George Perkovich, Direktor des “Nonproliferation Program” des Carnegie Endowment for International Peace (um mich an seine eigenen Worte anzulehnen) hufft und pufft.
In einer Stellungnahme, die heute auf der Webseite des Instituts veröffentlich wurde, treibt Perkovich der Umstand, dass die P5 + Deutschland + Solana weitere Sanktionen gegen den Iran einstweilen auf den November verschoben haben, die Zornesröte ins Gesicht. Besonders verärgert ist er über IAEA Generaldirektor ElBaradei.
ElBaradei and others who are convinced that the U.S. plans to go to war against Iran felt the agreement would spare the world another catastrophe.
The P5+2 statement reveals that the Iran/IAEA deal effectively neutralized the U.S., French, and U.K. efforts to tighten sanctions on Iran in response to Iran’s ongoing refusal to accede to UN Security Council resolutions. The statement basically says the world should wait and hope that Iran gives the IAEA full answers and that somehow all the outstanding issues are indeed resolved. (If this were so easy, why has Iran waited more than four years to provide such answers and suffered UN sanctions for failing to cooperate?) The issue of suspension is shifted to the EU’s Javier Solana to negotiate, reflecting the reality that when the P5 are not equally committed to enforcing international rules, compliance with UN Security Council Resolutions is up to the sanctioned country’s discretion. International security declines, men like Ahmadinejad claim victory to the dismay of their progressive critics at home, but at least war is postponed.
Nun, wenn ein Krieg verschoben (?), vielleicht sogar völlig vermieden wäre, wäre das in meinen Augen so furchtbar schlecht ja nicht.
Für mich ist verblüffend, dass Leute, die sich schon von Berufs wegen sehr intensiv mit der Kontroverse um den Iran beschäftigen, so empört darüber sein können, dass die IAEA tut, was die IAEA tun sollte.
In den beiden Sanktionsresolutionen des Sicherheitsrates wurden die Strafmassnahmen zu einem wesentlichen Teil damit begründet, der Iran lege mangelnde Transparenz an den Tag und kooperiere nicht ausreichend mit der IAEA. Die IAEA wiederum wurde aufgefordert, ihre Untersuchung des iranischen Atomprogramm fortzusetzen.
Nun gerade dies geschieht mit der Vereinbarung. Schritt für Schritt sollen die offenen Fragen beantwortet werden – was seit Jahren vom Iran verlangt wurde. Dass Teheran jahrelang mit diesen Informationen hinter dem Berg gehalten hat, hat zu Recht Verdacht geweckt, aber wenn der Iran nun sein Verhalten ändert, ist dies eher erfreulich als ärgerlich.
In der Vereinbarung steht mit keinem Wort, dass ElBaradei sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Sicherheitsrat keine weiteren Sanktionen gegen den Iran beschließt. Die IAEA beschließt keine Sanktionen. Deshalb kann der IAEA Generaldirektor darüber auch nicht entscheiden.
Die iranische Seite hat erklärt, der Fahrplan werde annulliert, sollte es zu weiteren Sanktionen kommen. Teheran will das Größtmögliche an Gegenleistungen für sein Einlenken herausschlagen. Wie nun die P5 + Deutschland damit umgehen, bleibt ihnen überlassen. Ein öffentliches Versprechen, so lange still zu halten, bis der Prozess abgeschlossen ist, existiert nicht (obwohl sie gleichwohl Sinn macht). Wenn jemand eine solche Zusage gegeben haben sollte, dann nur Solana, in dessen Gesprächen mit Larijani die Idee gewachsen sein muss, dass die Aufklärung der offenen Fragen als iranische Vorleistung zur Entspannung der Situation beitragen würde.
Wenn man schon jemanden verprügeln will, dann doch eher den netten Herrn Solana.
Diese Zusammenhänge dürften auch Perkovich und anderen Kritikern nicht ganz verborgen geblieben sein. Um ElBaradei geht es bei diesen Anwürfen wohl auch eher in einer Nebenrolle. Was sie wirklich ärgert ist, dass am Ende der Iran tatsächlich alle Verdachtsmomente bereinigen könnte, im Geheimen ein militärisches Nuklearprogramm zu betreiben. Sollte der Prozess mit der IAEA dazu führen, dass Teheran keine Antworten auf Fragen mehr schuldig ist, dann wird die Legitimation für Sanktionen sehr, sehr dünn.
Mit welchen guten Gründen den Iran bestrafen, wenn es keinerlei Hinweis darauf gibt, Teheran betreibe etwas anderes als ein sehr friedliches Programm zur Erzeugung von Elektrizität – wozu es laut NPT alles Recht der Welt hat?
Natürlich bedeutet der Umstand, dass der Iran derzeit kein militärisches Programm betreibt, nicht, dass man es sich in Teheran nicht noch anders überlegen könnte, wenn die Urananreicherung erst einmal funktioniert. Dies ist beunruhigend, aber gleichzeitig ist dies die Tücke des Atomwaffensperrvertrages wie der zivilen Nutzung der Atomenergie. Auch Japan oder Deutschland beispielsweise könnten eine Bombe bauen, wenn sie denn wollten.
Wer dem Iran diese Möglichkeit versperren will, muss nicht gegen die Aufklärung der offenen Fragen schießen, sondern mit anderen Ideen kommen. Beispielsweise mit einem Vorschlag, wie Teheran von einer eigenen Urananreicherung und einem Schwerwasserreaktor abgebracht werden kann.
Ein Vorschlag ist die Fuel Bank. Er stammt von ElBaradei.