Sicherheitsgarantien

14. May 2008 - 11:43

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte heute eine gute Idee:

“I think the ‘Six’ could make the following step: directly put concrete offers on the negotiating table, give Iran security guarantees and ensure a more distinguished place in negotiations on the situation in the Middle East,” Lavrov said. (Reuters1)

Mit den “Six” sind die P5 + Deutschland gemeint, die nicht nur den Kurs der internationalen Diplomatie in der Nuklearfrage bestimmen, sondern die auch ein aufgebessertes Paket mit Vorschlägen erarbeitet haben, das Teheran zur Aufgabe seiner Urananreicherung bewegen soll. Der Inhalt dieses Paketes ist bislang noch nicht bekannt und es ist auch noch nicht den Iran überstellt worden.

Nachdem, was man aber bislang weiß, soll es keine weiterreichenden Angebote vor allem im Bereich Sicherheit erhalten, an dem Teheran besonders interessiert ist.

Moskau hat ein eigenes Interesse daran, dem Iran den neuen Vorschlag schmackhaft zu machen, weil russische Politik darauf ausgerichtet, eine Eskalation zu vermeiden und so den USA keinen Vorwand zu liefern, ihre (militärische) Dominanz in der Region noch auszuweiten.

Zudem scheinen die Aussichten sehr gering, dass sich Teheran in seiner Position bewegt, wenn der neue Vorschlag auch tatsächlich neue und weiterreichende Elemente enthalten würde.

Eine Stabilisierung der labilen Sicherheitssituation im Nahen und Mittleren Osten ist schließlich nicht allein im iranischen sondern im allgemeinen Interesse.

Die Reaktion aus Washington kam prompt:

“Security guarantees are not something we are looking at the moment,” White House spokesman Gordon Johndroe said in Israel, where President George W. Bush is meeting with leaders during a trip to the Middle East. …

The one who needs to give security guarantees is Iran, because they keep threatening to wipe Israel off the map,” Johndroe said. (Reuters2)

Für mich sieht das sehr danach aus, dass die USA (unter dem Druck der Verbündeten) zwar ein Verhandlungsangebot machen, in Wirklich aber wenig an substantiellen Verhandlungen interessiert sind.

Kein Ultimatum, sondern Vorschlag

4. May 2008 - 01:53

Nach seiner Rückkehr von dem Treffen der P5 + Deutschland, bei dem die Grundsätze eines verbesserten Angebotes an den Iran beschlossen wurde, wurde der russische Außenminister Sergej Lawrow gefragt, ob die Aufnahme von Bedingungen an Vorbedingungen geknüpft sei.

Seine Antwort:

“Our first condition is the freezing, suspension of uranium enrichment,” Lavrov was quoted as saying in Moscow by Interfax. “The view of the six (powers) is that Iran must cease enrichment of uranium only for the period in which talks last.”

“It is not an ultimatum, it is a proposal,” Lavrov said. “It is a very genuine proposal.” (Reuters)

Wenn dies die erste Bedingung ist, was ist dann die zweite?

Und: wenn ich es recht verstehe, dann ist ein Ultimatum ein nicht verhandelbares Entweder/Oder, während ein Vorschlag ein Idee ist, über die man miteinander reden kann.

Oder sehe ich das falsch?

Zweite Warnung

14. February 2008 - 07:17

Das zweite Mal innerhalb weniger Tage hat sich Russland kritisch zu dem iranischen Raketentest und auch zur Fortsetzung der Urananreicherung geäußert.

“We do not approve of Iran’s actions in constantly demonstrating its intentions to develop its rocket sector and continue enriching uranium,” Russian Foreign Minister Sergei Lavrov told Russian news agencies.

“From the point of view of international law these actions are not forbidden, but you can also not ignore that in previous years a whole host of problems were uncovered in Iran’s nuclear program,” Lavrov said, Interfax news agency reported.

“Until these problems can be removed I think it is advisable to refrain from steps, and especially from statements, that merely heat up the atmosphere and create the impression that Iran really has made up its mind to ignore the international community, the United Nations Security Council and the IAEA,” he said. (Reuters)

Unmissverständlich und deutlich wie lange nicht mehr.

Kann es sein, dass Moskau mit Teheran eine Vereinbarung getroffen hatte, bevor die Brennstäbe für den Atomreaktor geliefert wurden?

Die Sanktionen und die offenen Fragen

24. January 2008 - 07:11

Es ist keine große Überraschung, dass die USA und Russland das Ergebnis des Treffens der P5 + Deutschland in Berlin unterschiedlich interpretieren.

Die USA versuchen entgegen besseren Wissens, die vereinbarten Grundzüge einer neuen Sanktionsresolution als eine deutliche Zunahme des Drucks auf Teheran zu verkaufen.

U.S. State Department spokesman Tom Casey told reporters in Washington that the final text would be “a serious sanctions resolution,” not merely a symbolic exercise.

“It does increase the sanctions and the pressure on Iran,” Casey said. (Reuters).

Washington will zum einen eine psychologische Atmosphäre schaffen, in der es leichter fällt, über einen „notwendigen weiteren Schritt“ zu diskutieren und damit neuen Druck kreieren. Zum anderen gesteht niemand gern eine Niederlage ein.

Anders Moskau.

Russian Foreign Minister Sergey Lavrov said the draft encourages countries to be vigilant in their dealings with Iran to prevent the illegal transfer of nuclear material, but it “does not foresee any harsh sanctions.”

“It calls for countries to be vigilant while maintaining trade and economic and transport and other ties with Iran so that they are not used for the transfer of forbidden nuclear material,” he said at a news conference the day after the draft was approved by the five permanent Security Council members and Germany.

These terms “will be enforced until the International Atomic Energy Agency’s concerns are resolved,” Lavrov said, referring to the U.N.’s nuclear monitoring agency. (AP)

Das dürfte dem Inhalt der Resolution, deren Einzelheiten bislang noch nicht bekannt sind, wohl ein Stückchen näher kommen.

Interessant ist an Lawrows Aussage aber vor allem der Hinweis, dass die Sanktionen eingefroren oder gar aufgehoben werden könnten, wenn die IAEA einen zufriedenstellenden Bericht über die bislang noch offenen Fragen zum iranischen Nuklearprogramm abliefert.

Nicht erwähnt wurde von Lawrow die in den bisherigen Sanktionen erhobene Forderung nach Einfrierung der iranischen Anreicherungsarbeiten.

Angesichts der Konstellation im Sicherheitsrat erscheint es mehr als unwahrscheinlich, dass sich tatsächlich eine solche Formulierung in der neuen Resolution wiederfinden wird, aber es unterstreicht, welche Rolle Moskau (und wohl auch Peking) dem ausstehenden IAEA Bericht, der irgendwann im März veröffentlicht wird, zumisst.

Der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki gibt sich sogar zuversichtlich, dass mit Vorlage des Berichtes die neue Resolution gänzlich vom Tisch sein könnte.

Foreign Minister Manouchehr Mottaki said he saw no need for the text ever to be put before the Security Council as Iran expected to clear up all of the IAEA’s remaining questions by the beginning of March.

“This is not an agreement that is going to be implemented right away,” he said after talks in Lisbon with his Portuguese counterpart Luis Amado.

“We reckon that the development of the process is going to render this draft redundant,” he said referring to the progress of the talks with the UN watchdog.

Mottaki said Iran had “answered 70 percent of the IAEA’s questions” and added: “The process will be completed by March.” (AFP)

Gleichzeitig fällt auf, wie wenig Erwähnung der anstehende Bericht in den Erklärungen aus Washington, Paris, London und auch Berlin findet.

Minimalkonsens

23. January 2008 - 07:38

Ein wenig wohl auch zu ihrer eigenen Überraschung ist es den Außenministern der P5 + Deutschland gestern Abend doch gelungen, sich auf einen Entwurf für eine neue Sanktionsresolution zu verständigen.

Ganz einfach war es offensichtlich nicht.

The final talks in Berlin were dominated by intense negotiations between Secretary of State Condoleezza Rice and Russian Foreign Minister Sergei Lavrov, according to U.S. and European officials. Announcing an agreement afterward, German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier acknowledged that the lengthy diplomacy to get a draft “was not always all that easy.” (WP)

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier feierte im Anschluss die Einigung als einen Erfolg.

“We are united in the assessment that nuclear armament of Iran would have dramatic consequences for the Middle East and even beyond,” he said. “So we are and remain agreed that we must and will continue to work … to ensure that it does not happen.” (AP)

Verständlich, dass Steinmeier es an erster Stelle als ein Erfolg feierte, dass man sich überhaupt wieder auf so etwas wie eine Marschlinie gegenüber dem Iran hat verständigen können. Das letzte Treffen dieser Art zum Thema Iran  fand im September statt und die Einheit der sechs erschien zeitweilig ernsthaft in Gefahr.

Auch gestern schien die Summe der Gemeinsamkeit nicht groß genug, um etwas zu erarbeiten, das man wirklich als eine ernsthafte Verschärfung des Drucks auf Teheran bezeichnen könnte. Das, was zustande gebracht wurde, war offensichtlich nicht einmal solide genug, um es vorzuzeigen oder darüber zu reden.

[T]he foreign ministers of the six nations represented — Britain, China, France, Russia, the United States and Germany — canceled a planned news conference and left it to the host of the meeting, German Foreign Minister Frank-Walter Steinmeier, to announce the result.

Obwohl die sechs untereinander ein Schweigegelöbnis abgelegt haben, sickerte doch die eine oder andere Information durch, die einen Eindruck davon erweckt, was von der neuen Resolution erwartet werden kann.

U.S. and European diplomats said the draft, to be presented to the other members of the Security Council in the coming days, bolsters existing sanctions, notably asset freezes and travel bans on Iranian officials. But they disagreed on whether it contains new measures.

A senior U.S. official insisted that the resolution does have “new elements,” but declined to elaborate on what they were, while a European official said the draft does not feature additional economic sanctions.

AFP zitiert einen “hochrangigen US Offiziellen“ (wohl Nicholas Burns oder Condoleezza Rice) …

The senior US official said the resolution foresaw extending the travel ban on Iranian officials along with the asset freeze on companies linked to the Islamic republic’s nuclear programme.

… wie auch den russischen Außenminister Segej Lawrow.

In his remarks reported by the Ria-Novosti news agency, the foreign minister added that the proposed text does not foresee fresh sanctions against Iran.

Lavrov said the new wording “not only acknowledges, but salutes progress made by the International Atomic Energy Agency (IAEA) in clarifying aspects of Iran’s nuclear programme”.

In der WP heißt es heute:

To break an eight-month deadlock, the Bush administration accepted a plan that includes largely voluntary monitoring of transactions involving two banks, and calls for restraints on export credits, cargo traffic and business involving individuals or institutions linked to proliferation. The toughest restriction is a travel ban on key officials, the European officials said.

Nichts mehr ist übrig geblieben von der Kontrolle von iranischen Schiffen, Einschränkungen im Luftverkehr, Stopp von staatlichen Bürgschaften für Investitionen im Iran oder stärkeren Beschränkungen von Finanzverkehr.

Statt dessen dürften wohl einige Personen und Firmen mehr auf die bereits existierende Liste gesetzt werden, deren Reisen beobachtet werden sollen und mit denen Geschäfte verboten sind.

Bemerkenswert ist der Hinweis von Lawrow auf die laufenden Gespräche zwischen Teheran und der IAEA zur Aufklärung der offenen Fragen zum iranischen Atomprogramm. Hier hat er wohl den USA, Frankreich und Großbritannien das Zugeständnis abgerungen, die bereits erzielten Fortschritte in diesem Prozess in der Resolution zu vermerken. Es deutet zugleich an, welches Gewicht Russland diesem Prozess für das zukünftige Vorgehen gegenüber dem Iran einräumt.

Wohl im März dürfte klar sein, ob der Iran alle offenen Fragen zufriedenstellend beantwortet hat. Sollte dies der Fall sein, dann wird die zerbrechliche Einheit unter eine ernsthafte Probe gestellt.