Rote Karte

Die FIFA hat den iranischen Fußballverband von der Teilnahme an allen internationalen Spielen verbannt! Und das, wo sich die iranische Nationalmannschaft von ihrer Krise nach der WM in Deutschland ein bisschen erholt zeigt. Vor einer Woche hat sie mit einem 2:0 im Heimspiel gegen Süd-Korea die Qualifikation zur Endrunde des Asia Cup 2007 erfolgreich abgeschlossen und gestern in einem Freundschaftsspiel Bahrain besiegt.

FIFA Chef Sepp Blatter sowie die Chefs der sechs FIFA Verbände, die diese Entscheidung gestern fällten, werfen dem iranischen Fußballverband vor, von der Regierung nicht unabhängig genug zu sein (wahrscheinlich eher umgekehrt: die Regierung mischt sich zu sehr in die Belange des Fußballverbandes ein).

Anlass war die Entlassung von Verbandspräsident Mohammad Dadkan nach dem miserablen Abschneiden der iranischen Mannschaft bei der WM, die auf Druck der Regierung erfolgte. Der Verband selbst hatte auch nichts zu sagen, als über den Nachfolger entschieden wurde.

Klarer Verstoß gegen Artikel 17 des FIFA Statuts, der eine Trennung von Staat und Fußball vorschreibt.

Die FIFA hatte dem iranischen Verband eine Frist bis zum 15. November gesetzt, die Angelegenheit ins Reine zu bringen. Nichts ist passiert.

Der Iran ist schockiert (gewisse religiöse Kreise, die sich nie für Fußball so recht haben erwärmen können, mal ausgenommen). Die Ehre des Landes ist verletzt. Nun sind auch noch die Länderspiele von der recht kurzen Liste der Vergnügungen im Iran einstweilen gestrichen.

Wer hat Schuld?

Diesmal ausnahmsweise nicht die „arroganten Mächte“ (womit im offiziellen Sprachgebrauch die USA und manchmal auch Großbritannien gemeint sind), denn die FIFA ist vielleicht die einzige namhafte internationale Organisation, wo die Amerikaner nicht viel zu sagen haben.

Die „Zionisten“ (Sprachgebrauch für Israel) auch nicht, weil deren Einfluss auf die Belange des Weltfußball ebenfalls gering ist.

Wer bleibt da noch?

Ahmadinejad, von Kindesbeinen an ein Fußballer, schweigt bislang. Die konservative Nachrichtenagentur Mehr schreibt, die FIFA versuche „illegalen“ Einfluss auf den Iran auszuüben.

Erst droht der Westen mit Sanktionen wegen des Atomprogramms. Nun auch noch das.

Nun ist es nicht ganz lauter, einen Verstoß damit zu entschuldigen, in dem man darauf hinweist, dass es andere noch viel schlimmer treiben. Sicher ist der Iran nicht der einzige Fall, wo die politischen Machthaber sich kräftig in die Belange ihres nationalen Fußballverbandes einmischen.

Aber mir geht durch den Kopf, dass die FIFA den Iran eigentlich aus ganz anderen Gründen hätte sperren sollen. Frauen sind bei Spielen als Zuschauerinnen nicht zugelassen. Die Hälfte der Bevölkerung wird einfach ausgesperrt.

Das ist nach dem FIFA Statut okay?

Nachtrag 27.11: Gero von Randow, der für DIE ZEIT gern aus der Ferne über den Iran schreibt, spekuliert

Irans Präsident wird die Gelegenheit kaum verstreichen lassen, sein Land erneut als Opfer böser fremder Mächte darzustellen;

Weit gefehlt. Ahmadinejad, der tatsächlich in seiner Jugend ein nicht unbegabter Fußballspieler gewesen sein soll, verhält sich mucksmäuschenstill. Die Zeitung Kayhan, Stimme des Machtapparates berichtet heute ausführlich, dass der iranische Fußballverband darum bemüht sei, die Probleme durch Verhandlungen aus der Welt zu schaffen. Energisch wird dementiert, dass der Verband gegen die Entscheidung eine Beschwerde eingelegt habe.

Die ganze Geschichte ist Teheran enorm peinlich.

Nachtrag 27.11: Die FIFA hat die Sperre heute temporär ausgesetzt, um Iran die Möglichkeit zu geben, bei den am Montag in Qatar beginnenden Asien Spielen seinen Titel zu verteidigen.

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