Um es noch einmal klar zu stellen

21. October 2008 - 07:17

Die israelische Haaretz brachte gestern eine kleine Meldung zu einem Interview, dfas IAEA Generaldirektor Mohammed ElBaradei dem israelischen Fernsehen gegeben hat.

In an interview broadcast on Channel 10, the chief of the International Atomic Energy Agency, Mohammed ElBaradei, said the Islamic Republic is still lacking the key components to produce an atomic weapon.

“They do not have even the nuclear material, the raw unenriched uranium to develop one nuclear weapon if they decide to do so,” ElBaradei said. “Even if you decide to walk out tomorrow from the non-proliferation treaty and you go into a lot of scenarios, we’re still not going to see Iran tomorrow having nuclear weapons.” (Haaretz)

Hoffentlich hat Channel 10 eine hohe Einschaltquote.

Iran schließt Einschränkung seiner Urananreicherung nicht aus

2. October 2008 - 21:41

Der iranische Vertreter bei der IAEA brachte heute die Möglichkeit ins Gespräch, sein Land könne auf eine eigene Urananreicherung weitgehend verzichten, wenn eine Lieferung von nuklearem Brennstoff für zivile Reaktoren durch internationale Verträge garantiert sei.

Ali Asghar Soltanieh, Iran’s ambassador to the U.N. nuclear watchdog, said the reason why the Islamic Republic was enriching uranium was the lack of an legally binding international accord on security of fuel supply.

Asked if with such a deal Iran would shelve enrichment, he said that arrangement would be a first step but it would have to be implemented, and Iran would need to retain some enrichment as a contingency in case supplies were cut.

“This is a first step …, then the next step is to see it really implemented,” he told reporters at a Brussels conference.

If this were carried out, “then Iran would be able to reconsider the position that we have now. The situation would be different, we would have to see,” Soltanieh said.

“Plus every country has to be cautious to have as a contingency plan a fuel reserve in case of interruption.” (Reuters)

Dies sind eine Menge “falls”, “sollte” und “könnte”, aber Soltanieh deutet immerhin die Möglichkeit an, dass Teheran bereit ist, über den Umfang seiner Anreicherung mit sich reden zu lassen.

So ganz furchtbar neu ist der Gedanke nicht. Im März 2005 brachte der iranische Botschafter bei der UN in New York, Jafad Zarif, schon einmal den Vorschlag ins Gespräch, die Kapazität der Anlage in Natanz auf das Maß zu beschränken, das notwendig ist, um die zivilen iranischen Reaktoren zu betreiben.

Da vor allem die USA, aber auch Großbritannien und Frankreich darauf beharren, dass dem Iran keinerlei Anreicherungskapazität zugestanden werden darf, war dies ein Non-Starter.

In Denkspielen und Diskussionen über Modelle zur Lösung des Konfliktes tauchte die Möglichkeit ebenfalls immer wieder auf, mit einer von unabhängiger Seite garantierten Lieferung von Brennstoff Teheran die Anreicherung abzuhandeln. Ein solches Angebot ist auch in dem nachgearbeiteten Verhandlungsvorschlag der P5+Deutschland enthalten, der im Juni dieses Jahres dem Iran präsentiert wurde. Nach allem, was bekannt geworden ist, ist Teheran darauf aber nicht eingegangen, weil der Iran einer Garantie der P5+Deutschland nicht vertraut.

Soltaniehs Äußerungen sind kein ausgereifter Vorschlag. Es müsste definiert werden, was eine ausreichende Garantie denn sein könnte, wie hoch die „Notreserve“ denn sein soll, die sich der Iran vorbehalten will, und in welchen Schritten eine solche Vereinbarung denn umgesetzt werden könnte. Es ist mehr ein Anstoß, in eine bestimmte Richtung zu denken.

Schwer zu sagen, ob die westlichen Staaten nun bereit sind, diese neue Anregung aufzugreifen und darüber zu reden. Voraussetzung dafür wäre, dass die Forderung fallen gelassen wird, Teheran müsse erst seine Anreicherung aussetzen, bevor überhaupt verhandelt werden kann.

Derzeit scheint aber überhaupt nichts entschieden zu werden, weil alle darauf warten, wer im kommenden Monat zum neuen US Präsidenten gewählt wird.

Reuters: IAEA Bericht negativ

12. September 2008 - 22:07

So weit abzusehen wird die IAEA am kommenden Montag ihren nächsten turnusmäßigen Bericht zum Iran vorlegen. Mark Heinrich hat schon jetzt in Wien herumgefragt, was in diesem Bericht zu erwarten ist.

A U.N. watchdog inquiry into whether Iran covertly researched how to assemble an atom bomb appears to have stalled while Tehran slowly but steadily builds up a sensitive uranium-enrichment program, diplomats say. (Reuters)

Dass der Iran weitere Zentrifugen installiert ist keine Überraschung, zumal Teheran selbst vor kurzem verkündet hat, 4.000 Zentrifugen seien derzeit im Betrieb. Dass die Untersuchung zu den restlichen Fragen zur Vergangenheit des iranischen Atomprogramms stagniert ist, ist nicht unbedingt eine Überraschung, obwohl man anderes erwarten konnte. Offensichtlich sind die Gespräche zwischen dem IAEA Vertreter Heinonen und der iranischen Seiten doch nicht so positiv verlaufen, wie es Teheran gern behauptet hat.

Zusätzlicher negativer Punkt:

“We are told the report will be negative,” said another diplomat. Others said Iran had cut cooperation with the IAEA to the minimum under its nuclear safeguards accord with the agency.

Also nur Zugang zu den deklarierten Anlagen und keinen Schritt mehr.

“They don’t want visits to national defense sites,” said a senior diplomat versed in Iran-IAEA dealings.

He said Iran feared its enemies — the United States and Israel — could use such visits to “get coordinates for future attacks and identify key personnel for targeting.

Nicht ganz so schwer nachzuvollziehen.

In der Vergangenheit hat Teheran allerdings des öfteren auch die Kontrollmöglichkeiten für die Inspektoren auf ein Mindestmass eingeschränkt um zu signalisieren, dass mit zunehmendem Druck auch die iranische Kooperationsbereitschaft sinkt.

Ein Wort der Vorsicht: Vorberichte wie diese basieren auf der Bereitschaft von Diplomaten, vorab Auskünfte zu erteilen. Einige diplomatische Vertretungen nutzen den Wettbewerb unter Journalisten dazu, die Kenntnisse so zu filtern, wie es ihrer Sicht der Dinge und ihren politischen Interessen entspricht. So lädt die US Botschaft in Wien beispielsweise gern ausgesuchte Journalisten vor der Veröffentlichung des Berichtes ein und präsentiert ausgewählte Abschnitt aus dem Entwurf des Berichtes, über den die Botschaft verfügt, und fügt dann gleich die politische Bewertung mit dazu. So wird der Tenor für die Diskussion des nachfolgenden Berichtes gesetzt.

Die iranische Vertretung ist zu unbeholfen, sich ähnlicher Methoden zu bedienen. Die russische wie die chinesische Botschaft sagen in der Regel vor ab auch nichts.

Bushehr: nun aber wirklich

8. September 2008 - 23:09

Der Chef der russischen Firma, die den zivilen Reaktor in Bushehr baut, kündigte heute an, am Ende des Jahres würden Maßnahmen unternommen, die den Start des Reaktors unumkehrbar machen würden.

Atomstroiexport chief Leonid Reznikov said that by year’s end the company will take steps that will make the launch of the Bushehr plant “irreversible.”

Company spokeswoman Irina Yesipova said the launch date will be determined after talks between Russian and Iranian nuclear officials this month. (AP)

Gemeint ist offensichtlich, dass Russland die im Januar gelieferten Brennstäbe in den Reaktor einführen wird.

Nonproliferation expert David Albright, whose Washington-based Institute for Science and International Security tracks countries under nuclear suspicion, suggested that the steps referred to by Russia probably involved the loading of fuel into the reactor.

Die Iraner werden sich freuen - wenn es denn nach unzähligen Verschiebungen wahr werden wird.

Die Ankündigung könnte auch als Zeichen gewertet werden, dass Russland nach den gestiegenen Spannung mit den NATO Staaten Bushehr nicht mehr als potentielles Druckmittel gegenüber dem Iran nutzen, sondern die Zusammenarbeit mit Teheran in der zivilen Nukleartechnologie nun wieder neu aufnehmen will.

NYT: Tinners arbeiteten für die CIA

25. August 2008 - 09:14

Die NYT greift heute noch einmal in einem Stück, das so aussieht, als sei es eher für die gestrige Sonntagsausgabe bestimmt gewesen, die Hintergründe der Zerstörung der Dokumente im Fall Tinner auf.

Die Familie Tinner, Vater Friedrich und seine beiden Söhne, stehen im verdacht, mit dem atomaren Schmuggelnetzwerk von Abdul Qadeer Khan zusammengearbeitet, und Technologie für ein Nuklearprogramm illegal u.a. an den Iran und an Libyen verkauft zu haben. Ihnen wird in ihrer Heimat, der Schweiz, der Prozess gemacht.

Im Mai wurde bekannt, dass eine Reihe von Zeichnungen und Dokumente im Besitz der Tinners von den Schweizer Behörden unter Aufsicht der IAEA vernichtet wurden. Die Begründung lautete damals, man wolle verhindern, dass Anleitungen zum Bau einer Atombombe in unbefugte Hände fallen würden.

Diese Begründung sei nur vorgeschoben gewesen, so die NYT heute.

The purpose, the officials said, was less to thwart terrorists than to hide evidence of a clandestine relationship between the Tinners and the C.I.A.

Over four years, several of these officials said, operatives of the C.I.A. paid the Tinners as much as $10 million, some of it delivered in a suitcase stuffed with cash. In return, the Tinners delivered a flow of secret information that helped end Libya’s bomb program, reveal Iran’s atomic labors and, ultimately, undo Dr. Khan’s nuclear black market. (NYT)

Der US Regierung ging es schlicht und einfach darum zu verhindern, dass ihren eigenen Informanten der Prozess gemacht wurde. Belastendes Material sowie Hinweise auf die Verstrickungen der CIA wurden so aus dem Verkehr gezogen. Es macht sich schlecht, wenn man weitere Mitarbeiter in der Zukunft anwerben will.

Bemerkenswerte Einsichten, welche Informationen die Tinners denn über die Geschäfte mit dem Iran einbringen konnten, enthält der Artikel nicht.

So schreiben William J. Broad und David E. Sanger …

For instance, the United States had gathered circumstantial evidence that Iran wanted an atom bomb. Suddenly it had a direct view into clandestine Iranian procurement of centrifuges and other important nuclear items.

… aber das liest sich eher wie ein slip of the pen. Beide Autoren scheinen es als gegeben anzusehen, dass der Iran den Bau einer Bombe anstrebt. Beweise dafür scheinen die Tinners nicht geliefert zu haben.

Weiter unten im Artikel heißt es:

He said the agency had no evidence that Iran had acquired the bomb plans.

He = ein ungenannter europäischer Diplomat, der via IAEA Einblick in einige der nun vernichteten Unterlagen hatte.

Von der selben Quelle stammt auch die Aussage, dass das, was die Tinners in Sachen Bombenpläne anzubieten hatten, eher von eingeschränktem Nutzen war.

[T]he diplomat insisted that the warhead designs were in many respects sketchy and incomplete. “These are almost like studies — bits and pieces,” he said, adding that they “wouldn’t be enough to let you build a replica.”

Ansonsten wird noch mal erwähnt, dass die Tinners auch einen brauchbaren Beitrag dazu geliefert haben, die iranischen Nuklearpläne zu sabotieren.

[T]he men and their insider information had helped the C.I.A. sabotage atomic gear bound for Libya and Iran. A former American official confirmed the disruptions, saying the technical architect of the operation was “a mad-scientist type” who took pleasure in devising dirty tricks.

Bekannt ist bereits, dass an den Iran manipulierte Schaltelemente geliefert wurden.

A more serious disruption involved a power supply shipped to Iran from Turkey, where Dr. Khan’s network did business with two makers of industrial control equipment.

The Iranians installed the power supply at their uranium enrichment plant at Natanz. But in early 2006, it failed, causing 50 centrifuges to explode — a serious, if temporary, setback to Iran’s efforts to master the manufacture of nuclear fuel, the hardest part of building a bomb. (Iran says its nuclear efforts are for electricity, not weapons.)

Gholamreza Aghazadeh, the head of the Iranian Atomic Energy Organization, told a reporter last year that Iranian investigators found that the power supply had been manipulated.

After the episode, he added, “we checked all the imported instruments.”

Wie man lesen kann, James Bond lebt, aber die Beweise für den zielstrebigen Versuch, eine iranische Bombe zu bauen, haben auch nach allem was bekannt geworden ist auch die Tinners nicht geliefert.