sich naiv, was die diskutierte “teilweise Aussetzung” bedeuten könnte.

“I don’t know what partial suspension means,” Rice said, adding that to her the term means all or nothing. “I don’t know what partial suspension would look like, and it doesn’t seem to me to be a very wise course.”

Als kleine Nachhilfe: teilweise Aussetzung könnte beispielsweise bedeuten, dass sich die Zentrifugen weiter drehen, aber kein gasförmiges Uran in sie eingeführt und damit tatsächlich angereichert wird. Es könnte auch heißen, dass der Iran einstweilen keine weiteren Zentrifugen mehr montiert. Oder eine Kombination von beidem.

“My counterparts when I talk to them are not interested in lowering the bar,” Rice said.

Vielleicht erzählen ihr ihre Verbündeten auch nicht alles oder sie hört nicht zu. Oder sie verdrängt, was sie nicht hören will.

An wen mag sich Rice mit ihren Äußerungen gerichtet haben?

  • an das einheimische Publikum, dass einen harten Kurs gegenüber dem Iran verlangt (Vize-Präsident Cheney inklusive)?
  • an den Iran, um Druck zu machen?
  • an die Verbündeten, um ihnen mitzuteilen, dass die USA bei ihren Plänen nicht mitspielen werden?