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Ali Akbar Mohtashemipour gilt als einer der Gründer der Hisbollah im Libanon und wird immer wieder als Beweis dafür herangezogen, dass die Hisbolah eigentlich ein Kind des Irans ist – von Teheran aufgebaut, bewaffnet und finanziell unterstützt. Mohtashemipour war von 1980 bis 1985 iranischer Botschafter in Damaskus und von dort aus auch im Libanon aktiv, bis er Opfer eines Bombenanschlages wurde. Später diente er als Innenminister in Teheran. Heute ist er in einer Organisation zur Unterstützung der Palästinenser aktiv. Mohtashemipour geht der westlichen Presse eigentlich aus dem Weg, aber nach vielen Bemühungen war er bei einer Begegnung doch bereit, ein paar Fragen zu beantworten. Dies ist ein Auszug aus dem Gespräch, das am 29. Juni 2006 stattfand.
Wie hat es mit der Hisbollah angefangen? Sie erwähnten, dass Sepah diese Gruppen bezahlen würde, um gegen Israel zu kämpfen. Die Menschen im Westen sind im Prinzip sehr klug und wenn etwas passiert, sollten sie es sehr sorgfältig durchdenken. Die Menschen im Libanon, in Palästina und grundsätzliche die ganze Menschheit strebt nach einem besseren Leben in einer friedlichen Atmosphäre. Wenn jemand versucht, am Leben zu bleiben, dann wird er sich nicht von einer anderen Nation dazu verleiten lassen, für ein wenig Geld dieses Leben zu riskieren. Diese Gerüchte mögen bei prä-historischen Menschen Anklang finden, aber nicht in zivilisierten Ländern. Welche Notwendigkeit gab es für eine Organisation wie Hisbollah als im Libanon noch Arafats Fatah aktiv war? Sie wissen vielleicht, dass 1982 Israel den Libanon besetzte, um die palästinensische Guerilla auszuschalten. Der Süden des Libanons, West-Beirut und das Beeka-Tal wurden besetzt. Die 30.000 palästinensischen Kämpfer, die libanesische Armee sowie andere Gruppen und Milizen, die im Süden konzentriert waren, haben auf diese Besetzung nicht reagiert. Ohne irgendeinen Kampf konnte Israel innerhalb von nur einer Woche das ganze Gebiet besetzen. In dieser Situation beschlossen Libanesen und vor allem Jugendliche, eine Organisation zu gründen, die gegen Israel Widerstand leistet. So fing es an. Das war der Grund, warum die Hisbollah gegründet wurde, denn die libanesische Armee war hilflos, die Grenzen des Landes zu verteidigen und Sicherheit herzustellen. Andere Milizen wie die Amal oder Falange oder andere hatten nicht die Fähigkeit zu kämpfen oder halfen der anderen Seite. Wenn ich Sie also recht verstehe, dann war die Gründung der Hisbollah nicht ihre Idee, sondern sie fanden eine Situation vor, in der Libanesen bereits an der Etablierung von Hisbollah arbeiteten? Ja. Es gab einen Bedarf und eine Notwendigkeit im Libanon, der israelischen Besatzung und den multi-nationalen Kräften, die die Israelis unterstützen, zu konfrontieren. Natürlich hat der Iran humanitäre Hilfe und Training geleistet, damit die Menschen ihr Land verteidigen und die Besatzer vertreiben konnten. So hat es angefangen, aber dann haben sich die Dinge schnell entwickelt. Heute ist die Hisbollah nicht mehr das, was sie zu Anfang war. Wie würden Sie diese Entwicklung beschreiben? Ist Hisbollah noch ausschließlich eine Widerstandsorganisation? Sie sollten dies die Hisbollah selbst fragen. Natürlich, aber ich möchte auch Ihren Standpunkt kennenlernen. Hat sich das Verhältnis zwischen der Hisbollah und dem Iran geändert? Ist es mehr wie zwei gleichwertige Brüder oder eher ein Verhältnis zwischen einem großen und einem kleineren Bruder?
Der Iran gewährt der Hisbollah humanitäre Hilfe und wir fühlen uns, wie es unsere Verfassung vorschreibt, verpflichtet, die Armen und Unterdrückten zu unterstützen.
Viele Leute sagen, der Iran kontrolliert die Hisbollah. Richtig oder falsch? Nein, völlig falsch. Die Libanesen sind unter den Arabern ein sehr intelligentes Volk, keine Analphabeten und besitzen im Vergleich zu anderen arabischen Staaten eine sehr gute Ausbildung. Die Leute, die Mitglied der Hisbollah sind, haben meist einen akademischen Abschluss. Libanesen verstehen es sehr gut, die politische Lage zu analysieren. Sie lassen sich nicht vom Iran beeinflussen. Wie Nasrallah immer gesagt hat, entscheiden sie zu Gunsten der Interessen des Libanons. Ihre Entscheidungen werden von ihrer eigenen Führung getroffen. Gab es Situation, wo Sie gesagt haben, dies war eine äußerst dumme Entscheidung der Hisbollah?
Ja.
Können Sie mir das ein wenig schildern? Nein, das kann ich nicht [Lächeln]. Ich habe von der Hisbollah gehört, die Antwort der Israelis auf die Gefangennahme der zwei Soldaten sei nicht sehr aggressiv gewesen. Ist das eine vernünftige Beurteilung? Dienstagnacht hat die Hisbollah eine militärische Operation unternommen und zwei Soldaten gefangen. Am Mittwochmorgen wurde der gesamte Libanon angegriffen und überall bombardiert. Israelische Kriegsschiffe beschossen die libanesische Küste. Ist das nicht aggressiv? Haben Sie erwartet, dass die Israelis noch einen Tag zuvor antworteten? Oh, ich glaube dies ist ein kleiner Übersetzungsfehler. Meine Frage sollte lauten: die Hisbollah hat gesagt, sie hätten nicht mit so einer überproportionalen Reaktion gerechnet. Hatten sie die Situation falsch eingeschätzt? Ja. Niemand hatte geglaubt, dass Israel so verrückt sein würde. Wie ernst ist die gegenwärtige Krise? Äußerst ernst. Wie Shimon Perez gesagt hat, geht es um den Tod oder die Existenz von Israel. Warum ist das so bedrohlich? Ich habe Schwierigkeiten zu verstehen, was Dr. Ahmadinejad damit meint, wenn er sagt, die sei der Anfang vom Ende für Israel. Es ist ganz offensichtlich, dass der Krieg im Libanon kein Krieg zwischen Israel und der Hisbollah ist. Es ist ein Krieg um die Macht im Weißen Haus. Dies ist meine Analyse. Bush und seine Regierung haben in ihren Kriegen schwere Niederlagen erfahren – im Irak, in Afghanistan, im Sudan und in Somalia. Nach dem Anschlag auf Hariri nutzten sie die Situation, um zu versuchen, die Hisbollah zu entwaffnen und damit für die nächste Präsidentschaft zu werben.
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© Martin Ebbing 2006