Gestern ist es schließlich nach fünfwöchigen Beratungen und Diskussionen gelungen, die zweite Sanktionsresolution gegen den Iran im Weltsicherheitsrat zu verabschieden. Ergänzungsanträge von Südafrika, Indonesien und Qatar waren soweit verwässert worden, dass sie im Text nicht weiter auffallen.
Die Annahme der Resolution 1747 erfolgte einstimmig.
Die wichtigsten Punkte:
- erweitert die Liste der Personen, deren Reiseaktivitäten beobachtet werden sollen und denen nur zurückhaltend Visa gewährt werden sollen
- verhängt ein Verbot für den Iran, Waffen zu exportieren oder mit Waffen zu handeln. Da drängt sich natürlich die Frage auf, welcher Zusammenhang zwischen dem Export von Handgranaten und Schnellfeuerwaffen und der möglichen Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers existiert. Ich nehme mal an, dass dieser Abschnitt noch einmal im Kontext mit dem Irak, der Hisbollah oder der Hamas eine Rolle spielen wird.
- fordert alle Mitgliedsstaaten auf, Zurückhaltung und Wachsamkeit bei der Lieferung von Waffen an den Iran zu üben
- fordert alle Mitgliedsstaaten sowie internationalen Finanzinstitute auf, außer für humanitäre Zwecke und für Zwecke der Entwicklungshilfe, dem Iran keine neue finanzielle Hilfe zu gewähren.
Die Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, spätestens 60 Tage nach Verabschiedung der Resolution Bericht zu erstatten, was sie zur Umsetzung dieser Maßnahmen unternommen haben.
IAEA Generaldirektor Mohammad ElBaradei soll ebenfalls 60 Tage nach Verabschiedung der Resolution Bericht erstatten, ob sich der Iran der Forderung gebeugt hat, die noch offen stehenden Fragen der IAEA zu seinem Atomprogramm zu beantworten sowie die Arbeiten an einer eigenen Urananreicherung und den Bau des Schwerwasserreaktors in Arak einzustellen.
Sollte Teheran den Forderungen nicht nachgekommen sein, wird der Sicherheitsrat über neue Maßnahmen beraten.
Dies ist eine Eskalation des Drucks in kleinen Schritten. Keine der Maßnahmen, die bis auf das neue Elemente der Beschränkung des iranischen Waffenhandels eigentlich nur aus der Ausweitung der bereits existierenden Sanktionen bestehen (die Einschränkung finanzieller Transaktionen wird bereits auf amerikanischen Druck hin auch ohne UN Beschluss betrieben), wird das iranische Nuklearprogramm direkt stoppen können, aber die Schraube dreht sich ein Stück weiter.
Im Anschluss gab es die obligaten starken Töne.
The United States is “very pleased by the strength of this resolution” after two years of diplomacy, said R. Nicholas Burns, undersecretary for political affairs at the State Department. (AP)
Der Wirklichkeit etwas näher kommt, dass die USA (und einige europäische Staaten) gern weit schärfere Sanktionen gesehen hätte, diese aber nicht durchsetzen konnte.
“This resolution sends an unambiguous signal to the government and people of Iran … that the path of nuclear proliferation by Iran is not one that the international community can accept,” said British Ambassador Emyr Jones Parry.
Wie immer das Signal, der iranische Außenminister Manouchehr Mottaki machte gleich nach der Verabschiedung klar, dass seine Regierung den Forderungen nicht nachgeben wird.
“The world must know — and it does — that even the harshest political and economic sanctions or other threats are far too weak to coerce the Iranian nation to retreat from their legal and legitimate demands,” Mottaki told the Security Council after the vote. “Suspension is neither an option nor a solution.”
Zumindest unter den europäischen Regierungen weiß man, dass eine Unterwerfung des Irans unter die Forderungen der Resolution keine realistische Erwartung ist. Man hofft darauf, dass mit zunehmendem Druck die Bereitschaft in Teheran steigt, sich zu Verhandlungen bereit zu erklären.
He [US Staatssekretär Nicholas Burns; ME] however said European Union envoys would now try to prod Iran into reconsidering its decision to continue with sensitive nuclear activities.
EU foreign policy chief Javier Solana and other EU diplomats “would be in touch with the Iranian government in the days and weeks ahead to see if they might reconsider their obstinate refusal to renegotiate,” he added. (AFP)
Verhandlungsbereitschaft ist in Teheran durchaus zu erkennen, und trotz trotziger Töne bleiben die Sanktionsbeschlüsse nicht ohne Wirkung.
Dennoch erscheint die Situation im Moment verfahren. Mit jeder weiteren Verschärfung der Resolutionen wird es für Teheran schwerer, an den Verhandlungstisch zurück zu kehren, ohne dass der Eindruck entsteht, es habe sich dem Druck gebeugt.
Auf der anderen Seite muss der Sicherheitsrat seine Drohungen mit „weiteren Schritten” wahrmachen, wenn er nicht den Anschein erwecken will, vor der iranischen Resistenz einfach zu kapitulieren.
Bange Frage im Hintergrund: wie lange kann es noch so weiter gehen, dass der Sicherheitsrat Sanktionen beschließt, von denen klar ist, dass sie das iranische Atomprogramm nicht stoppen werden, und gleichzeitig sich keine Verhandlungsmöglichkeit eröffnet?