Covert Action

29. June 2008 - 14:12

In der neuen Ausgabe des New Yorker widmet sich Seymour Hersh ein erneutes Mal angeblichen oder auch tatsächlichen verdeckten Operationen, die die USA gegen den Iran unternehmen.

Late last year, Congress agreed to a request from President Bush to fund a major escalation of covert operations against Iran, according to current and former military, intelligence, and congressional sources. These operations, for which the President sought up to four hundred million dollars, were described in a Presidential Finding signed by Bush, and are designed to destabilize the country’s religious leadership. The covert activities involve support of the minority Ahwazi Arab and Baluchi groups and other dissident organizations. They also include gathering intelligence about Iran’s suspected nuclear-weapons program.

Neu wäre die Existenz solch eines Programms nicht. Hersh hatte im November 2006 schon einmal darüber geschreiben. Neu wäre allenfalls, dass die finanziellen Mittel hierfür aufgestockt und die Aktionen ausgeweitet worden wären.

Clandestine operations against Iran are not new. United States Special Operations Forces have been conducting cross-border operations from southern Iraq, with Presidential authorization, since last year. These have included seizing members of Al Quds, the commando arm of the Iranian Revolutionary Guard, and taking them to Iraq for interrogation, and the pursuit of “high-value targets” in the President’s war on terror, who may be captured or killed. But the scale and the scope of the operations in Iran, which involve the Central Intelligence Agency and the Joint Special Operations Command (JSOC), have now been significantly expanded, according to the current and former officials.

Es ist schwer zu überprüfen (und liegt in der Natur einer versteckten Operation), ob es solch ein Programm tatsächlich gibt. Hersh kann nach bekannter Manier einmal mehr nur namentlich nicht genannte Quellen anführen.

Sollte es solche von den USA unterstützte oder auch gelenkte verdeckte Operationen innerhalb des Irans geben (was ja auch gern von der iranischen Führung behauptet wird), dann haben sie sicher nicht den Umfang, wie Hersh es suggeriert.

In recent months, according to the Iranian media, there has been a surge in violence in Iran; it is impossible at this early stage, however, to credit JSOC or C.I.A. activities, or to assess their impact on the Iranian leadership. The Iranian press reports are being carefully monitored by retired Air Force Colonel Sam Gardiner, who has taught strategy at the National War College and now conducts war games centered on Iran for the federal government, think tanks, and universities. The Iranian press “is very open in describing the killings going on inside the country,” Gardiner said. It is, he said, “a controlled press, which makes it more important that it publishes these things. We begin to see inside the government.” He added, “Hardly a day goes by now we don’t see a clash somewhere. There were three or four incidents over a recent weekend, and the Iranians are even naming the Revolutionary Guard officers who have been killed.”

Es hat in den letzten Monaten im Iran eine Reihe von Anschlägen gegeben, die zum Teil auf möglicherweise von den USA unterstützte Gruppen zurückgingen, zum anderen Teil aber mysteriös blieben.

So hat die Zahl der Vorfälle im kurdischen Teil des Irans zugenommen, was aber nicht unbedingt etwas mit der amerikanischen Unterstützung sondern mehr damit zu tun haben könnte, dass die PKK, deren iranischer Ableger die PJAK bildet, im Nordirak durch die türkischen Angriffe unter Druck geraten ist und in den Iran auszuweichen versucht.

Die letzten bekannt gewordenen Anschläge in Ahvaz, wo eine große arabische Minderheit lebt, sind schon mehr als zwei Jahre her. Der Anschlag auf einen Bus der Revolutionären Garden in Belutschistan fand im Februar letzten Jahres statt. Im letzten Monat hat Pakistan vier belutschische Rebellen an den Iran ausgeliefert, um die es schon seit längerem recht still geworden ist.

Es gibt solch spektakulären Anschläge wie am 12. April in Shiraz. Es ist aber nicht zu erkennen, wer die Urheber dieser Tat gewesen sein können, die völlig sinnlos erscheint. Die Behauptung der iranischen Behörden, dahinter stecke eine obskure Heilsbewegung mit Sitz in London, ist nicht sehr überzeugend. Aber selbst die Iraner, die ansonsten für alles und jeden die Drahtzieher in Langley sehen, beließen es in diesem Fall dabei, die Briten verantwortlich zu machen.

Zu sagen, wie der von Hersh zitierte Sam Gardiner es tut, es vergehe im Iran kaum einen Tag ohne einen bewaffneten Zusammenstoss, ist ein gutes Stück von den Realitäten entfernt.

Ebenfalls stark an den Realitäten vorbei geht für mich Hersh‘ Spekulation

One possible consequence of these operations would be a violent Iranian crackdown on one of the dissident groups, which could give the Bush Administration a reason to intervene.

US Truppen marschieren mit der Begründung im Iran ein, sie wollten kurdische oder belutschische Rebellen vor der Gewalt des Regimes in Teheran schützen? Der von Bush sen ermunterte Aufstand der Schiiten im Irak nach der Vertreibung der irakischen Armee aus Kuwait lässt grüßen.

Womit sich die Frage stellt, was für ein Ziel sollen diese verdeckten Operationen verfolgen?

Hersh schreibt von einer „Destabilisierung des religiösen Führung“ des Landes. Wie soll das funktionieren. Keine der ethnischen Gruppierungen hat auch nur annährend die Stärke, um das iranische Regime auch nur annährend herauszufordern. Diese Vorstellung allein ist schier lächerlich.

Das Regime sieht sich allenfalls in ihrer Auffassung bestätigt, dass die USA rastlos mit ihrem Sturz beschäftigt sind und ihnen dabei jedes Mittel recht ist. Das führt nur dazu, dass die Reihen enger zusammen rücken, und es hinreichend Rechtfertigungen dafür gibt, auch innenpolitisch jeden Rest an Dissens hart zu verfolgen.

Wahrscheinlich hat sich noch nicht bis Washington herumgesprochen, dass jeder Ansatz einer (militärischen) Einmischung von Außen im Iran nicht nur vom Regime, sondern auch von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung entschieden abgelehnt wird – von Erzkonservativen bis hin zu Liberalen.

Sollte es tatsächlich zutreffen, dass man aus schierer Dummheit in Washington glaubt, mit solchen Manövern dem Iran beikommen zu können, dann ist dies ein Blick in einen Abgrund. Solch verdeckte Operationen sind kindische Spiele erwachsener Männer, bei denen in der Regel zuerst Unbeteiligte zu Schaden kommen. Sie offenbaren nur die Ahnungslosigkeit der Verantwortlichen gegenüber den wirklichen Verhältnisse im Iran.

Wenn Sie mir nicht glauben wollen …

22. June 2008 - 08:47

… was ich Ihnen durchaus nicht übel nehmen würde, es gibt andere, die ebenfalls einen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen für wenig wahrscheinlich halten.

Beispielsweise Yossi Melman, Militärexperte der israelischen Haaretz. Meine stark gekürzte Wiedergabe seines Artikels:

[O]ne cannot conclude, as many have following a report in The New York Times (June 19) that an Israeli attack is certainly around the corner. Not only has such a decision not been made in any relevant forum in Israel - the question has not even been discussed.

The decision to attack Iran to foil its nuclear program is from Israel’s point of view a last resort, and the chances of it happening depend on many variables, which are unfolding over various time frames ­ some overlapping, others running in parallel.

The most important variable is Israel’s coordination with the United States. … This could be a tacit understanding, a flashing yellow light, or a direct request for a green light. Such support is conditioned first and foremost on the question of who will occupy the White House come November.

Another variable is international sanctions on Iran. … Israel has still not given up hope that in Moscow and Beijing will change their policies and impose harsher sanctions.

Another significant factor is the domestic situation in Iran. Next May, presidential elections are scheduled in Iran.

The fourth variable, upon which every political decision in Israel is taken, is of course the operational preparedness of the air force and the other agencies that are party to a strike. Is Israel capable of carrying out a significant blow to the essential sites where Iran is developing nuclear weapons, to the point that the process is stalled for several years?

Only when there are clear answers to these issues will Israeli leaders make a decision.

NYT: Israel trainiert Luftangriff

20. June 2008 - 07:15

Die israelische Luftwaffe hat ein Manöver durchgeführt und jemand in der US Regierung hat der NYT zugeflüstert, es handele sich um eine mögliche Vorbereitung auf einen israelischen Luftangriff auf iranische Nuklearanlagen.

Israel carried out a major military exercise earlier this month that American officials say appeared to be a rehearsal for a potential bombing attack on Iran’s nuclear facilities. (NYT)

Es handelt sich um eine Übung im östlichen Mittelmeer sowie über Griechenland in der ersten Juniwoche, an der mehr als 100 F-16 und F-15 Kampfflugzeuge teilgenommen haben. Zudem wurde die Rettung von abgeschossenen Piloten mit Hilfe von Hubschraubern geprobt.

The helicopters and refueling tankers flew more than 900 miles, which is about the same distance between Israel and Iran’s uranium enrichment plant at Natanz, American officials said.

Ich nehme mal an, dass sowohl wie Hubschrauber wie die Tankflugzeuge nach Israel zurückkehren wollen, was dann etwa 1800 Meilen ausmacht. Nicht wenige Militärexperten zweifeln, dass Israel tatsächlich über die logistischen Möglichkeiten verfügt, diese Strecke zu bewältigen, zumal jordanischer wie irakischer Luftraum überflogen werden müssten und beide Regierungen dazu die Erlaubnis verweigern könnten.

[T]he scope of the Israeli exercise virtually guaranteed that it would be noticed by American and other foreign intelligence agencies. A senior Pentagon official who has been briefed on the exercise, and who spoke on condition of anonymity because of the political delicacy of the matter, said the exercise appeared to serve multiple purposes.

One Israeli goal, the Pentagon official said, was to practice flight tactics, aerial refueling and all other details of a possible strike against Iran’s nuclear installations and its long-range conventional missiles.

A second, the official said, was to send a clear message to the United States and other countries that Israel was prepared to act militarily if diplomatic efforts to stop Iran from producing bomb-grade uranium continued to falter.

“They wanted us to know, they wanted the Europeans to know, and they wanted the Iranians to know,” the Pentagon official said. “There’s a lot of signaling going on at different levels.”

Nun, da die Geschichte auch in der NYT lanciert worden ist, wird sicher niemand mehr die vielen Signale übersehen.

Das macht einen tatsächlichen Militärschlag wahrscheinlicher.

Ich bleibe dabei, dass eine solche Operation derzeit eher unwahrscheinlich als wahrscheinlich ist.

Das ständige Gerede von einem bevorstehenden Militärschlag (den man schon aus Gründen der eigenen Sicherheit eigentlich eher geheim hält) dient vor allem dazu, zusätzlichen Druck auf Teheran auszuüben. Es wird ein Verhandlungsangebot auf den Tisch gelegt und dann der Gegenseite eine Pistole an die Schläfe gesetzt. Das ist nicht nur unfein, sondern auch ein Spiel mit dem Feuer.

Israelischer Minister droht

6. June 2008 - 18:57

Shaul Mofaz ist Transportminister in der israelischen Regierung und stellvertretender Premierminister. Für jemanden wie ich, der nicht in Israel lebt, gibt es dagegen nichts einzuwenden.

Früher war Mofaz Verteidigungsminister und davor Generalstabschef der israelischen Streitkräfte. Nun macht er sich Hoffnung, den durch einen finanziellen Skandal geschwächten Presmierminister Ehud Olmert eventuell beerben zu können. Auch okay. Die Israelis werden selber wissen, wen sie wählen wollen.

Das Problem fängt aber damit an, dass Mofaz offensichtlich nicht die Trennungslinie zwischen Schaffung von militärischem Druck und der Ankündigung eines Angriffskrieges kennt.

Zugegeben, die beiden sind nicht ganz einfach auseinander zu halten, denn wo ist in der Essenz schon der Unterschied zwischen „die militärische Option liegt auf dem Tisch“ und die Drohung mit einem Angriff?

So, wie Mofaz es heute formuliert hat, das machen die Reaktionen deutlich, ist es jedenfalls falsch.

“If Iran continues its nuclear weapons programme, we will attack it,” said Shaul Mofaz, who is also transportation minister.

“Other options are disappearing. The sanctions are not effective. There will be no alternative but to attack Iran in order to stop the Iranian nuclear programme,” Mofaz told the Yediot Aharonot daily. (AFP)

Hauptfehler: man darf aus einer Möglichkeit keine Zwangsläufigkeit machen, sondern immer noch die (theoretische) Möglichkeit offen lassen, dass es auch anders kommen könnte.

Vielleicht fehlt Mofaz doch noch das letzte Stück an Gewitztheit, um Premierminister werden zu können, und eigentlich geschieht es jemandem ganz recht, der so unverblühmt Ängste zu nutzen versucht, um sein politisches Ziel zu erreichen, dass er damit ins Stolpern kommt.

Olmert beunruhigend optimistisch

5. June 2008 - 17:42

Vom israelischen Premierminister Ehud Olmert, der ansonsten nicht müde wird, vor den Gefahren einer iranischen Atombombe zu warnen und die Welt zum Handeln drängt, sind heute optimistische Töne zu lesen.

After his meeting with U.S. President George W. Bush in Washington on Wednesday, Prime Minister Ehud Olmert said that the end of Iran’s controversial nuclear program was approaching.

“With every day that passes, we are getting closer to stopping Iran’s nuclear program,” he said, adding that substantial steps were being taken to handle the Iranian threat in “a more effective manner.” (Haaretz)

Welche “substantiellen Schritte”?

Olmert wollte es nicht verraten.

“I do not think it is appropriate for Iran to know what we are doing,” Olmert said, and described the cooperation with the United States on countering Iran’s nuclear program.

So viel aber dann doch wieder:

Olmert added that, as a result of the hour-long meeting with Bush, there were fewer question marks between the two allies concerning the means, the time constraints, and the level of American determination in dealing with the Iranian nuclear program.

Das klingt fast wie … ja, nach der gemeinsamen Planung einer militärischen Operation.

The Washington talks came a day after Olmert issued his toughest warning yet to Tehran, saying Iran’s nuclear program must be stopped by “all possible means.”

Ist es möglich, dass ein Premierminister, dem der Staatsanwaltschaft wegen einer Korruptionsaffäre im Nacken sitzt und von dessen Ablösung in Israel gemunkelt wird, gemeinsam mit einem Präsidenten, dessen Nachfolger in fünf Monaten gewählt sein wird, noch so ein gefährliches Abenteuer riskiert?

Oder kommt nach der Ankündigung von Friedensgesprächen mit Syrien nun noch eine Erfolgsmeldung, die deutlich machen soll, wie unersetzlich Olmert für die israelische Politik ist?