Teheraner Nächte

25. December 2006 - 17:05

Eigentlich ist es gar nicht mein Weihnachtsgeschenk, aber ich bin völlig hemmungslos, wenn es darum geht, anderen beim Auspacken ihrer Geschenke über die Schulter zu schauen.

Als erstes fiel mir eines der beiden Gesichter auf dem Cover der CD auf, die T. geschenkt bekam. Saeid Shanbehzadeh, der in der Bildmitte auf iranische Weise mit den Fingern schnalzt, habe ich einmal auf der Hochzeitfeier zweier Freunde vor zwei Jahren in einem Dorf in der Bretagne singen gehört und tanzen gesehen. Er stammt irgendwo aus dem tiefen Süden des Irans und ist regelmäßiger Gast in Paris. Fasziniert hat mich damals seine Musik, die er aus einem Instrument, das Neyanban heißt und einem Dudelsack ähnelt, hervorzauberte und vom Ursprung her ganz traditionell war, aber sehr modern klang. Wir haben damals Telefonnummern ausgetauscht und ich wollte ihn in seinem Heimatort besuchen, aber irgendwie ist das in Vergessenheit geraten und die Telefonnummer verloren geraten.

Und dann natürlich der Titel „Tehran Nights“, der irgendwie „Arabien Nights“ = Sinnlichkeit und erotische Ausgelassenheit suggeriert. Sollte ich in all meiner Zeit hier etwas verpasst haben?

Beim Anhören stellte sich dann heraus, dass die Musik nicht ganz dem entspricht, was man gewöhnlich nachts in Tehran auf Partys hören kann. Die Titel sind weder Tanzmusik noch Traditionals, die zu später Stunde von sentimentalen Iranern gesungen werden, sondern das Ergebnis der Zusammenarbeit eines französischen mit einem iranischen Musikers. Nach meinem Geschmack ist Saeid live und pur aufregender, aber so lange ich seine Telefonnummer nicht wiederfinden kann, sind diese Aufnahmen ein Ersatz, mit dem man leben kann.

Die CD hat keinen Hinweis auf einen Musikverlag oder ein Plattenlabel. Nicht einmal eine Bestelladresse. Aber ich kann für all diejenigen, die der folgende Titel auf den Geschmack bringt, die Adresse des Ladens in Teheran herausfinden, in dem man die CD kaufen kann.

Frohe Weihnachten

24. December 2006 - 00:13

Hut

20. December 2006 - 14:49

Nicht der Hut selbst, aber ein Link auf eine Seite, auf der dieser Hut zu finden ist, war heute in meiner Inbox. Eigentlich ist es eher ein türkischer als ein iranischer Hut, aber die Idee ist nicht schlecht.

Sie stammt von Amirali Ghasemi.

Manipulation?

19. December 2006 - 16:35

Vorwürfe von Wahlbetrug oder Unregelmäßigkeiten sind im Iran nichts Besonderes. Es gab derartige Klagen während der letzten Parlamentswahlen, es gab sie bei den Präsidentschaftswahlen und es gibt sie bei den jüngsten Wahlen am letzten Freitag erneut.

Im Iran existiert kein wirklich unabhängiges System zur Überwachung der Wahlen. Die Aufsicht liegt beim Innenministerium, das wiederum fest im Griff der Gruppierung ist, die auch den Präsidenten stellt.

Beobachter der verschiedenen Parteien sind zwar bei der Auszählung der Stimmen vorgesehen, aber es gibt darüber immer wieder Rangeleien.

So kursieren auch jetzt Berichte über Wahlurnen, die verschwunden, und andere, die rätselhafter Weise irgendwo aufgetaucht sind.

Zu überprüfen ist dies für einen Außenstehenden kaum.

In seinem Weblog schrieb der ehemalige Vize-Präsident Mohammad Ali Abtahi, ein führender Reformer, von einigen Unregelmäßigkeiten. Veröffentlichte Ergebnisse wichen von dem ab, was bei der Auszählung bekannt wurde. Qalibaf-Anhänger und Konservative feierten bereits einen Sieg, bevor mit der Auszählung bereits begonnen wurde.

Taking care of the people’s votes is the most important thing. Those who have announced for months that the votes of people are decorative have become responsible for calculating votes.

Hashemi Rafsanjani, der ehemalige Präsident Mohammad Khatami und Mehdi Karubi, der Führer einer der beiden großen Reformparteien, wollen einen Brief an die „Autoritäten“ schreiben.

Gelegentlich werden Untersuchungen zu Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen angestellt. Meist verlaufen sie im Sande.

Wahlergebnis II

- 08:36

Nachdem sich nun die Wahlergebnisse ein wenig klarer herausstellen, würde auch ich ein etwas deutlicheres Urteil fällen. Für Ahmadinejad und seine Parteigänger waren diese Wahlen eine eindeutige Schlappe. Sie konnten bei den Kommunalwahlen in Isfahan nur drei von elf, in Tabriz nur vier von sechzehn und in Qom nur einen von neun Sitzen gewinnen. In Teheran reichte es für vier Sitze.

Profitiert haben von dieser Entwicklung aber nicht in erster Linie die Reformer, sondern moderate Konservative und zum Teil auch Radikale, die aber Ahmadinejad ablehnen.

Die hohe Zahl von Stimmen für den ehemaligen Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafsanjani signalisiert sicher gegenüber den Präsidentschaftswahlen, bei der er in der Stichwahl gegen Ahmadinejad verlor, einen Stimmungswechsel, aber man sollte ihn auch nicht überbewerten. Unter den Kandidaten bei den Wahlen zum Expertenrat in Teheran hatte er den höchsten Bekanntheitsgrad. Rafsanjani nun als Stimme der Reform zu charakterisieren, ist vielleicht ein wenig übereilt. Er IST das System – nur die moderatere Variante.

Was andere schreiben: Bahman Nirumand in der TAZ sieht in dem Wahlergebnis eine „Ohrfeige für die Radikalislamisten“, Gareth Smyth glaubt in der FT, das Ergebnis werde wohl zu einigem Nachdenken an der Spitze des iranischen Machtapparates führen, die BBC sieht einen „Schlag“ für Ahmadinejad. Die Reformer halten laut Reuters (wir wundern uns nicht) das Ergebnis für einen „entscheidende Niederlage“ für Ahmadienajd, die NYT hält es für einen „bedeutenden Rückschlag“. Robert Tait schreibt im Guardian von einer „Peinlichkeit“ für den Ahmadinejad-Block.