Verzicht auf Gewalt und Regime Change?

17. July 2008 - 08:01

Ich habe immer noch nicht die Zeit gefunden, den neuen Verhandlungsvorschlag der P5+Deutschland mit seinen Vorgängern zu vergleichen, aber Glenn Kessler hat mir heute in der WP einen Teil der Arbeit dankenswerter Weise abgenommen.

Er hat einmal zusammengestellt, was die jeweiligen Vorschläge dem Iran im Bereich „politische Kooperation“ so anbieten.

Offer by France, Germany and Britain (August 2005):

• The nations “stress the importance of developing relations of trust and cooperation.

• The nations would “refrain in their international relations from the threat or use of force against the territorial integrity or political independence of any state.

• The nations “would welcome an expanded dialogue and relationship” on regional security.

Offer by France, Germany, Britain, Russia, China and the United States (June 2006):

• The nations would “support . . . a new conference to promote dialogue and cooperation on regional security issues.”

Offer by France, Germany, Britain, Russia, China and the United States (June 2008):

• “Improving the six countries’ and EU’s relations with Iran and building up mutual trust.

• “Encouragement of direct contact and dialogue with Iran.

• “Support Iran in playing an important and constructive role in international affairs.

• “Promotion of dialogue and cooperation on non-proliferation, regional security and stabilization issues.

• “Work with Iran and others in the region to support confidence-building measures and regional security.

• “Support for a conference on regional security issues.”

• The nations would “refrain in their international relations from the threat or use of force against the territorial integrity or political independence of any state.”

Die P5+Deutschland haben in dem neuen Vorschlag einiges dazugepackt. Dies entspricht der Erkenntnis, dass es Teheran weniger an landwirtschaftlicher Hilfe oder Flugzeugteilen, sondern mehr an Sicherheitsgarantien und einem Bestandschutz gelegen ist.

Gerade der letzte Punkt, der Verzicht auf Androhung oder den Gebrauch von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines Staates“ dürfte den Iran interessieren. Ein solcher Verzicht müsste sicher auch einen Verzicht auf die bedrohliche Rhetorik Ahmadinejads gegenüber Israel mit einschließen, aber es wäre auch ein Verzicht auf die Politik des regime change.

Das Problem mit dem jüngsten Punktekatalog besteht allerdings darin, dass man in Teheran große Zweifel daran hegt, dass die USA auch wirklich meinen, was sie da mit unterschrieben haben.

US Kongress verlängert Mittel für Demokratieprogramm

20. December 2007 - 07:44

Der amerikanische Kongress hat die finanziellen Mittel für das „Demokratieprogramm“ für den Iran in gleicher Höhe von 75 Million USD für ein weiteres Jahr fortgeschrieben.

Dieses Programm wird vom Regime in Teheran wie von Kritikern weniger als Hilfe für demokratische Entwicklungen im Iran sondern mehr als ein nur schlecht getarnter Versuch angesehen, einen Regimewechsel im Iran herbeizuführen. Die iranischen Machthaber reagieren auch schon auf den leisesten Verdacht, jemand werde mit diesen Geldern finanziert, mit Verhaftungen. Von vielen iranischen Oppositionellen wird das Programm deshalb zum einen abgelehnt, weil es sie nur in Schwierigkeiten bringt und/oder weil sie aufgrund der US Politik in Mittleren Osten jede Kooperation mit Washington ablehnen.

Die US Regierung hat deshalb nicht wenig Mühe, überhaupt Gruppen zu finden, die bereit sind, das Geld anzunehmen.

Der größte Teil des Betrages geht zudem an das Farsi-Programm des US Auslandssenders Voice of America sowie an den Radiosender Radio Farda.

Auf Drängen des Mitglieds des Repräsentantenhauses Frank R. Wolf sollen nun 15 der 75 Millionen USD dazu benutzt werden, eine Software zu entwickeln, mit der die Zensur des Internets im Iran ausgehebelt werden kann.

In a unrelated move, lawmakers also cut the administration’s funding request for democracy programs in Iran from $75 million to $60 million, diverting $15 million toward grants for software programmers who specialize in creating programs that thwart Internet firewalls erected by repressive countries such as Iran and China. The idea, which was championed by Rep. Frank R. Wolf (R-Va.), is intended to assist dissidents without making them the target of arrests and harassment. (WP)

Auch da ich mich selbst ständig mit diesen ärgerlichen Filtern und Blockaden herumzuärgern habe: eine gute Idee.

PJAK

23. October 2007 - 07:31

Richard A. Oppel Jr, Bagdad Korrespondent der NYT, ist in den äußersten Nordosten des Iraks gefahren, um selbst mal nachzuschauen, was es genau mit den Geschichten über eine Unterstützung der „Partei für ein freies Leben in Kurdistan“ (PJAK) durch die USA auf sich hat.

Diese Guerillagruppe unternimmt seit gut einem Jahr von irakischem Gebiet aus kleinere militärische Operationen gegen die Sicherheitskräfte im Iran. Sie gelten als ein Zweig der PKK.

Es existieret eine Reihe von Spekulationen und Meldungen, dass PJAK von den USA direkt oder indirekt unterstützt wird. Die US Regierung dementiert dies. Für Aufmerksamkeit sorgte der Besuch von PJAK Führer Rahman Haj-Ahmadi in diesem Sommer in Washington.

Den klaren Beweis, dass Washington PJAK als ein Druckmittel gegen Teheran unterstützt, konnte auch Oppel nicht finden.

Biryar Gabar, one of 11 members of the group’s leadership, said there had been “normal dialogue” with American officials, declining specifics. One of his bodyguards said officials of the group met with Americans in Kirkuk last year.

Iranian officials have accused the United States of supplying the fighters and using them in a proxy war, though those assertions were denied by the American military. “The consensus is that U.S. forces are not working with or advising the P.J.A.K.,” said an American military spokesman in Baghdad, Cmdr. Scott Rye of the Navy.

A senior American diplomat said that there had not been any official contacts with the group and that he was unaware of its having received any support from the United States. He also said that Mr. Haj-Ahmadi, while in Washington, did not meet with administration officials.

Because the P.K.K. is on the State Department’s list of terrorist organizations and aiding such groups is illegal, the United States is eager to avoid any hint of cooperation with the P.J.A.K.

Guerrilla leaders said the Americans classify the P.K.K. as a terrorist group because it is fighting Turkey, an important American ally, while the P.J.A.K. is not labeled as such because it is fighting Iran.

Die Aussage eines Bodyguards ist vielleicht ein Hinweis, aber sicher kein Beweis. Aber so viel lässt sich sagen: die US Truppen unternehmen mit Sicherheit keine Anstrengungen, PJAK zu stoppen.

Iran will westliche Spionagenetze aufgedeckt haben

26. May 2007 - 18:41

Das Gemeindienst-Ministerium in Teheran gab gestern die Aufdeckung von westlichen Spionagenetzen innerhalb des Irans bekannt.

“The Intelligence Ministry succeeded in finding, recognizing and confronting some spy networks of infiltrating elements from the Iraqi occupiers in west, southwest and central Iran,” said the statement, carried by the official IRNA news agency.

“These spy networks were guided by the intelligence services of the occupiers and were supported by some influential Iraqi groups. The detailed news will be announced in the next few days.” (Reuters)

Mit den “Besatzern” sind die USA und Großbritannien gemeint, denen Teheran schon seit langem vorwirft, den Iran unterminieren zu wollen.

Aus der Erklärung lässt sich nicht entnehmen, ob es einen Zusammenhang mit der Verhaftung der amerikanisch-iranischen Politologin Haleh Esfandiari gibt, der die Bildung eines Netzwerkes zum Umsturz des Regimes vorgeworfen wird.

Mehr, wie gesagt, in den nächsten Tagen.

Regimewechsel weiter aktuell

1. February 2007 - 23:08

In einem Gespräch mit Journalisten des WSJ hatte US Präsident George Bush gestern dies zu seiner Iranpolitik zu sagen:

My theory all along has been to isolate the Iranian regime to determine whether or not there are people in their country who will worry about financial isolation, isolation from trade opportunities. One of the interesting things that we do know about Iran is that there is a large diaspora that is communicating inside Tehran, for example. There are rational people in that country who believe that isolation is not in their interests. And there is enough commerce that if it can be affected through international cooperation, it may cause people to say, ‘Wait a minute. We’d better take a look to see who’s running this deal.’

Wenn ich den Abschnitt richtig verstehe, dann hat Bush eine „Theorie” nach der „herauszufinden” ist, ob es im Iran Leute gibt, die über die Sanktionen besorgt sind.

Man sollte vom Präsidenten der USA eigentlich erwarten, dass er Kenntnisse statt Theorien besitzt und nicht noch erst herausfinden muss, was er mit Sanktionen erreichen kann. Leider bestätigt sich immer wieder, dass man im Weißen Haus herzlich wenig Ahnung von der Situation im Mittleren Osten im allgemeinen und vom Iran im besonderen hat. In diesem Fall kann man es „from the horse’s mouth” direkt erfahren.

Ignoranz schützt nicht vor kühnen Träumen.

And I can only tell you that I’m encouraged by the fact that others are beginning to question whether Ahmadinejad is capable of leading the country.

Möglich, dass Ahmadinejad im eigenen Land wegen seines konfrontativen Kurses in der Atomfrage (und noch wegen einiger anderer Probleme) stolpert. Manchmal braucht man halt einen Sündenbock.

Der Traum, mit Sanktionen das ganze Regime zum Fall bringen und damit einen grundsätzlichen Politikwechsel herbeiführen zu können, gehört zu der Kategorie der Wunschträume, die selten in Erfüllung gehen.