15 Briten – Update III

27. March 2007 - 23:58

Es gab eigentlich nur drei wesentliche Neuigkeiten:

+ Die BBC hat erfahren, dass die 15 britischen Marineangehörigen in einer Einrichtung der Revolutionären Garden in Teheran festgehalten werden. Keine völlige Überraschung, nachdem Fars News schon am Sonntag die Überstellung nach Teheran gemeldet hatte.

Die Gefangenen werden dort verhört, um zu ermitteln, ob sie auf einer Spionagemission waren – was nach allem, was über den Vorfall bekannt ist, recht absurd ist.

The BBC’s security correspondent Frank Gardner was told the interrogation was being carried out by officials from Security, Intelligence and the Judiciary.

In order for the Britons to be released “every vested interest in Iran would need to be satisfied they had not deliberately entered Iranian waters, nor were they spying”, the source said.

Those interests included those of the Revolutionary Guards, the foreign ministry, the judges and the intelligence ministry. (BBC)

Ein Problem scheint – meine Interpretation – darin zu bestehen, dass sich die unterschiedlichen Gruppen im Machtapparat des Irans gegenseitig nicht über den Weg trauen.

Den 15 soll es nach iranischen Angaben gut gehen, aber den britischen Konsularbeamten hier in Teheran wird entgegen aller internationalen Regeln weiterhin der Zugang verwehrt.

+ Premierminister Tony Blair sagte in einem Interview, wenn es nicht gelinge, die iranische Seite dazu zu bewegen, die 15 Gefangenen freizulassen, dann würde die Angelegenheit „auf einer neuen Ebene” zu behandeln sein.

Blair said Britain was trying to “pursue this through the diplomatic channels and make the Iranian government understand these people have to be released.”

“If not, then this will move into a different phase,” he added in an interview with GMTV television. (AFP1)

Im Nachhinein muss Blair klar geworden sein, dass derartige unbestrittene Drohungen im Moment alles andere als hilfreich sind. Sein Pressesprecher versuchte anschließend die Äußerung ein wenig herunterzuspielen.

Britain does not wish to escalate a standoff with Iran over 15 detained sailors, Prime Minister Tony Blair’s spokesman said Tuesday, seeking to clarify a warning of the row entering a “different phase.”

The spokesman denied that Blair’s warning — made in a television interview — indicated the possibility of, for example, throwing out Iran’s ambassador or military action.

“It’s a different phase of how we’re handling it at this stage,” he told a daily briefing. (AFP2)

+ Die britische Außenministerin Margaret Beckett führt ein einstündiges Telefonat mit ihrem iranischen Gegenüber Manouchehr Mottaki, das zu nichts geführt hat.

Foreign Secretary Margaret Beckett meanwhile cut short a visit to Turkey in order to report to parliament Wednesday, having hit a dead end in talks with her Iranian counterpart Manouchehr Mottaki. (AFP1)

In den iranischen Medien nichts Wesentliches. Zeitungen erscheinen wegen der Neujahrsfeierlichkeiten erst in einigen Tagen wieder.

Es gibt noch eine Meldung, die nicht im direkten aber doch indirekten Zusammenhang mit dem Vorfall steht:

U.S. warplanes screamed off the deck of two aircraft carriers in the Persian Gulf Tuesday in a massive show of force that military officials said was intended to send a message to Iran.

U.S. military commanders would not say when the operation, the largest in the region since the 2003 invasion of Iraq, had been planned. They specified that the war games had not been organized as a direct response to Iran’s capture of 15 British sailors on Friday, but made clear they intended to send Iran a warning. (AP via USA Today)

AP kommt nicht umhin festzustellen:

The maneuvers, involving 15 American ships and more than 100 aircraft, were sure to exacerbate tensions, as Iran has frequently condemned the U.S. military presence off its coastline.

Fragen? Welche Fragen?

12. July 2006 - 01:11

Wann immer iranische Vertreter gedrängt werden, eine Stellungnahme zum Verhandlungsangebot der fünf Veto-Staaten im Sicherheitsrat + Deutschland abzugeben, verweisen sie auf „Ambiguitäten” in dem Vorschlag, die erst geklärt werden müssten.

Außenminister Manouchehr Mottaki wie Chefunterhändler Ali Larijani treffen sich mal mit jenem, mal mit einem anderen Vertreter der Gegenseite, um diese „Mehrdeutigkeiten” zu klären. Sagen sie jedenfalls.

Nicht wahr, hat jetzt die britische Außenministerin Margaret Beckett.

Reflecting the growing disappointment with Iran’s position, Beckett said that Tehran, in fact, has so far not asked for any clarifications. “We keep hearing from Iran remarks made to others that there are ambiguities in the offer that still have to be resolved,” she said at a lunch with reporters. “But I’m not aware of any questions having been asked.” (WP)

Worüber hat Larijani dann bei seinem letzten Treffen mit dem EU Außenbeauftragten Javier Solana geredet?

Neues Verhandlungspaket vereinbart

2. June 2006 - 10:56

Die fünf ständigen Mitglieder des UN Sicherheitsrates plus Deutschland haben sich in der letzten Nacht im Wien schließlich auf ein neues Paket mit Verhandlungsangeboten an den Iran einigen können.

Der genaue Inhalt dieses fünf bis sechs Seiten umfassenden Dokuments ist nicht bekannt. Offensichtlich wollen sich die sechs ihren Vorschlag nicht durch Vorabveröffentlichungen zerreden lassen. Im letzten August hatte Teheran bereits vor der Übergabe des Verhandlungsangebotes den Vorschlag zurückgewiesen, nachdem der Inhalt bereits vorab bekannt geworden war.

In verschiedenen Pressemeldungen war in den vergangenen Tagen zu lesen, dass zu den Angeboten die Kooperation in der Nutzung ziviler Nuklearenergie mit dem Iran, worin auch die Lieferung von Leichtwasserreaktoren eingeschlossen sei, sowie eine Garantie auf die Lieferung von Brennstäben für zivile Atomreaktoren gehören. Zusätzlich geboten würden ein Ausbau der wirtschaftlichen wie politischen Beziehungen. Sicherheitsgarantien für den Iran werden in diesen Aufzählungen nicht genannt.

Vorbedingungen für Verhandlungen sind, dass Teheran seine Arbeiten an einer eigenen Urananreicherung aussetzt.

Britain’s new foreign secretary, Margaret Beckett, read a statement on behalf of the six countries, saying: “We have agreed on a set of far-reaching proposals as a basis for discussions with Iran. We believe they offer Iran the chance to reach a negotiated agreement based on cooperation.”

She said the nations represented at the talks “are prepared to resume negotiations should Iran resume suspension of all enrichment related and reprocessing activities” as required by the International Atomic Energy Agency. “And we would also suspend action in the Security Council,” she added.

Ms. Beckett warned that “further steps would have to be taken in the Security Council” if Iran did not comply. But the statement carefully avoided any mention of sanctions or other specific, punitive measures, and Ms. Beckett took no questions. (NYT1)

Einer der am heftigsten umstrittenen Punkte der Debatte der vergangenen Nacht war die Frage, zu welchen Konsequenzen es führen soll, wenn der Iran den Vorschlag ablehnt. Ursprünglich wollten die USA parallel mit der Übergabe des Vorschlages im UN Sicherheitsrat eine Resolution verabschieden lassen, die dem Iran 30 Tage Zeit gibt, die Anreicherungsarbeiten einzustellen. Dies ist an der Ablehnung vor allem von Russland, aber auch von China sowie Deutschlands gescheitert.

Geblieben ist aber eine Koppelung zwischen iranischer Ablehnung und der Verabschiedung einer Sicherheitsresolution, in der Teheran für sein Nein mit Sanktionen bestraft würde. Der Mechanismus eines solchen Zusammenhanges wird aber aus den Presseberichten nicht ganz klar.

So scheint es ein Einvernehmen zwischen allen sechs Staaten zu geben, dass Sanktionen beschlossen werden, sollte Teheran nicht positiv reagieren. Aber weder ist definiert, welche Sanktion aus einem ganzen Katalog möglicher Strafmassnahmen angewandt werden soll, noch wie eine derartige Resolution abgefasst werden soll.

Steven R. Weisman berichtete am 31. Mai in der NYT

For months the United States has demanded that pressure on Iran must increase through passage of a Security Council resolution under Chapter VII of the United Nations charter. This chapter invokes the Council’s power to demand compliance of member countries on certain matters and threaten punishment if they refuse.

Russia, fearing a replay of the run-up to the Iraq war in 2002 and 2003, has opposed any invocation of Chapter VII, on the ground that the United States might seize upon its approval as a justification for acting unilaterally to impose economic penalties or use military force against Iran.

To placate the Russians, the United States has agreed to invoke only Article 41 of Chapter VII, and not the whole chapter. Article 41 makes no reference to the possible use of force, and therefore offers the Russians a means to support it.

Ebenfalls nicht ganz klar scheint zu sein, ob sich Russland und China damit einverstanden erklärt haben, bei einer Ablehnung aus Teheran automatisch eine Resolution zu Sanktionen zu unterstützen, oder ob dazu neue Beratungen und Absprachen notwendig sind.

Nach Angaben von US Präsident George W. Bush, wäre Russland automatisch dabei.

Bush, speaking to reporters after meeting with his Cabinet, said he had talked with Russian President Vladimir Putin on Tuesday and gotten a “positive response.”

“We expect Russia to participate in the United Nations Security Council,” Bush said he told Putin. (LAT)

Nicht ganz so positive scheint das Telefonat mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao verlaufen zu sein.

“They understood our strategy,” Bush said. “The most positive thing about all the conversations I had is there’s uniform agreement that the Iranians should not have a nuclear weapon. And we’ll discuss tactics and strategies to make sure the international community speaks with one clear voice.”

Im Klartext: Hu Jintao hat keine klare Zusage gegeben.

Aus dem Munde von Wladimir Putin hört sich die russische Haltung auch ganz anders an, als Bush sie verstanden haben will.

In an interview with international news agencies at his residence outside Moscow, Vladimir V. Putin, the president of Russia, said his country opposed the use of military force against Iran “under any circumstances.”

He also ruled out any immediate discussion of sanctions, leaving open the question of whether Russia would ever support punitive action if Iran persists in resisting demands to suspend its uranium enrichment program.

“As for sanctions, we think it is a bit too early to put those on the agenda, as well,” Mr. Putin said, according to the Interfax news agency. “There needs to be a detailed discussion with the Iranian leadership.” (NYT3)

Offen scheint auch zu sein, ob dem Iran eine Frist gesetzt wird, bis zu der die Anreicherung ausgesetzt werden muss, um Sanktionen zu vermeiden.