Heuchelei
Die von Revolutionsführer Ayatollah Ali Khamene-i herausgegebene Tageszeitung Kayhan ist das Sprachrohr der traditionellen Konservativen im Iran (es ist nicht so einfach, die verschiedenen Farben von konservativ im Iran zu katalogisieren. Es gibt ultra-konservativ, erz-konservativ, traditionell-konservativ oder auch schlicht nur einfach konservativ. Genau genommen sind eigentlich auch die meisten Reformer konservativ, weil auch sie die „Islamische Republik“ nicht grundsätzlich in Frage stellen. Kompliziert wird es noch dadurch, dass einige Gruppen in einigen Fragen extrem konservativ, in anderen aber wieder eher liberal sind. Und dann gibt es noch alle Schattierung dazwischen. Aber das ist ein anderes Thema.). Auf der ersten Seite der englischsprachigen internationalen Ausgabe ist heute neben Meldungen über die russische Haltung zu Sanktionen, Gespräche zum iranischen Atomprogramm und der wirtschaftlichen Unterstützung der Palästinenser durch die Organisation Islamischer Staaten der links abgebildete Artikel zu finden.
Ein Auszug:
Tehran Demands Punishment of U.S. Police
Iranian Foreign Ministry Spokesman Seyed Muhammad Ali Husseini here Saturday condemned beating of an Iranian student by the U.S. police, and called for punitive measures to be taken against those in charge of the sad and regrettable incident.
Es geht um einen Vorfall in der Bibliothek der Universität von Kalifornien (UCLA). Der iranisch-amerikanische Student Mostafa Tabatabainejad wurde am Dienstag letzter Woche von der Campus Polizei hart attackiert, nachdem sich Tabatabainejad weigerte, seinen Studentenausweis vorzuzeigen. Er wurde festgenommen, auf dem Boden geschleift und schließlich mit einer Elektroschockpistole malträtiert.
Ein Student hat den Vorfall mit der Kamera in seinem Handy aufgenommen, der Film wurde in das Internet gestellt.
Weiter in Kayhan:
According to a statement released by the Foreign Ministry’s Information and Press Bureau, Hosseini stressed that the insult to the Iranian student has hurt the public feelings in Iran, reminding that violation of the rights of the ethnic and religious minorities and immigrants is now an established case in the U.S., which has a verifiable background.
Ich habe nicht feststellen können, dass sich die Iraner in ihren Gefühlen verletzt sehen.
Was viel mehr viele Gefühle (und oft mehr als Gefühle) verletzt, sind die fortgesetzten Verhaftungen von studentischen Aktivisten im Iran, ihre Misshandlung bei der Polizei und ihre grundlose Inhaftierung. Es vergeht kaum eine Woche, in der nicht solche Verhaftungen vorkommen, Journalisten und Weblogger vorgeladen und mit Strafen bedroht werden, Frauenrechtler eingeschüchtert und Menschenrechtsaktivisten von obskuren Herren Besuch erhalten.
Solche Vorfälle werden nie in Kayhan gemeldet. Nicht mal auf der letzten Seite.
gepostet am 20. November 2006 um 11:59 von unter Medien, Iran, Menschenrechte. Alle Kommentare können über den RSS 2.0 feed verfolgt werden.
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