Blair: Iran unterstützt Taliban

31. May 2007 - 19:50

Die Vorwürfe, der Iran versuche aktiv den Widerstand gegen amerikanische Truppen in der Region unterstützen, weiten sich auch auf Afghanistan aus.

In einem längeren Text für den Economist, in dem der scheidende britische Premierminister Tony Blair schildert, was er in seinen zehn Jahren im Amt gelernt hat, schreibt er

In Afghanistan it is clear that the Taliban is receiving support, including arms from, again, elements of the Iranian regime. They have learned from elsewhere. They believe if they inflict enough chaos, enough casualties of Western soldiers, we will lose the will. It will become another “mess”. And if it does, the problem will be laid at the door of the Afghan government and its Western allies.

“Elemente des iranischen Regimes”. Eine Spekulation oder gesicherte Erkenntnis?

Ich kann mir nicht helfen, aber für mich schwingt in solchen Äußerungen ein gutes Stück Ablenkung vom eigenen Versagen mit. Die Wiederkehr der Taliban ist vor allem und in erster Linie das Ergebnis des Versagens der westlichen Politik in Afghanistan – ganz ohne Einfluss des Irans.

USA drohen weiter mit Sanktionen

18. May 2007 - 07:41

Es bleibt dabei: entweder der Iran stoppt seine Arbeiten an der Urananreicherung or else:

“If we’re unable to make progress with the Iranians, we want to work together to implement new sanctions through the United Nations,” Bush told reporters at a joint press conference with outgoing British Prime Minister Tony Blair. (AFP)

Weder Bush noch Blair scheinen sich dadurch beeindrucken zu lassen, dass zwei bereits erfolgte Sanktionsbeschlüsse den Iran nicht davon abhalten konnten, weitere Zentrifugen zu installieren, und die Absicht, Teheran vom Erwerb der Kenntnisse zur Anreicherung abzuhalten, gescheitert ist.

An ersten Entwürfen für weitere Sanktionen wird in Washington wohl schon gearbeitet.

The resolution may already be in the drafting stages, a top Cheney aide said.

“We’ve got another Security Council resolution that I think is being worked right now at a level by our bureaucracy,” the senior Cheney aide told reporters, speaking on condition of anonymity.

Warten wir es ab, mit welchen Ideen die Bürokratie in Washington nun versuchen wird, Teheran in die Knie zu zwingen. Auf jeden Fall dürfte die nächste Resolutionssanktion den Sicherheitsrat nicht so einfach passieren wie die letzte.

Weder China noch Russland sind von der Richtung, die die Iran Politik nimmt, sehr begeistert, und auch in den europäischen Regierungen nehmen die Zweifel zu, ob man sich auf dem richtigen Kurs befindet.

Jede weitere Resolution macht es schwieriger, eine Lösung zu finden, ohne dass Teheran seine Zentrifugen abschaltet, und ein Abschalten erscheint so gut wie ausgeschlossen.

Am Ende könnten sich auch die europäischen Regierungen mit einer einzigen Handlungsoption konfrontiert sehen, die sie eigentlich durch all ihre Verhandlungsangebote unter allen Umständen vermeiden wollten: die militärische Option.

15 Briten – Update III

27. March 2007 - 23:58

Es gab eigentlich nur drei wesentliche Neuigkeiten:

+ Die BBC hat erfahren, dass die 15 britischen Marineangehörigen in einer Einrichtung der Revolutionären Garden in Teheran festgehalten werden. Keine völlige Überraschung, nachdem Fars News schon am Sonntag die Überstellung nach Teheran gemeldet hatte.

Die Gefangenen werden dort verhört, um zu ermitteln, ob sie auf einer Spionagemission waren – was nach allem, was über den Vorfall bekannt ist, recht absurd ist.

The BBC’s security correspondent Frank Gardner was told the interrogation was being carried out by officials from Security, Intelligence and the Judiciary.

In order for the Britons to be released “every vested interest in Iran would need to be satisfied they had not deliberately entered Iranian waters, nor were they spying”, the source said.

Those interests included those of the Revolutionary Guards, the foreign ministry, the judges and the intelligence ministry. (BBC)

Ein Problem scheint – meine Interpretation – darin zu bestehen, dass sich die unterschiedlichen Gruppen im Machtapparat des Irans gegenseitig nicht über den Weg trauen.

Den 15 soll es nach iranischen Angaben gut gehen, aber den britischen Konsularbeamten hier in Teheran wird entgegen aller internationalen Regeln weiterhin der Zugang verwehrt.

+ Premierminister Tony Blair sagte in einem Interview, wenn es nicht gelinge, die iranische Seite dazu zu bewegen, die 15 Gefangenen freizulassen, dann würde die Angelegenheit „auf einer neuen Ebene” zu behandeln sein.

Blair said Britain was trying to “pursue this through the diplomatic channels and make the Iranian government understand these people have to be released.”

“If not, then this will move into a different phase,” he added in an interview with GMTV television. (AFP1)

Im Nachhinein muss Blair klar geworden sein, dass derartige unbestrittene Drohungen im Moment alles andere als hilfreich sind. Sein Pressesprecher versuchte anschließend die Äußerung ein wenig herunterzuspielen.

Britain does not wish to escalate a standoff with Iran over 15 detained sailors, Prime Minister Tony Blair’s spokesman said Tuesday, seeking to clarify a warning of the row entering a “different phase.”

The spokesman denied that Blair’s warning — made in a television interview — indicated the possibility of, for example, throwing out Iran’s ambassador or military action.

“It’s a different phase of how we’re handling it at this stage,” he told a daily briefing. (AFP2)

+ Die britische Außenministerin Margaret Beckett führt ein einstündiges Telefonat mit ihrem iranischen Gegenüber Manouchehr Mottaki, das zu nichts geführt hat.

Foreign Secretary Margaret Beckett meanwhile cut short a visit to Turkey in order to report to parliament Wednesday, having hit a dead end in talks with her Iranian counterpart Manouchehr Mottaki. (AFP1)

In den iranischen Medien nichts Wesentliches. Zeitungen erscheinen wegen der Neujahrsfeierlichkeiten erst in einigen Tagen wieder.

Es gibt noch eine Meldung, die nicht im direkten aber doch indirekten Zusammenhang mit dem Vorfall steht:

U.S. warplanes screamed off the deck of two aircraft carriers in the Persian Gulf Tuesday in a massive show of force that military officials said was intended to send a message to Iran.

U.S. military commanders would not say when the operation, the largest in the region since the 2003 invasion of Iraq, had been planned. They specified that the war games had not been organized as a direct response to Iran’s capture of 15 British sailors on Friday, but made clear they intended to send Iran a warning. (AP via USA Today)

AP kommt nicht umhin festzustellen:

The maneuvers, involving 15 American ships and more than 100 aircraft, were sure to exacerbate tensions, as Iran has frequently condemned the U.S. military presence off its coastline.

Blair sagt, er hat keine militärischen Pläne

6. February 2007 - 22:07

Der britische Premierminister Tony Blair erklärte gestern vor einem Ausschuss des Parlaments in London, es existierten keine Pläne für militärische Operationen gegen den Iran.

“Nobody is talking or planning military intervention,” Blair told a parliamentary committee Tuesday.

“It’s not what the international community wants, it’s not what we want,” he said, while citing US President George W. Bush’s phrase that “you can’t take any option off the table.” (AFP)

Nobody? Mir würden ein paar Namen einfallen.

“It’s not what we want” - aber manchmal muss man auch das tun, was man nicht will.

An keiner Stelle sagte Blair klar und deutlich, er lehne eine militärische Operation gegen den Iran grundsätzlich ab.

US sagen, sie haben Beweise für iranische Einmischung im Irak

25. January 2007 - 09:13

Die Zweifel an den Darstellungen, der Iran würde Aufständische mit Waffen und Ausrüstung versorgen, sind so laut geworden, dass der Sprecher des State Departments Sean McCormack es für angebracht hält, doch nun endlich auch ein paar Beweise vorzulegen.

“There is solid evidence that Iranian agents are involved in these networks and that they are working with individuals and groups in Iraq and that they are being sent there by the Iranian government,” said State Department spokesman Sean McCormack.

“And I would expect that … in the near future, we are going to try to talk a little bit more in public — to the extent that we can because, again, you’re dealing with intelligence information — about what we know of Iranian support for these networks,” he added. (AFP)

Die US Regierung begründet seine neue, aggressivere Politik gegenüber dem Iran mit einer Einmischung Teherans im Irak. Iranische Agenten würden Aufständischen Waffen, Geld und Ausrüstung liefern, die diese wiederum gegen die US Truppen einsetzen würden. Beweise für diese Behauptung blieben bislang allerdings aus.

In Bagdad hat der dortige US Botschafter ebenfalls Belege angekündigt (wahrscheinlich wird es sich wohl um das selbe Material handeln, das auch in Washington veröffentlich werden soll).

U.S. Ambassador Zalmay Khalilzad told a group of Western journalists that American officials would provide details “in the coming days” about Iranian officials detained and interrogated in Baghdad and the Kurdish city of Irbil within the last month.

The presentation, Khalilzad said, would include details about who the detained Iranians are and what they were doing in Iraq, as well as information about alleged contraband coming across the Iran-Iraq border. (LAT)

Wir sind gespannt. Um mich selbst zu zitieren: es wäre schon hilfreich, wenn man mal ein paar Beweise sehen könnte.

Ich habe mir die Wartezeit ein wenig vertrieben, in dem ich noch einmal nach anderweitigen Quellen gesucht habe, die iranische Lieferungen in den Irak belegen.

Gefunden habe ich einen „Bericht” von Mounir Elkhamri „Iran’s Contribution to the Civil War in Iraq”, den die Jamestown Foundation auf ihrer Webseite in diesen Tagen veröffentlich hat.

Ich kenne Mounir Elkhamri nicht. Er stellt sich selbst wie folgt vor:

Mounir Elkhamri is a Middle East Military Analyst for the Foreign Military Studies Office at Fort Leavenworth, Kansas. He has native fluency in Arabic and working fluency in French and German. He is a graduate of the University of Missouri, Kansas City and is currently working on his Masters in Middle East Studies. He is a sergeant in the U.S. Army Reserve and just completed an 18-month tour in Iraq where he worked with a logistics brigade, a maneuver battalion and a Special Forces ODA team.

Was immer man für militärische Studien in Fort Leavenworth betreibt, sehr überzeugend ist sein Versuch, enge Beziehungen zwischen dem Iran und vereinzelten Gruppen im Irak nachzuweisen, nicht ausgefallen.

So schreibt er über entsprechende Beziehungen zwischen dem Iran, dem Supreme Council for a Islamic Revolution in Iraq (SCIRI) und seiner Badr-Miliz sowie der Patriotic Union of Kurdistan (PUK):

According to captured Iraqi intelligence reports (2001-2002), there were several meetings between the command of the Badr Corps of the Iranian Republican Guard and Iraqi Shia tribes. The Badr Corps also met with the Patriotic Union of Kurdistan (PUK) and the Kurdistan Democratic Party (KDP) leadership in preparation for the U.S. invasion of Iraq.

Nun, da muss man gar nicht auf irakische Geheimdienstberichte aus der Zeit von Saddam zurückgreifen. Die Kontakte zwischen SCIRI und der PUK waren nie ein großes Geheimnis. Ich selbst habe den SCIRI Vertreter im PUK kontrollierten Suleymania vor dem Krieg interviewt und ich habe eine Parade einer Badr Einheit im kurdischen Nord-Irak gefilmt. Die Presse war zu diesem Ereignis eingeladen.

Das war vor der Intervention der Amerikaner. Kurdische wie schiitischen Gruppen kämpften damals gemeinsam gegen das Saddam Regime und bemühten sich darum, einen praktischen Beitrag zur Befreiung des Landes zu demonstrieren, um sich so als Oppositionsgruppe zu legitimieren und ihren Anspruch auf Teilnahme an der Macht im neuen Irak zu untermauern.

Nach dem Sturz Saddams und der Wahl einer neuen Regierung haben sich die Rahmenbedingungen aber verändert. Einmischung des Irans damals erscheint selbstverständlich, da es gegen einen gemeinsamen Feind ging und die Unterstützung der Opposition der jeweils anderen Seite gehört zu den Spielregeln der Region. Saddam beherbergte die Mujahedin Khalk, der Schah unterstützte zeitweise die Kurden.

Die Belege für den iranischen Einfluss nach dem Sturz von Saddam sind in dem Elkhamri Papier vergleichbar flau wie sein Zurückgreifen auf Berichte des irakischen Geheimdienstes.

So zitiert er einen namentlich nicht weiter benannten Überläufer der Revolutionären Garden:

“The scale and breadth of Qods Force operations in Iraq are far beyond what we did even during the war with Saddam.”

Er weiß von einer Tarnorganisation des iranischen Geheimdienstes in Najaf zu berichten, in der angeblich 70.000 Mitglieder für eine schiitische Miliz rekrutiert worden sein sollen.

On March 11, 2004, Iranian intelligence opened an office in Najaf called “The Office to Help Poor Iraqi Shia.” Through that office, they were able to recruit over 70,000 Iraqis from the south to join one of the militias loyal to Iran. Every recruit would receive $2,000 in advance, then $1,000 a month—a princely sum in Iraq today.

Als Quelle gibt Elkhamri ” ‘The Iraqi Intelligence Reports on the Iranian Intelligence Activities,’ captured Iraqi intelligence records maintained by FMSO, April 18, 2006.” an. Welche irakischen Geheimdienstberichte? Der Dienst von Saddam existierte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr, und ich kenne auch keinen Experten, der behaupten würde, dass es den Badr oder den Mahdi Milizen gelungen sei, durch ein einziges Büro 70.000 Mitglieder allein aus dem Süden des Iraks zu rekrutieren.

Usw., usf.

Wenn nach der Lektüre dieses Berichtes noch ein Funken an Glaubwürdigkeit geblieben ist, dann wird auch der erlöschen, wenn man zum Schluss Passagen wie diese liest:

When the Shia in the south of Iraq, who are loyal to Iran, claim their independence in Iraq’s southern provinces, they will control the second largest oil reserve after Saudi Arabia. Iran might eventually end up in control of almost 20% of the world’s oil reserves.

Solche “Analysen” kann man auch auf den Webseiten von sunnitischen Hardlinern lesen, die jeden irakischen Schiiten im Verdacht haben, ein Agent des Irans und eigentlich kein richtiger Iraker zu sein.

Weit konkreter ist ein Artikel von Gareth Porter für IPS, in dem er nachzuvollziehen versucht, wann zum ersten Mal der Vorwurf aufgetaucht ist, der Iran liefere an die Aufständischen Im Irak speziell geformte Sprengkörper, die die Panzerungen der Fahrzeuge von US Truppen durchdringen können.

The U.S. command admitted at first that the Sunnis were making the shaped charges themselves. On Jun. 21, 2005, Gen. John R. Vines, then the senior U.S. commander in Iraq, told reporters that the insurgents had probably drawn on bomb-making expertise from former Iraqi president Saddam Hussein’s army.

Aus dieser Geschichte wurde später der Vorwurf, diese Sprengkörper stammten aus dem Iran. Nur

[W]hen asked point blank, they admit that they have no evidence to support it.

Dann habe ich noch einen Artikel im britischen Independent vom 5. Januar dieses Jahres gefunden.

Britain has dropped the charge of Iranian involvement after senior officials had repeatedly accused the Tehran regime of supplying sophisticated explosive devices to insurgents. Government officials now acknowledge that there is no evidence, or even reliable intelligence, connecting the Iranian government to the infra-red triggered bombs which have killed 10 British soldiers in the past eight months.

Premierminister Tony Blair hatte vorher anderes behauptet.

Schließlich noch folgende Passage in einem längeren Artikel von Laura Rozen im National Journal vom 18. Januar, in dem es um die neue aggressive US Politik gegenüber dem Iran geht.

Some officials reportedly have doubts about the precise nature of the evidence indicating Iranian involvement in Iraq. For instance, after a highly publicized U.S. military raid on December 21 at the compound of Iraqi Shiite leader Abdul Aziz al-Hakim, the head of the Supreme Council for the Islamic Revolution in Iraq, U.S. forces detained several Iranians who were meeting there. All of them were ultimately released and were returned to Iran, partly at the behest of the Iraqi government, which said it had invited the Iranians.

Contrary to some initial reports that American troops had found damning maps and documents on the detained Iranians, some U.S. government sources indicate that the Hakim raid did not produce definitive proof of Iranian involvement in supplying Iraqi militants. “They are trying to walk this back,” one U.S. official said. “There are no smoking guns about Iran in Iraq,” said another knowledgeable U.S. source. “That’s the problem. Sort of like the WMD.”

Nun müssen wir ja nicht alles glauben, was in den Zeitungen steht. Warten wir die Enthüllungen ab, die McCormack und Khalilzad uns für die kommenden Tage versprochen haben.