Starrsinn

27. September 2006 - 19:32

Verhaftung Khoini

Es begann mit einem Artikel in der heutigen Washington Post über Ali Akbar Mousavi Khoini, der am 12. Juli bei einer Frauendemonstration in Teheran verhaftet wurde und seither ohne Anklage im Evin Gefängnis sitzt. Sein Anwalt, Mohammad Sharif, kann ihn im Gefängnis nicht besuchen, der Kontakt mit seiner Frau Zohreh Islamian ist stark eingeschränkt.

Khoini zählt zu den Aktivisten, die sich zäh und oft auch unerschrocken für demokratische Reformen einsetzen – unbeeindruckt oder zumindest nicht gebremst durch die Niederlage der Reformer bei den letzten Präsidentschaftswahlen. Er gehört zum Kreis der Sazmane Advare Takhime Vahdat (Büro zur Stärkung der Einheit islamischer Studentengruppen) und war von 2000 bis 2004 Parlamentsmitglied. Während dieser Zeit hat er sich vor allem um die Aufdeckung des „parallelen Systems“ geheimer Gefängnisse und Greiftrupps verschiedener Geheim- und Sicherheitsdienste bemüht. Wie alle Reformkandidaten wurde er vom Wächterrat von der Wiederwahl disqualifiziert.

Ich habe ihn mehrfach getroffen. Beim ersten Mal vor zwei Jahren sprachen wir über die Schwäche der Reformbewegung, keinen Massenprotest gegen die Disqualifikation ihrer Kandidaten bei den Parlamentswahlen 2004 organisieren zu können. Er war der erste Gesprächspartner, den ich unter den Reformern fand, der keinen Hehl aus den Schwächen der demokratischen Bewegung, ihrer Zersplitterung und teilweisen Konzeptionslosigkeit machte. Er gehörte zu den wenigen prominenten Reformern, die sich öffentlich für Akbar Ganji während dessen Hungerstreiks einsetzen, obwohl er Ganjis politische Positionen nicht unbedingt teilte. Während einer illegalen Demonstration für Ganjis Freilassung wurde er von der Polizei verprügelt und musste sich im Krankenhaus behandeln lassen. Obwohl er wusste, dass ihm dies bei den Sicherheitsdiensten keine Pluspunkte einhandeln würde, gab er mir danach ein Interview und schilderte den Vorfall.

Vor anderthalb Monaten starb Khoinis Vater. Es wurde ihm nicht erlaubt, an der Beerdigung teilzunehmen, aber letzte Woche Donnerstag wurde ihm in Begleitung von Polizisten Freigang gewährt, um an der Feier zum Abschluss der im Islam üblichen vierzigtägigen Trauerzeit teilzunehmen.

Die Washington Post schreibt:

“For the past 20 days, prison officials have chained my hands and feet. I am being tortured,” Khoini loudly announced to bystanders at the memorial service for Khoini’s father, according to several people at the event who relayed the incident to New York-based Human Rights Watch.

“I am held in solitary confinement and interrogated four times a day,” Khoini reportedly shouted. “They wake me up in the middle of the night to interrogate me. They are trying to turn me to a mental patient.” Referring to Iran’s supreme leader, Ayatollah Ali Khamenei, he added, “They are forcing me to denounce my beliefs, to repent for my activities, and to ask forgiveness from Khamenei.”

Isolierhaft, Misshandlungen und psychologischer Druck gehören zu den allgemein bekannten Praktiken, denen politische Gefangene im Iran ausgesetzt sind. Üblich ist es auch, die Inhaftierten dazu zu zwingen, vermeidliche „Mittäter“ zu denunzieren, belastende Aussagen über andere zu machen, die ins Visier der Sicherheitskräfte geraten sind, und ein „Geständnis“ zu erpressen. Ramin Jahanbegloo wurde jüngst erst aus der Haft entlassen, nachdem er ein solches “Geständnis�? abgelegt hatte.

Früher war es üblich, diese abgezwungenen Aussagen dann im Fernsehen auszustrahlen, aber da man im Iran weiß, unter welchen Umständen diese Erklärungen zustande kommen, hat man diese Praxis eingestellt. Die Videos werden zurückgehalten, um das Opfer erneut beschämen zu können, sollte es sich nicht ruhig verhalten.

Es ist typisch für Khoini, dass er sich dem Druck nicht beugt. Die überwiegende Mehrzahl der politischen Häftlinge vor ihm ist irgendwann eingeknickt und jeder hat Verständnis dafür, aber er will sich nicht beugen lassen. Aus Prinzip und Selbstachtung.

So bewundernswert seine Haltung ist, so bedrückend sinnlos erscheint sie. Khoinis Name taucht zwar auf den Listen prominenter politischer Gefangener von amnesty international und Human Rights Watch auf, aber das Regime zeigt sich völlig unbeeindruckt. Schlimmer noch: die Zahl derjenigen, die sich innerhalb des Landes für seine Freilassung einsetzen, hat sich auf ein paar Handvoll reduziert. Schon während Ganjis Hungerstreik waren es gerade zwei- dreihundert Demonstranten, die bereit waren, ihren Kopf herauszustrecken.

Ein Jahr nach dem Amtsamtritt von Ahmadinejad ist der Bewegungsraum für die Opposition noch enger geworden. Ganz schleichend und unspektakulär ist die Angst vor öffentlichem Protest noch größer, der Druck dagegen subtiler und effektiver geworden. Zeitungen werden nur noch selten geschlossen, dafür die Journalisten persönlich eingeschüchtert. Das Filtern der Webseiten weitet sich immer weiter aus. Aktivisten werden ohne erkennbaren Anlass inhaftiert und erst wieder freigelassen, wenn das Regime sich halbwegs sicher ist, dass auch bei ihnen die innere Angst eingezogen ist.

Von daher ist Khoinis dickköpfige Weigerung, ein „Geständnis“ zu unterschreiben, doch mehr als ein individueller Versuch, sich die eigene Würde nicht zerstören zu lassen.

Der Artikel der Washington Post endet mit einem kleinen Hinweis.

An online journal called Gozaar, meaning Transition, devoted to the discussion of democracy and human rights in Iran, and launched this month in Persian and English, will feature an interview with Khoini’s wife and the wives of other detained political activists, according to Mariam Memarsadeghi of the group Freedom House.

Gozaar kannte ich bisher noch nicht. Ich will es nicht schwören, aber offensichtlich handelt es sich um Unternehmen, das einen Teil aus dem Finanztopf der US Regierung zur Förderung demokratischer Strömungen im Iran bekommen hat. Auf jeden Fall ist das Freedom House nicht dadurch aufgefallen, das es Kritik an der Bush Regierung geübt hat.

Gozaar veröffentlicht Texte zur iranischen Nuklearpolitik und Menschenrechte, zu den anstehenden Wahlen der Expertenversammlung, zur Verfolgung der Baha’i im Iran und zur Poesie von Maryam Hooleh. Einige davon auf English und Farsi, andere nur auf Farsi.

Maryam Hooleh?

Hooleh ist ein Name, den ich mehr als einmal gehört habe.

„Haben Sie Inferno von Hooleh gelesen?“

Nein, ich bedaure. Leider nicht. So weit ich weiß, ist auch keiner ihrer Gedichtbände auf Deutsch übersetzt worden. Sie stammt aus dem kurdischen Teil des Irans, schreibt politische Poesie und lebt derzeit in Schweden.

So beginne ich mit Neugier den Aufsatz von Mahmoud Khoshchehreh über die Poesie von Mayram Hooleh zu lesen, kein ganz schmerzfreier Unternehmen, denn der Autor folgt dem gängigen Zwang, seine eigene Belesenheit an jeder passenden und unpassenden Ecke in den Vordergrund zu stellen und müht sich mit Sätzen ab, die mal wie ein Betonklotz, mal wie ein riesiges Paket nasse Pappe wirken.

Ich erfahre, Hoolehs Poesie …

overflows with an arsenal of scandalous obscenities that, at every opportunity, debunks the rigid morality of a theocratic patriarchy.

… und …

[S]pitting and urinating perform a liberating function that, through an act of extroversion, effectively counteracts veils and chadors, the most evident emblems of the entombment of women within the confines of the Iranian theocracy.

Immerhin gibt es aber auch ein paar Passagen aus Hoolehs Gedichten wie diese

When the city square has lapped up the city along with the evening tea,

The sugar cube of the people of gangrene

Dense in its constipation,

My spit-urine is erupting

Where is the toilet?

The city square the bitterness of whose gas bursts the nails of laughter

Up to the bone and the jaw, towards the heart,

My spit-urine is erupting

Where is the toilet?

The city square upon which Tehran is spat

Tehran roasted in the dross of sanctification

Tehran clotted on a tomb called the Milky Way

That nurses the sweetness of an eternal death.

I am exploding

Where is the toilet?

Noch neugieriger geworden, habe ich ein wenig gegoogelt und eine englische Übersetzung von Inferno sowie mehr Hooleh Texte hier und hier und hier und hier gefunden.

The bravest of people is the one

who dares to remember as he wakes up.

Auch von Mayram Hooleh. Sicher nicht so gedacht, aber vielleicht eine kleine Homage an Khoinis mutigen Starrsinn.

Baum

26. September 2006 - 23:37


Ein Baum in einer Seitenstrasse in meiner Nachbarschaft.

Deutscher Islam zu früher Stunde

25. September 2006 - 11:04

Irgendwie schlaflos und gleichzeitig viel zu tun. Die ARD zeigte zu später Stunde erst einen großartigen S/W-Film mit Kathleen Hepburn und Shirley McLaine und irgendwann gab es die nächtliche Wiederholung des ARD Presseclub vom Sonntagmittag.

Thema: „Noch eine Chance für friedliches Miteinander?“ Anlass war eine am Mittwoch stattfindende Islam-Konferenz in Berlin, bei der auf Einladung von Innenminister Wolfgang Schäuble über zwei, drei Jahre hinweg 15 muslimische und 15 staatliche Vertreter miteinander reden soll. Worüber genau, ist mir durch die Sendung nicht ganz klar geworden (es war schon sehr spät, resp. sehr früh), aber es fiel immer wieder ein Schlagwort: „deutscher Islam“.

Was, bitte, ist „deutscher Islam“?

Auch hier konnte ich aus der recht einmütigen Diskussion nicht ganz schlau werden (das erste Licht wurde bereits am Horizont sichtbar). Gemeint sein konnte eine islamische Gemeinde in Deutschland, die die deutsche Kultur, unsere Demokratie und unsere Gesetze respektiert. Aber müsste man das dann nicht eine „deutsche muslimische Gemeinde“ nennen?

Gemeint sein konnte auch eine „deutsche“ Interpretation/Form des Islams. Die alte Forderung, dass der Koranunterricht in Zukunft auf Deutsch abgehalten werden solle, um ihn besser überwachen zu können (wird die katholische Messe demnächst ebenso auf Deutsch gelesen wie die Thora in deutschen Synagogen?), tauchte wieder auf und mehrfach fielen Schlagworte wie „aufgeklärter Islam“, „moderner Islam“.

Wenn ich es richtig verstanden habe, geht es offensichtlich bei dieser Berliner Runde darum, nach Wege zu suchen, wie dieser „aufgeklärte, moderne (= deutsche) Islam“ gefördert und der unaufgeklärte, rückschrittliche Islam in Deutschland bekämpft werden kann.

Natürlich sind radikale Islamisten, die bereit sind, Gewalt auszuüben, ein gesellschaftliches Problem und deshalb auch ein Thema für die Politik, aber niemand in der Presseclub-Runde fand es eigenartig, dass sich der Staat (das Innenministerium) der Aufgabe annimmt, mit muslimischen Vertretern über die Ausrichtung ihrer Religion zu debattieren.

Was ist eigentlich aus der guten alten Trennung zwischen Staat und Religion geworden? Wenn ich mich recht erinnere, ist dies eines der wichtigsten Elemente, das islamische Staaten und Gesellschaften von den westlichen Gesellschaften unterscheidet.

Nach meinem Geschmack ist jede Religionsgemeinschaft gut genug, die a. diese Trennung, b. die allgemeinen (und ganz und gar nicht allein westlichen) Menschenrechte sowie c. die deutsche Strafgesetzgebung akzeptiert. Ansonsten fällt alles, was Religionsgemeinschaften treiben, unter die Religionsfreiheit – ein Stichwort, das in den letzten Jahren ein wenig aus der Mode gekommen ist.

Ich sehe dem Tag entgegen, an dem Präsident Ahmadinejad die Vertreter der christlichen Minderheit zu einer Konferenz einlädt, bei dem über Wege beraten werden soll, wie sich die christliche Gemeinde im Iran von rückschrittlichen und unaufgeklärten Bibelauslegungen löst. Titel der Konferenz: „iranisches Christentum“.

Nachtrag 27.09: Um ganz sicher zu sein, nicht einer durch Schlaflosigkeit verursachten Täuschung aufgesessen zu sein, habe ich noch einmal nachgeschaut. Ja, die Konferenz hat tatsächlich stattgefunden, berichtet tagesschau.de.

An der Veranstaltung im Schloss Charlottenburg nahmen jeweils 15 Vertreter des deutschen Staates und der in Deutschland lebenden Muslime teil. Mit dem Treffen soll ein zwei- bis dreijähriger Kommunikationsprozess eingeleitet werden.

„15 Vertreter des deutschen Staates“ – klingt das nur in meinen jetzt etwas ausgeschlafeneren Ohren irgendwie nach zusammenschlagenden Hacken?

Es habe bei der Auftaktveranstaltung „geknirscht“, verriet Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble der Presse, aber es sei unehrlich gewesen, wenn das nicht so gewesen wäre.

Tagesschau.de versucht auch auf den Punkt zu bringen, warum es in der Konferenz geht:

Am Ende der Konferenz soll nach dem Willen Schäubles eine Übereinkunft zwischen dem Staat und den in Deutschland lebenden Muslimen stehen, in der sich beide Seiten zur Einhaltung gesellschafts- und religionspolitischer Grundsätze verpflichten.

Muss man erst eine Konferenz abhalten, damit sich der „deutsche Staat“ dazu verpflichtet, sich an „gesellschafts- und religionspolitische Grundsätze” zu halten? Gibt es neben der Trennung zwischen Staat und Religion da noch andere religionspolitische Grundsätze, die da beachtet werden sollten?

In DER ZEIT hatte Jörg Lau schon am vergangenen Donnerstag einen Ausblick auf diese Konferenz gegeben.

Noch eine dieser unverbindlichen Dialogveranstaltungen? Nein, im Schloss Charlottenburg soll nach Antworten auf eine Frage gesucht werden, die durch den Karikaturenstreit, die Kofferbomben-Anschläge und den Aufruhr um die Äußerungen des Papstes neue Dringlichkeit bekommen hat: Wie kann der Islam in Deutschland eingebürgert werden?

Die Geschichte mit dem „deutschen Islam“ scheint also wirklich ernst gemeint sein. Einen Absatz weiter schreibt Lau es auch expressis verbis:

Es geht darum, gemeinsam zu erarbeiten, wie ein »deutscher Islam« aussehen könnte.

Nun, man könnte sich ja am „schwedischen Buddhismus“ sowie am „saudischen Katholizismus“ ein Beispiel nehmen.

Sonne, Mond und Fasten

23. September 2006 - 19:38

Heute Nacht wird irgendwo über dem Iran ein Flugzeug mit einem geistigen Würdenträger am Himmel kreisen, um eine wichtige Mission zu erfüllen. Der Mann (die iranischen Zeitungen sind da unbestimmt, aber ich bin mir sicher, dass man diese Aufgabe keiner Frau übertragen hat) wird nach dem Mond Ausschau halten, um zu bestimmen, wann für die Schiiten Ramadan beginnt.

Die Angelegenheit wird sehr ernst genommen und der bloße Augenschein ist nicht gut genug. Auch ein Kalender, der auf der astronomischen Berechnung der Mondphasen beruht, ist nicht gut genug. Äußerste Präzision wird verlangt.

Überraschenderweise ist der Koran selbst zum Thema Ramadan recht unpräzise. In Sure 2, Vers 185 heißt es, Ramadan sei der Monat, in dem der …

„…Koran (erstmals) als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist, und (die einzelnen Koranverse) als klare Beweise der Rechtleitung und der Rettung (?). Wer nun von euch während des Monats anwesend (d.h. nicht unterwegs) ist, soll in ihm fasten…“

Und dann gibt es noch einen zweiten Hinweis einen Vers vorher:

„(Das Fasten ist) eine bestimmte Anzahl von Tagen (einzuhalten)“ (Sure 2, Vers 183-184)

Nur von wann bis wann sagt der Koran nicht.

Also haben sich die islamischen Gelehrten daran gemacht, die Hadith (die Sammlung der vom Propheten überlieferten Aussagen) nach weiteren Hinweisen zu durchforschen. Sieh an, man wurde fündig. Demnach soll der Prophet gesagt haben:

„Fastet erst, wenn ihr die Mondsichel seht, und brecht das Fasten erst, wenn ihr sie (wieder) seht.“

Das scheint klar und deutlich. Ist es aber nicht, denn sehen ist nicht gleich sehen. Zum einen stellt sich die Frage: wie sehen? Ist das nackte Auge gut genug oder soll man ein Teleskop zur Hilfe? Darf man überhaupt ein Teleskop benutzen. Über diese Frage existiert ein lang anhaltender heftiger Streit, den (für den Iran zumindest) vor zwei Jahren Religionsführer Ali Khamene-i mit der Fatwa entschieden hat, es sei erlaubt, technische Hilfsmittel zu benutzen.

Was zur zweiten Frage führt: wo sehen? Der Neumond ist nicht auf allen Stellen der Erde zur gleichen Zeit sichtbar. Wenn man die erste blasse Sichel in Marokko erkennen kann, ist es in Indonesien wahrscheinlich schon wieder Morgengrauen – von Hawaii oder Japan ganz zu schweigen.

Auch da gibt es nun zwei Schulen, die sich heftig miteinander streiten. Die eine Richtung ist der Ansicht, wenn irgendwo auf der Welt die Mondsichel erblickt wird, sollte dies im Interesse der Einheit der moslemischen Gemeinde überall als Start für das Fasten gelten. Dagegen steht die Position, dass man sich nach den örtlichen Gegebenheiten richten sollte.

Im Iran gilt das Prinzip der „örtlichen Sichtung“.

Nun sollte man annehmen, dass in Saudi Arabien, das von den Längengraden her nicht sonderlich vom Iran abweicht, der Mond mit einer nur geringfügigen zeitlichen Verschiebung gesehen werden kann. Scheint aber nicht so zu sein. Dort hat der Ramadan bereits heute begonnen und da Saudi Arabien als Ursprungsort des Islams eine besondere Autorität genießt, folgen auch viele islamische Gemeinden anderswo auf der Welt diesem Beispiel.

Nicht aber der Iran, denn wir hier sind in der Überzahl Schiiten, die Saudis Sunniten. Die iranische Geistlichkeit mag damit sogar ganz klug handeln, denn nachweislich haben die saudischen Gelehrten schon mehrfach einen Neumond erspäht, wo dies physikalisch gar nicht möglich war (siehe „Die Saudi-Problematik“ weiter unten auf der Seite von Mondsichtung.de).

Aber auch untereinander sind die iranischen Experten sich nicht immer einig. Im letzten Jahr gab es reichlich Verwirrung, als einige Geistliche in Qom den Beginn des Ramadan einen Tag vor dem Büro von Religionsführer Khamene-i verkündeten.

Solche Pannen sollten dank des einsamen Beobachters, der in diesen Stunden über uns am Himmel kreist, nicht mehr vorkommen. Warten wir es ab, was er zu melden hat.

Ich vertreibe mir die Wartezeit mit Musik: David Bowie, Space Oddity

Nachtrag 26.09.: Auf Mondsichtung.de ist der Bericht der himmlischen Aufklärungsmission zu lesen. Kein Neumond war zu finden.

Afghan Rock

18. September 2006 - 10:15

„Elias, was für Musik hören Afghanis?“ – „Musik aus Indien.“ – „Keine afghanische Musik?“ – „Doch, natürlich.“ – „Und was für Musik?“ – „Alles mögliche.“ – „Gibt es denn so etwas wie afghanische Popmusik?“ – „Was meinst du?“ – „Na ja, moderne Musik.“ – „Klar!“

Pause. Elias ist nachdenklich.

„Du meinst Rock Musik?“ – „Wenn es so etwas gibt.“ – „Aber klar.“

Elias zeigt auf eine der bunten Kassetten, die in dem Musikgeschäft ein paar Schritte neben dem Saftladen in einem Regal fein säuberlich vom Boden bis zur Decke gestapelt sind.

„Das ist Afghan Rock. Wenn es dir gefällt, können wir noch mehr kaufen.“

Die beiden Interpreten heißen Ostad Fath Ali Khan und Sharif Ghazal und es handelt sich um eine Live Aufnahme irgendwo im Ausland. Mehr lässt sich vom Cover der CD nicht erfahren und auch Elias ist ein wenig ratlos.

Nein, Rock ist es nicht. Jedenfalls nicht Rock, wie es jemand versteht, der mit Rolling Stones & Co aufgewachsen ist. Aber die Musik hat Pep, Gefühl und Drive.

Talim Zolf Yar

(ich habe keine Ahnung was der Titel dieses Stücks bedeutet)