Er wird es wissen

6. December 2007 - 06:47

Es war abzusehen, dass John R. Bolton, Ex-UN Botschafter der USA, Immer-Noch-Iran-Hardliner und Autor des Buches Surrender Is Not an Option: Defending America at the United Nations and Abroad mit den Ergebnissen des neuen NIE zum Iran nicht sonderlich zufrieden ist.

In der WP beschwert er sich heute, die Geheimdienste sollten sich lieber auf die Analyse von Informationen beschränken und nicht versuchen, Politik zu machen. Nun denn. Wie gesagt: absehbar.

Aber eine Passage verdient Aufmerksamkeit.

Bolton beschwert sich, die Ergebnisse des Berichtes der Gemeindienste seien widersprüchlich und unzureichend gesichert.

It implies that Iran is susceptible to diplomatic persuasion and pressure, yet the only event in 2003 that might have affected Iran was our invasion of Iraq and the overthrow of Saddam Hussein, not exactly a diplomatic pas de deux. As undersecretary of state for arms control in 2003, I know we were nowhere near exerting any significant diplomatic pressure on Iran. Nowhere does the NIE explain its logic on this critical point.

Bolton hat schon immer militärisches Muskelspiel diplomatischen Bemühungen vorgezogen, aber in diesem Punkt ist es schwer, ihm zu widersprechen.

Ach, und noch etwas:

We have lost many fruitful sources inside Iraq in recent years because of increased security and intelligence tradecraft by Iran. The sudden appearance of new sources should be taken with more than a little skepticism.

Soll das wirklich “inside Iraq” oder vielleicht doch Iran heißen?

Boltons vergeblicher Kampf gegen die Karotten

22. October 2007 - 07:32

Nachdem John R. Bolton seinen Posten als US Botschafter bei der UN verloren hat, hat er ein wenig mehr Zeit. Er nutzt sie, um gegen das Abkommen zwischen den USA und Nord-Korea zu Felde zu ziehen, unermüdlich vor der „iranischen Gefahr“ zu warnen – und natürlich um ein Buch zu schreiben.

Glenn Kessler hat schon einmal einen Brief in das Manuskript, das im kommenden Monat veröffentlich werden soll, geworfen und weiß heute in der WP zu berichten

On the eve of the 2004 presidential elections, then-Secretary of State Colin L. Powell secretly attempted to shift U.S. policy on Iran by telling key allies he wanted to offer “carrots” to the Islamic Republic to halt its nuclear ambitions, former U.N. ambassador John R. Bolton writes in his soon-to-be-published memoir.

Gemeint sind die Verhandlungen, die Frankreich, Großbritannien und Deutschland (E3) ohne viel Erfolg mit dem Iran führten. Ihrem Vorschlag haperte es vor allem an Angeboten wie Sicherheitsgarantien, die nur die USA liefern konnten. Die drei drängten deshalb Washington, eine Geste des Entgegenkommens zu zeigen.

Für Bolton war das zwar nicht unbedingt Landesverrat, aber nahezu eine Katastrophe.

[Bolton] believed that Tehran used the talks only to build up its nuclear capability. The administration was also openly skeptical, so he says he was shocked to learn that Powell, at a Sept. 22, 2004, dinner with “Group of Eight” foreign ministers, agreed that Iran should be given a package of “carrots.”

Bolton says he got a vague response from Powell when he asked about it, but he soon saw a European reporting cable on the meal and a Canadian letter that confirmed Powell’s proposal. In what Bolton described as the most difficult three weeks of his tenure in the administration, he says he used every possible bureaucratic and diplomatic maneuver to kill Powell’s plan.

“Powell had violated our long-standing Iran policy, colluded with the EU-3 against it and come out nearly endorsing [Sen. John F.] Kerry’s position only weeks before our election,” Bolton writes. “Along with others, I had foiled Powell’s legacy gambit. I knew it, and he knew I knew it.”

Das ähnelt ja fast iranischen Verhältnissen, wenn ein Untergebener (Botschafter) die nicht unwesentlichen Pläne seines Chefs (Außenminister) hintertreiben und zu Fall bringen kann.

Boltons Triumph war allerdings nur von kurzer Dauer.

But then to Bolton’s shock, Rice adopted the same approach when she became secretary. He says he began thinking of leaving the administration when Rice gave him the news over dinner in 2006. A depressed Bolton pointedly ordered carrot soup with the meal.

Hoffentlich hatte die Suppe mehr Karotten als die, die Rice dem Iran zu offerieren bereit war. Das Angebot bestand aus nicht viel mehr als dem Versprechen, die Blockade der Lieferung von Ersatzteilen für iranische Flugzeuge zu lockern.

Resolution kommt nicht voran

16. November 2006 - 07:51

Eine weitere Sitzung der P5+1 zur Diskussion der anstehenden Resolution zu Sanktionen gegenüber dem Iran hat zu keinen Ergebnissen geführt.

“We had an exchange of views across the range of issues,” [US Botschafter John] Bolton said after a sixth round of talks among six nations. “I don’t know that we’ve accomplished anything I would describe as progress today, but we did talk about a number of issues.” (Reuters)

Nach Aussagen des russischen Botschafter Witali Tschurkin gab es “Bewegung”, aber keinen erkennbaren Fortschritt.

“Well there is movement, but is it a progress movement or some other movement, I cannot tell,” he said, adding there had been “a rather intense exchange of opinion.”

Alle Beteiligten haben aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass es irgendwann doch noch mal zu einer Resolution kommen wird. Vor allem die Amerikaner demonstrieren Optimismus.

“These are largely tactical considerations, but the strategy, I think, there is agreement on.” (AFP)

… sagte Bush’ nationaler Sicherheitsberater Steven Hadley.

Von ihm stammt auch folgendes Zitat.

“It’s a little bit like sausage making: it’s not pretty, and a lot of it spills out into the public.”

Ich wusste gar nicht, dass es so langwierig ist, ein paar Würstchen herzustellen.

Geht Bolton?

10. November 2006 - 07:40

Die WP berichtet heute, dass John R. Bolton voraussichtlich am Ende des Jahres kein UN Botschafter mehr sein wird.

Besonders beliebt war Bolton aufgrund seiner konfrontativen Art und seiner Arroganz bereits im alten US Congress nicht. Der Senat hat ihn deshalb bislang nicht in seiner Position bestätigt. Präsident George W. Bush, der große Stücke auf Bolton zu halten scheint, hat bei seiner Bestellung als Botschafter von einer Sonderregel Gebrauch gemacht, die aber nur bis Ende Dezember gilt.

Nach den Wahlen am Dienstag ist die Zahl der Bolton Gegner im Senat noch größer geworden und mit der notwendigen Bestätigung ist nun nicht mehr zu rechnen.

Yesterday, a White House official, who spoke on condition of anonymity, said the administration had explored options for keeping Bolton at the United Nations. A second recess appointment is not possible, but officials considered making Bolton an “acting ambassador.” But the official, who would discuss internal deliberations only on the condition of anonymity, said none of the options is appealing, especially given the strong opposition shown by the Democrats, who are poised to take over Congress.

Wahrscheinlich dürfte wohl sein, dass Bolton am Jahresende zurücktritt.

Die WP nennt auch schon einen möglichen Nachfolger: den ehemaligen US Botschafter in Afghanistan und amtierenden Botschafter in Bagdad Zalmay Khalilzad.

Eine nicht ganz so ernste Warnung

16. October 2006 - 10:30

Gestern noch richtete US Außenministerin Condoleezza Rice den Appell an den Iran, sich die jüngste Resolution zu Nord-Korea eine Warnung sein zu lassen.

‘’The Iranian government is watching and it can now see that the international community will respond to threats from nuclear proliferation.'’ (AP via NYT)

Der amerikanische UN Botschafter John Bolton legte noch eins drauf.

“I hope the lesson they learn is that if they continue to do nuclear weapons they will face the same kind of isolation and friction” that North Korea now faces, Ambassador John Bolton told CNN’s Late Edition. (Reuters)

Die Resolution, die am Samstag vom Weltsicherheitsrat verabschiedet wurde, ähnelt in ihren Grundzügen dem, was sich die USA auch als Sanktionen gegen Teheran vorstellen: alle UN Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, Nord-Koreas Zugang zu allen Gütern zu unterbinden, die das Land für sein Nuklearprogramm nutzen könnte. Zudem werden die Reisemöglichkeiten nordkoreanischer Nuklearwissenschaftler ins Ausland beschränkt und nord-koreanisches Auslandsvermögen eingefroren.

Aber keine 24 Stunden nach dem Beschluss, der als Reaktion auf den nord-koreanischen Atombombentest erfolgte, zeigt sich, dass es zum Teil am Willen fehlt, diese Sanktionen auch in die Praxis umzusetzen.

Zum einen wurde die Entscheidung auf chinesischen Beschluss verwässert. Staaten werden nicht mehr verpflichtet, wie es im ursprünglichen amerikanischen Resolutionsentwurf hieß, den Handel mit nuklearen Teilen zu unterbinden, sondern sie werden nur noch aufgefordert.

Zum zweiten sollen Schiffe mit möglicherweise relevanter Ladung nicht mehr auf hoher See kontrolliert werden, sondern – wiederum auf Grund eines Einspruches Chinas – die Kontrollen sollen in den Häfen durchgeführt werden.

Gestern nun machten die beiden wichtigsten Handelspartner Nord-Koreas deutlich, dass sie nicht daran denken, Nord-Korea zu isolieren.

[T]he South Korean government said it would still pursue economic projects with North Korea, including an industrial zone and tourist resort in the North. Those projects are not explicitly covered by the Security Council resolution, but they are an important source of hard currency for the North.

China, which shares a 870-mile porous border with North Korea and is perhaps its most critical economic gateway to the outside world, said Saturday that it had no intention of stopping and inspecting cross-border shipments, as called for, but not specifically required, in the resolution. The Chinese government said nothing on Sunday about how it intended to carry out the sanction. (NYT)

So ganz furchtbar bedrohlich sieht für Nord-Korea die Lage damit nicht mehr aus und sicher dürfte man auch in Teheran mit einer solchen Art von Sanktionen leben können.

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad gab sich heute gewohnt unbeeindruckt.

“Mounting threats and pressures against Iran’s peaceful nuclear activities won’t cause even one iota of hesitation in the will of the Iranian nation to continue this path.” (AP)

Nun gut, sich von gar nichts beeindrucken zu lassen, ist bekanntlich eine Eigenschaft von Ahmadinejad.