Teheraner Nächte
25. December 2006 - 17:05

Eigentlich ist es gar nicht mein Weihnachtsgeschenk, aber ich bin völlig hemmungslos, wenn es darum geht, anderen beim Auspacken ihrer Geschenke über die Schulter zu schauen.
Als erstes fiel mir eines der beiden Gesichter auf dem Cover der CD auf, die T. geschenkt bekam. Saeid Shanbehzadeh, der in der Bildmitte auf iranische Weise mit den Fingern schnalzt, habe ich einmal auf der Hochzeitfeier zweier Freunde vor zwei Jahren in einem Dorf in der Bretagne singen gehört und tanzen gesehen. Er stammt irgendwo aus dem tiefen Süden des Irans und ist regelmäßiger Gast in Paris. Fasziniert hat mich damals seine Musik, die er aus einem Instrument, das Neyanban heißt und einem Dudelsack ähnelt, hervorzauberte und vom Ursprung her ganz traditionell war, aber sehr modern klang. Wir haben damals Telefonnummern ausgetauscht und ich wollte ihn in seinem Heimatort besuchen, aber irgendwie ist das in Vergessenheit geraten und die Telefonnummer verloren geraten.
Und dann natürlich der Titel „Tehran Nights“, der irgendwie „Arabien Nights“ = Sinnlichkeit und erotische Ausgelassenheit suggeriert. Sollte ich in all meiner Zeit hier etwas verpasst haben?
Beim Anhören stellte sich dann heraus, dass die Musik nicht ganz dem entspricht, was man gewöhnlich nachts in Tehran auf Partys hören kann. Die Titel sind weder Tanzmusik noch Traditionals, die zu später Stunde von sentimentalen Iranern gesungen werden, sondern das Ergebnis der Zusammenarbeit eines französischen mit einem iranischen Musikers. Nach meinem Geschmack ist Saeid live und pur aufregender, aber so lange ich seine Telefonnummer nicht wiederfinden kann, sind diese Aufnahmen ein Ersatz, mit dem man leben kann.
Die CD hat keinen Hinweis auf einen Musikverlag oder ein Plattenlabel. Nicht einmal eine Bestelladresse. Aber ich kann für all diejenigen, die der folgende Titel auf den Geschmack bringt, die Adresse des Ladens in Teheran herausfinden, in dem man die CD kaufen kann.
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