US: Iran stiftet verstärkte Attacken im Irak an
13. August 2006 - 08:14
Der Iran drängt schiitische Milizen im Iran dazu, als Vergeltung für die israelischen Angriffe im Libanon ihre Angriffe auf die US Truppen zu verstärken, sagt der amerikanische Botschafter in Bagdad Zalmay Khalizad.
Laut Khalilzad habe die Zahl der Mörser- und Raketenangriffe gegen die Green Zone zugenommen.
There is evidence that Iran is pushing for more attacks, he said, without offering any specifics. But he acknowledged that there was no proof that Iran was directing any particular operations by militias here. (NYT)
Gemeint ist offensichtlich, dass der Iran keine einzelnen Operationen plant oder in Auftrag gibt, sondern mehr als “Anpeitscher” im Hintergrund operiert.
The Shiite guerrillas behind the recent attacks are members of splinter groups of the Mahdi Army, the powerful militia created by the radical Shiite cleric Moktada al-Sadr, Mr. Khalilzad said.
Interessant erscheint mir die Bezeichnung “Splittergruppen” . Gruppen, über die al-Sadr keine Kontrolle hat?
Später im Text heißt es:
Leaders in the Sadr Organization say parts of the Mahdi Army are not under their control. Those rogue elements, they say, carry out attacks without guidance from Mr. Sadr or his top commanders.
Also Gruppen die auf eigene Faust handeln und eigene Beziehungen zum Iran unterhalten? Das wäre eine neue Entwicklung, wenn Teheran Gruppen direkt unterstützen würde, die nicht unter der Kontrolle eines ihrer Favoriten im Irak, al-Sadr, stehen. Oder wollte Khalilzad es angesichts der angespannten Situation im Irak vermeiden, al-Sadr direkt zu beschuldigen?
Aber lassen wir mal diese nebulösen Fakten bei Seite. Hätte der Iran tatsächlich ein Interesse an mehr Gewalt gegen die US Truppen im Iran? Khalilzad sagt ja.
If the United Nations adopts another resolution against Iran after the Aug. 31 deadline, he said, that “could increase the pressure on Iran,” and “Iran could respond to it by further pressing its supporters or people that it has ties with, or people that it controls, to increase the pressure on the coalition, not only in Iraq but elsewhere as well.”
Dies ist eine Variante der These, der Iran habe den Krieg mit Israel im Libanon angezettelt, um von der Atomkontroverse abzulenken. Dies halte ich zwar für eine nicht sonderlich überzeugende Behauptung, aber es könnte ein anderes Motiv gegeben: Einfluss zu demonstrieren.
Im Laufe der Diskussionen um eine Waffenstillstand im Libanon ist das Weiße Haus heftig dafür kritisiert worden, dass es nicht mit den beiden Akteuren Kontakte unterhält, die nach amerikanischer Auffassung die Schlüsselrollen einnehmen: Syrien und der Iran.
Nun auch die Temperatur im Irak ein wenig zu erhöhen könnte ein Versuch Teherans sein, die USA darauf hinzuweisen, dass das Atomprogramm und der Libanon nicht die einzigen Gründe sind, warum es besser ist, man würde mal miteinander reden.
Wie so oft bei der Betrachtung von Nahost Konflikten gibt es aber auch ein glaubhaftes Gegenargument. Nicht nur die USA sind unter Druck geraten, sondern auch der Iran. Je mehr die wichtige Rolle Teherans für die Stabilität in der Region deutlich wird, um so lauter werden die Rufe, diesen Einfluss einzudämmen und den Iran direkt zu konfrontieren. Es wird immer schwieriger, moderate Verhandlungspositionen beispielsweise in der Atomkontroverse zu vertreten, wenn Tehran immer mehr als Brandstifter verstanden wird.
Aus meiner Sicht müsste Irans Strategie eher darin bestehen, zu einer Abkühlung der Situation beizutragen und die Diskussion um das Atomprogramm wieder auf die Schiene zäher diplomatischer Debatten zu setzen. Hier ein Vorschlag, da ein Gespräch, dort eine Begegnung und die Zeit vergeht.
Bei einer offenen Konfrontation würde der Iran nur verlieren. Allerdings – zugegeben – sieht das nicht jeder in Teheran so. Von ihren jüngsten Erfolgen ermuntert (Taliban und Saddam gestürzt, die USA in einen Krieg im Irak verstrickt, den sie nicht gewinnen können und der sie bindet, Sieg der Hamas bei Wahlen in Palästina, Hisbollah hält israelischen Angriffen stand und gewinnt wachsende Sympathien), fällt es den Hardlinern schwer, der Versuchung zu widerstehen, den nächsten Schritt auf der Stufenleiter der Eskalation zu tun.
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