Kabul in Sandfarben

Der morgendliche Sandsturm war gerade abgeklungen, als die Maschine torkelnd auf der Landebahn von Kabul International Airport aufsetzte. Die Luft war immer noch rau wie Sandpapier und der Wind wehte über den Vorplatz grau-gelbe Wolken vor sich her.

Der Eingang zum Flughafengebäude war weiträumig abgesperrt. Einen Personenkontrolle direkt an der Tür, eine zweite in der Lücke im Stacheldraht, der den Parkplatz abtrennt. Dennoch finden die cleveren Burschen Zugang, die mein Gepäck schon von dem Transportband herunterfischten, bevor ich es entdeckt hatte, meinen Protest einfach ignorierten, unter ermunterndem „come on, Mister! this way, Mister!“ mir immer zwei Schritte voraus eilten, um mich dann vor einem Taxi abzusetzen und für den unerbetenen Dienst 10 Dollar verlangten.

In dem dichten Staub, der der Sonne keine Chance lässt, erscheint die Stadt düster und müde. Die Welt auf der anderen Seite der Windschutzscheibe hat ihre Farben verloren und präsentiert sich in einem schmuddeligen Licht.

Überall am Straßenrand sind wuchtige Betonbarrieren aufgebaut, die den Zugang zu Gebäuden versperren oder die Autos zu einer Slalomfahrt zwingen. Bagdad lässt grüßen. Auch wenn ich ein halbes Jahr keine Zeitung gelesen hätte, würde mir spätestens jetzt klar, dass Kabul eine belagerte Stadt ist.

Mit Einbruch der Dunkelheit hat sich der Staub wieder verzogen und N und ich spazieren auf der Suche nach einem Restaurant die Strasse vor unserem Hotel entlang. Vor dem Innenministerium, wo sich am Vortag ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und 11 Menschen getötet hat, hocken ein paar gestalten vor einem Wächterhäuschen, die Kalaschnikow quer über die Knie. Wir grüßen freundlich und sie grüßen freundlich zurück.

Obwohl es kaum später als zwanzig Uhr ist, ist außer den Wächtern kaum mehr ein Mensch auf der Strasse. In der Gegend sind um diese Uhrzeit keine Restaurants zu finden und wir kehren zum Hotel zurück.

Die Speisekarte im Hotel-Restaurant verspricht Pizza, Spaghetti und Hamburger, aber heute Abend ist die Auswahl – „we are very VERY sorry, Sir“ – auf das Special of the Day: Plov, eine traurig aussehende bräunliche Masse zerkochten Reis, in der sich ein paar Krümel Hammelfleisch verstecken.

Die Person hätte für zwei gereicht, aber obwohl ich nicht einmal die Hälfte gegessen hatte, habe ich als ich meinem durchgelegenen Bett liege und in dem funzeligen Licht der Neonleuchte, die vom Hotelgenerator gespeist wird, ein paar Zeilen zu lesen versuche, das Gefühl, es war mehr, als mir gut tut.

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